Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Verschiedene Erklärungsansätze für Aggressionstheorien 4
2.1.1 Lorenz und seine Aggressions- und Frustrationshypothese 4
2.1.2 Freuds Aggressionstheorie 5
2.1.3 Soziobiologische Theorie 5
2.1.4. Die Frustrations- Aggressions- Hypothese (F- A- Theorie) 6
2.1.5. Die sozial-kognitive Lerntheorie 6
3. Das Böse ist gesellschaftsfähig 7
4. Das Gute, wie das Böse ernährt sich durch den Mitmenschen 8
5. Der Anfang des Bösen steckt in den Kinderschuhen 9
6. Erziehung nach dem Holocaust 11
7. Erziehung- die Wahrheit von heute ist der Irrtum von morgen 14
8. Der Mensch wird aggressiv geboren -
gewaltt ätig wird er erst gemacht 15
9. Resümee 17
10. Literaturverzeichnis 18
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Mythos Gewalt: dressierter Lernprozess oder monströse Gene?
„ich wünsche keinem Menschen etwas Böses. Ich kann das nicht, ich weis nicht, wie man das macht…“ Janusz Korczack (eine seiner letzten Tagebucheintragungen im Warschauer Getto, bevor er 1942 mit seinen Schützlingen in Treblinka umgebracht wurde.)
Denken wir an die Schießereien in den Schulen von Littleton (Colorado, USA) oder Erfurt, an die Menschenrechtsverletzungen der diversen Völker im ehemaligen Jugoslawien, an den Guatemaltekischen Bürgerkrieg von 1960 bis 1996, mit Opfern von 150 000 bis 250 000 Menschen, werden wir mit aggressiven Verhaltensweisen konfrontiert. Jene Verhaltensweisen spielen in allen Gesellschaften, sozialen Schichten und im Leben jedes einzelnen Menschen eine wichtige Rolle. Die Psychologen Gelles und Strauss (1995) führen sogar aus: "Sieht man einmal von der Polizei und dem Militär ab, ist die Familie vielleicht die aggressivste soziale Gruppe… “ Tatsächlich spielen sich die Mehrzahl der sexuellen Missbrauchs- sowie Tötungsdelikte im häuslichen Nahbereich ab. Der "unbekannte Fremde" als Täter ist eher die Ausnahme als die Regel. Die Geschichte der Menschheit ist durchzogen von außerordentlicher Grausamkeit und der Mensch scheint im Gegensatz zu den meisten Tieren ein wahrer Killer zu sein. Scheinbar hilflos stehen wir den moralischen Abgründen unserer Bevölkerung gegenüber. Es scheint keine Lösungen mehr für solche Phänomene wie Erfolgsdruck, Beziehungsängste, Null-Bock-Mentalität, Gewalt und Terror zu geben. Unmut und Resignation nehmen immer weiter zu. Eine tägliche Massenschutzimpfung gegen falsche Meinungen wird uns in kleinen Dosen über Fernseh- Radio- und Printmedien verabreicht. Was richtig oder falsch ist, gilt es nicht selbst herauszufinden, sondern wird bereits geliefert. BILD dir deine Meinung! Es zählen nicht die Tatsachen, sondern die über die Tatsachen veröffentlichen Meinungen. Oder, mit Rudolf Augsteins Worten: „Das kapitalistische Pressesystem beruht auf dem unveräußerlichen Grundrecht jedes Kaufmanns, dumme Käufer auszusuchen und noch dümmer zu machen.