Eidesstattliche Erklärung
Hiermit erkläre ich ehrenwörtlich, dass ich die vorliegende Arbeit selbständig angefertigt,
andere als die angegebenen Quellen nicht benutzt und die den benutzten Quellen wörtlich
oder inhaltlich entnommenen Stellen als solche kenntlich gemacht habe.
Rainer Müller
Danksagungen
Der Verfasser bedankt sich bei der Stadt Graz, insbesondere bei meinem Betreuer Herrn Dipl.-Ing. Dr. Winfried Höpfl, Referatsleiter für Verkehrslichtsignalanlagen des Straßenamtes Graz, und Herrn Dipl.-Ing. Thomas Fischer, Referatsleiter für Verkehrsplanung der Stadtbaudirektion Graz, welche diese Arbeit erst ermöglichten. Besonderer Dank gilt den beiden oben genannten Herren für ihre wertvollen Anregungen und Hilfestellungen in der Konzeptionsphase dieser Arbeit. Durch ihre langjährige Erfahrung wurden sie für mich zu einer unerlässlichen Quelle während der gesamten Arbeit.
Seitens dem FH JOANNEUM bedanke ich mich bei Herrn FH-Prof. Dr. Michael Bobik und Herrn FH-Prof. Dipl.-Ing. Hans-Georg Frantz für die fachliche Unterstützung bei der vorliegenden Arbeit und während des gesamten Studiums.
Seite iv
Inhaltsverzeichnis
Eidesstattliche Erklärung ii
Danksagungen iii
Inhaltsverzeichnis iv
Abbildungsverzeichnis vii
Tabellenverzeichnis ix ix
Kurzfassung x
Abstract xi
1 Einleitung 1
2 Grundlagen 4
2.1 Verkehrssysteme 4
2.1.1 Straßennetze 5
2.1.2 Verkehrsbezirke 6
2.1.3 Verkehrssystemmanagement 9
2.1.3.1 Entwicklungsziele 9
2.1.3.2 Konzept 10
2.1.3.3 Bausteine 13
2.2 Vorteile und Nachteile des Pkw 14
2.3 Städtischer Verkehr 15
2.4 Verkehrsleitsysteme im Individualverkehr 17
2.4.1 Datenerfassung und Technik 21
2.4.1.1 Datenerfassung 21
2.4.1.2 Technische Ausrüstung 22
2.4.1.2.1 Detektoren 22
2.4.1.2.2 Rechnereinsatz 22
Seite v
2.4.1.2.3 Kabeltrassen 22
2.4.1.2.4 Verkehrsleitzentrale 22
2.4.1.2.5 Anzeigetafeln 22
2.5 Wechseltextanzeigen und Wechselverkehrszeichen 23
2.5.1 Definition und historische Entwicklung 23
2.5.2 Bauarten 25
2.5.2.1 Geräte mit mechanischem Zeichenwechsel 25
2.5.2.2 Geräte mit lichttechnischem Zeichenwechsel 26
2.5.2.3 Wahl der Bauart 28
2.5.3 Zeicheninhalte 28
2.5.4 Funktionsanforderungen 31
2.5.5 Wechseltextanzeigen 31
2.5.6 Zusammenfassung 33
3 Verkehrsmanagement in Graz 34
3.1 Das Grazer Straßennetz 35
3.1.1 Hauptstraßen 35
3.1.2 Nebenstraßen 36
3.2 Tempo 30 37
3.3 Modal Split 39
4 Routenauswahl 41
4.1 Verkehrsstärkeplan 41
4.2 Verkehrsbeziehungen 44
4.2.1 Verkehrsbedürfnis 44
4.2.2 Verkehrsaufkommen 44
4.2.3 Verkehrsbeziehung der Fahrten 45
4.3 Verkehrsstrommatrix 46
4.4 Routenwahl aus Sicht der Verkehrsteilnehmer 47
4.4.1 Umfrage 47
4.4.2 Umfrageergebnis 48
Seite vi
4.5 Zielkategorien 51
4.5.1 Zielkategorie 1 51
4.5.2 Zielkategorie 2 53
4.5.3 Zielkategorie 3 53
5 Standorte der Wechseltextanzeigen 55
5.1 Standortdefinition 56
5.2 Standortranking 56
5.3 Standortvarianten 58
5.4 Wirkungsgrad 61
5.5 Chancen und Risiken des Routeninformationssystems 62
6 Im Einsatz befindliche Systeme 64
6.1 Dresden 64
6.2 Köln 67
6.3 München 69
6.4 Nürnberg 73
6.5 Hannover 76
6.6 Europäische Systeme 79
