5.1 Quartiersbezogene Wohnkonzepte 21
Wohnquartier 4 23
5.1.1
5.2 Eigene Wohnung und eigene Häuslichkeit 27
5.2.1 Wohnen für Hilfe 28
5.2.2 Wohnen mit Betreuung zu Hause 29
5.3 Service Wohnen / Betreutes Wohnen 30
5.4 Gemeinschaftliches Wohnen 32
5.4.1 Selbstorganisierte Wohn- und Hausgemeinschaften. 33
5.4.2 Integriertes Wohnen / Mehrgenerationenwohnen 34
5.5 Wohngruppenorientierte Betreuungskonzepte 35
5.5.1 Betreute Wohngemeinschaften 35
5.5.2 KDA-Hausgemeinschaften 37
5.6 Siedlungsgemeinschaften 37
5.7 Altendorf 37
6 Kategorisierung und Bewertung alternativer Wohnformen 38
6.1 :XQVFKQDFK9HUEOHLELQGHQÄHLJHQHQYLHU:lQGHQ 38
6.1.1 Positive und negative Aspekte 39
6.2 :XQVFKQDFKÄ9HUlQGHUXQJGHU:RKQVLWXDWLRQ 40
6.2.1 Positive und negative Aspekte 40
6.3 Ä ZLQJHQGH1RWZHQGLJNHLW XU9HUlQGHUXQJGHU:RKQVLWXDWLRQ 42
6.3.1 Positive und negative Aspekte 42
7 Probleme bei der Umsetzung alternativer Wohnformen 43
7.1 Geringe quantitative Bedeutung trotz wachsendem Interesse 44
7.2 Probleme mit bestehenden Rahmenbedingungen 45
7.2.1 3UREOHPHGHU:RKQDOWHUQDWLYHÄ6HUYLFH:RKQHQ 46
7.3 Bekanntheit der Wohnformen 48
8 Fazit und Handlungsempfehlungen 48
8.1 Handlungsempfehlungen 49
9 Literaturverzeichnis 52
1 Einleitung
Ausgehend von der demographischen Entwicklung in Deutschland und der zu erwartenden Entwicklungen im Bereich der Vorsorgungssysteme für pflegebedürftige DOWH 0HQVFKHQ ZLUG GDV 7KHPD Ä:RKQHQ LP $OWHU³ ]XNQIWLJ PLW HLQHU 9LHO]DKO YRQ neuen Herausforderungen verbunden sein. Neben den traditionellen Wohnformen für ältere Menschen wie Altenwohnheime, Altenheime und Pflegeheime hat sich in den letzten Jahren eine Vielzahl an Äneuen³ und Äalternativen³ Wohnformen entwickelt. Diese Wohnformen müssen nicht nur den veränderten Wohnbedürfnissen älterer Menschen, sondern auch zukünftigen gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Veränderungen entsprechen.
Die vorliegende Thesis beschäftigt sich mit eben diesen alternativen Wohnformen und möchte aufzeigen, welche Alternativen zu bestehenden Wohnformen für ältere Menschen derzeit zur Verfügung stehen und in welcher Entscheidungssituation sie geeignet erscheinen. Zudem soll sie Aufschluss darüber geben welche Probleme es bei der Umsetzung YRQ ÄDOWHUQDWLYHQ :RKQIRUPHQ JLEW³ und wie weit diese Wohnformen die veränderten Bedürfnisse und Wünsche älterer Menschen an ihr Wohnumfeld berücksichtigen.
1HEHQ GHP ÄEHWUHXWHQ :RKQHQ³ RGHU ÄJHPHLQVFKDIWOLFKHQ :RKQHQ³ ZHOFKH LQ GHU öffentlichen Diskussion am häufigsten PLW GHP %HJULII ÄDOWHUQDWLYH :RKQIRUPHQ³ LQ Verbindung gebracht werden wird in dieser Arbeit ein Hauptaugenmerk auf das Ä:ohnen im Quartier³ liegen. Sowohl in der breiten Öffentlichkeit als auch in der Fachwelt spielt diese aktuell häufigste Wohnform nur eine untergeordnete Rolle. Der überwiegende Teil der Senioren und Seniorinnen möchte ihren Lebensabend selbstständig und selbstbestimmt in ihrer vertrauten Umgebung verbringen. Hierzu werden die Anforderungen älterer Menschen an ihr Wohnumfeld und mit Ä:RKQTXDUWLHUKRFK9LHU³HLQNRQNUHWHV.RQ]HSWDXVIKUOLFKGDUJHVWHOOW Die Arbeit wird mit einem Fazit und Handlungsempfehlungen für die Zukunft abgeschlossen.
