([LVWHQ] GHU VWULNWHQ 8QWHUGUFNXQJ GXUFK GLH 5HJLHUXQJ GLH ]XU Ä9HUILQVWHUXQJ³ intellektueller Aktivitäten und aufgrund von Angst und Misstrauen unter den Menschen zur Verschlechterung persönlicher Beziehungen und somit zu Einsamkeit führte. Die Lebenswelt zu dieser Zeit, in der die Gesellschaft in Gewinner bzw. Verlierer des Bürgerkriegs gespalten wurde, kann als grausam und feindlich beschrieben werden. Die weit verbreitete Arbeitslosigkeit ging mit einer hohen Armutsrate einher, welche zwangsläufig zum täglichen Überlebenskampf führte. So war der Alltag der spanischen Gesellschaft sehr von Resignation und Perspektivlosigkeit geprägt, der kaum Hoffnung oder gar Wünsche aufkommen ließ.
Schwerpunkt folgender Arbeit ist die Analyse der vorherrschenden Alltagsrealität Madrids zur Nachkriegszeit des Bürgerkriegs. Wie sah diese damals aus? Wie wird sie in La colmena dargestellt? Mit welchen Mitteln setzt Cela sie erzähltechnisch um? Im Folgenden werde ich mich insbesondere im ersten Kapitel auf die Suche nach Antworten auf diese Fragen machen.
Abbildung der Alltagsrealität Madrids zur Nachkriegszeit des Bürgerkriegs am Beispiel des 1. Kapitels
Das Besondere an Celas La colmena ist zweifelsohne seine Struktur: Der Roman besteht aus sechs Kapiteln und einem Epilog, wobei jedes Kapitel eine bestimmte Anzahl an fragmentarischen Geschehensabläufen, jedoch keinen konkreten Handlungsverlauf aufweist, so dass sich dieser in eine Vielzahl von kleinen Anekdoten aufsplittet. Die Gesamtmenge der durchkreuzten Lebensläufe in diesen ist - bezogen auf den Titel La colmena - Der Bienenkorb - mit den Zellen eines solchen vergleichbar. Das Ergebnis, ein geordnetes Durcheinander, ergibt sich (erst) aus der Summe der Einzelnen. Die Raum- bzw. Zeitkomponenten dagegen sind auf ein Minimum reduziert, d.h. der gesamte Roman spielt an nur drei Tagen im Dezember 1943 in derselben Stadt (Madrid), meist sogar am selben Ort (Café der Doña Rosa). Im ersten Kapitel wird dieses Café und die Hauptpersonen des Werks, die größtenteils der unteren Mittelschicht angehören, vorgestellt.
Ein zentrales und konstantes Motiv in der erzählten Welt von La colmena ist der Hunger. Beispiele hierfür finden sich bereits LPHUVWHQ.DSLWHOÄ/DVHñorita Elvira lleva una vida perra, una vida que, bien mirado, ni merecería la pena vivirla. No hace nada, HVRHVFLHUWRSHURSRUQRKDFHUQDGDQLFRPHVLTXLHUD³&HOD6IXQGÄLo malo es que lo que cae suele ser de pascuas a ramos, y para eso, casi siempre de
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GHVHFKRGHWLHQWD\GHIHFWXRVR³&HOD6Im Fall der jungen Frau Elvira wird deutlich wie nahe Hunger, Arbeitslosigkeit und Krankheit miteinander verbunden sind. Es entsteht eine Abhängigkeit der Hungerleidenden von deren Umgebung, die desöfteren in Erniedrigung endet. Als ein Gast im Café der Doña Rosa einmal nicht EH]DKOHQ P|FKWH E]Z NDQQ HUUHJW GLHVHU 8PVWDQG VRIRUW 0LWOHLG EHL (OYLUD Ä3REUH chico! A lo mejor no ha comido en todo el día, doña RosD³ &HOD 6 An anderer Stelle wird die alltägliche Präsenz des Hungers bei den Armen von Doña Rosa VRJDU DOV 6FKLPSIZRUW JHEUDXFKW Ä3RU TXLpQ QRV KD WRPDGR HVH PXHUWR GH KDPEUH"³ (Cela 2007, S. 90). Ein verärgerter Kellner wünscht diesen seiner Vorgesetzten sogar: Ä£8VXUHUD £*XDUUD £4XH WH FRPHV HO SDQ GH ORV SREUHV³ &HOD 6 Ein ZHLWHUHV %HLVSLHOIUGLH9HUZHQGXQJGHV:RUWIHOGHVÄ+XQJHU³LVWLQHLQHP6DW]GHU die Person Rosas charakterisiert, zu finden. ,QGLHVHPZLUGVLHDOVÄOa imagen misma de OD YHQJDQ]D GHO ELHQ QXWULGR FRQWUD HO KDPEULHQWR³ YJO &HOD 6 EH]HLFKQHW Die zahlreiche und verschiedene Verwendung diesen Wortfelds unterstreicht stark dessen Omnipräsenz im Alltag der spanischen Gesellschaft in dieser Zeit. Dadurch, dass das Kriegsende noch nicht lange zurückliegt, wird das Leben der Menschen unter der Diktatur von Gewalt und Terror überschattet. In den Köpfen der Menschen überwiegt daher verständlicherweise eine gewisse Feigheit und Unterwerfung, die die geringsten Andeutungen von Widerstand verhindern. Sie fürchten verurteilt zu werden, wenn sie ihre Meinung kundtun, also geschieht dies verstärkt in 6HOEVWJHVSUlFKHQ RGHU7UlXPHQ Ä(Q HO &DIp GH 'RxD 5RVD WRGRV IXPDQ \ ORV PiV meditan, a solas sobre las pobres, amable, entrañables cosas que les llenan o les vacían ODYLGDHQWHUD³YJO&HOD6