6.7 Wien/ Niederösterreich 81
7 Zusammenfassung und Ausblick 83
Anhang I I
Abkürzungsverzeichnis III
Literaturverzeichnis IV
Seite vii
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 : Straßentypen 5
Abbildung 2 : Verkehrsbezirke Stadt Graz 7
Abbildung 3 : Zusammenfassung der Verkehrsbezirke zu Verkehrsgebieten 8
Abbildung 4 : Bausteine des Konzeptes für ein Verkehrssystemmanagement 11
Abbildung 5 : Zielkatalog für innerstädtische Verkehrsleitsysteme 20
Abbildung 6 : Bauarten mechanischer Wechselverkehrszeichen 25
Abbildung 7 : Bauarten lichttechnischer Wechselzeichengeber 27
Abbildung 8 : Substitutive Wechselwegweisung 29
Abbildung 9 : Additive Wechselwegweisung 30
Abbildung 10 : Überkopf Wechseltextanzeige Osnabrück 32
Abbildung 11 : Entwicklung des PKW-Bestandes in Graz und Graz-Umgebung 35
Abbildung 12 : Modal Split für die Bezirke Graz und Graz-Umgebung 39
Abbildung 13 : Entwicklung des Modal Split in Graz 40
Abbildung 14 : Ausschnitt aus dem Verkehrsstärkeplan des Landes Steiermark 42
Abbildung 15 : Hauptverkehrsnetz der Stadt Graz 43
Abbildung 16 : Beispiel einer Verkehrsstrommatrix 46
Abbildung 17 : Kriterien der Routenwahl der Verkehrsteilnehmer 48
Abbildung 18 : Unterschiede in der Routenwahl zwischen Männern und Frauen 50
Abbildung 19 : Zielkategorie 1 Übergeordnete Zielregionen 52
Abbildung 20 : Die Verkehrsziele eingeteilt nach Zielkategorien 54
Abbildung 21 : Ermittelte Standorte der Wechseltextanzeigen 60
Abbildung 22 : Das Systemkonzept von VAMOS 65
Seite viii
Abbildung 23 : Dynamische Wegweisung Dresden 66
Abbildung 24 : Beispiele von Anzeigen des stadtinfoköln 68
Abbildung 25 : Alternativroutensteuerung 71
Abbildung 26 : Graphische Informationstafel 71
Abbildung 27 : Störfallmanagement am Beispiel Tunnelsperrung 72
Abbildung 28 : Wegweisungskonzept des VLS Nürnberg 74
Abbildung 29 : Additive Wechselwegweisung in Hannover 77
Abbildung 30 : Wechselwegweiser auf den Einfahrtsstraßen 78
Abbildung 31 : Geplante Verkehrsbeeinflussungsanlagen im ASFINAG Straßennetz 82
Abbildung 32 : Trendsetter-Logo 83
Abbildung 33 : Systemarchitektur des Verkehrsmanagementsystems von Graz 86
Seite ix
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1 : Längenbilanz des Grazer Straßennetzes ohne Autobahnen 37
Tabelle 2 : Mittlerer Schätzwert für die Aufteilung der Kfz-Verkehrsleistung 38
Tabelle 3 : Ausschnitt aus dem Standortranking 58
Tabelle 4 : Übersicht über die Standortvarianten der Wechseltextanzeigen 61
Tabelle 5 : Standortranking der Wechseltextanzeigen I
Tabelle 6 : Kreuzungsnamen und -nummern der Wechseltextanzeigen II
Tabelle 7 : Zeichenerklärung II
Kurzfassung
Ineffiziente Routenwahl der Kraftfahrer verursacht zumeist eine Steigerung der Länge des Fahrweges sowie eine Steigerung der Reisezeit. Der Grund für diese ineffiziente Routenwahl der Kraftfahrer ist fehlendes Wissen über Alternativrouten oder den momentanen Verkehrszustand des Straßennetzes. Versorgt man die Kraftfahrer mit diesen Informationen, sollte eine effizientere und somit auch zeitsparende Wegewahl möglich sein.
