Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Der künstliche Mensch in der Literatur 5
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3. E. T. A. Hoffmann: Der Sandmann 12
3.1 Das Puppenmotiv Die Figur der Olimpia als Motiv des Unheimlichen 12
4. Georges Simenon: Die Fantome des Hutmachers 17
Fazit 21
Bibliografie 22
Prim ärliteratur 22
Sekund ärliteratur 22
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Der Automat ± der künstliche Mensch ± als eine unheimliche Bedrohung. So beschrieben, fand er in der Literatur um 1800 immer wieder seinen Wiederklang. Und auch bereits früher, seit der Antike, ist der künstliche Mensch ein beliebtes Motiv in der Literatur.
Verbunden mit dem Künstlichen ist auch stets etwas Unheimliches. Der künstliche Mensch trägt immer auch etwas Geheimnisvolles in sich. Dieses Geheimnisvolle findet seine Steigerung in einem unheimlichen Element, welches schließlich zur Bedrohung wird. 2 Als eine Art Paradebeispiel für den bedrohenden künstlichen Menschen in der Literatur, kann die Figur der Olimpia aus E. T. A. Hoffmanns Erzählung Der Sandmann von 1817 bezeichnet werden. Der Protagonist Nathanael vermag es nicht, die Puppe Olimpia von einem realen Menschen zu unterscheiden. Sie ist in seinen Augen so perfekt, dass ein Differenzieren zwischen real und künstlich für ihn unmöglich ist. Vom Beispiel der Erzählung Hoffmanns ausgehend, entwickelte Sigmund Freud seine Schrift Das Unheimliche von 1919. Im Folgenden soll erläutert werden, inwieweit Der Sandmann unheimlich ist. Dies erfolgt am Beispiel des Motivs des künstlichen Menschen. Dazu wird zunächst motivgeschichtlich auf den künstlichen Menschen innerhalb der Literatur von der Antike bis ins 19. Jahrhundert eingegangen werden. Es folgt in einem kurzen Abriss der Versuch einer Definition des Unheimlichen, ausgehend von der Schrift Sigmund Freuds. Im Anschluss daran werden die unheimlichen Motive des Sandmanns ± insbesondere das Puppenmotiv ± erläutert. Abschließend sollen die bisherigen Erkenntnisse mit einem modernen Roman von Georges Simenon ± Die Fantome des Hutmachers (1948) ± in Bezug auf Parallelen zum Sandmann verglichen werden. Die Wahl für einen Vergleich fällt auf Die Fantome des Hutmachers, da es auch in dieser Geschichte eine Puppe gibt, die Parallelen zur Figur
1 Manfred Geier: Fake. Leben in künstlichen Welten. Mythos-Literatur-Wissenschaft. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1999. S. 108.
2 Vgl. Richard Alewyn: Die Lust an der Angst. In: ders.: Probleme und Gestalten. Frankfurt/M.: 1982, S. 307-331, S. 324-325.
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der Olimpia im Sandmann sowie zur Geschichte des künstlichen Menschen in der Literatur aufweist. 3
Ziel der Arbeit soll sein, zu zeigen, inwieweit das Motiv des künstlichen Menschen als unheimlich zu deuten ist, und ob ähnliche Motive in zeitgenössischer Literatur ± am Beispiel Simenon ± auch ähnlich wirken.
3 Darüberhinaus schließt Georges Simenons Die Fantome des Hutmachers an ein bereits im Seminar gehaltenes Referat zur Verfilmung von Claude Chabrol ± Les fantômes du chapelier (1982) ± an und soll an dieser Stelle als Ergänzung zu eben diesem Referat gelten.
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1. Der künstliche Mensch in der Literatur
Seit jeher zählt die Erschaffung eines künstlichen Menschen zu den menschlichen Wunschträumen. In ihm findet sich zum einen ein Erfinder- und Schöpferdrang, welcher sich aufgrund des menschlichen intellektuellen Stolzes erhebt und den Zeugungsakt durch einen geistigen und künstlerischen Akt ersetzt. Zum anderen stellt der Wunsch nach einem künstlichen Menschen auch gleichsam den Wunsch nach Macht und einer Herrschaft über einen Diener dar. 4 Das hier beschriebene und zu beschreibende Motiv ist ein literarisches, welches an Schöpfungsmythen einiger früher Völker anknüpft. Hier wurden künstliche Menschen allein durch ein göttliches Eingreifen geschaffen. 5 Neben dem Wunschtraum ist es aber vor allem auch die damit verbundene Angst, die das literarische Motiv des künstlichen Menschen seit jeher begleitet. Die Angst besteht dabei vor allem darin, dass der Mensch von seiner eigenen Schöpfung übertroffen oder gar überwältigt wird. 6
In der Literatur der Antike wird der künstliche Mensch in der Regel als ein durch einen künstlichen Prozess geschaffenen Androiden dargestellt, der dem natürlichen Menschen nachempfunden ist. Geschaffen wird dieser Android durch Götter oder Halbgötter. So schuf beispielsweise der Titan Prometheus, nach Ovid, Männer und Frauen aus Lehm und Wasser und belebte sie. 7 Zu diesen Frauen gehörte auch Pandora, die auf Befehl von Zeus geschaffen wurde und zum Verderben des Prometheus auf die Erde geschickt wurde. In einer Geschichte nach Homer stellt der Gott der Schmiedekunst Hephaistos für den König Minos von Kreta den Riesen Talos her. Dieser soll als Wächter der Insel zusammen mit den Argonauten kämpfen. 8
Während durch Talos Adern noch Blut fließt, findet sich bei Ovids Pygmalion bereits eine Übergangsform zu den Automaten, die im Zuge eines künstlerischen Vorgangs geschaffen wurden. Pygmalion lässt durch seine Hände eine Frauensta-
4 Vgl.Elisabeth Frenzel: Motive der Weltliteratur. Ein Lexikon dichtungsgeschichtlicher Längsschnitte. 2. verbesserte und um ein Register erweiterte Auflage. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag 1980, S. 513.
