EinesehrpolitischeDefinitiondesBegriffsgehtursprünglichaufPierreBordieuzurück.So beschreibterPrekaritätalseinegesellschaftlicheTendenzzurVerallgemeinerungsozialer Unsicherheit, deren Ursprung im ökonomischen und Erwerbsystem der Gesellschaft zu verorten ist. Brinkmann et al. bezeichnen mit einer mehr wissenschaftlichHanalytischen Intention ein Erwerbsverhältnis dagegen dann als prekär, wenn die Beschäftigten auf Grund ihrer Tätigkeit deutlich unter ein EinkommensH, SchutzH und soziales Integrationsniveau sinken, das in der Gegenwartgesellschaft als Standard definiert und mehrheitlich anerkannt wird. Janowitz beschreibt das Prekariat plakativer als die breite Grenzzone der Unsicherheit zwischen Gewinnern und Verlierern im „Neuen Kapitalismus“. Dies entspricht auch der Klassenbildung, dieDörre und Fuchszur Abgrenzung des Prekariats vornehmen, wobei angemerkt werden muss, dass hier die Klassengrenzen stark verschwimmen und keineswegs unüberwindlich sind. Sie unterscheiden hier ferner zwischen der „Zone der Entkoppelten“, also den arbeitslosen „Abgehängten“undden„Veränderungswilligen“aufderunterstenEbene,der„Zoneder Prekarität“inderMitte,derdie„Hoffenden“,die„Realistischen“unddie„Zufriedenen“ angehören und auf der obersten Stufe die „Zone der Integration“, die die in einem Normalarbeitsverhältnis angestellten „Gesicherten“, „Unkonventionellen“ oder „Selbstmanager“, aber auch die „Verunsicherten“ und die „Abstiegsbedrohten“ angehören. Genau hier spiegelt sich wieder, wie schwer es ist, eine trennscharfe Abgrenzung des Prekariats vorzunehmen. Brinkmann et al. würden wohl auch die zwei letztgenanntenGruppennochzudenPrekariernzählen,dafürsieErwerbstätigkeitauch prekär ist, sobald sie subjektiv mit Sinnverlusten, Anerkennungsdefiziten und Planungsunsicherheit in einem Ausmaß verbunden ist, das gesellschaftliche Standards deutlichzuUngunstenderBeschäftigtenkorrigiert.IchwerdeimFolgendendenBegriff einesprekärenBerufsallerdingsnurimZusammenhangmitBeschäftigungsverhältnissen verwenden, die nicht dem traditionellen Standard entsprechen, d.h. die also keines der Merkmale Vollzeit, Tariflohn, Unbefristetheit und Kündigungsschutz erfüllen. Die HauptgruppendieserprekärenBerufesindlautdemStatistischenBundesamtsomitLeihH oder Zeitarbeiter, befristet oder geringfügig Beschäftigte, Teilzeitarbeiter und Niedriglohnbeschäftigte.
Nun drängt sich die Frage auf, wie es überhaupt zu einem Anstieg des Anteils der Beschäftigtenzahlen in prekären Berufen um insgesamt 22% auf über 7,72 Mio. im Jahr
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2008lautHansBöcklerStiftungkommenkonnteundwelcheKräftedieseEntwicklungso starkforcierthaben.WiebeiBrinkmannetal.nachzulesenist,müssendieGründefürdie fortschreitende Marktsteuerung und Prekarisierung der Erwerbsarbeit hauptsächlich in Ökonomie und Politik gesucht werden, da eineFlexibilisierung der Arbeit und somit die UmfunktionierungzurWare,diefreigehandeltwerdenkann,dieFunktionsbedingungfür ein neokapitalistisches Modell im postfordistischen Sinne ist, welches bekanntermaßen dieSteigerungderökonomischenDynamikzumZielhat.ImSinnedieserDynamikwurde dem Faktor Arbeit eine gewisse Liquidität geradezu aufgezwungen und Löhne, Arbeitszeiten und -bedingungen sind nun frei verhandelbar. Durch die daraus entstandene Konkurrenz unter den Arbeitnehmern wurden zwangsläufig auch die Beschäftigungsverhältnisse flexibilisiert und letztendlich prekarisiert. Auch die HansH BöcklerHStiftungsiehtdieDeregulierungderMärktealsTriebkraftderPrekarisierung.Sie benennt ganz klar einige Liberalisierungstendenzen wie beispielsweise die Abschaffung des Synchronisationsverbotes, das Beschäftigungsförderungsgesetz, sowie das 2. HartzH Gesetz und die Abschaffung der begrenzten Überlassungsdauer von Leiharbeitern, die zum Bedeutungsverlust der Normalarbeitsverhältnisse geführt haben. Diese Triebkräfte führen nun dazu, dass die marktgetriebene Flexibilisierung betrieblicher Arbeitsverhältnisse immer weniger durch eine robuste sozialstaatliche Regulationsweise abgefedertwird,waswiederumdazuführt,dasseszueinemimmerstärkerenVerlustan Sicherheiten in den Betrieben und vor allem in der Gesellschaft selbst kommt. Die erhofftenBeschäftigungseffektebleibenderweilaus,daselbstinZeitenhoherKonjunktur nicht etwa mehr Leute beschäftigt werden, sondern Produktionsspitzen mit flexiblen Arbeitszeiten, multifunktional einsetzbaren Arbeitskräften, befristet Beschäftigten oder LeihHundZeitarbeiternabgefedertwerden.ImUmkehrschlussmerktJanowitzhiernoch an,dassprekärBeschäftigtedieErstensind,deneninKrisenzeitendieEntlassungdroht. PrekarisierungscheintsomitdieunerwarteteKehrseitederFlexibilisierungzusein. Im Folgenden soll nun die Bedeutung der Prekarisierung für selbständig Berufstätige näher betrachtet werden. Wie allgemein bekannt ist, sind gerade Selbständige in besonderemMaßeunsicherenZukunftsperspektivenausgesetzt.DerWettbewerbistoft sehr stark und gerade hohe Qualifikation und ein ausgeprägtes soziales und kulturelles Kapital gelten als Erfolgsfaktoren auf dem umkämpften Markt. Dem Begriff Selbständigkeit liegt aber auch immanenterweise keine Festanstellung zu Grunde. Die
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Arbeit zitieren:
Robert Kriegisch, 2010, Flexibilisierung und Prekarität, München, GRIN Verlag GmbH
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