Für die Produktion reiner, sauberer Töne ist neben der (Finger-)Technik ein feines musikalisches Gehör unentbehrlich. Natürlich wird es erst nach und nach erworben, so dass es mit den Jahren des Übens perfektioniert werden kann und auch auf andere musikalische Bereiche wie das Singen angewendet werden bzw. dort von hohem Nutzen sein kann. Es trägt sehr zur Perfektionierung der Intonation beim Singens und des Vom-Blatt-Singens bei. Das Violinspiel generell bietet viele Möglichkeiten des Zusammenspiels in den verschiedensten Orchestern und Ensembles, da es heutzutage in nahezu allen Musikgenres vertreten ist.
Geschichtliche Grundlagen der Violine
Das Besondere an der Geschichte der zur Familie der Streichinstrumente gehörenden Violine ist zunächst, dass sie in der Entwicklung der abendländischen Musik eine kaum mit anderen Instrumenten vergleichbar große Rolle spielte. Insbesondere in den Epochen des Barock, der Klassik und der Romantik kann man von einer Vorrangstellung der Violine sprechen. Die viersaitige Violine, wie wir sie heute kennen, entstand in der Mitte des 16. Jahrhunderts in Oberitalien durch den Geigenbauer Amati, seit ungefähr 1600 war sie das bedeutendste Musikinstrument und erst im 20. Jahrhundert stellte man ein allmähliches Zurückgehen der Violine zugunsten der Tasten-und Blasinstrumente fest. Die Violine entwickelte sich aus ihren Vorformen, die in Europa mindestens ins 9. Jahrhundert zurückgehen als Spielmannsinstrument zur Tanz- oder Gesangsbegleitung innerhalb weniger Jahrzehnte schließlich zum Soloinstrument großer Musiker, aber auch in klassischen und modernen Orchestern war und ist sie nicht wegzudenken (vgl. Melkus 1979, S.5). Die Suzuki-Methode
„Musik wirkt unmittelbar auf die Sinne des Menschen, setzt Gefühle frei vermittelt Freude, weckt schöpferische Kräfte. Musik verbindet Menschen miteinander und vermittelt Gemeinschaftserlebnisse“.
„In diesen beiden Sätzen liegen fast alle Gedanken, die bei Shinichi Suzuki zu einer tiefen Überzeugung gewachsen sind, bereits ganz kleine Kinder an die Musik heranzuführen und zu unterrichten“ (Üben und Musizieren, Laugwitz 1996, S. 33).
Seine als Suzuki-Methode bezeichnete Methode der Talenterziehung ist heute weltweit bekannt, sie entstand folgendermaßen:
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Entstehung
Bei einem Deutschlandaufenthalt fiel Suzuki auf, dass es ihm einige Schwierigkeiten bereitet, die deutsche Sprache zu erlernen bzw. zu sprechen, wobei er gleichzeitig von der Leichtigkeit mit der einheimische Kinder sie sprechen, beeindruckt war. Dadurch gelangte er zu der Erkenntnis, dass alle Kinder dazu in der Lage sind, ihre Muttersprache mit Leichtigkeit zu lernen und es dabei in keinem Fall zum Versagen kommen kann.
Diese Erkenntnis lieferte ihm den Ansatz für seine Methode, bei dem er den Weg des spielerischen Lernens durch Nachahmung auf die Violine übertrug. Dieses Prinzip wurde unter dem Namen „Muttersprachen-Methode“ bekannt. Später übertrug Suzuki die Faktoren dieser Methode, auf die ich später noch näher eingehen werde, auf das Erlernen des Violinspiels. So entstand die Suzuki-Methode. Zur Person - Shinichi Suzuki
Shinichi Suzuki gilt als einer der wichtigsten Violinpädagogen des 20.Jahrhunderts. Er wurde 1898 in Nagoya als Sohn des Geigenbaufabrikanten Masakichi Suzuki geboren. Suzuki besuchte zunächst die Nagoya Comercial School um sich anschließend auf das Violinspiel zu konzentrieren; dabei war die Geige in seiner Kindheit nur ein Spielzeug und kein Musikinstrument, was Suzukis Umgang mit dem Instrument nachhaltig prägte. Er brachte sich das Violinspiel im Alter von 17 Jahren mit Hilfe von Schallplattenaufnahmen selbst bei, danach nahm er bei Andô Kô Unterricht. Als er an der Ueno-Akademie abgelehnt wurde, begann er 1919 sein Studium bei Karl Klingler in Deutschland als dessen einziger Privatschüler (persönliche Kontakte führten ihn dorthin). Fünf Monate später kehrte er nach Japan zurück, wo er angeregt durch seine Erfahrungen in Deutschland, erste Ansätze der Suzuki-Methode zu entwickeln begann.
