Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I
Abk ürzungsverzeichnis V
Abbildungsverzeichnis VII
Tabellenverzeichnis IX
1. Einführung 1
1.1. Aktueller Bezug und Problemstellung 1
1.2. Aufbau der Arbeit 3
2. Mergers Acquisitions 6
2.1. M A-Begriff 6
2.1.1. Herkunft des M A-Begriffs 6
2.1.2. Definition des M A-Begriffs 6
2.2. M A-Grundtypen 8
2.3. M A-Prozess 9
2.3.1. Vorbemerkungen 9
2.3.2. Vorfeld-Phase 11
2.3.3. Transaktions-Phase 12
2.3.4. Integrations-Phase 13
2.4. M A-Ziele 14
2.4.1. Vorbemerkungen 14
2.4.2. Management-Motive 15
2.4.3. Wertsteigernde Motive 16
2.4.3.1. Steigerung des Shareholder Value als übergeordnetes M A-Ziel 16
2.4.3.2. Subziele 19
I
3. Synergien 22
3.1. Synergie-Begriff 22
3.1.1. Herkunft des Synergie-Begriffs 22
3.1.2. Definition des Synergie-Begriffs 22
3.2. Synergie-Wirkungsrichtung 24
3.3. Synergie-Erscheinungsform 25
3.4. Synergie-Ursachen 28
3.4.1. Theoriegeleitete Begründung von Synergien 28
3.4.1.1. Vorbemerkungen 28
3.4.1.2. Begründung von Synergien auf Basis der Produktionstheorie 28
3.4.1.3. Begründung von Synergien auf Basis der Monopoltheorie 31
3.4.2. Heuristische Begründung für Synergien 32
3.4.2.1. Begründung von Synergien durch Bündelung von Aktivitäten 32
3.4.2.2. Begründung von Synergien durch Transfer von Know-how 33
3.5. Synergie-Systematisierung 34
3.5.1. Vorbemerkungen 34
3.5.2. Systematisierung nach Erreichbarkeit 35
3.5.3. Systematisierung nach Zeit 36
3.5.4. Systematisierung nach Entstehungsort 36
3.5.5. Systematisierung nach Art 37
4. Synergien in Mergers Acquisitions 40
4.1. Bedeutung von Synergien für M A 40
4.1.1. Synergien als theoretische Begründung für M A 40
4.1.2. Synergien als Begründung für Kontrollprämien 41
4.1.2.1. Prinzip der Kontrollprämie 41
4.1.2.2. Zusammenhang zwischen Synergiewert und Kontrollprämie 42
4.1.3. Zusammenfassung 45
4.2. Identifikation von Synergiepotentialen im Rahmen von M A 46
4.2.1. Einordnung der Identifikationstätigkeit in den M A-Prozess 46
4.2.2. Methoden zur Identifikation von Synergiepotentialen 47
4.2.2.1. Synergiematrix 47
4.2.2.2. Stärken-Schwächen-Profil 49
4.2.2.3. Wertketten-Analyse 51
II
4.2.3. Anwendungsbeispiel: Identifikation von Synergiepotentialen bei M A in der
Stromwirtschaft 54
4.2.3.1. Vorbemerkungen und Vorgehensweise 54
4.2.3.2. Wertkette der Stromwirtschaft 55
4.2.3.3. Synergiepotentiale bei M A in der Stromwirtschaft 58
4.2.3.3.1. Stromerzeugung 58
4.2.3.3.2. Stromhandel 59
4.2.3.3.3. Stromübertragung und -verteilung. 60
4.2.3.3.4. Marketing und Vertrieb 61
4.2.3.3.5. Verwaltung/Corporate 62
4.2.3.3.6. Zusammenfassung 63
4.2.4. Problemfelder bei der Identifikation von Synergiepotentialen 63
4.2.4.1. Problemfeld Information 63
4.2.4.2. Problemfeld beteiligte Personen 65
4.2.4.3. Problemfeld Prognose und Komplexität 65
4.3. Bewertung von Synergiepotentialen im Rahmen von M A. 66
4.3.1. Einordnung der Bewertungstätigkeit in den M A-Prozess 66
4.3.2. Methoden zur Bewertung von Synergiepotentialen 68
4.3.2.1. Qualitative Checkliste 68
4.3.2.2. Paketzuschlags-Methode 70
4.3.2.3. Discounted-Cash-Flow-Methode 70
4.3.2.3.1. Prinzipielle Vorgehensweise der Discounted-Cash-Flow-
Methode 70
