Inhaltsverzeichnis
0. EINLEITUNG. 1
1. DIE DEUTSCHE AMERIKA-AUSWANDERUNG IM 19. JAHRHUNDERT 3
1.1. AUSMAß, VERLAUF UND URSACHEN. 3
1.2. AUSWIRKUNGEN AUF DAS HERKUNFTSLAND UND POLITISCHE BZW. ÖFFENTLICHE DISKUSSION. 4
2. DIE DEUTSCHE RÜCKWANDERUNG AUS AMERIKA IM 19. JAHRHUNDERT. 5
2.1. ZUM FORSCHUNGSSTAND. 6
2.2. THEORETISCHER HINTERGRUND 7
2.3. UMFANG DER RÜCKWANDERUNG 8
2.4. MOTIVE FÜR DIE RÜCKWANDERUNG. 9
3. DIE PFÄLZER RÜCKWANDERER AUS AMERIKA IM 19. JAHRHUNDERT 11
3.1. VORAUSSETZUNGEN DER RÜCKWANDERUNG: DIE AUSWANDERUNG AUS DER PFALZ NACH
NORDAMERIKA. 13
3.2. MOTIVE FÜR DIE RÜCKWANDERUNG. 13
3.2.1. Gescheiterte Akkulturation. 14
3.2.2. Rückwanderung aus wirtschaftlichen Motiven. 16
3.2.3. Emotionale Motive. 18
3.2.4. Die Anziehungskraft der alten Heimat 19
3.3. ZWISCHENFAZIT. 20
4. KULTURTRANSFER 22
4.1. AUSWIRKUNGEN DER AUSWANDERUNG UND KULTURTRANSFER IN DEN AMERIKANISCHEN ZIELORTEN 23
4.2. AUSWIRKUNGEN DER RÜCKWANDERUNG UND KULTURTRANSFER IN DEUTSCHLAND. 26
5. SCHLUßBETRACHTUNG. 29
6. LITERATURVERZEICHNIS 32
0. Einleitung
Im Rahmen des Seminars „Migration und Kulturtransfer“ werde ich in dieser Arbeit das Thema der deutschen Rückwanderung aus Amerika im 19. Jahrhundert behandeln. Dem weithin bekannten sowie gut erforschten Phänomen der Amerika-Auswanderung insbesondere im vorletzten Jahrhundert folgte in vielen Fällen nämlich auch eine Rückkehr nach Deutschland. Dieser Aspekt ist allerdings bei weitem nicht so populär geschweige denn systematisch erforscht. „Neben der desolaten Quellenlage war die Vernachlässigung des Themas lange Zeit dadurch begründet, daß die Wanderung in die USA als Einbahnstraße betrachtet wurde. Die ideologische Verklärung der USA als `Land der unbegrenzten Möglichkeiten´ (...) tat ein übriges (...). Dementsprechend wurde sie oft als Problem der wenigen Gescheiterten und Erfolglosen begriffen“ (Schniedewind 1994, S. 9). In der folgenden Arbeit wird der Versuch unternommen, die Rückwanderung anhand einiger überregionaler Daten und regionaler Untersuchungen ins Zentrum zu rücken und in diesem Zusammenhang, soweit die Literatur etwas darüber her gibt, einige Möglichkeiten des Kulturtransfers zu beleuchten. Man muß annehmen, daß das Aufeinandertreffen der verschiedenen Kulturen ihre Spuren hinterließ, sowohl in Amerika als auch im Falle der Rückkehr im Herkunftsland. Zum Aspekt der Auswanderung nach und dem Aufenthalt in Amerika werde ich nur die wichtigsten Tatsachen nennen, denn ohne eine Betrachtung der Vorgeschichte der Rückwanderung, d.h. der Auswanderung, kann diese nicht sinnvoll erklärt werden (vgl. Bade 1984c, S. 18f; Kortum 1981, S. 112). Die Massenauswanderung ist also Voraussetzung für und damit auch Einflußfaktor auf das Rückwanderungsgeschehen. Man kann nämlich davon ausgehen, so Bade, daß die Überseeauswanderung im 19. Jahrhundert eine definitive Entscheidung war, die für viele schon der Reisekosten und der unabwägbaren Risiken wegen unumkehrbar war. Es bestand also nicht die Absicht wieder dauerhaft zurückzukehren (vgl. Bade 1984, S. 16). Um so mehr Bedeutung muß man meiner Meinung nach solchen Rückkehrentschlüssen beimessen. Die Hauptfrage lautet deshalb, welche Motivationen eine Rückkehr unter welchen Bedingungen bewirken? Handelt es sich vorwiegend um wirtschaftliche oder auch u m emotionale Gründe? Welche kulturellen Transferleistungen sind zu beobachten? Den Aspekt der Re-Integration nach der Rückkehr ins Herkunftsland werde ich nur unter 2.4. und im Zusammenhang mit dem Kulturtransfer knapp anreißen.