“ (zit. nach: Der Gewerkschafter, 10/84). Schulen und Universitäten, staatlich überwacht und zensiert, sorgen für die angepasste Verwertbarkeit der Arbeitskraft. Gleichzeitig wird für eine Akzeptanz sozialer Ungleichheit gesorgt, da mehr und mehr auf Entertainment, statt auf kritische Hinterfragung gebaut wird. Die Werbeindustrie gibt ihr Bestes, auch noch den letzten hellen Kopf mit völligem Schund auszufüllen, sodass jeglicher Bezug zur Realität früher oder später verloren gehen muss. Vorschläge, mehr in Filme zu investieren, die aufklärend und weiterbringend wirken, stoßen schnell auf Entrüstung und werden nur allzu gern abgewiesen, mit dem Vorwurf, die „individuelle Freiheit“ einzuschränken. Es werden weder Kosten noch Mühen gescheut, ein Menschenbild zu konstruieren und von wissenschaftlichen Studien evaluieren zu lassen, um die aufgestellten Hypothesen zu vermarkten, warum es eben einfach von Natur aus böse Menschen gibt, die hin und wieder mal „austicken“. Zerstörungsdrang, Machtstreben, Geltungsdrang, Konkurrenzdenken, Eigennutzen, Brutalität, Feindseligkeit, Trägheit, Faulheit, Eifersucht, Rivalität, Missgunst, Verantwortungslosigkeit, Ungerechtigkeit, sind nur einige Beispiele. Moralisch furchteinflößend, jedoch erfolgsgarantiert, wenn man die Absicht hat in einer Konsum- und Leistungsgesellschaft nach oben zu streben. Aktueller denn je ist die Frage, wo die Ursprünge des Bösen im Menschen liegen. Verschiedene Meinungen treffen aufeinander, die Einen behaupten, es wäre Schicksal und suche die Menschen heim, um sie für ihre Sünden zu bestrafen. Ein Beispiel hierfür bildet die Annahme einer bösen Existenz in der Personifizierung des Teufels. Mit derlei Annahmen, wird schnell fatalistischen und absoluten Meinungen Raum geschaffen und die Fähigkeit genommen, eigenverantwortlich und selbstreflektiert zu handeln. Leichtfertig erstickt man so eine Weiterentwicklung des Menschen im Keim. Wie lässt sich diese überaus starke Gewaltbereitschaft gegenüber sich selbst und dem Mitmenschen erklären? Stammt diese aus derselben Quelle wie tierische Aggressionen? Resultiert dies aus einer lediglich kranken
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Gesellschaft als Ganzes oder ist es das Problem einzelner Individuen, die vor lauter „Unangepasstheit“ eines Tages Amok laufen und ihre von Mutter Natur aus angelegten sadistischen Phantasien ausleben?
2. Verschiedene Erklärungsansätze für Aggressionstheorien
Wenn auch der Rahmen der vorliegenden Arbeit nicht gesprengt werden soll, möchte ich nicht darauf verzichten, einige Aggressionstheorien zu nennen und kurz zu erklären. Gegenwärtige Erkenntnisse zu verstehen, wird kaum möglich sein, wenn man die Anfänge nicht kennt. Auch wenn jede Wissenschaft ihren eigenen Forschungsgegenstand hat und ihre eigenen Methoden, die für sie richtungsweisend sind, so muss man jedoch erwarten können, dass trotz verschiedener Standpunkte und angestrebten Zielen, Unterstützung und Wissen ausgetauscht werden.