4.3.2.3.2. Periodische Netto-Synergie-Cash-Flows 71
4.3.2.3.3. Planungshorizont 73
4.3.2.3.4. Diskontierungssatz 73
4.3.2.3.5. Beurteilung der DCF-Methode 74
4.3.3. Anwendungsbeispiel: Bewertung von Synergiepotentialen bei M A in der
Stromwirtschaft 74
4.3.3.1. Vorbemerkungen und Vorgehensweise 74
4.3.3.2. Ermittlung der maximal möglichen Synergiewerte und der
Erf üllungsgrade der Realisierungstreiber 75
4.3.3.3. Ermittlung der Basisgrößen und der Synergiekosten 76
4.3.3.4. Ermittlung der Netto-Synergiewerte und des Synergie-Gesamtwerts 77
III
4.3.4. Problemfelder bei der Bewertung von Synergiepotentialen 79
4.3.4.1. Problemfeld Schätzen von Größen 79
4.3.4.2. Problemfeld Scheingenauigkeit 81
5. Schlussbetrachtung 83
5.1. Zusammenfassung 83
5.2. Fazit 84
Literaturverzeichnis 85
Sonstige Quellen 93
IV
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung Aufl. Auflage BGB Bürgerliches Gesetzbuch bzw. beziehungsweise ca. zirka CAPM Capital Asset Pricing Model DCF-Methode Discounted-Cash-Flow-Methode Diss. Dissertation d. h. das heißt EBIT Earnings before Interest and Taxes EBITDA Earnings before Interest, Taxes, Depreciations and Amortizations EK Eigenkapital engl. englisch F&E Forschung und Entwicklung FK Fremdkapital GuV Gewinn- und Verlustrechnung Habil. Habilitation hrsg. herausgegeben IT Informationstechnologie inkl. inklusive Jg. Jahrgang k e geforderte Rendite der Eigenkapitalgeber kV Kilovolt M&A Mergers and Acquisitions Mrd. Milliarden Nr. Nummer R&D Research and Development ROE Return on Equity S. Seite Tsd. Tausend TSO Transmission System Operator u. a. unter anderem/unter anderen
V
vgl. vergleiche WACC Weighted Average Cost of Capital z. B. zum Beispiel
VI
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Weltweite Entwicklung von M A-Transaktionen (abgeschlossene
Transaktionen ohne Equity Carve Outs, Exchange Offers und Open
Market Repurchases)
Abbildung 2: Grundlegende Struktur der Arbeit
Abbildung 3: Abgrenzung der Begriffe „Merger“ und „Acquisition“
Abbildung 4: Differenzierung von M A nach der strategischer Richtung
Abbildung 5: Phasen des M A-Prozesses
Abbildung 6: Ziele von M A
Abbildung 7: Ermittlung des Free Cash Flows (indirekte Methode)
Abbildung 8: Bestandteile des Synergie-Begriffs
Abbildung 9: Abgrenzung der Begriffe Synergie, Synergiepotential und
Synergieeffekt
Abbildung 10: Wirkung, Wirkungsrichtung und Erscheinungsform betriebswirt-
schaftlicher Synergien
Abbildung 11: Zusammenhang zwischen Wirkungsrichtung und Erscheinungsform
Abbildung 12: Synergien durch Economies of Scale
Abbildung 13: Synergien durch Economies of Scope
Abbildung 14: Synergien durch Erfahrungskurveneffekte
Abbildung 15: Umsatzsynergien in Folge einer verbesserten Markt-/ Wettbewerbs-
position
Abbildung 16: Kriterien zu Systematisierung des Synergiebegriffs
Abbildung 17: Klassifikation von Synergien anhand der Zeit
Abbildung 18: Zusammenhang zwischen Synergie-Gesamtwert und Kontrollprämie
Abbildung 19: Zusammenhang zwischen Synergie-Gesamtwert und Kaufpreis
Abbildung 20: Einordnung der Synergie-Identifikation in den M A-Prozess
Abbildung 21: Matrix zur Identifikation und Bewertung von Synergiepotentialen