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Volkskundlich interessant sind die Rückwanderungsmotive, weil sie aus den Erfahrungen des Alltags resultieren, auf den Hoffnungen und Enttäuschungen des kleinen Mannes gründen. Die Literatur und die Quellenlage beziehen sich hauptsächlich auf das gemeine Volk, denn das hat den größten Teil der Wanderer ausgemacht. Anhand von Briefen erfährt man etwas über individuelle Schicksale, anhand von z.B. Bürgerrechtsakten und Statistiken erhält man allgemeingültige Informationen.
Eine theoretische Herangehensweise hat bisher nur Kortum unternommen. Sie wurde seiner Meinung nach notwendig, weil dieses spezielle rückgerichtete Mobilitätsverhalten zwar unter dem Gesamtphänomen „Migration“ eingeordnet werden kann, aber noch nicht als eigenständiges Prinzip gewertet wurde. Migration ist ein Austauschvorgang in einem sozioökonomisch von Disparitäten geprägten Raum. Kortum versteht darunter eine
„Subkategorie einer allgemeinen Bewegung von Gruppen oder Personen im Raum, die als spezifische Komponente eine Bewegung mit einem Zielpunkt, einen Wechsel des Wohnsitzes und der Wohnung, eine Bewegung von einer Gesellschaft in eine andere und somit Wechsel des soziokulturellen Umfeldes enthält (...)“ (vgl. Kortum 1981, S. 112,116ff). Nachdem hier jetzt schon einige Anmerkung zu Migration gemacht wurde, wird e s im nächsten Kapitel um die deutsche Amerika-Auswanderung im 19. Jahrhundert gehen (1.). Unter 1.1. werden Ursachen, Verlauf und Ausmaß der Auswanderung beschrieben, während 1.2. die Auswirkungen der Auswanderung auf das Herkunftsland beinhaltet. Das zweite Kapitel befaßt sich mit der deutschen Rückwanderung aus Amerika unter theoretischen Gesichtspunkten, dem Forschungsstand und Angaben zum gesamtdeutschen Umfang und zu Motiven. Das dritte Kapitel erläutert die regionale Untersuchung von W. Folz. Als Volkskundler bezieht er sich auf alltagsweltliche Themen. Daher erschien mir seine Studie zur Pfälzer Rückwanderung am geeignetsten. Das Beispiel der ländlichen Rückwanderung behandelt die Rückkehr-Motive, meinen Schwerpunkt, sehr ausführlich. In jedem Kapitel stelle ich knapp einige Ergebnisse aus der Studie von K. Schniedewind (Bremer Rückwanderung) und von Kortum (Rückwanderung auf Amrum und Föhr) gegenüber.
Schließlich wird im vierten Kapitel vom Kulturtransfer im Zusammenhang mit Aus-und Rückwanderung die Rede sein: Einmal mit der Frage, was die Deutschen nach Amerika brachten und umgekehrt, was die deutschen Rückwanderer von Amerika nach Deutschland brachten. Das Thema wird in einem gesonderten Kapitel behandelt, weil es sich zu großen Teilen auf andere Literatur stützt und
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deswegen nicht so ohne weiteres in die vorherigen Kapitel eingegliedert werden kann. In einer Schlußbetrachtung soll zuvor Beschriebenes reflektiert und Aussichten genannt werden.
