Inhaltsverzeichnis
I Einleitung. 1
I.1 Einleitende Worte und prinzipielle Anmerkungen. 1
I.2 Zur Unterscheidung des real-erlebten und des fiktiven Spaziergangs. 1
I.3 Zur Kafka-Lektüre - Das Camus-Zitat. 2
I.4 Literatur / Sekundärliteratur. 3
II Kafkas Veränderung und mit ihr seine Wahrnehmung. 4
II.1 Kafkas Beziehung zu seinen Tagebüchern. 4
II.2 Die Veränderung in Kafkas Schreibweise. 4
II.3 Veränderungen in den Spaziergängen. 5
II.3.1 Die Beschreibung der Spaziergänge selbst. 5
II.3.2 Rückschlüsse auf die immense Wichtigkeit, die seine
Spaziergangserfahrungen für ihn hatten. 5
III Die Beobachtung / Der real erlebte Spaziergang. 7
III.1 Der Sinn des Spaziergangs für Kafka. 7
III.1.1 Der Schreibakt Kafkas in Anlehnung an Pasleys Theorie. 7
III.1.2 Spaziergänge als Inspiration. 8
III.1.3 Selbstreflexion. 9
III.2 Der Spaziergang in Verbindung mit seinem Seelenleben. 10
III.3 Kafka als Beobachter und als Teilhaber seiner Umwelt. 10
III.3.1 Teilhaber. 10
III.3.2 Beobachter. 12
III.4 Spaziergang mit Freunden. 15
IV Der fiktive Spaziergang: Erzählungen und Erzählfragmente.
15
IV.1 Der autobiografische Gehalt 15
IV.2 Der urbane Raum Prag als Kafkas Mikrokosmos. 16
IV.3 Die Kurzgeschichte "Die städtische Welt" 17
V Ergebnisse Fazit. 18
VI Literaturverzeichnis 20
I Einleitung
I.1 Einleitende Worte und prinzipielle Anmerkungen
Diese Hausarbeit im Rahmen des Proseminars "Der Spaziegang in der Literatur" im Sommersemester 2007 bei Dr. Patrizio Collini befasst sich mit der Darstellung der Spaziergänge, die in Franz Kafkas Tagebüchern der Jahre 1910 bis 1923 aufgezeichnet sind. Nach einer kurzen Darstellung der zu beobachtenden Veränderungen und Fortschritte im Tagebuch, soll in Punkt III der real erlebte Spaziergang beschrieben werden, in dem Kafka sich sowohl als Beobachter, als auch als "Eintauchender" in seine Umwelt beschreibt. Darüber hinaus wird auch das Thema der Selbstreflexion und des Spazierganges in Gesellschaft bearbeitet.
In Punkt IV wird dann im Gegensatz dazu das Thema der fiktiven Spaziergänge bearbeitet. Es handelt sich heirbei um Erzählungen und Erzählfragmente, die Kafka in sein Tagebuch eingetragen hat, wobei sie teilweise später in seinen Erzählungen wieder auftauchen, meist jedoch in abgewandelter Form. Es soll klar sein, dass hier das Hauptaugenmerk nicht auf eine komplette Auflistung dieser Erzählungen gelegt wird, sondern die beispielhafte Belegung eines "Kafka-Stils" im Vordergrund stehen soll.
