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weder Farmer, noch Siedler, noch Bürger, noch „Wilder“. Er ist immer Außenseiter, ein erfahrener Mann, der sich selbst nicht mehr erklären muss. Der Held beginnt seine Reise durch den Film nicht als in sich ruhender, autarker Mann der mit sich und seiner Umwelt im Reinen ist. Meist ist seine Identität schon zu Beginn des Filmes, aufgrund einer in der Vergangenheit erlebten Situation, angegriffen. Aus dieser Erfahrung heraus entstammen Rache, Vereinsamung und Entwurzelung mit der der Held umgehen muss. Damit beginnt der Kampf oder die Reise des Westerners, doch der psychologisch ausgefeilte Westernfilm lässt ihn nicht zu seinem ehemaligen Wesen, welches ihm vor dieser Erfahrung zu eigen war, zurückkehren. 5
Im Folgenden soll die Figur des Ethan und seine Beziehungen zu Umwelt und Personen untersucht werden, um festzustellen ob daraus ein präziseres Bild des Westerners gezeichnet werden kann, oder um festzustellen inwiefern diese Charakterklasse überhaupt auf Ethan übertragbar ist. The Searchers beschreibt nicht nur die Suche nach einem verschleppten Mädchen, sondern auch die Suche des Ethan nach Heimat. Gleich in den ersten Szenen werden vielfältige Gründe für Ethans Situation und seine daraus resultierenden Verhaltensweisen aufgezeigt. Seinen ersten Verlust von Heimat erfahren wir, da er als ehemaliger Südstaatenoffizier aus dem verlorenen und bereits drei Jahre zurückliegenden Bürgerkrieg zurückkehrt. Er trägt noch immer seine Uniform und den Säbel und verweigert es, die persönliche Niederlage einzugestehen. Zu Hause erwartet ihn seine frühere Liebe Martha, die nun mit seinem Bruder Aaron verheiratet ist. Bei dem folgenden Überfall der Indianer wird Martha missbraucht und getötet. Ethan verliert sie also zunächst an seinen Bruder und danach an die Indianer. „Die Suche nach dem, was bleibt, kann nur noch eine Odyssee der Rache werden (...)“ 6 schreibt Joe Hembus, doch so einfach lässt sich die folgende siebenjährige Suche nach der verschleppten Debbie nicht beschreiben. Ethan erscheint dem Zuschauer als sehr widersprüchliche Figur. Auf der einen Seite ist er zärtlich und heiter, auf der anderen jedoch gewalttätig und oftmals auch wahnsinnig. „He is in touch with his surroundings but out of touch with his people (...).“ 7 Dies macht seine Verzweiflung immer größer, da er erkennt dass er das Land nicht besitzen kann, dass man dem Land aber auch nicht gehören kann, obwohl er das Land und seine Bewohner sehr genau zu kennen scheint. So spricht er die Sprache der Comanchen und ist sich auch über ihre Traditionen und Gebräuche bewusst. Der so erzeugte Hass gegen das Land, gegen die Indianer und gegen sich selbst, entlädt sich in zahlreichen Szenen. Beispielsweise schießt er wahllos in eine Büffelherde und auf Comanchen die ihre Toten bergen wollen. Gleichzeitig ist Ethan aber auch nicht fähig sich der Zivilisation anzuschließen. Er setzt sich zwar für die Entführten ein, reagiert jedoch oftmals feindselig und will Debbie zunächst sogar umbringen. Tatsächlich ist Gewalt ein gängiges Mittel das Ethan und auch der Westerner im Allgemeinen anwendet. Zum einen aus der Verzweiflung heraus, zum anderen muss der Westerner
5 Seeßlen, Georg (1979): S. 13
6 Hembus, Joe (1995): S. 569
7 Schatz, Thomas (2004): S. 73