Abbildung 22: Stärken-Schwächen-Profile von Akquisiteur und Akquisitionsobjekt im
Vergleich
Abbildung 23: Modell der Wertkette
Abbildung 24: Verflechtung von Wertketten zur Synergie-Identifikation
Abbildung 25: Wertkette der Stromwirtschaft
Abbildung 26: Einordnung der Synergie-Bewertung in den M A-Prozess
Abbildung 27: Komponenten des Werts des Zielunternehmens (aus Käufersicht)
VII
Abbildung 28: Anwendung des Prinzips der qualitativen Checkliste als Methode zur Bestimmung des Realisierungstreiber-Erfüllungsgrads ......................... 69 Abbildung 29: Bewertung von Synergiepotentialen mittels DCF-Methode .................. 71 Abbildung 30: Fiktives Beispiel für die Bewertung von Synergiepotentialen in der
Stromwirtschaft ...................................................................................... 80 Abbildung 31: Mögliche Entwicklungsszenarien des Werts des Synergiepotentials
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Theorien zur Erklärung von M A 40
Tabelle 2: Shared Services in Stromunternehmen 57
Tabelle 3: Synergiepotentiale in der Stromwirtschaft 64
Tabelle 4: Maximal mögliche Synergieeffekte (relativ) und 76
IX
1. Einführung
1.1. Aktueller Bezug und Problemstellung
„Eon holt sich Endesa. MAN will Scania kaufen. BASF schluckt den amerikanischen Kataly-satorbauer Engelhard. Und Bayer übernimmt Schering.“ (Sucher 2006, 102). Vier aktuelle 1 Beispiele für eine unternehmensstrategische Option, die mit dem Terminus „Mergers and Acquisitions“ (M&A) umschrieben wird.
Ein Blick in die nähere Vergangenheit zeigt, das M&A seit etwa Mitte der 1990er Jahre einen wahren Boom erfahren haben (vgl. Abbildung 1). Waren im Jahr 1995 weltweit noch 19,1 Tsd. Transaktionen zu verzeichnen, so stieg deren Anzahl bis zum Jahr 2000 auf 29,7 Tsd. Transaktionen an. Das entspricht einer Zuwachsrate von 55 %. Das Volumen aller Transaktionen versechsfachte sich im gleichen Zeitraum gar von 595,6 Mrd. Euro auf 3.800,9 Mrd. Euro. Mit der Jahrtausendwende ist jedoch gleichzeitig auch der vorläufige Höhepunkt der weltweiten M&A-Tätigkeit erreicht worden. Als Folge der geplatzten Spekulationsblase an den internationalen Aktienmärkten (vgl. Meckl/Sodeik/Fischer 2006, 201) gingen sowohl Anzahl als auch Volumen bei den Transaktionen spürbar zurück. Allerdings erholte sich der weltweite M&A-Markt schnell (vgl. Meckl/Sodeik/Fischer 2006, 201) und seit 2004 ist wieder ein klarer Aufwärtstrend zu erkennen. So wurden im vergangen Jahr (2005) gut 24 Tsd. Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von fast 1.800 Mrd. Euro getätigt. Weniger erfolgreich als die Entwicklung von Transaktionsanzahl und -volumen, fällt dagegen die Erfolgsquote von M&A aus. Nur 30-70 % aller Transaktionen erreichen das angestrebte Ziel (vgl. Picot 2000, 267), welches - unter Maßgabe des Shareholder Value Approachletztendlich aus einer Steigerung des Unternehmenswerts besteht. Eine solche Wertsteigerung liegt definitionsgemäß dann vor, wenn der Wert des zusammengeschlossenen Unternehmens größer ist, als die Summe der isolierten Werte der an der Transaktion beteiligten Unternehmen zuzüglich einer eventuell gezahlten Akquisitionsprämie.
