2
Die Gründe für die Farben im Stummfilm waren sehr unterschiedlich. Zum einen wurden aus ästhetischen, dramatischen und atmosphärischen Aspekten Filme eingefärbt. Wie damals üblich erscheinen auch in Intolerance Szenen bei Nacht, und himmlische Szenen wie der erste Auftritt Jesus, in blau, Gewaltszenen wie Schlachten, sowie Feuer in rot, und Szenen bei Tageslicht wurden mit gelb untermalt. Auch sollte mit der Couleur die narrative Struktur verdeutlicht werden. So ist es zu erklären dass das Zwischenspiel der Mutter an der Kinderwiege immer in blau erscheint. Auch den vier Abschnitten des Films liegt jeweils eine Farbe zu Grunde. Die der judäischen Geschichte ist blau, der babylonischen graugrün, der französischen sepia und die Grundfarbe der Moderne bernstein. Zahlreiche Tageslichtszenen in gelb, sowie Einstellungen in blau, rot, orange und anderen Nuancen machen diese Beobachtungen zum Teil sehr schwierig.
Doch auch diese Begründungen reichen noch nicht aus um das mannigfaltige Farbspektrum der Stummfilmzeit, welches auch weniger symbolische Farben wie Purpur und Violett, sowie zahlreiche Farbschattierungen einschließt, zu erklären. Ein gewichtiger Grund für die Farbvielfalt war auch dem Prestige der großen Produktionsfirmen wie Pathé, Gaumont, Famous-Players Lasky oder Metro geschuldet. Kleinere Studios konnten sich dagegen die teuren Kolorierungen nur selten leisten, oder die Filme nur mit einer Farbe einfärben. Die Triangle Film Corporation, welche Intolerance produzierte, lässt sich in diesem Zeitraum mit einem durchschnittlichen Ausstoß von etwa 35 Filmen pro Jahr zu den Größeren zählen. 5
Die Ära der Filmeinfärbungen endete mit dem Aufkommen der ersten Technicolor-Experimente. Ge-orge Albert Smiths Kinemacolor, Gaumonts Chronocrome, sowie Cecil B. DeMilles Hanschiegl Prozess legten dafür die Grundsteine. Weitere Faktoren war die Entwicklung des farbempfindlichen Films, sowie der Einführung des Tonstreifens Ende der 20er Jahre, der vom eingefärbten Filmmaterial beeinträchtigt wurde. 6
2 Vignettierung im Stummfilm
Die Vignettierung beschreibt zunächst einen Helligkeitsabfall an den Bildrändern, zu erkennen an schwarzen Ecken. Der Effekt entsteht, wenn nicht genug Schräglicht in die Kameralinse eindringen kann, so dass die Ränder des Bildes nicht mehr ausreichend beleuchtet werden. 7 Der nun zu thematisierende Bereich der Vignettierung beschäftigt sich allerdings nicht mit diesem ungewollten Phänomen, sondern mit dem bewussten Einsatz eines Trickeffekts, der durch den Einsatz einer Kreisblende erreicht werden kann.
5 Vgl. IMDb (2007): [www] 1915-1922: 259 Filme
6 Vgl. Usai, Paolo Cherchi; (2000): S. 23
7 Vgl. Skyline Pix (2007): [www]
Arbeit zitieren:
Markus Stegmann, 2007, Farbe und Vignettierung im Stummfilm am Beispiel von "Intolerance", München, GRIN Verlag GmbH
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