Bueb - der während 1974 und 2005 kontroverser Schuldirektor in Salem war, führt in seinem Buch als Beispiel eine Klassenfahrt an:
Eine neunte Klasse fährt mit dem Zug nach München, wohl wissend, dass jeder Schüler nach einem Regelverstoß unverzüglich nach Salem zurückkehren muss.
Schon nach kurzer Zeit werden drei Schüler beim Rauchen auf einer Toilette erwischt, was dementsprechend die angedrohte Strafe nach sich zieht. Obwohl die Schüler daraufhin versuchten, die gesamte Klasse zu einer Revolte zu überreden, blieben die Lehrer bei ihrer Meinung und die restlichen Schüler waren nicht bereit dazu, ihren Ausflug wegen der drei Mitschüler ausfallen zu lassen (Vgl. S. 108/ Z. 11 ff).
Aufgrund der Durchsetzungsfähigkeit und der dringend erwarteten Konsequenz des Lehrpersonals lernten die restlichen Schüler, dass sie sich an gewisse Maßstäbe halten müssen, da sonst eine harte Strafe folgen würde.
Bueb möchte anhand dieses Beispiels darauf hinaus, dass die Autorität des Lehrers in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rücken muss, nicht aber die Meinung der Schüler. Laut Bueb ist die ständige Inkonsequenz und die fehlende Führungskraft auch Schuld an dem „Bildungstief“ Deutschland.
Weiterhin fordert Bueb dazu auf, die Überzeugungen von Disziplin und auch Autorität schnellstmöglich neu zu überdenken, denn Lehrer und Erzieher, die mit einer naiven Idee einer Erziehung ohne Strafen ihren Beruf ausüben wollen, würden durch die Realität schnell eines Besseren belehrt werden (Vgl. S. 108/ Z. 7ff). Doch was ist laut Bueb noch grundlegend für eine gute Erziehung?
Bueb weist in seinem Buch daraufhin, dass nicht nur die verbale Orientierung, sondern auch die körperliche Grenzsetzung essentiell sei (Vgl. S. 109/ Z. 8f). Dabei betont er aber auch immer wieder, dass es notwendig sei, die Strafe im Vorfeld unmissverständlich zu übermitteln, falls eine Regel gebrochen werden sollte. Weiterführend appelliert Bueb insbesondere an die Erwachsenen, denn diese sollten übernehmen, dass heißt sie sollen endlich „Mut zur Erziehung“ aufbringen, um ihre Ziele erfolgreich meistern bzw. um die Grundlagen für den Erwerb von Freiheit erhalten zu können. Für Bueb ist Mut mitunter eine der wichtigsten Grundeinstellungen eines Pädagogen, um Normen und Werte an Jugendliche übermitteln zu können.
Denn nur so lernt der Schüler nach einem gewissen Orientierungssystem zu leben und dann später in der Gesellschaft zu „überleben“.
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Doch leider können nicht alle Grundeinstellungen von Bueb ohne Zweifel in den Schulalltag übernommen werden. Als Beispiel hierfür dient seine kritikträchtige Kontrolle des Alkohol-und Drogenkonsums an seiner Schule in Salem.
Da Bueb die Meinung vertritt, man würde scheitern, wenn man versuchen würde, Jugendliche ohne Strafen von Drogen und Alkohol abzuhalten - da sie viel zu unselbstständig seien, um von sich selbst aus den Versuchungen zu überstehen - führte Bueb in seiner Salemer Schule tägliche Urinproben ein - eine von vielen Ideen Buebs, die nicht unkommentiert bleiben sollte (Vgl. S 109/ Z. 27 - S. 110/ Z. 12).
Per Losverfahren wurde jeden Morgen ein Schüler bestimmt, der auf illegale Drogen getestet wurde. Stellte sich die Kontrolle als positiv heraus, musste der Schüler die Salemer Schule umgehend für immer verlassen.
Selbstverständlich sah sich nicht jeder mit der Idee einverstanden. Obwohl er sich vorher die Zustimmung aller Eltern einholte, war sein Kampf gegen den Drogenkonsum äußerst umstritten, doch trotzdem ließ Bueb nicht von seiner Theorie ab, dass Jugendliche besonders in der Gemeinschaft durchaus unüberlegt handeln würden und sie deshalb täglich überwacht werden müssten.
Laut der Zeitschrift „Die richtige Erziehung?!“, wurde die Idee Buebs als „entwürdigende Einschränkungen der persönlichen Freiheit“ angesehen, die „man besser früher als später revidieren sollte“. Desweiteren verwundert es wohl kaum, dass einige Eltern den Wechsel ihrer Kinder auf andere Privatschulen beantragten.
Nachdem Buebs Buch veröffentlicht wurde, folgten weitere negative Stimmen: Während der Therapeut W. Bergmann in seinem Buch „Missbrauch der Disziplin“ Buebs Verhalten schlicht als „dämlich“ und „ungehemmt totalitär“ bezeichnet, werden ihm andere Literaten durch sein Fordern nach Autorität rechtsradikale Bildungsmethoden vor. Doch gab es auf Buebs neuwertige Methoden nur negative Reaktionen? Maximilian G. Heinrich, der von der Zeitschrift „Die Zeit“ fünf Jahre nach seinem Schulabschluss über die Situation in Salem befragt wurde, äußert sich rückblickend ausschließlich positiv über das Erlebte. Dies bedeutet, dass Bueb sich nicht umsonst den Unmut mancher Leute auf sich gezogen hat.
Laut M. G. Heinrich stärkte die Salemer Moral sogar sein Selbstwertgefühl und machte ihn viel zugänglicher für die Bildung und Erziehung.
Anhand dieser Äußerung lässt sich erkennen, dass Buebs Theorie eines radikalen Umbruchs im Bildungssystem nicht grundlegend übertrieben sein kann.
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Rebecca Lehmann, 2009, Bernhard Bueb: "Lob der Disziplin - Eine Streitschrift", München, GRIN Verlag GmbH
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