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immer kämpfen und Opfer bringen um seine Identität zu wahren, was ihm stets wichtiger ist als die Suche nach Heimat oder Reichtum. Auch das Land fordert diese Opfer wie Frau Jorgensen weiß, die sagt dass das Land Opfer braucht bis es ein schönes und friedliches Land wird. Grenzgänger wie Ethan, genauso wie sein indianischer Gegenspieler Scar müssen geopfert werden, damit Figuren wie Debbie und Martin, die auf der Schwelle von Wildnis und Zivilisation stehen, überleben können. 8 Martin begleitet Ethan auf seiner siebenjährigen Reise, obwohl ein Westerner für gewöhnlich alleine reitet. Er fühlt sich in Gruppen unwohl und will keiner Gemeinschaft zugerechnet werden. Im Film macht sich dies bemerkbar durch das Verlassen der Texas Ranger, sowie Ethans Befehl an Martin, ihn lediglich bei seinem Namen zu nennen und jedwede andere Bezeichnung, wie „Onkel“ oder „Sir“, zu vermeiden. In der letzten Schlacht gegen den Indianerstamm schließlich, tötet Martin den Comanchenhäuptling, worauf Ethan Scar skalpiert. Doch auch diese brutale Geste erlöst ihn nicht von seiner innere Zerissenheit. John Ford sagt selbst über seinen Film es sei „(...) die Tragödie eines Einzelgängers, der nie wirklich Mitglied einer Familie sein konnte“ 9 . Ethans paradoxe Situation des Nomaden auf der Suche nach Heimat, führt letztendlich dazu, dass er wie der Indianer dessen Augen er ausgeschossen hat, damit er seine letzte Ruhe in den Jagdgründen nicht finden kann, ewig zwischen den „Wilden“ wandeln muss. Die Schlussszene verdeutlicht dies: Ethan steht auf der Veranda und lässt alle Familienmitglieder ins Haus eintreten. „Die Tür zu einem neuen Land hat sich geöffnet. Die Tür zu einem neuen Land hat sich geschlossen“ 10 John Wayne als Ethan wendet sich von Familie und Zivilisation ab, in die er sich nicht mehr einfügen kann. „A man will search his heart and soul, go searching way out there. Yes, peace of mind he knows he´ll find. But where, oh Lord, oh where?” So ertönt es im abschließenden Lied des Films. Wir haben gesehen, dass es die Bestimmung des Westerners ist, nach seiner Identität zu fahnden, es ihm aber trotz großer Opfer auf beiden Seiten der frontier, also der Grenze zwischen Zivilisation und Wildnis, oftmals nicht gelingt. So gesehen lässt sich auch Ethan diesem Typus zurechnen. Doch John Ford macht es dem Zuschauer nicht ganz so einfach. Sowohl den gesamten Film über, als auch bei Ethans Charakterzeichnung, werden binäre und oppositionelle Strukturen aufgeweicht. Im Film ist zum Beispiel der Status der Personen nicht immer identifizierbar: Samuel Clayton tritt als Reverend und Captain auf. Ethan selbst hasst nach eigenen Angaben Indianer, entspricht aber selbst oft ihren Verhaltensmustern. Die Suche Ethans lässt sich, als Gesamtes betrachtet, als ein Monomythos beschreiben. Das bedeutet, er betritt als Held die Spielfläche, wodurch es zu einer Aktion kommt. Augenscheinlich die Suche nach Debbie, doch eben auch zu einer Suche nach Heimat. Am Ende tritt der Held wieder ab, jedoch ist er nun verändert. Der Film erweckt dadurch den Anschein einer geschlossenen Situation-Aktion-veränderte Situation-Form (SAS'), besteht
8 Kiefer, Bernd (2003): S. 203
9 Seeßlen, Georg (1995) S. 132
10 Ebd.: S. 132
Arbeit zitieren:
Markus Stegmann, 2007, Der Westerner - Die Heldenfigur des Westernfilms am Beispiel Ethan Edwards in John Fords "The Searchers", München, GRIN Verlag GmbH
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