1. Die deutsche Amerika-Auswanderung im 19. Jahrhundert
Theoretisch kann man die Auswanderung in Anlehnung an Kortum als einen besonderen Fall der Migration beschreiben. Zunächst muß damit die Überschreitung einer Hoheitsgrenze vorliegen, sie muß nicht unbedingt über eine längere Distanz erfolgen, impliziert aber meist den Übergang von einem soziokulturellen System in eine andere, vom Ursprungsland strak abweichende Gesellschaft. Dadurch kommt es meist zum Abbruch der physischen und sozialen Kontakte mit dem Heimatgebiet, aber auch oft zu Integrationsbarrieren (vgl. Kortum 1981, S. 119f).
In den 1830er Jahren trat der kontinentale Oststrom aus Deutschland hinter den säkularen Weststrom der transatlantischen Massenauswanderung, die zu 90% in die Vereinigten Staaten führte, zurück.
„Wenn heute von deutscher Auswanderung die Rede ist, wird meist an den Massenexodus (...) in jene Neue Welt erinnert, die im 19. Jahrhundert `Amerika´ hieß“ (Bade 1994, S. 19). Die Auswanderer damals zeichneten sich dadurch aus, daß sie beim Verlassen der Heimat meistens nicht die Absicht hatten, jemals wieder auf Dauer zurückzukehren, weil die Überseereise teuer, beschwerlich und deshalb meist nicht revidierbar war. Die Gründe waren vielfältig, aber die Entscheidung definitv (vgl. Bade 1984c, S. 30; ders. 1984a, S. 268,275; ders. 1996, S. 403f,406; Kortum 1981, S. 150; Mohr 1984, S. 789).
1.1. Ausmaß, Verlauf und Ursachen
Von den Hungerjahren 1816/17 bis 1914 wanderten rund 5,5 Millionen Deutsche in die USA aus. Mit 30% waren sie die stärkste Einwanderergruppe zwischen 1861 und 1890. Die Auswanderungswelle weist drei Gipfel und zwei ereignisbedingte (Wirtschaftskrise und Sezessionskrieg) Einbruchsphasen auf. Nachdem 1880 die dritte, letzte und stärkste Auswanderungswelle nach Übersee stattfand, stagnierte die säkulare überseeische Massenauswanderung des 19. Jahrhunderts ab den 1890er Jahren, im Zusammenhang mit der amerikanischen Wirtschaftskrise 1893. Zudem schlug die wichtigste ökonomische Antriebskraft der Auswanderung, das Überangebot an Arbeitskraft in Deutschland, mit dem Wirtschaftsaufschwung in ihr Gegenteil um. Die Anziehungskraft Amerikas trat
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hinter dem Chancenangebot auf den Arbeitsmärkten in Deutschland zurück. Die kontinentale Zu- und Binnenwanderung überlagerte bald die transatlantische Auswanderung (vgl. Bade 1994, S. 28).
Die Auswanderung im 19. Jahrhundert war durch sozialökonomische Ursachen bedingt, nämlich dem Mißverhältnis im Wachstum von Bevölkerung und Erwerbsangebot in der Übergangskrise von der Agrar- zur Industriegesellschaft. Bei den verschiedensten Hoffnungen und Erwartungen von Amerika dominierten eindeutig die ökonomischen und sozialen Motive und Ziele. Für viele war die Auswanderung ein stummer Sozialprotest gegen die Lebensbedingungen in Deutschland. Umgekehrt fungierte die Amerika-Auswanderung als partieller Export der Sozialen Frage, sie hatte Entlastungsfunktion und verminderte die Furcht vor einer sozialrevolutionären Explosion. Ein weiteres, aber eher unbedeutendes Motiv, war die politische Verfolgung der Demagogen im Vormärz und der Revolutionäre von 1848/49 (vgl. Bade 1984c, S. 18,57f; ders. 1984a, S. 259,267; ders. 1984b, S. 435; ders. 1994, S. 21ff, 26f, 1996, S. 404f,407, 410).