I.2 Zur Unterscheidung des real-erlebten und des fiktiven
Spaziergangs
Die Klärung der Frage, was als real-erlebter Spaziergang behandelt werden soll, und was im Gegensatz dazu als fiktiver Spaziergang beziehungsweise als Kurzgeschichte oder Fragment anzusehen ist, ist nicht immer eindeutig zu klären. Verdeutlicht werden soll dieses Problem an Hand eines Eintrages, der besonders schwehr in eine der beiden Kategorien einzuordnen ist, da er Argumente für sowohl die Eine als auch die Andere These liefert. Es handelt sich um einen sehr kurzen Eintrag vom 20. Februar 1911: "Kleine Städte haben auch kleine Umgebungen für den Spaziergänger. Die jungen, reinen, gut gekleideten Jungen neben mir im Promenoir erinnerten
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I.2 Zur Unterscheidung des real-erlebten und des fiktiven Spaziergangs
mich an meine Jugend und machten daher einen unappetitlichen Eindruck auf mich." 1
Für eine Kurzgeschichte ist dieser Absatz zwar eindeutig zu kurz, wie die Beispiele in Punkt IV zeigen werden, allerdings schreibt Kafka die Einträge, welche eindeutig als Beschreibungen realer Vorkomnisse zu identifizieren sind (wie Spaziergänge mit seinen Freunden, Theaterbesuche oder die Treffen des "engeren Prager Kreises"), kaum im Präteritum 2 . Die autobiografische Komponente in diesem Eintrag ist nicht zu übersehen: die Verarbeitung seines höchst-komplizierten Verhältnisses zu seinem Vater sind fester und unbestreitbarer Bestandteil der Kafka-Forschung, die damit einhergehende schwierige Kindheit ebenso. Damit ist der autobiografische Bezug wohl ausreichend hergestellt, wenn Kafka die Erinnerung an seine Kindheit als unappetitlich bewertet.
Es wird die Unzuordbarkeit in die aufgestellten Kategorien deutlich, somit kann man sich den Eintrag vielleicht als Aphorismus erklären, allerdings passt dazu wiederum der einleitende Satz nicht, der einerseits dazugehört, andererseits aber auch nur einleitenden Charakter hat. Mit diesen und anderen Problemen sieht man sich also konfrontiert, der Gedanke soll bei der Lektüre der Arbeit nicht außer Acht gelassen werden.
I.3 Zur Kafka-Lektüre - Das Camus-Zitat
Dass Kafka ein besonderer Autor ist und man also beim Lesen seiner Werke stets die Umstände in Betracht ziehen muß, in denen er sich jeweils zum Zeitpunkt der Niederschrift befindet, wird als bekannt vorrausgesetzt. Dass dies mit unzählbarer Sekundärliteratur im vergangenen Jahrhundert umgesetzt wurde und auch heute noch wird, ebenso. Kafkas vielschichtige und bestimmt auch in gewisser Hinsicht ungewöhnliche Persönlichkeit hat dazu geführt, dass diese Literatur unterschiedlichster Natur war. Die Freud-bezogene Rezeption ist ebenso ausführlich, wie die Interpretationsansätze seiner Erzählungen vielseitig sind. In einem Satz zusammengefasst hat dies Albert Camus, der in seinem Aufstaz "Die Hoffnung und das Absurde in Kafkas Werk" eine sehr allgemeine, sehr treffende und kaum anfechtbare Aussage
2 Ausnahmen bilden hierbei Berichte über Gegebenheiten, die an einem anderen Tag geschehen sind, als dem,
an dem der Tagebucheintrag verfasst wird, wie zum Beispiel der Eintrag vom 24. November 1911.
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über Kafka macht:
"Es ist das Schicksal und vielleicht auch die Größe dieses Werks, dass es alle Möglichkeiten darbietet und keine bestätigt."
Das berühmte Zitat aus dem Jahr 1948 verdeutlicht die Beliebigkeit jeglicher Kafka-Rezeption, was ebenfalls bei der Lektüre der vorliegenden Arbeit berücksichtigt werden soll. Beschäftigt man sich ausführlich mit Kafka, zieht man sich einen Aspekt seiner Literatur heran und beleuchtet ihn genauer, so wie es im Rahmen dieser Hausarbeit geschieht, so wird klar, was Camus, der Kafkas Literatur gut gekannt haben muß, unter anderem meinte: er wollte klarstellen, dass man bei der Lektüre von Kafkas Werken niemals die Eine, die über allem stehende Wahrheit finden wird, er wollte verdeutlichen, dass Kafka wechselhaft und wandelbar war. Die sprichwörtliche "Moral von der Geschicht' " wird man bei ihm niemals klar herauskristallisieren können, sondern jede einzelne Lektüre jedes einzelnen Lesers kann neue Gedanken hervorbringen, in gewissem Sinne Neues produzieren. Diese Vielfalt, nicht auf etwas fixiert zu sein, bezeichnet Camus als Größe, andererseits ist sie insofern ein Schicksal, als natürlich eine solche Schreibweise selten komerziellen Erfolg nach sich zieht, da sie schwehr zugängliche Literatur produziert. Insofern ist das Zitat sicherlich als Lob zu verstehen, besonders wenn man dabei im Hinterkopf behält, dass auch Albert Camus nicht gerade für seine Trivialliteratur bekannt geworden ist. Einen Austausch der Beiden Schriftsteller hat es allerdings nie gegeben (Camus war bei Kafkas Tod gerade mal 11 Jahre alt).