2.1.1 Lorenz und seine Aggressions- und Frustrationshypothese
„Verhaltensforscher wie Lorenz und Eibl- Eibesfeld sagen dagegen, das Böse käme von hinten. Der Mensch schleppe es aus seinen unlösbaren Instinktbindungen an seine tierischen Vorfahren in seinen Genen von Geschlecht zu Geschlecht mit sich herum.“ (Pilgrim, Dressur des Bösen, S.10). Unter den Psychologen findet das Böse oftmals die Bezeichnung Trieb, welcher in der Seele seinen Wohnsitz hat und von Geburt an da ist. Biologen hingegen erforschten die Zusammenstellung der menschlichen Chromosomen. „Weil man bei männlichen Verbrechern Schwankungen entdeckte und statt XY- wie bei normalen Männern, bei ihnen XYY- oder XXY- Einheiten vorfand“ (Pilgrim, Dressur des Bösen, S.10). Diese Erkenntnisse sind jedoch unzureichend, bedenkt man, dass es genügend Straftäter mit völlig normalen XY- Werten gibt. Diese Thematik in Hinblick auf derlei Konstellationen, welche Anomalien, sowie ungewöhnlich aggressives Potenzial verursachen, wurde auch von Erich Fromm aufgegriffen. In seinem Werk „Anatomie der menschlichen Destruktivität“ ging er bereits u.a. auf die Forschungsergebnisse von P.A. Jacobs 1965 ein. Hierbei ging es um Insassen einer speziellen „Sicherheitsverwahrungsanstalt“, welche wohl als geistig abnormal und besonders gefährlich angesehen wurden. Es stellte sich im Zuge der Untersuchungen heraus, dass 7 der 197 männlichen Insassen eine derartige XYY- Konstitution aufwiesen. (vgl. Fromm, Anatomie der menschlichen Destruktivität, S. 214). Bemerkenswert bei allen Vorstellungen und Vermutungen ist, dass „das Böse“ bereits vorhanden ist. Der Verhaltensforscher Konrad Lorenz, der in seinem klassischen Buch "Das sogenannte Böse" (1963) die arterhaltende Funktion aggressiver Verhaltensweisen herausarbeitete, hat sich im Zuge der Aggressionstheorie die Frage gestellt, was der Grund dafür sei, dass sich die Aggressivität bei dem einen Individuum so und beim anderen so „äußert“. „Offenbar“ muss es am Individuum liegen, lautete seine Schlussfolgerung. Resultat seiner Überlegungen war ein „Dampfkesselmodell“, auch unter dem Begriff „Karthasis Modell“ bekannt. Damit wollte er Menschen mit starkem und schwachem Überdruck unterscheiden und er formulierte folgendes Gesetz: “Wie lange ein Mensch einen Aggressionsstau ertragen kann, wird bestimmt durch die Stärke des Ventils.“ Demnach besitzt jemand ein „schwaches Ventil“, wenn er gleich zuschlägt und ein „starkes“, wenn er sich „beherrschen“ kann. Der Grund für die Wut ist Lorenz zufolge, kein unmittelbar aufgetretenes Ereignis, sondern die Tatsache, dass der angestaute spontane Aggressionstrieb entladen werden will. Die Wut öffnet somit nur das „Ventil“. Der Zusammenhang zwischen menschlichem Gefühlsleben und einem Dampfkessel erschließt sich möglicherweise nicht jedem. Lorenz seine Theorie basiert auf Tierversuchen, in denen er nachweisen konnte, dass die Aggressivität der untersuchten Tiere auch trotz Beseitigung der aggressionsauslösenden Schlüsselreize unverändert hoch blieb. Ein wichtiger Punkt ist jedoch, dass Tiere im Gegensatz zum Menschen keine Lust daran haben, anderen Tieren Lust und Schmerz
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zuzufügen. Tiere töten nicht aus sadistischen Gelüsten heraus. Der Mensch hingegen kann den Wunsch entwickeln, zu zerstören, um des Zerstörens willen. Der Mensch kann Lust daran empfinden, Leben grundlos zu vernichten. Er kann über das Ziel der Selbstverteidigung hinaus, Befriedigung und Lust empfinden am Ausüben von Grausamkeiten, sozusagen eine Art „Blutdurst“ entwickeln. Die Frage die sich immer wieder aufdrängt, ist, warum er das macht und zu welchem Zeitpunkt man genau diese Entwicklung von Lustempfinden oder Gefühlen von Befriedigung bei der Ausübung von Gewalt und Grausamkeiten umkehren kann bzw. verhindern kann. An der Lorenz´schen Aggressions- und Frustrationshypothese wird zudem vorwiegend kritisiert, dass sowohl die von ihm angenommene Analogie tierischer und kultureller Verhaltensmuster, als auch die spontanen Aggressionsimpulse empirisch nicht nachgewiesen und somit eher hypothetischer Natur seien.
