Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Kulturgeographische Analyse Afghanistans 3
2.1 Geopolitische Entwicklung 3
2.2 Kulturelle Identität 5
2.2.1 Territorium 5
2.2.2 Ethnizität 6
2.3 Zwischenfazit 9
3 Das Konzept der „neuen Kriege“ 11
3.1 Zum Wandel des Krieges 11
3.2 Was ist neu am „neuen Krieg“? 12
3.3 Die „Ökonomie der Gewalt“ 14
4 Afghanistan - ein „neuer Krieg“? 15
4.1 „Warlords“ und „Gewaltmärkte“ 15
4.2 Privatisierung, Asymmetrierung, Autonomisierung 18
5 Fazit und Aussicht 19
Literaturverzeichnis 21
Anhang 23
I
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Afghanistan (19. Jahrhundert)
Abbildung 2: Afghanistan (Topographisch)
Abbildung 3: Afghanistan (Volksgruppen)
Abbildung 4: Warlords in Afghanistan (2002-2004)
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Die größten Volksgruppen nach Sprache, Religion und Bevölkerungsanteil
Tabelle 2: Einkünfte aus Gewaltökonomien (2002)
II
1 Einleitung
„… Die hören sollen, sie hören nicht mehr, vernichtet ist das ganze Heer. Mit dreizehntausend der Zug begann, Einer kam heim aus Afghanistan.“ 1
Das „Trauerspiel von Afghanistan“, welches bereits 1859 von Theodor Fontane beschrieben wurde, scheint auch 150 Jahre später noch von Aktualität zu sein: Acht Jahre nach dem Einmarsch internationaler Truppen ist das Land immer noch nicht befriedet, geschweige denn demokratisiert. In diesem Jahr starben so viele Menschen, wie seit Beginn der Intervention nicht. 2 Doch während hohe Opferzahlen auch schon zu Fontanes Zeiten Kennzeichen afghanischer Kriege waren, hat sich eines grundlegend verändert: Nicht die afghanische Armee oder ein bestimmter Staat wird bekämpft - der Gegner ist gesellschaftlich integriert und agiert nach unbekanntem Muster. Die hochgerüsteten Armeen und bewährten Sicherheitsstrategien westlicher Militärmächte bleiben nahezu wirkungslos. Der Charakter des Krieges scheint sich grundlegend verändert zu haben.
In diesem Zusammenhang trat in der Wissenschaftsdebatte der vergangenen Jahre vermehrt der Begriff der „neuen Kriege“ auf. Darüber hinaus wurde in vielen Krisengebieten der Erde eine „Ökonomie der Gewalt“ festgestellt. Was es mit dieser Entwicklung auf sich hat und inwieweit diese auch auf den Afghanistan-Konflikt zutrifft, soll wesentlicher Gegenstand dieser Arbeit sein. Die zentrale Fragestellung lautet daher:
Inwieweit lässt sich das Konzept der „neuen Kriege“ auf Afghanistan anwenden und liegt in einer „Ökonomie der Gewalt“ ein Grund für die Entstehung bzw. Länge des Konflikts?
Da der Afghanistan-Konflikt von kulturellen, politisch-historischen, ökonomischen sowie natürlichen Bedingungen abhängt, werden ihm monokausale Erklärungsansätze kaum gerecht. Um alle wesentlichen Faktoren zu berücksichtigen, die die aktuelle Situation des Landes beeinflussen, liegt der Fokus meiner Arbeit daher zunächst auf der kulturgeographischen Betrachtung Afghanistans (Kapitel 2). Es wird sich zeigen, dass erst nach der Untersuchung geopolitischer und kultureller Aspekte das notwendige Grundlagenwissen besteht, das den Einstieg in die theoretische Analyse ermöglicht.
1 Auszug aus „Das Trauerspiel von Afghanistan“ von Theodor Fontane (1859). Das Gedicht ist in voller Länge dem Anhang beigefügt.
2 Vgl. Herold 2009.
1
Dieser erfolgt dann mit der allgemeinen Vorstellung des Konzepts der „neuen Kriege“ (Kapitel 3), welches im weiteren Verlauf auf den Afghanistan-Konflikt angewandt wird (Kapitel 4). Abschließend folgen das Fazit sowie ein kurzer Ausblick in die zukünftige Entwicklung.