Er gab außerdem Geigenunterricht am Kaiserlichen Konservatorium in Tokyo und gründete zusammen mit drei seiner Brüder das „Suzuki-Quartett“. 1945 gründete er eine kleine Musikschule, die heutige „Talent Education School“, womit er den Beginn der Talenterziehungsbewegung einleitete. Acht Grundprinzipien
Im Folgenden werde ich die acht Grundprinzipien der Muttersprachen-Methode Suzukis und deren Übertragung auf das Erlernen des Violinspiels vorstellen:
1. Niemand ist es leid, ein bestimmtes Wort zu wiederholen, wenn er einem Baby das Sprechen beibringen möchte. Das Wort „Mama“ beispielsweise wird tausende Male wiederholt. Da nach Suzuki Talent nicht angeboren ist, sondern durch Erfahrung und ständiger Wiederholung
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erworben wird, ist ständiges Wiederholen für das Erlernen des Violinspiels essentiell. Dabei betont Suzuki die Einfachheit und Geläufigkeit der ersten Stücke, dies ist z. B. bei dem oft und gerne ausgewählten Lied „Twinkle, Twinkle, Little Star“ der Fall, eine damals in jedem Haushalt bekannte einfach zu singende und spielende Melodie.
Bei diesem Prinzip der Wiederholung kann sich der Lehrer optimal auf die ständige Arbeit an der Herausbildung eines schönen Tons konzentrieren. Als Übehilfe zur Verinnerlicherung der Stücke dienen Tonträger, die ergänzend zur Violinschule eingesetzt werden.
2. Ab dem Tag der Geburt des Kindes an, beginnen die Wiederholungen der Wörter, von denen es umgeben ist.
Suzuki empfiehlt, dem Kind so früh wie möglich gute Aufnahmen von Violinmusik vorzuspielen. Kein Kind sei zu jung, um gute Musik zu hören und dadurch würde es zuerst beginnen, die Melodie zu singen und schließlich angeregt werden, sie selbst spielen zu wollen. Insbesondere das Stück, das das Kind gerade lernt, soll es neben dem täglichen Üben jeden Tag anhören, um es besser kennenzulernen und sein Gehör zu schulen.
3. Das Kind wird beim Erlernen seiner Muttersprache insbesondere bei seinen ersten Wörter normalerweise sehr oft gelobt.
Auch beim Erlernen des Violinspiels sollten Kinder gelobt worden und die Eltern sollen niemals ungeduldig werden, wenn das Kind etwas nicht sofort richtig ausführen kann. Stattdessen soll Hilfestellung angeboten werden.
4. Wie beim Erlernen des ersten Wortes, welches allen Bekannten vorgeführt wird, sollen dem Kind viele Möglichkeiten gegeben werden, um das Erlernte aufzuführen. Solche Aufführungen wirken sich sehr positiv auf das Selbstbewusstseins des Kindes aus. Charakteristische Tradition der Suzuki-Methode sind die bis heute fortgesetzten Massenkonzerte von bis zu tausend Schüler, die gleichzeitig musizieren.
5. Kein neu gelerntes Wort wird einfach „abgetan“, sondern dem persönlichen Wortschatz des Kindes hinzugefügt, so dass dieser mit dem Lebensalter ständig wächst.
Genauso soll mit den erlernten Stücke umgegangen werden. Man soll sie nach dem Erlernen nicht einfach weglegen, sondern Teil seines Repertoires werden lassen.
6. Mit jedem Wort fällt es dem Kind leichter zu sprechen und sich an die jeweiligen Wörter zu erinnern. Diese Tatsache ist mit dem Einprägen von Stücken vergleichbar. Beginnt man dabei mit leichten Stücken und fährt dann mit Schwierigeren fort, wächst schnell die Fähigkeit des Kindes im Auswendiglernen.
7. Lesen- und Schreibenlernen ist ein längerer Prozess, der nach und nach vollendet wird. Nach Suzuki soll erst mit dem Lernen und Lesen von Noten begonnen werden, wenn der Schüler in der
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Arbeit zitieren:
Sandra Wackenhut, 2008, Violinpädagogik im Rahmen der Suzuki - Methode, München, GRIN Verlag GmbH
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