2.1.2 Freuds Aggressionstheorie
Freuds Beitrag zur Aggressionstheorie ist wiederum bezeichnend für das volkstümliche Urteil „der Mensch sei schlecht“. Als Angehöriger einer Kriegsgeneration beschäftigte er sich mit folgender Theorie: „Als Sigmund Freud, Begründer der Psychoanalyse, Zeuge unvorstellbarer Grausamkeiten während des 1. Weltkrieges wurde, schrieb er an Albert Einstein, die Ursache für diese Geschehnisse läge darin, daß der Mensch aktive Kräfte zum Töten und Zerstören in sich trage. Freud sah in den aggressiven Handlungen einen Ausdruck des von ihm behaupteten ‚Todestriebes’, den nach seiner Überzeugung alle Lebewesen, Mensch und Tier, besäßen. Die Kräfte dieses Triebes, so meinte er, können (nach innen gerichtet) z.B. als Selbstbestrafung, möglicherweise sogar als Selbstmord, in Erscheinung treten. Wenn sie sich dagegen nach außen richten, ist mit ihrer Äußerung als aggressive, feindliche Verhaltensweise zu rechnen.“ Um 1920 lokalisierte Freud im Es einen Dualismus zweier Primärtriebe, die alles bestimmen würden: den Lebenstrieb (Eros) und den Todestrieb ( Thanatos). Die Wirkung der Primärtriebe wird durch eine Triebenergie bestimmt und Freud bezeichnet diese für den Eros als Libido, hatte jedoch keine entsprechende Bezeichnung für den Thanatos eingeführt. Je größer eine Triebenergie, umso stärker kann sich der Trieb entfalten und seine Wirkung nach außen abgeben. Ist die Triebenergie des Thanatos sehr groß, erzwingt, so Freud, der lebenserhaltende Eros eine Ableitung nach außen. Andernfalls richtet sich die Energie gegen das Subjekt und zerstöre damit seine Existenz. Für Freud entsteht daraus ein Sekundärtrieb: der Aggressionstrieb. Folglich ist Aggression für Freud lediglich eine „Notwehrreaktion“ des Eros (zur Selbsterhaltung) und von der Natur gegeben. Zu bedenken ist jedoch bei dieser Annahme vom Todestrieb im Menschen, dass die aufgestellten Theorien von Freud auch ein Resultat der vorherrschenden Moral seiner Zeit waren. Somit sind jene Auffassungen immer im Zusammenhang zum damaligen Gesellschaftsbild zu setzen. Weitere Kritik an Freuds Aggressionstheorie basiert einerseits auf die fehlende empirische Belegbarkeit, womit sie spekulativ bleibt. Andererseits erscheint die Erklärung für sämtliche Arten von Aggressionen und Gewalteinwirkung mit einem im Menschen angelegten Trieb für die Komplexität dieser Materie unzureichend und fragwürdig.
2.1.3 Soziobiologische Theorie
Hingegen will die Soziobiologie systematisch die biologischen Grundlagen des Sozialverhaltens von Lebewesen erforschen. Es wird angenommen, dass Individuen solche Verhaltensweisen wählen, durch die eine größtmögliche Verbreitung ihrer eigenen Gene gewährleistet ist. Hierbei hat die Weitergabe der Allele oberste Priorität und nicht das individuelle Überleben. Aggression wird hierbei als natürliche Verhaltensweise im Rahmen der Fortpflanzungsstrategie gesehen: Der Auftrag des Mannes heißt demnach, die Weitergabe seiner Gene an möglichst viele Sexualpartnerinnen, während die Frau, sobald sie schwanger und damit die Weitergabe seiner Gene gewährleistet ist, nicht mehr an einer Fortpflanzung interessiert sein könne. Folglich müsse sich der
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Arbeit zitieren:
Yvonne Kohl, 2009, Mythos Gewalt: dressierter Lernprozess oder monströse Gene?, München, GRIN Verlag GmbH
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