5 Vgl. Frenzel (1980): Motive der Weltliteratur, S. 513.
6 Vgl. Frenzel (1980): Motive der Weltliteratur, S. 514.
7 Vgl. Frenzel (1980): Motive der Weltliteratur, S. 514.
8 Vgl. Frenzel (1980): Motive der Weltliteratur, S. 514.
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tue entstehen, der Aphrodite auf sein Bitten Leben einhaucht. 9 In den anderen Beispielen wurden die künstlichen Menschen noch auf Befehl geschaffen, z. B. von Schmieden. 10
In der Spätantike taucht eine neue Form der Schaffung eines künstlichen Menschen auf; es fehlen sowohl der künstlerische Schaffensvorgang, als auch die belebende göttliche Macht: Es handelt sich um Magie. So berichtet zum Beispiel Lukianos von einem beliebigen Gerät, das man in menschliche Kleider stecken und durch Zaubersprüche zu menschlichen Aktionen beleben kann. 11
Zur Zeit des Mittelalters leben die steinernen und erzenen Figuren der Antike fort, ihre Belebung erfolgt durch menschliche Leidenschaften und Willensäußerungen ± ausgelöst durch den geheimen Zauber des Bildes beim Betrachter, der selbigen auch an sich bindet. Die Götter spielen dabei keine Rolle mehr. Ein Beispiel für das Motiv des künstlichen Menschen findet sich bei William von Malmesbury im Jahr 1124/25, der von einer Statuenverlobung in seiner Pygmalion-Variante berichtet. Ein Jüngling ist in dieser Erzählung so fasziniert von einer Venusstatue, dass er ihr einen Verlobungsring an den Finger steckt und auf diese Weise zum Leben erweckt. 12
Neben der göttlichen Belebung und der Erweckung durch Zauberkraft findet sich im Mittelalter noch eine dritte Vorstellung: eine naturwissenschaftliche. Bei dieser Vorstellung geht es um die Alraune. Die Alraune und ihre Wurzel gehören biologisch zur Gattung der Nachtschattengewächse. 13 Im Mittelalter glaubte man, dass, wenn die Wurzel unter besonderen Bedingungen ausgegraben wird, sie sich in ein menschliches Wesen verwandelt. Neben dieser Vorstellung gab es noch an-
9 Diekünstliche Frauengestalt hier fesselt Pygmalion durch Liebe an sich. Dieses Motiv wird später auch bei E. T. A. Hoffmanns Der Sandmann aufgegriffen und im zweiten Kapitel näher besprochen.
10 Vgl. Frenzel (1980): Motive der Weltliteratur, S. 515.
11 Vgl. Frenzel (1980): Motive der Weltliteratur, S. 515.
12 Vgl. Frenzel (1980): Motive der Weltliteratur, S. 515-516.
13 Eine Alraune ist der Wurzelstock des giftigen Nachtschattengewächses "Mandragora". Diese Wurzel oft nimmt eine menschenähnliche Gestalt an. Die Alraune kann sowohl die Züge eines Mannes als auch einer Frau tragen. Dies wurde in zahlreichen Bildern festgehalten. Nicht zuletzt aufgrund ihres Aussehens gilt die Alraune als eine Zauberpflanze beziehungsweise als Liebes- und Glücksbringer. Die Alraunen wurden mit Hilfe von Hunden ausgegraben, da den Mythen zufolge der Mensch bei der Berührung einer solchen Wurzel sterben würde.
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Arbeit zitieren:
2010, Der künstliche Mensch als Motiv des Unheimlichen bei E. T. A. Hoffmann und Georges Simenon, München, GRIN Verlag GmbH
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