Zentrales Instrument zur Schaffung dieses „überadditiven“ Mehrwerts ist die Ausschöpfung von zwischen den Transaktionspartnern bestehenden Synergien. Allerdings geht das Kalkül, Wert über Synergien zu schaffen, nur dann auf, wenn bereits vor Abschluss der Transaktion mögliche Synergiepotentiale zuverlässig identifiziert und bewertet werden. Hierbei auftretende Fehleinschätzungen können als eine wesentliche Ursache für die oben zitierte geringe Erfolgsquote von M&A-Transaktionen angesehen werden. Gestützt wird diese These von der Tatsache, dass der Aktienkurs eines akquirierenden Unternehmens oft bereits unmittelbar
1 Oktober 2006
1
Volumen in Mrd. Euro Anzahl in Tsd. Stück
4.000.000 35
3.500.000
30
3.000.000
25
2.500.000
20
2.000.000
15
1.500.000
10
1.000.000
5
500.000
0 0
1986 1987 1988 1989 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005
Volumen der Transaktionen Anzahl der Transaktionen
Volumen aller Transaktionen in Anzahl aller Transaktionen
Jahr
Mrd. Euro (inkl. Net Debt of Target) in Tsd.
1986 343,6 3,6
1987 284,9 4,5
1988 418,0 6,4
1989 482,7 8,8
1990 378,9 9,9
1991 286,2 13,4
1992 242,1 12,9
1993 299,2 13,4
1994 423,8 15,7
1995 595,6 19,1
1996 862,4 20,5
1997 1.188,6 22,6
1998 1.988,7 25,2
1999 2.247,4 27,4
2000 3.800,9 29,7
2001 2.441,3 23,3
2002 1.502,6 20,0
2003 1.133,3 21,1
2004 1.345,1 22,8
2005 1.788,9 24,1
Abbildung 1: Weltweite Entwicklung von M A-Transaktionen (abgeschlossene
Transaktionen ohne Equity Carve Outs, Exchange Offers und Open
Market Repurchases)
Quelle : Thomson Financial Securities Data, Abfrage vom 14.11.2006
2
nach Ankündigung der Transaktion einbricht - der Kapitalmarkt das prognostizierte Synergiepotential also anders bewertet, als die Unternehmensleitung. So führt Sirower aus, dass im Zeitraum von 1993-1995 der Aktienkurs bei allen eine M&A-Transaktion ankündigenden Unternehmen um durchschnittlich zehn Prozent gesunken ist (vgl. 2001, 30). Ziel dieser Arbeit ist es daher, Theorien und Konzepte aufzuzeigen, mit deren Hilfe Synergien bei M&A identifiziert und bewertet werden können. Besondere Berücksichtigung findet dabei jeweils auch die Darstellung möglicher Problemfelder. Im Einzelnen wird wie folgt vorgegangen:
1.2. Aufbau der Arbeit
In ihrem konzeptionellen Aufbau gliedert sich die Arbeit in zwei Teile: Der Grundlagen-Teil - bestehend aus den Kapiteln 2 und 3 - soll wesentliche Theorien und Elementarbegriffe zu den beiden Themengebieten M&A und Synergien vermitteln. Zu einer inhaltlichen Zusammenführung beider Themenkomplexe kommt es anschließend im Synthese-Teil (Kapitel 4), der darstellt, wie sich Synergien im Rahmen von M&A-Transaktionen identifizieren und bewerten lassen.
Der Grundlagen-Teil beginnt in Kapitel 2 zunächst mit einer Definition der Begriffe „Merger“ und „Acquisition“. In Abschnitt 2.2. folgt ein kurzer Überblick zu den möglichen Grund-formen von M&A-Transaktionen, bevor in Abschnitt 2.3. mit dem M&A-Prozess der typische Ablauf einer solchen Transaktion dargestellt wird. Den Abschluss der ersten Hälfte des Grundlagen-Teils bildet eine Passage zu den M&A-Zielen.
Eine nähere Bestimmung des Synergie-Begriffs leitet in Abschnitt 3.1. die zweite Hälfte des Grundlagen-Teils ein. Im Anschluss daran werden mit der Wirkungsrichtung und der Er-scheinungsform zwei wesentliche Charakteristika wirtschaftswissenschaftlicher Synergien vorgestellt. Abschnitt 3.4. widmet sich nachfolgend den Ursachen von Synergien. Abgeschlossen wird der Grundlagen-Teil durch eine Systematisierung wesentlicher Synergie-Varianten.
