INHALTSVERZEICHNIS I
Inhaltsverzeichnis
Symbolverzeichnis II
1 Einleitung 1
2 Das Becker-Modell 2
2.1 Die Bestandteile des Modells 2
2.1.1 Individueller und gesellschaftlicher Verlust durch Kriminalität 3
2.1.2 Kosten der Ergreifung und Verurteilung 3
2.1.3 Deliktangebotsfunktion 4
2.1.4 Bestrafung 5
2.2 Gesellschaftlicher Verlust und das Optimum an Delikten 5
2.3 Geldstrafe versus Freitheitsentzug: die optimale Bestrafung 8
2.4 Eine alternative Verlustfunktion: Der Ansatz von Stigler 9
3 Mögliche Implikationen und Kritik 10
4 Zusammenfassung 14
A Nutzenoptimierung bei Straftätern III
B Optimale Zahl an Delikten III
C Ausgaben der Bundesländer für Polizei und Justiz V
Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit einem Ansatz von Becker (1968) zur
ökonomischen Analyse von Straftaten und der Strafverfolgung und -ahndung. Da-
zu werden im Rahmen eines mikroökonomischen Modells die sozialen Kosten durch
Kriminalit ät und die optimale Strafpolitik hergeleitet. Erfolgt eine Bestrafung über
Freiheitsentzug , enstehen zusätzliche externe Kosten, die Straftäter nicht tragen.
Idealerweise ist daher eine monetäre Strafe analog zu einer Pigou-Steuer zu bevor-
zugen. Diese internalisiert nicht nur negative Externalitäten aus Delikten, sondern
auch die Kosten der Strafverfolgung. Stigler (1970) kommt dabei zu geringfügig
anderen Ergebnissen, erweitert jedoch auch den Analyserahmen.
Schlie ßlich diskutiert die vorliegende Arbeit mögliche Schwierigkeiten und Kri-
tikpunkte , wobei insbesondere die Probleme der Monetarisierung von Schäden und
das Auslassen von präventiven Maßnahmen im Zentrum der Betrachtung stehen
SYMBOLVERZEICHNIS II
Symbolverzeichnis
a Verhaftungen (’arrests’) b Transformationskoeffizient (variiert je nach Art der Bestrafung) C Kosten D Verlust (’Damage’) E Kosten, die Delikte erschweren f Bestrafung (’fines’) F Soziale Kosten der Bestrafung (weicht von Beschriftung im Original ab) G Gewinn (’Gain’) H Leid (’Harm’) i Individuum/Haushalt IP Investitionen in präventive Maßnahmen L Verlustfunktion (’loss-function’) M Mord O Delikte (’Offenses’)/ Zahl der Delikte p Verurteilungsquote ρ Wahrscheinlichkeit eine Straftat zu begehen r Diskontierungsfaktor R Raub s Sammelvariable (’portmanteau’) (weicht von Beschriftung im Original ab) t, T Zeitpunkte U ex erwarteter (’expected’) Nutzen U Nutzen (’utility’) V Kosten der Verteidigung (weicht von Beschriftung im Original ab) Y Einkommen aus Verbrechen
1 EINLEITUNG 1
1 Einleitung
’Verbrechen lohnt sich nicht’ - ist dies nur ein vielfach erwähntes Sprichwort im Volks-mund oder trifft es wirklich zu und wenn ja, dann wann: Wann ’lohnt’ sich eine Tat gesellschaftlich und individuell? Ist Kriminalität unter Umständen einem ökonomischen Abwägungsprozess unterworfen und wenn ja, was kann dann die ökonomische Theorie zur Erklärung von Straftaten beitragen? Wie sollte ein effizientes System der Strafverfolgung und -ahndung augestaltet sein? Müssen alle Straftaten geahndet werden? Diese und andere Fragen treiben nun schon vier Jahrzente lang seit dem Erscheinen eines Aufsatzes von Becker (1968) Ökonomen um und haben zur Veröffentlichung vieler theoretischer und empirischer Arbeiten in diesem Bereich geführt.