Moderne Verkehrsleitsysteme können mit Hilfe von dynamischen Wechseltextanzeigen dazu beitragen, den Verkehrsfluss auf den heute schon oft überlasteten Stadtstraßen aufrecht zu erhalten, auch bei einem zu erwarteten steigenden Verkehrsaufkommen in der Zukunft.
Diese Arbeit beschreibt die grundlegenden Schritte der Planung, Ausarbeitung und Implementierung eines Routeninformationssystems für die Stadt Graz, welches im Rahmen des EU-Projektes „Trendsetter“ in das Gesamtverkehrsmanagementsystem von Graz integriert werden soll.
Besonderes Hauptaugenmerk wird in dieser Arbeit auf die Frage gelegt, ob und wie sich Kraftfahrer überhaupt beeinflussen lassen. Dazu wurde eine Umfrage über das Routenwahlverhalten der Kraftfahrer durchgeführt, um die wichtigsten Kriterien für die individuelle Wegewahl zu erkennen und zu gewichten.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Auswahl der Standorte der Wechseltextanzeigen, welche die Kraftfahrer durch das Grazer Straßennetz leiten sollen.
Schlussendlich werden noch die Chancen und Risiken des Routeninformationssystems beleuchtet sowie ein Ausblick über die weitere notwendige Untersuchungen gegeben.
Abstract
Inefficient route choices of car drivers lead to an increase in route length and an increase in travel time. The reason for these inefficient route choices are a lack of information about alternative routes or about the current traffic condition of the road network. If the car drivers are supplied with this information, an efficient and time saving route choice should be possible.
Modern traffic guidance systems, based on variable message signs, can help to sustain the traffic flow on already overburdened roads, even if traffic is increasing in the future.
This diploma thesis describes the basic steps of planning, elaboration and implementation of a route information system for the city of Graz, which should be integrated into the traffic management system of Graz in the context of the EU project “Trendsetter”.
A key part is to answer the question if and how car drivers can be influenced. For this reason a survey about the route choice was carried out to recognise and classify the most important criteria of individual route choice.
Another important point is the selection of the locations of the variable message signs, which should guide the car drivers through the road network of Graz.
Finally the chances and risks of the route information systems will be investigated and an outlook about additional necessary work will be given.
Kapitel 1 - Einleitung Seite 1
1 Einleitung
Sowohl die „Verkehrsüberwacher“ (Verkehrsplaner, Gemeinden usw.) als auch die Kraftfahrer selbst sind auf der Suche nach dem optimalen Verkehrsweg. Eine falsche Routenwahl und falsche Zeiteinteilung des Verkehrsweges führen zu Staus, unnötiger Umweltbelastung, längeren Fahrwegen und längeren Reisezeiten. Eine Studie von King (1986) und King & Mast (1987) 1 hat ergeben, dass, wenn die Kraftfahrer perfekte Informationen über den Verkehrszustand des Straßennetzes (Staus, Umleitungen) erhalten, sie die Route wählen, die die Reisezeit minimiert. King hat auch herausgefunden, dass die individuelle Routensuche ohne zusätzliche Informationen eine sechsprozentige Steigerung der Fahrweglänge und zwölfprozentige Steigerung der Reisedauer zu Folge hat. Der Grund für diese ineffiziente Routenwahl ist die fehlende Information über Alternativrouten oder den momentanen Verkehrszustand des Straßennetzes. Wenn man den Kraftfahrern also diese Informationen zur Verfügung stellt, sollte eine effizientere Routenwahl von ihrer Seite möglich sein.