Der Synthese-Teil leitet die inhaltliche Verbindung der beiden Grundlagen-Teile mit einem Abschnitt zur Bedeutung von Synergien für M&A ein. Dabei wird zunächst auf die Funktion eingegangen, die Synergien aus theoretischer Sicht für M&A haben. Anschließend erfolgt nochmals eine Untersuchung des Zusammenhangs beider Themenkomplexe aus eher pragmatischer Perspektive, indem die Beziehung zwischen Synergie-Wert und Akquisitionsprämie beleuchtet wird.
3
Die nachfolgenden Abschnitte 4.2. und 4.3. stellen die eigentliche inhaltliche Synthese beider Themenkomplexe dar, indem sie auf Identifikation und Bewertung von Synergien bei M&A eingehen. Beide Abschnitte basieren dabei auf einem einheitlichen Grundschema: Zunächst wird die Identifikations- bzw. Bewertungstätigkeit in den M&A-Prozess eingeordnet, um eine prinzipielle Orientierung zu ermöglichen. Danach folgt die Vorstellung dreier Methoden zur Umsetzung der beiden Tätigkeiten. Ein Beispiel vertieft anschließend die jeweils geläufigste Methode. Beendet werden beide Abschnitte durch eine Erläuterung wesentlicher Probleme, die sich bei der Identifikation bzw. Bewertung von Synergien ergeben können. Den Abschluss der Abhandlung bilden eine Zusammenfassung wesentlicher Aussagen und ein kurzes Fazit. Abbildung 2 stellt die Methodik der gesamten Arbeit noch einmal in graphischer Form dar.
4
2. Mergers & Acquisitions
2.1. M&A-Begriff
2.1.1. Herkunft des M&A-Begriffs
Die Worte „Mergers and Acquisitions“ - abgekürzt durch „M&A“ - stammen etymologisch aus dem Englischen und lassen sich ganz allgemein mit „Zusammenschlüsse und Erwerbungen“ ins Deutsche übersetzten (vgl. Duden Redaktion/Oxford University Press 1990, 38 und 449).
Im Bereich der Betriebswirtschaft beschreibt das Begriffspaar seit Ende des 19. Jahrhunderts Fusionen und Übernahmen von Unternehmen. In gleicher Bedeutung hat der englische Ausdruck etwa seit Anfang der 1980er Jahre auch in den deutschen Sprachraum Eingang ge-funden, da ein unmittelbares Pendant zu Mergers and Acquisitions im Deutschen nicht existiert (vgl. Picot 2000, 15 und Wirtz 2003, 10). Trotz oder grade wegen dieser sprachraumübergreifenden Verbreitung wird der M&A-Begriff bisher weder in der wirtschaftswissenschaftlichen Theorie noch in der ökonomischen Praxis einheitlich verwendet (vgl. Wirtz 2003, 10). Aus diesem Grund erscheit es sinnvoll, den nachstehenden Ausführungen zunächst eine inhaltliche Definition der beiden Begriffe voranzustellen wie sie in dieser Arbeit verstanden werden.