1.2. Auswirkungen auf das Herkunftsland und politische bzw. öffentliche Diskussion
Wolfgang von Hippel berichtet über die zeitgenössische Diskussion, die sich u m die Vor- und Nachteile der Emigration für das Mutterland (hier: Württemberg) drehte. Gerne wurde sie als ökonomische und soziale Entlastung, und damit als nützliches Regulativ, verstanden. Zögerlich begann man deshalb, armen Gemeindemitgliedern spärlich bemessene Auswanderungshilfe zu gewähren, u m sich so von sonst längerfristig anstehenden Dauerbelastungen zu befreien. Man erkannte also, daß die Spannung zwischen Bevölkerungswachstum und wirtschaftlichen Produktivkräften nicht aufhebbar war. Infolge der Auswanderung kam es im Herkunftsraum zu demographischen Strukturverschiebungen- und einbrüchen hinsichtlich des Wachstums, Alters und der Geschlechtsstruktur. Ökonomisch und sozial bedeutete es einen verminderten Bevölkerungsdruck, was wiederum das wirtschaftliche Wachstum erleichterte und den Arbeitsmarkt entspannte. Eine weitere, positive Folge war die Intensivierung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Württemberg und den neu entstehenden überseeischen Märkten durch eine Vielzahl von Verbindungen zwischen Auswanderern und ihrer alten Heimat (vgl. v. Hippel 1984, S. 276-280).
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Kortum ermittelt für die Inseln Amrum und Föhr eine Überalterung durch den Auszug der Friesen nach Amerika, der auch eine gewisse Entlastung für die schwachstrukturierte Heimat brachte (vgl. Kortum 1981, S. 150). Kontakte der Daheimgebliebenen mit den Auswanderern durch Briefe und Besuche in der Heimat beeinflußten die Vorstellungswelt der Schleswig-Holsteiner. Das Amerikabild könnte zum sozialen und kulturellen Wandel beigetragen haben (vgl. Sievers 1981, S. 109).
Auf den von von Hippel schon erwähnten Aspekt der zeitgenössischen Debatte geht Bade in Bezug auf ganz Deutschland ein. Sie reichte
„im Vormärz und zur Zeit der Revolution von 1848/49 über die Ideen zur Nutzung von Auswanderung als ´Export` von sozialen Problemen bis zur Verschränkung von Auswanderungs- und Kolonisationsdiskussion in den späten 1870er und frühen 1880er Jahren“ (Bade 1996, S. 38).
Es wurden aber auch Klagen über den nationalkulturellen und ökonomischen Verlust laut. Die Auswanderung war zwar notwendig, um die Gefahr einer Revolution zu vermindern, aber man wollte zugleich den Verlust des Deutschtums im Assimilationsprozeß und den Abfluß von Humankapital verhindern. Man verlangte nach staatlicher Auswanderungsgesetzgebung, aber die Massenbewegung blieb sich selbst überlassen. In den USA gab es noch keine Einwanderungsquoten und in Deutschland - von der strafrechtlichen Verfolgung heimlich ausgewanderter Militärpflichtiger abgesehen - keine hemmenden Restriktionen mehr, obwohl die Verschiebung in der Erwerbsstruktur des Auswanderungslandes zum Ende des Jahrhunderts besonders auf Kosten landwirtschaftlicher Bereiche ging.
Als 1896 endlich die industrielle Wachstumsperiode begann und die Auswanderung auslief, kam das 1897 erst in Kraft getretene erste Reichsgesetz über das Auswanderungswesen sowie die amerikanische Einwanderungspolitik zu spät,
„so daß die deutsche Überseeauswanderung zur Zeit ihrer Hochflut eine weitgehend dem freien Spiel von vorwiegend sozialökonomischen Schub- und Anziehungskräften überlassene Massenbewegung blieb“ (vgl. Bade 1984c, S. 58; ders. 1984a, S. 276,298f; ders. 1984b, S. 480; ders. 1994, S. 24; ders. 1996, S. 38f,409-413).
2. Die deutsche Rückwanderung aus Amerika im 19. Jahrhundert
Ebenso wie die Auswanderung war auch die Rückwanderung ein Massenphänomen derer, die den Plan einer Ansiedlung in den Vereinigten Staaten wieder aufgaben oder denen die Einreise verweigert wurde. Diesen
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Arbeit zitieren:
Laura Dahm, 2000, Die deutsche Rückwanderung aus Amerika im 19. Jahrhundert, München, GRIN Verlag GmbH
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