Die Hoffnungslosigkeit nach dem Bürgerkrieg, die vor allem durch die Perspektivlosigkeit hervorgerufen wird, einhergehend mit der sich immer mehr verbreiteQGHQ5HVLJQDWLRQZLUGLQGHQIROJHQGHQ6lW]HQGHXWOLFKÄ/RVFOLHQWHVGHORV cafés son gentes que creen que las cosas pasan porque sí, que no merece la pena poner UHPHGLRDQDGD³RGHUDXFKÄSLHQVDQORVFOLHQWHVYDJDPHQWHHQHVHPXQGRHQHOTXH todo ha ido fallando poco a poco, sin que nadie se lo explicase, a lo mejor por una PLQXFLD LQVLJQLILFDQWH³ YJO &HOD 6 Bildlich wird diese Resignation durch GLH*HVWLNGHU3HUVRQGHV'RQ-DLPHGHXWOLFKÄ'RQ-DLPHSRQHXQPXQGDQRJHVWRGH resignación³&HOD6(LQZHLWHUHU$VSHNWGHULP$OOWDJ]XMHQHP=HLWSXQNW innerhalb der spanischen Gesellschaft auszumachen war, ist die Monotonie, die - hier als Gedanken des Cafébesuchers Don Jaimes - ]XU*HZRKQKHLWZXUGHÄ7DV7DVWDV\
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así toda la
YLGDGtD\QRFKHLQYLHUQR\YHUDQRHOFRUD]yQ³&HOD6+LHULVW
zwar vom immer gleichmäßigen Schlagen des Herzens die Rede, doch dieser Gedanke kann auf das damalige Lebensgefühl übertragen werden, das selbst bei den Kindern keinen Halt zu
PDFKHQVFKHLQWÄ6RQGRVQLxRVRUGHQDQFLVWDVFRQVHFXHQWHVGRVQLxRV
que juegan al tren aunque se aburren como ostras, porque se han propuesto divertirse y,
SDUDGLYHUWLUVHVHKDQSURSXHVWRSDVHORTXHSDVHMXJDUDOWUHQGXUDQWHWRGDODWDUGH³
(...)
ÄViguen
jugando al tren sin fe, sin esperanza, incluso sin caridad, como cumpliendo
XQSHQRVRGHEHU³YJO&HOD6Diese
Monotonie lässt sich zum Teil durch die Unsicherheit der Menschen in Bezug auf ihre Ziele und Vorhaben erklären. Sie wissen nicht wohin sie gehen sollen und was ihre Bestimmung sein könnte, also ändern sie
QLFKWV DQ LKUHU 6LWXDWLRQ 'DV YRU DOOHP GXUFK GLH 6SDOWXQJ LQ GLH ÄGRV (VSDxDV³
hervorgerufene Misstrauen unter den Menschen, wird in folgenden Beispielen deutlich:
Ä&ODURTXe
hay mucho mangante y mucho desaprensivo, ésa es la verdad. Si se pudiera
GLVWLQJXLU³&HOD6Ä1RVDEHXQRQXQFDFRQTXLpQWURSLH]D³&HOD6 'LH0HLQXQJGLH'RxD5RVDH[SOL]LWlXHUWLVWIROJHQGHÄ(QFXDQWRXQDVHFRQItD
ya esWiQ
DEXVDQGR³ &HOD 6
Dieses Misstrauen führt zu einem Kommunikationsmangel bei den Personen untereinander. Betrachtet man die Situationen jedoch näher, so stellt man fest, dass die Figuren physisch
und
geistig einsam sind. Sogar diejenigen, die nähere Verwandte oder Nachbarn um sich haben,
OHEHQLP ,QQHUHQDOOHLQ RKQHÄULFKWLJH³PHQVFKOLFKH %H]LHKXQJHQ6RWUHIIHQVLHVLFK
zwar in den Bars und Cafés von Madrid, sprechen dann jedoch nur über gehaltlose Dinge. Zur Verdeutlichung sei hier ein Auszug (von vielen) aus einem Gespräch
DQJHIKUWÄ£%XHQSXURVHHVWiXVWHGIXPDQGRDPLJR³
-
Ä6tQRHVPDORPLGXURPH FRVWy³- Ä¢8QGXURQDGDPiV"3DUHFHORPHQRVGHVLHWHSHVHWDV³-
Pues no: un duro y
WUHLQWDGHSURSLQD
Wie auch aus letztem Beispiel ersichtlich, sind Alkohol und Tabak ständige Begleiter der Madrider Bevölkerung. Durch die Sucht versuchen die Menschen ihre wenig aussichtsreichen Zukunft im Alltag besser zu ertragen (hier ist Doña Rosa gemeint): ÄFuma tabaco de noventa, cuando está a solas, y bebe ojén, buenas copas de ojén, desde TXHVHOHYDQWDKDVWDTXHVHDFXHVWD³&HOD6An dieser Stelle sei auch noch HLQPDO GDV VFKRQ HLQPDO ZHLWHU REHQ HUZlKQWH =LWDW JHQDQQW Ä(Q HO &DIp GH 'Rña Rosa, todos fuman y los más meditan, a solas sobre las pobres, amable, entrañables FRVDVTXHOHVOOHQDQROHVYDFtDQODYLGDHQWHUD³YJO&HOD6
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Arbeit zitieren:
Sandra Wackenhut, 2009, Abbildung der Alltagsrealität Madrids zur Nachkriegszeit des Bürgerkriegs in "La colmena" von Camilo José Cela, München, GRIN Verlag GmbH
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