2.1.2. Definition des M&A-Begriffs
Unter Mergers and Acquisitions werden Fusionen und Übernahmen von Unternehmen bzw. Unternehmensteilen verstanden (vgl. Behrens/Merkel 1990, 13). Konstitutive Merkmale sind die Veränderung der Eigentumsverhältnisse am Eigenkapital (vgl. Lucks/Meckl 2002, 23-24) und die Übertragung von Leitungs- und Kontrollbefugnissen (vgl. Coenenberg/Jacoby 2000, 177). Aus strategischer Sicht stellen M&A eine Form externen Unternehmenswachstums dar (vgl. Mayerhofer 1999, 19), realisiert durch Transaktionen, die auf dem Markt für Unternehmen, Unternehmensteile bzw. Beteiligungen stattfindenden (vgl. Achleitner 2000, 141). Die Abgrenzung eines „Mergers“ von einer „Acquisition“ kann anhand des Eingriffs in die rechtliche Selbstständigkeit der betroffenen Unternehmen vorgenommen werden (vgl. Lucks/Meckl 2002, 23-24, vgl. hierzu auch Abbildung 3):
6
Abbildung 3: Abgrenzung der Begriffe „Merger“ und „Acquisition“ Quelle: Eigene Darstellung
Bei Mergers (Fusionen) kommt es zu einem Zusammenschluss zweier oder mehrer bisher eigenständiger Unternehmen, wobei mindestens einer der Fusionspartner seine rechtliche Selbstständigkeit verliert (vgl. Coenenberg/Jacoby 2000, 177). Es sind zwei verschiede Vorgehensweisen zu unterscheiden: Vom „Aufgehen eines Unternehmens in einem anderen“ wird gesprochen, wenn die wirtschaftliche und rechtliche Selbstständigkeit eines Unternehmens erlischt, nachdem dieses sein Vermögen auf den Fusionspartner übertragen hat. Demgegenüber kommt es zur „Neubildung eines Unternehmens“, wenn alle Fusionspartner ihr Vermögen einer neu gegründeten Organisation übereignen und ihre wirtschaftliche und rechtliche Selbstständigkeit im Anschluss daran verlieren. Sind die an der Fusion beteiligten Unternehmen gleichberechtigt, spricht man von einem „Merger of Equals“. Allerdings wird diese Fusi-onsform häufig nur nach außen hin gewählt, um zu vermeiden, dass einem der Partner das Image des „Übernommenen“ anhaftet. Spätestens bei der Besetzung der Managementpositionen wird deutlich, dass von wirklicher Gleichberechtigung nicht gesprochen werden kann (vgl. Lucks/Meckl 2002, 23-24).
Bei Acquisitions (Übernahmen) werden Unternehmen oder Unternehmensteile durch ein anderes Unternehmen gekauft. Während hierbei die wirtschaftliche Selbstständigkeit des übernommenen Unternehmens regelmäßig ganz oder teilweise verloren geht, kann dessen rechtliche Selbstständigkeit durchaus erhalten bleiben. Übernahmen können auf zwei grundsätzlichen Wegen vollzogen werden: Zu einem „Asset Deal“ kommt es, wenn alle bzw. bestimmte Wirtschaftsgüter und Verbindlichkeiten (Aktiva und Passiva) des Zielunternehmens
7
auf den Akquisiteur übertragen werden. Juristisch gesehen liegt ein Sachkauf im Sinne des § 433 I Satz 1 BGB vor. Demgegenüber handelt es sich bei der zweiten Übernahmemöglichkeit, dem „Share Deal“, um einen Rechtskauf gemäß § 433 I Satz 2 BGB. D. h., der Unternehmenskauf erfolgt in diesem Fall durch den Erwerb von Gesellschaftsanteilen, also z. B. Aktien bei einer Kapitalgesellschaft (vgl. Coenenberg/Jacoby 2000, 177-178 und Lucks/ Meckl 2002, 24 und 28).
Abzugrenzen sind M&A von reinen Finanzinvestitionen, deren Kennzeichen zwar ebenfalls der Erwerb von Gesellschaftsanteilen ist, bei denen eine Übertragung von Leitungs-und Kontrollbefugnissen aber nicht im Vordergrund steht. Auch strategische Allianzen werden in der Regel nicht unter dem M&A-Begriff subsumiert, da ein (gegenseitiger) Erwerb von Gesellschaftsanteilen nicht zwangläufig notwendig ist. Joint Ventures hingegen können als M&A-Transaktion betrachtet werden. Sie entstehen, indem zwei oder mehrere Muttergesellschaften gemeinsam ein neues Unternehmen gründen, ein anderes Unternehmen erwerben oder bestehende Kapazitäten auskoppeln und in einer neuen Organisation zusammenschließen. Alle Joint-Venture-Partner erhalten sowohl Kontroll- und Leitungsbefugnisse als auch Gesellschaftsanteile an dem gemeinsamen Unternehmen (vgl. Lucks/Meckl 2002, 25 und 28).
2.2. M&A-Grundtypen
Angesichts der Vielfalt der in der Wirtschaftspraxis vorzufindenden M&A-Transaktionen, wird in der einschlägigen Literatur regelmäßig eine Systematisierung vorgenommen. Von den unterschiedlichen hierfür verwendeten Kriterien 2 hat die „strategische Richtung“ die weiteste Verbreitung gefunden (vgl. Ebert 1998, 12-13).