Becker (1968) greift in seinem ursprünglichen Aufsatz auf einen auf negativen Externalitäten basierenden Rahmen zurück, in dem er das Nutzenmaximum von Verbrechern und die entsprechende beste Bestrafung - abhängig von den zu erwartenden Strafen und der Wahrscheinlichkeit verurteilt zu werden - ableitet. Dabei konzentriert er sich auf Grenzschäden und Kosten der Strafverfolgung und des -vollzugs, während ihn Stigler (1970) in wenigen Punkten kritisiert und als weiteren Kostenfaktor Kosten für die Verteidigung von unschuldig Angeklagten in die Analyse mit einschliesst. Beide Autoren müssen sich jedoch von Ireland (1972) in einem kurzen Kommentar vorwerfen lassen, dass sie entscheidende Variablen der Abschreckung von Straftätern (die Angst vor Rache durch die Opfer) vergessen. Auch Innes (1999) erweitert den Analyserahmen und spricht sich dafür aus, bei Gesetzesverstößen den Tätern die Möglichkeit zur eigenständigen Wiedergutmachung der entstandenen Schäden zu geben und diese Bemühungen bei einer möglichen Bestrafung zu berücksichtigen. Davon verspricht sich der Autor insgesamt einen höheren gesellschaftlichen Nutzen, da der Staat Transaktionskosten (bei) der Bestrafung einspart und Abschreckung bestehen bleibt. In eine ähnliche Richtung gehen auch Kaplow und Shavell (1994). Sie analysieren die Effekte von Selbstanzeigung durch Straftäter und wie Strafnachlässe dazu optimalerweise ausgestaltet werden sollten. Shavell (1991) geht der Frage nach, ob eine Strafverfolgung generalisiert oder spezialisiert sein solle, ob der Justizapparat also breit aufgestellt oder für jedes einzelne individuelle Verbrechen Ressourcen vorhalten soll. Er kommt mit seinem Modell zu dem Schluss, dass die optimale Bestrafung bei einem allgemeinen Strafverfolgungsapparat mit der Schwere der Tat steigt, während sie bei spezialisierter Verfolgung extrem hoch ist. Lott (1987) baut seine Analysen auf Opportunitätskosten auf und argumentiert, dass Reiche und Arme über eine ungleiche Wahrscheinlichkeit des Strafvollzugs verfügen sollten. Wenn es sich bei den Strafen um Freiheitsentzug handele, würde ansonsten der Gesellschaft zu viel Produktivität entgehen. Davis (1988) berücksichtigt in seinem Aufsatz auch die Zeit, wobei er illegales Einkommen abzüglich der Strafe mit einer positiven Zeitpräfe- renzrate und der Wahrscheinlichkeit, gefasst zu werden, diskontiert. Dies ist insbesondere
2 DAS BECKER-MODELL 2
vor dem Hintergrund interessant, dass in der Regel Nutzen und Einkommen und der Preis eines Deliktes (die Bestrafung) zeitlich auseinanderfallen. Friedman (1999) greift das Modell von Becker (1968) in seinem Aufsatz auf. Dabei argumentiert er, dass Bestrafung dann ideal sei, wenn sie über Bußgelder und Todesurteile erfolge, da ein Staatsapparat bestehend aus Gefägnissen usw. in einem Buchananschen (1975) Sinne ineffizient sei und zu rent seeking animiere.
Das Thema ’Verbrechen und Strafen’ aus einem ökonomischen Blickwinkel kannwie die obige kurze und bei weitem nicht vollständige Literaturübersicht zeigt - aus einer Vielzahl von Perspektiven betrachtet und untersucht werden. Die vorliegende Arbeit konzentriert sich jedoch vor allem auf den ursprünglichen Aufsatz von Becker (1968), dessen Modell in Abschnitt 2.1 (Bestandteile) und 2.2 (Verlustfunktion) zunächst vorgestellt wird. 2.3 leitet dann die optimale Ausgestaltung von Strafen her, ergänzt um einen leicht abweichenden Ansatz von Stigler (1970) in 2.4. In Abschnitt 3 folgt eine kritische Dikussion und ein deskriptiv empirischer Abgleich mit der Situation in Deutschland. Unter 4 werden dann die wesentlichen Ergebnisse zusammengefasst.
2 Das Becker-Modell
Im folgenden Abschnitt soll das Modell, das Becker (1968) entwickelt hat, kurz vorgestellt werden. Dabei wird auf eine zu detaillierte Darstellung verzichtet. Es sei an dieser Stelle schon einmal pauschal auf den Originalaufsatz und die Diskussion desselben in den in der Einleitung aufgeführten Arbeiten verwiesen - insbesondere Stigler (1970), Becker (1993), Davis (1988) und Friedman (1999).