Wenn das Routeninformationssystem Reisezeiten und -wege optimieren kann, sollte es auch die Stausituation und die damit verbundenen Umweltbelastungen verbessern. Trotzdem muss eine Reduzierung der Reisezeit nicht auch unbedingt eine Reduzierung der Weglänge zur Folge haben. Eine Stauumfahrung, die zwar streckenmäßig länger ist als der direkte Weg, kann durch die Umfahrung des Staus zeitlich kürzer sein.
Als Kraftfahrer wiederum steht man vor folgender Situation:
Auf dem Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen steht man plötzlich im Stau und der erste Gedanke ist: „Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich anders gefahren.“
Genau bei diesem Gedanken setzt diese Diplomarbeit an: Der Arbeitsplatz oder das Shopping Center (das Ziel) ist vom Ausgangspunkt (der Quelle) zumeist auf mehreren
1 Mede [Traffic Information 1993] S.7
Kapitel 1 - Einleitung Seite 2
verschiedenen Routen erreichbar. Der gewöhnliche Autofahrer wählt für diese Quelle-Ziel Beziehungen zumeist denselben Weg; die Gründe dafür sind unterschiedlich. Ob nun aus Gewohnheit, oder weil man diesen Weg am besten kennt, weil er der schnellste ist oder weil man dadurch immer an der Lieblingsbäckerei vorbeikommt, es spielt eigentlich keine Rolle. Denn wenn man auf diesem gewohnten Quelle-Ziel Weg plötzlich im Stau steht, wird der „Lieblingsweg“ plötzlich zu der Route, auf der „sowieso nie etwas weitergeht“ und auf der „ja immer so viel Verkehr ist“.
Doch was wäre, wenn man bei der vorherigen Kreuzung gewusst hätte, dass 500 Meter weiter ein Stau ist, der wieder einmal daran schuld ist, dass man zu spät ins Büro kommt? Hätte man dann nicht vielleicht doch den anderen etwas weiteren Weg genommen, der dafür aber frei befahrbar ist? Wahrscheinlich schon, aber man hätte es wissen müssen…
Wie jedoch gelangen die Informationen über Verkehrsbehinderungen zum Autofahrer? Über das Radio, doch wer hört schon die ganze Zeit Radio beim Autofahren, und dann auch noch den gleichen Sender. Außerdem übermittelt das Radio Verkehrsnachrichten nur in einer Frequenz von 30 Minuten, was vor allem für kurze Strecken viel zu selten ist. Weiters kann auch nicht jeder Stau im Radio übermittelt werden, das wäre viel zu zeitaufwendig.
Die zweite Möglichkeit sind Navigationssysteme in Autos, die heutzutage auch schon mit Stauinformationen gespeist werden können und dann eine Ausweichroute vorschlagen. Jedoch ist dieses Mittel viel zu kostspielig für die meisten Autofahrer und wer benützt schon sein Navigationssystem für den täglichen Weg zur Arbeit? Zusätzlich ist die Verbreitung von Navigationssystemen viel zu gering, waren doch im Jahr 2002 gerade 7% aller in Deutschland zugelassenen PKW’s 2 damit ausgerüstet und von den Neuzulassungen sind auch nur 9% 3 damit ausgestattet. Dieser Wert ist sicherlich auch auf Österreich umlegbar.
Dadurch bietet sich als dritte Möglichkeit der Einsatz einer Routeninformation direkt an der Straße. Möglich wird dies durch Wechselverkehrszeichen und Wechseltextanzeigen. Die
2 Quelle: Partner Research Hamburg, Umfrage im Frühjahr 2002
3 Quelle: CAI-Leasing GmbH in „CAI Aktuell III/2002“
Kapitel 1 - Einleitung Seite 3
Fragen sind allerdings: Was sind eigentlich Routen und wie findet man sie? Lassen sich die Autofahrer überhaupt beeinflussen? Und wenn, an welchen neuralgischen Punkten in einem Verkehrsnetz ist es sinnvoll über Staus und Alternativrouten zu informieren? Welche Informationen sind für den Autofahrer relevant, da kaum auf jedes individuelle Fahrziel Rücksicht genommen werden kann?