Die strategische Richtung führt mit der Unterscheidung von horizontalen, vertikalen und konglomeraten bzw. lateralen Transaktionen zu drei M&A-Grundtypen (vgl. Ebert 1998, 13, Coenenberg/Jacoby 2000, 178-179 und Abbildung 4). Hase nennt mit konzentrischen Zusammenschlüssen eine weitere Dimension (vgl. 2002, 38), die auf Grund fehlender Trennschärfe zu den horizontalen Zusammenschlüssen im Folgenden jedoch nicht weiter berücksichtigt wird (vgl. Lugert 2005, 34). Ein horizontaler Zusammenschluss liegt vor, wenn sich ein Unternehmen mit einem Wettbewerber aus seiner Branche verbindet, der sich auf der gleichen Wertschöpfungsstufe befindet. Von vertikalen Verbindungen wird gesprochen, wenn das Zielunternehmen zwar in der gleichen Branche, jedoch auf einer vor- oder nachgelagerten Wertschöpfungsstufe angesiedelt ist (vgl. Ebert 1998, 13). Es kommt also zu einer Fusion mit bzw. zu einer Übernahme von einem Lieferanten (Up-stream-M&A) oder einem
2 Eine Übersicht zu verschiedenen Systematisierungskriterien findet sich z. B. bei Ebert 1998, 12.
8
Abnehmer (Down-stream-M&A), (vgl. Paprottka 1996, 11-12). Erfolgen Unternehmensverbindungen über eine angestammte Branchengrenze hinweg, so werden sie als konglomerate M&A-Transaktion bezeichnet. In diesem Fall bestehen zwischen den Unternehmen weder bei Märkten, noch bei Produkten Übereinstimmungen (vgl. Ebert 1998, 13).
Abbildung 4: Differenzierung von M&A nach der strategischer Richtung Quelle: Eigene Darstellung
2.3. M&A-Prozess
2.3.1. Vorbemerkungen
Der Zusammenschluss von Unternehmen ist regelmäßig ein komplexes und vielschichtiges Ereignis. Es ist folglich ein entsprechendes Konzept notwendig, um derartige Projekte besser beherrschen zu können (vgl. Lucks/Meckl 2002, 18). Mit Prozess-, Funktions- und Matrix-Modell stehen hierfür prinzipiell drei Organisationsformen zur Verfügung (Lucks/Meckl 2002, 60-62), von denen sich letztlich erstgenante durchgesetzt hat (vgl. Lugert 2005, 37). Lucks/Meckl begründen die Überlegenheit der Prozess-Sichtweise u. a. mit der Komplexitätsreduktion, der Förderung von Lernprozessen und der hohen Flexibilität (vgl. vertiefend 2002, 72). In diesem Zusammenhang definieren sie den M&A-Prozess „als eine logische Abfolge notwendiger inhaltlicher Tätigkeiten, die in ihrer Gesamtheit zu einer ökonomisch und rechtlich abgeschlossenen Transaktion führen“ (2002, 18).
So einheitlich die Verwendung des Prozess-Modells zur Strukturierung einer M&A-Transaktion in der Literatur ist, so unterschiedlich sind die gewählten Prozessgliederungen. Es
9
finden sich Modelle mit zwei (vgl. z. B. Metz 2002, 18), drei (vgl. z. B. Dabui 1998, 21), vier (vgl. z. B. Bachmann 2001, 113) und fünf Prozess-Phasen (vgl. z. B. Hagemann 1996, 81). Gemeinsam ist allen Varianten, dass die Vertragsunterzeichnung, das so genannte Closing, als bedeutender Zeitpunkt im M&A-Prozess identifiziert wird. Das Closing gliedert das gesamte Projekt in einen Pre-Merger- und einen Post-Merger-Abschnitt. Ausgehend davon erfolgt - je nach Aussageziel der Publikation - eine weitere, mehr oder weniger detaillierte Untergliederung in zusätzliche Prozess-Phasen (vgl. Lugert 2005, 37-38).
Die weiteste Verbreitung hat bisher das dreiphasige Prozessmodell gefunden (vgl. Lugert 2005, 37-38). Da es auch für die Zwecke der vorliegenden Arbeit am besten geeignet erscheint, wird im Folgenden diese Variante näher beschrieben (vgl. Abbildung 5).