Zunächst werden die einzelnen Determinanten des Modells vorgestellt. Abschnitt 2.2 leitet dann die gesellschaftliche Verlustfunktion her und 2.3 schließlich die Bedingungen für eine optimale Bestrafung. In 2.4 werden dann wesentliche Kritikpunkte und alternative Darstellungen von Stigler (1970) aufgegriffen. Eine Übersicht über die verwendeten Symbole gibt das Verzeichnis zu Beginn der Arbeit. Generell wird fast immer auf die Notation des Originalaufsatzes von Becker (1968) zurückgegriffen und auch die Anmerkungen anderer Aufsätze an diesen angepasst.
2.1 Die Bestandteile des Modells
Das Modell, das Becker (1968) in seinem Aufsatz entwickelt, versucht Kriminalität unter ökonomischen Gesichtspunkten zu erklären und die gesellschaftlich optimale Zahl an Delikten im partiellen ’Markt der Kriminalität’ abzuleiten. Er geht dabei auf negative Externalitäten, die Kosten des Justizapparats, das Deliktangebot und die Bestrafung ein und deckt so viele ökonomische Aspekte von Kriminalität ab. Im Folgenden werden diese einzeln aufgegriffen bzw. hergeleitet und erklärt.
2 DAS BECKER-MODELL 3
Einleitend soll noch kurz auf die unterstellte Nutzenfunktion von Verbrechern verwiesen werden. Becker (1968, S. 177) geht davon aus, dass Verbrecher zwischen Ertrag Y und möglichem ’Preis’ pf einer Tat abwägen. Der erwartete Nutzen U ex lässt sich daher wie folgt beschreiben:
U ex = pU (Y − f ) + (1 − p)U (Y ) (1)
Dabei ist U der Nutzen, Y das Einkommen aus dem Verbrechen, p die Wahrscheinlichkeit, gefasst und verurteilt zu werden und f die Bestrafung. Kriminelle werden entsprechend dieser Funktion so lange Delikte begehen, wie der Grenznutzen des Einkommens aus Kriminalität positiv ist (vgl. dazu ausführlicher auch Anhang A und Abschnitt 2.1.3).
2.1.1 Individueller und gesellschaftlicher Verlust durch Kriminalität
Laut Becker (1968, S. 172 f) entstehen durch kriminelle Delikte negative Externalitäten. Durch die Tat eines Verbrechers wird die Nutzenfunktion eines anderen Individuums (Opfers) beeinträchtigt, ohne dass dieses dafür kompensiert wird. Aggregiert greift dies Gleichung (2) auf.
D(O) = H(O) − G(O) > 0 (2)
O ist dabei die Zahl der Delikte und H der Schaden, der durch O entsteht, während G den Gewinn durch die Verbrechen umschreibt. Die Differenz ist der gesamtgesellschaftliche (Wohlfahrts-)Verlust, wobei angenommen wird, dass dieser mit der Zahl der Delikte steigt ( ∂D(O) ≥ 0). Die negativen Externalitäten sollten per definitionem größer als Null
∂O
sein; wäre dies nicht der Fall, würde sich Verbrechen gesamtgesellschaftlich lohnen. Aus wohlfahrtstheoretischer Sicht müsste dann Verbrechen gefördert und gefordert werden. 1
2.1.2 Kosten der Ergreifung und Verurteilung
Innere Sicherheit mag ein öffentliches Gut sein, seine Bereitstellung ist aber nicht frei von (Grenz-)Kosten. Will die Gesellschaft ein bestimmtes Maß an Sicherheit erlangen, steigen entsprechend Ausgaben für Polizei und Justiz bei einer steigenden Zahl von Straftaten. Die Bekämpfung von Verbrechen und die Verurteilung von Kriminellen verlangen die Bereitstellung von Personal, Material und Kapital (vgl. Becker 1968, S. 174). Die gesellschaftlichen Kosten der Strafverfolgung und -ahndung C ergeben sich aus Gleichung (3): Je mehr in die Inputfaktoren investiert wird, desto höher das Aktivitätslevel der Justiz.
1 Positive externe Effekte aus Verbrechen thematisiert im Übrigen lediglich Friedman (1999, S. S266) bei der Diskussion von Organspenden Hingerichteter. Ansonsten werden sie in den relevanten Aufsätzen nicht diskutiert.
Arbeit zitieren:
Henner Will, 2009, Ökonomische Analyse von Straftaten, München, GRIN Verlag GmbH
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