Die Beantwortung dieser Fragen und die wissenschaftlichen Hintergründe und Ableitungen der damit verbunden Themengebiete sind Inhalt dieser Diplomarbeit.
Kapitel 2 - Grundlagen Seite 4
2 Grundlagen
Wie in der Einleitung beschrieben ist es das Ziel dieser Arbeit, die optimalen und sinnvollen Standorte für Wechseltextanzeigen zur Routenbeeinflussung im Stadtgebiet von Graz zu ermitteln. Diese Wechseltextanzeigen sollen dazu dienen, Autofahrern Alternativrouten zu ihrer ursprünglichen Streckenwahl anzubieten, falls diese durch Staus, Unfälle, Baustellen oder dergleichen nur erschwert passierbar sind.
Für diese Standortsuche sind einige Informationen über das Verkehrsnetz sowie den Netzzustand von Nöten, die in den folgenden Unterkapiteln beschrieben werden.
2.1 Verkehrssysteme
Das Systemdenken ist im Verkehrswesen sehr wichtig. Diese Betrachtungsweise hat ihren Ursprung in der Biologie und wurde von dort in die Wirtschaftswissenschaften übernommen. Man versteht allgemein unter einem System eine Menge von miteinander in Beziehung stehenden Elementen. Kennzeichnend für das Systemdenken ist die ganzheitliche Betrachtungsweise. Weiters hat man herausgefunden, dass für die Erklärung der Ganzheit die Erklärung ihrer Elemente nicht ausreicht. Vor allem muss man die Beziehungen zwischen den Elementen erklären können.
Das Systemdenken ermöglicht somit das Erkennen von Zusammenhängen, die man sonst nur sehr schwer oder überhaupt nicht erkannt hätte. Die Entscheidung bezüglich eines Systemelementes hat nur noch unter dem Aspekt seines Beitrages zur Leistung des ganzen Systems zu erfolgen. 4
4 Vgl. Pfohl [Logistiksysteme 2000] S.28
Kapitel 2 - Grundlagen Seite 5
„Verkehrssysteme werden gebildet aus den Verkehrsmitteln, mit Fahrzeugen und Fahrwegen, sowie den Beziehungen und den Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Teilen der Verkehrsmittel untereinander.“ 5
2.1.1 Straßennetze
Die Straße ist zugleich Lebensraum und Verkehrsraum: An Straßen wird gewohnt und gehandelt, auf Straßen werden Wohnungen erschlossen und Geschäfte beliefert, durch Straßen fließt der Verkehr. In der Verkehrsplanung spricht man von Aufenthalts-, Erschließungs- und Verbindungsfunktionen.
Einerseits um ein Zurechtfinden (Orientieren) im Straßennetz zu ermöglichen, andererseits um ruhige Wohnstraßen in Abgrenzung zu Verkehrsachsen und Geschäftsstraßen zu schaffen, hat sich eine Hierarchie im Straßennetz gebildet. Hauptstraßen (Hauptverkehrsstraßen, Verkehrsstraßen) und Nebenstraßen (Sammelstraßen,
Anliegerstraßen) bilden ein städtisches Netz mit kräftigen (d.h. stark vom Verkehr belasteten) Verkehrsachsen und dazwischen gehängten dünneren Straßen, die ein so genanntes Environment bilden - einen Bereich, der möglichst weitgehend vom Autoverkehr entlastet sein soll.
An den Wohnungen beginnen die Anliegerstraßen, die vor allem dem Aufenthalt dienen -Anliegerstraßen münden in Sammelstraßen (Gebietserschließung), die dann von Verkehrs- 5 Quelle:FH-Prof. DI Frantz Hans-Georg, FH Joanneum Kapfenberg, Studiengang Infrastrukturwirtschaft
6 Füsser [Stadt 1997] S.116
Kapitel 2 - Grundlagen Seite 6
oder Hauptverkehrsstraßen aufgenommen werden. Je stärker eine Straßenachse verkehrsmäßig belastet ist, umso stärker ist ihre Verbindungsfunktion, auch wenn an jeder bebauten Straße ebenfalls Erschließung und Aufenthalt stattfindet. Die Übergänge zwischen diesen Straßentypen sind fließend; es gibt Zwischenstufen (Hauptsammelstraßen) und Straßen/Wege jenseits der Anliegerstraßen (Wohnwege) und jenseits der Hauptverkehrsstraßen (Stadtautobahnen).