I.4 Literatur / Sekundärliteratur
Zur benutzten Literatur ist prinzipiell zu sagen, dass eine Auswahl kaum komplett sein kann. Malcolm Pasley wird zitiert, als Repräsentant der Kafka Forschung. Er hat viele Beiträge geleistet, in dieser Hauarbeit wird vor allem sein Aufsatz "Der Schreibakt und das Geschriebene. Zur Frage der Entstehung von Kafkas Texten" zitiert und kritisch hinterfragt. Wohl ebensoviel zur Kafka-Forschung hat Klaus Wagenbach beigetragen, sein Reiselesebuch über "Kafkas Prag" ist besonders als Nachschlagewerk und als Quellen-Hilfe sehr wertvoll gewesen. Alain Montandons "La Passeggiata" als generelles Werk über die Spaziergangsthematik wurde eher sporadisch hinzugezogen, da die Hausarbeit sich letzlich
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doch sehr stark auf die Tagebücher an sich bezieht und aus dem Kafka- Kosmos eher selten ausbricht.
II Kafkas Veränderung und mit ihr seine Wahrnehmung
II.1 Kafkas Beziehung zu seinen Tagebüchern
Kafka hat seine früheren Tagebücher zerstört und auch für die hier Besprochenen, die Späteren, seinen Freund und späteren Herausgeber seiner Werke, Max Brod, angewiesen, seine Werke mit Ausnahme einiger weniger zu vernichten. Wie wir heute wissen, hat Brod dieser Anweisung nicht Folge geleistet. Der Sachverhalt zeigt allerdings schon ganz allein sehr deutlich, wie kritisch er seinen Werken gegnüber stand, die er im Übrigen bevorzugt in Schulheften abfasste 3 . Des Weiteren finden sich in den Tagebüchern selbst verschiedene Einträge, aus denen zu entnehmen ist, dass er mit dem Geschriebenem oft nicht einverstanden war.
II.2 Die Veränderung in Kafkas Schreibweise
Ließt man die Tagebücher an einem Stück, so sticht die Veränderung von Kafkas Art zu Schreiben sofort ins Auge: Die Einträge werden konfuser, unregelmäßiger und entsprechen später nicht mehr sehr stark dem, was man sich unter einem Tagebuch vielleicht vorstellt, nämlich persönliche Berichte oder Notizen zum Geschehen des Tages. Vielmehr werden Aphorismen und Kurznotizen aufgeschrieben, die teilweise nur schwehr verständlich sind. So schreibt Kafka am 24. Januar 1922:
"Das Zögern vor der Geburt. Gibt es eine Seelenwanderung, dann bin ich noch nicht auf der untersten Stufe. Mein Leben ist das Zögern vor der Geburt." 4
Dass es sich hierbei eindeutig um einen Eintrag aphoristischer Art handelt, zeigt die Tatsache, dass dieser Gedanke komplett ohne Kommentar einfach nur für sich steht. Sicherlich ist dies nicht grundsätzlich ungewöhnlich für ein Tagebuch, jedoch ist die Entwicklung der Einträge von 1910 - 1923 auch durch die Anhäufung dieser zusammenhangslosen Gedanken 3 Kafka, Der Proceß (Kommentar von Michael Müller), S. 245
4 Kafka, Tagebücher: S. 460
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Arbeit zitieren:
Philipp Kracht, 2007, Kafka, Tagebücher, München, GRIN Verlag GmbH
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