Inhalt:
1. Einleitung. 2
2. Die Theorie der Grammatikalisierung. 3
3. Die Grammatikalisierung des perfecto compuesto und indefinido. 5
3.1 Synthetische Tempusform des perfecto compuesto. 5
3.2 Mittelalter und 20. Jahrhundert. 7
3.3 Synthetischer Verbleib des indefinido 9
4. Zusammenfassung. 10
5. Literatur. 12
1. Einleitung
Jeder Sprachenlerner weiß, dass Grammatiken Regeln enthalten die es zu befolgen
gilt , will man beim Gebrauch der Sprache später nicht allzu sehr Verwirrung stiften.
Viele Lernwerke versuchen daher eine einleuchtende und möglichst korrekte
Beschreibung der bestimmten Eigenheiten einer Sprache zu geben, um das Lernen
m öglichst einfach zu gestalten. Für den Alltagsgebrauch spielt demnach die im
Spanischen enthaltene Besonderheit einer grammatikalischen „Dublette“ keine
gr ößere Rolle. Bei der genauen sprachwissenschaftlichen Untersuchung der
Vergangenheitstempora des Spanischen fällt sie aber auf: Das Spanische besitzt zwei
Tempora der Vergangenheit, die miteinander in Konkurrenz stehen. Sie werden
unterschiedlich bezeichnet, wir wollen uns aber mit den zwei gängigsten Termini
begn ügen: indefinido und perfecto compuesto 1
Wie aber kommt es zu einer solchen Besonderheit? Beim Vergleich mit dem
Deutschen fällt auf, dass es eine Unterscheidung in dieser Form hier nicht gibt. Die
vorliegende Arbeit möchte dieser Frage nachgehen und sie genauer untersuchen.
Bevor diese spanische Besonderheit aber eingehender betrachtet werden kann, bedarf
es einiger Präliminarien, die unter dem Stichwort „Grammatikalisierungskonzept“ im
n ächsten Kapitel untersucht werden sollen. Anschließend wenden wir uns der
1 De Bruyne (2002) zählt weitere Begriffe für indefinido (perfecto simple, pretérito
definido , pretérito indefinido, pretérito perfecto absoluto, pretérito) und für das
perfecto compuesto (antepresente, pretérito compuesto, ) auf. Die
Begriffsbestimmung die hier gewählt wird dient hauptsächlich der einfacheren
Unterscheidung und Abgrenzung und soll graphische Ähnlichkeiten vermeiden.
2
Anwendung der Theorie auf den vorliegenden Fall zu bevor in einem abschließenden Teil eigene Überlegungen angestellt werden sollen.
2. Die Theorie der Grammatikalisierung
Um das Nebeneinander der spanischen Vergangenheitstempora verstehen und nachvollziehen zu können bedarf es einiger Vorüberlegungen zum sogenannten
„Prozess der Grammatikalisierung“ 2 . Diese (in diesem Ausmaß) noch recht junge sprachwissenschaftliche Disziplin hat es sich zur Aufgabe gemacht, solche Phänomene zu beschreiben und zu untersuchen. Sie fußt auf einem Interesse an Prozessen, die einen Übergang lexikalischer Elemente in die Grammatik beschreiben können. Bereits im 19. Jahrhundert kann dieses Forschungsinteresse in der „Agglutionationstheorie“, die heute als Teilbereich der Grammatikalisierung gilt,
nachgewiesen werden 3 . Das grundlegende Interesse der Grammatikalisierung 4 liegt in der Erforschung und dem Nachweis von Prozessen „des Sprachwandels und zugleich
seine[r] Ergebnisse.“ 5 Darüber hinaus untersucht Grammatikalisierung bzw. die Grammtikalisierungsforschung die allgemeinen Parameter und Prinzipien, die die grammatische Struktur der Sprache erschaffen und verändern. Dabei handelt es sich um einen graduellen Prozess. Eine Ausformung, die die Grammatikalisierung
erfahren hat ist das Konzept der emergenten Grammatik 6 wie sie Hopper formuliert hat. Sie stellt die extremste Sichtweise dar und postuliert, dass es keine statische Grammatik gibt, sondern nur eine Grammatik die sich ständigen Veränderungen
unterworfen sieht 7 . Diese Veränderungen werden durch den Diskurs ermöglicht, der als weiteres Faktum im Zusammenhang mit der neueren
Grammatikalisierungsforschung zu berücksichtigen ist.
Brenda Laca (1996) führt zudem an, dass durch die vielfältige Forschung in diesem Gebiet sehr heterogene Termini genutzt werden und oft voreilige Rückschlüsse über
2 vgl. Girnth (2000): 15
3 vgl. ebd.: 11
4 Der Begriff der Grammatikalisierung steht fortan für den diachronen Prozess des Übergangs lexikalischer und/oder diskursiver Elemente in grammatische Elemente. Davon abweichende Definitionen des Begriffs werden gegebenenfalls bei deren Gebrauch in dieser Arbeit entsprechend gekennzeichnet.
5 vgl. Laca (1996): 22
6 Er formulierte diese These in seinem Beitrag „Emergent Grammar“ der in Berkeley Linguistics Society 13. 139-157 (1987) zu finden ist.
7 vgl. Girnth (2000): 15
3
den relativen Grad der Grammatikalisierung verschiedener (romanischer) Sprachen angestellt werden, die ohne die notwendige tiefergehende Untersuchung der Fälle
werden 8 . vorgenommen Sie weist außerdem darauf hin, dass
„Grammatikalisierungsprozesse [...] nicht bei sprachlichen Einheiten tout court, sondern bei diesen Einheiten in bestimmten Konstruktionen feststellbar“ 9 sind. Zusammenfassend kann Grammatikalisierung schließlich als ein Prozess des Übergangs lexikalischer (und diskursiver) Elemente beschrieben werden, wie sie in einem bestimmten Zusammenhang stattfinden und deren Ergebnis graduell abgestufte, grammatische Phänomene sind, die sich nach folgendem diachron ausgerichteten, vereinfachten Schema einordnen lassen:
lexikalische Entitäten
Nach Lehmann lassen sich die lexikalischen Teilklassen vor der Grammatikalisierung demnach von den grammatischen Teilklassen nach der Grammatikalisierung nach den
folgenden Kriterien trennen 10 :
Quelle: Lehmann (2005): 5
Im folgenden Kapitel soll die Grammatikalisierung des perfecto compuesto und des indefinido nachvollzogen werden, wie es zu der heutigen Ausformung dieses
8 vgl. Laca (1996): 17 und Lehmann (2005): 1
9 Laca (1996): 21
10 vgl. Lehmann (2005): 5
4
Arbeit zitieren:
Florian Schirmer, 2009, Perfekt und Präteritum: Tempuskonflikt im Spanischen, München, GRIN Verlag GmbH
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