2
2 Kulturgeographische Analyse Afghanistans
Die Islamische Republik Afghanistan ist eines der ärmsten Länder der Welt. Etwa siebzig Prozent der rund 32 Millionen Einwohner zählenden Bevölkerung leben unterhalb der absoluten Armutsgrenze, was in Betracht eines nun mehr dreißig Jahre andauernden Kriegszustandes kaum verwunderlich scheint. 3 Um sich den komplexen Ursachen dieser trostlosen Lage bewusst zu werden, erfolgt zunächst eine kulturgeographische Betrachtung des Landes. Denn „Kulturgeographie … untersucht, inwieweit Raum, Ort und natürliche Umwelt die Kultur prägen und ihrerseits durch Kultur geprägt werden.“ 4 Der Kulturbegriff soll dabei als „Gesamtheit der unverwechselbaren geistigen, materiellen, intellektuellen und emotionalen Eigenschaften … eine[r] Gesellschaft oder eine[r] soziale[n] Gruppe“ verstanden werden, „der Formen des Zusammenlebens, Wertesysteme, Traditionen und Überzeugungen umfasst.“ 5
Im folgenden Kapitel wird zunächst die staatshistorische Entwicklung Afghanistans nachgezeichnet sowie anschließend die kulturelle Identität des Landes skizziert.
2.1 Geopolitische Entwicklung
Die Lage Afghanistans zwischen Orient und Okzident war stets von großer geopolitischer Bedeutung. Nach Jahrhunderten der Gebietskämpfe zwischen Persern, Usbeken und anderen Volksgruppen bekam die Region unter dem persischen Herrscher Nadir Schah Anfang des 18. Jahrhunderts erstmals eine einheitliche politische Gestalt. 1747 folgte die Gründung des afghanischen Staates durch Ahmed Schah Durani, unter dessen Herrschaft das Land an politischem Gewicht zulegen und das Staatsgebiet zeitweise bis hin zum indischen Ozean expandieren konnte. 6 Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Afghanistan dann zum Mittelpunkt zweier kollidierender Kolonialinteressen. Die angestrebten Machtausdehnungen Großbritanniens (vom indischen Subkontinent gen Mittelasien) und Russlands (von Mittelasien Richtung indischer Ozean) machten das Land zu einem „Pufferstaat“ im sogenannten „Great Game“ zweier imperialistischer Weltmächte. 7 Nachdem die Briten in den 1840er Jahren das Land besetzen konnten, kam es in den folgenden Jahrzehnten mehrfach zu
3 Vgl. Scholz 2002, S. 67.
4 Knox/Marston 2001, S. 234.
5 UNESCO 2001.
6 Vgl. Behrooz o.J.
7 Vgl. Scholz 2002, S. 68.
3
Konflikten zwischen der afghanischen Bevölkerung und den Besatzungsmächten. Aufgrund der anhaltenden Aufstände wurde das Land von den Briten durch die sogenannte „Durand-Linie“ getrennt und der südöstliche Teil in die indische Kronkolonie eingegliedert.
Die daraus resultierende „Pufferfunktion“ Afghanistans verdeutlicht sich besonders anschaulich im äußersten Nordosten des Landes, wo ein schmaler Landstrich bis hin zur chinesischen Grenze den direkten Kontakt von britischem und russischem Einflussgebiet verhinderte (siehe Abbildung 1). Dieser vollkommen willkürlich gezogene Grenzverlauf, der das ursprüngliche Territorium Afghanistans fast halbierte und das Land somit zu einem Binnenstaat machte, hat bis heute Bestand. 8
Die fremdbestimmte Teilung war zunächst von überraschender Beständigkeit und sorgte auch während der beiden Weltkriege sowie des kalten Krieges weitgehend für Stabilität innerhalb der Region. 9 Erst 1973 sorgte der Sturz des Staatsoberhauptes Sahir Schahseinem direkten Nachkommen des Staatsgründers Ahmed - für bürgerkriegsähnliche Unruhen innerhalb Afghanistans. Sechs Jahre später führte der Einmarsch der Sowjetunion das Land dann endgültig in den Kriegszustand und zerstörte sämtliche institutionelle Strukturen. Es entstand ein Machtvakuum, in das lokal oder ethnisch organisierte Milizen traten. Infolge dessen waren jedoch weder einzelne Führer, noch die Mudschaheddin, die 1992 in Kabul einmarschierten, gewollt oder in der Lage, das
8 Vgl. Behrooz o.J.
9 Vgl. Scholz 2002, S. 68.
4
Arbeit zitieren:
Bojan Jurczyk, 2009, Das Konzept der „neuen Kriege“ und die „Ökonomie der Gewalt“ am Beispiel des Afghanistan-Konflikts, München, GRIN Verlag GmbH
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