Abbildung 5: Phasen des M&A-Prozesses
Quelle: In Anlehnung an Lucks/Meckl (2002, 54) und Lugert (2005, 38)
Zuvor ist jedoch noch anzumerken, dass eine solche Einteilung in Prozessabschnitte aus Sicht der Wirtschaftspraxis idealtypisch ist. Weder findet sich in der Realität eine exakte Abgrenzung der Phasen, noch wird der Prozess chronologisch sequenziell durchlaufen, sondern es kommt vielmehr zu einer zeitlich parallelen und auch iterativen Abarbeitung des Prozesses (vgl. Lugert 2005, 38).
10
2.3.2. Vorfeld-Phase
Den Ausgangspunkt eines M&A-Projekts bildet die Entwicklung einer Basisstrategie. Sie hat zwei grundsätzliche Fragen zu beantworten: Zunächst ist zu klären, ob M&A diejenige strategische Alternative sind, mit der sich die Ziele der Unternehmensgesamtstrategie am wahrscheinlichsten erreichen lassen. Dies ist dann der Fall, wenn sich die Option des externen Wachstums auf Grund des höchsten Beitrags zum Unternehmenswert (vgl. Abschnitt 2.4.3.1.) gegen die Optionen „internes Wachstum“, „interner Rückzug“ und „externer Rückzug“ durchsetzt. Als nächstes sind die konkreten strategischen Ziele der Geschäftsfeldebene zu klären. Generell können M&A zur Erreichung dreier Zielkategorien eingesetzt werden: Zukauf eines Geschäftsfelds zur Portfoliooptimierung, Zukauf eines bestimmten regionalen Anbieters zur Internationalisierung der Geschäftstätigkeit oder Zukauf bestimmter Ressourcen bzw. Technologien (vgl. Lucks/Meckl 2002, 76-79).
Zweiter Schritt der Vorfeld-Phase ist die Kandidatenbewertung und -auswahl (Screening). Nach der Festlegung der Kriterien zur Auswahl potentieller Unternehmen wird eine Liste mit allen grundsätzlich möglichen Kandidaten zusammengestellt. Anschließend werden alle Kandidaten sequenziell hinsichtlich des Erfüllungsgrads von strategischen, unternehmenskulturellen und finanziellen Anforderungen überprüft. Am Ende wird eine Rangordnung nach Eignung als Akquisitionsobjekt erstellt (vgl. Lucks/Meckl 2002, 79-86). In der sich anschließenden Vorfeldsondierung erfolgt eine erste Kontaktaufnahme mit dem Kandidaten, der die höchste Erfolgswahrscheinlichkeit aufweist. Ziel ist es, abzuklären, ob grundsätzliches Interesse an einer Fusion bzw. Akquisition besteht. Je nach Ergebnis der Gespräche werden diese vertieft oder es wird Kontakt zum nächsten Kandidaten der Rangfolge aufgenommen (vgl. Lucks/Meckl 2002, 86-88). Zur Vorfeldsondierung gehört auch die Sammlung von Daten zum potentiellen Zielunternehmen so weit sie verfügbar sind. So können u. a. erste Synergiepotentiale identifiziert werden, die wichtiger Bestandteil der Grobbewertung sein werden (vgl. Lucks/Meckl 2002, 173-174).
Im Falle positiv verlaufender Verhandlungen kommt es im Rahmen des Führungskonzepts zur Festlegung der angestrebten gesellschaftlichen und organisatorischen Strukturen sowie zur Verteilung der Entscheidungskompetenzen (vgl. Lucks/Meckl 2002, 97-107). In einer Simulation ist hiernach das stand-alone weitergeführte Akquisitionsobjekt der integrierten Variante gegenüberzustellen. Im Ergebnis müssen dabei durch die Integration werterhöhende Cash Flows entstehen (vgl. Lucks/Meckl 2002, 88-91 und Abschnitt 2.4.3.1.).
11
Arbeit zitieren:
Florian Riedel, 2006, Identifikation und Bewertung von Synergien bei Mergers & Acquisitions, München, GRIN Verlag GmbH
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