2.1.2 Verkehrsbezirke
Um Untersuchungen aus verkehrsplanerischer Sicht zu ermöglichen, ist eine Zuordnung der Quellen und Ziele des fließenden Verkehrs zu bestimmten regionalen Einheiten erforderlich. Diese müssen bezüglich ihrer Lage im Verkehrsnetz eindeutig fixiert sein, da nur so eine Beschaffung von räumlich orientierten Informationen und Daten für Analyse und Prognose der Verkehrssituation möglich ist. Diese regionalen Bezugseinheiten werden als Verkehrsbezirke bezeichnet und deren Grenzen bilden in der Regel natürliche und bauliche Einschnitte (z.B. Flüsse, Eisenbahntrassen, Hauptnetzstraßen u. a.).
Kapitel 2 - Grundlagen Seite 7
Das Grazer Stadtgebiet ist in insgesamt 110 Verkehrsbezirke unterteilt, die ausschnittsweise in Abbildung 2 ersichtlich sind.
Da für den konkreten Planungsfall eine derart genaue Gliederung aber nicht von Nöten ist, wurden die Verkehrsbezirke sinnvoll zu größeren Verkehrsgebieten zusammengefasst.
7 Quelle: Verfasser mit Daten der Stadtbaudirektion Graz, Referat Verkehrsplanung
Kapitel 2 - Grundlagen Seite 8
Um dem Ziel eines sinnvollen Routeninformationskonzeptes entsprechen zu können, wurde dabei ein Hauptaugenmerk auf wichtige Straßenzüge und Verkehrsziele gelegt. Das Ergebnis dieser Zusammenfassung der Verkehrsbezirke zu Verkehrsgebieten ist in Abbildung 3 ersichtlich.
Abbildung 3: Zusammenfassung der Verkehrsbezirke zu Verkehrsgebieten 8
So wurden aus den ursprünglichen 110 Verkehrsbezirken (grüne Linien) 16 zusammengefasste Verkehrsgebiete (violette Linien), die dem Ziel dieser Diplomarbeit vollkommen genüge tun.
8 Quelle: Verfasser
Kapitel 2 - Grundlagen Seite 9
2.1.3 Verkehrssystemmanagement
Ein Verkehrssystemmanagement (VSM) im Sinne des aktuellen Managements des täglichen Verkehrs baut zumeist auf den vorhandenen Teilsystemen auf. Diese sind meist sehr zahlreich vorhanden. Es ist jedoch notwendig, vor der Analyse der Teilsysteme und deren möglicher Potentiale das Gesamtanforderungsprofil und das grundlegende Konzept zu entwickeln.
2.1.3.1 Entwicklungsziele
Im Vordergrund stehen dabei als erster Schritt die Entwicklungsziele, die ein VSM erfüllen muss:
• aktuell und dynamisch
• flexibel
• politikneutral
• verlässlich und zuverlässig
• öffentlich
• modularer Aufbau
Aktuell und dynamisch:
Notwendig sind eine kurzfristige und kontinuierliche Erfassung des Verkehrszustandes, eine Kurzfristprognose des zu erwartenden Verkehrszustandes am Analyseort, aber auch am Zielort, und eine Bewertung des Gesamtzustandes.
Flexibel:
Das VSM soll so aufgebaut sein, dass es durch unterschiedliche Maßnahmenpakete gesteuert werden kann. So ist es z.B. notwendig, dass ein VSM sich auf Situationen wie Messeverkehr, klassischen Spitzenverkehr in der Rush-hour, Sonderveranstaltungen, Einkaufsverkehr, Smog etc. einstellen kann. Für diese unterschiedlichen Verkehre sind verschiedene Maßnahmenpakete notwendig.
Quote paper:
DI (FH) Rainer Müller, 2003, Dynamische Routeninformation im städtischen Umfeld am Beispiel Graz, Munich, GRIN Publishing GmbH
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