xxxxxxxxxxxxxxx
1
2 Begriffsabgrenzungen und Definitionen 2.1 %HVWLPPXQJGHU%HJULIIHÄAOWH³XQGÄ6HQLRUHQ³
Die Lebenserwartung ist im letzten Jahrhundert deutlich gestiegen, und wird wahrscheinlich auch in den kommenden Jahren kontinuierlich steigen. Gerade die verbesserte medizinische Versorgung ermöglicht es vielen Menschen noch bis in ein sehr hohes Alter relativ gesund und aktiv zu bleiben. 1 Trotz der beschriebenen und im Vergleich zu früher deutlich besseren /HEHQVYHUKlOWQLVVH ZLUG LP 6SUDFKJHEUDXFK ÄDOW³ mehrheitlich mit ÄSIOHJHEHGUIWLJ³ gleichgesetzt. Wie falsch diese Gleichstellung ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen: gerade einmal 5% aller über 60-jährigen sind pflegebedürftig. Dieser Anteil erhöht sich bei über 85-jährigen auf etwa 50%, dies bedeutet aber ebenso, dass 95% der über 60-jährigen und gut die Hälfte aller 85-jährigen selbstständig in ihrer Wohnung zurechtkommt. 2
'HU %HJULII Ä6HQLRU³ VWDPPW DXV GHP ODWHLQLVFKHQ XQG EHGHXWHW EHUVHW]W ÄGHU lOWHUH³ HU ZXUGH YRU HLQLJHQ -DKUHQ DOV %HVFK|QLJXQJ IU GHQ $XVGUXFN ÄDOW³ eingeführt und beschreibt eine Bevölkerungsgruppe, deren Mitglieder sehr unterschiedliche Lebenslagen (hinsichtlich Alter, Einkommen und
Gesundheitszustand), als auch Lebensstile aufweisen. 3 (LQHJHQDXH$EJUHQ]XQJGHV%HJULIIVÄ6HQLRU³LVWVHKUVFKZLHULJGDLQGHU/LWHUDWXU keine einheitliche Definition existiert. Die Meinungen gehen weit auseinander, ab welchem Lebensalter ein Mensch als ÄSenior³ bezeichnet werden sollte. 4 In der vorliegenden Arbeit wird angenommen, dass das Seniorenalter bei 65 Jahren beginnt, also in etwa mit Eintritt des Ruhestands. Die Altersgruppe der über 50- MlKULJHQZLUGDOVÄ]XNQIWLJH6HQLRUHQ³EH]HLFKQHW
1 Vgl. Opaschowski H, S. 54 f
2 Vgl. Edinger S. et al., S. 7
3 Vgl. Edinger S. et al., S. 27
xxxxxxxxxxxxxxx
4 Vgl. Neugebauer A., S. 7
2
Auch im Seniorenalter hat man eine Zweiteilung vorgenommen, um reale Unterschiede und Möglichkeiten besser erfassen zu können. Folgende Differenzierungsansätze der Altersphasen sind unter der Berücksichtigung der geringen Aussagekraft, welche eine Einteilung nach Altersgruppen bringt, gebräuchlich: 5
65-80 Jahre Æ ÄMXQJH$OWH³ÄDOW³ÄGULWWH/HEHQVSKDVH³ Ab 80 Jahre Æ ÄDOWH$OWH³ÄKRFK altrig/hoch EHWDJW³ÄYLHUWH/HEHQVSKDVH³ Diese zwei Gruppen sind mit sehr unterschiedlichen Problemen des AlterungspUR]HVVHV NRQIURQWLHUW ,VW GHU ÄMXQJH $OWH³ QRFK ZHLWJHKHQG DNWLY XQG JHVXQGWULWWEHLÄDOWHQ$OWHQ³]XQHKPHQGHU+LOIH- und Pflegebedarf ein. 6
2.2 Traditionelle und alternative Wohnformen
In der Literatur gibt es NHLQH HLQKHLWOLFKH 9HUZHQGXQJ GHV %HJULIIV ÄDOWHUQDWLYH :RKQIRUPHQ³ 'DKHU LVW HLQH $QQlKHUXQJ EHU GLH 'HILQLWLRQ GHU WUDGLWLRQHOOHQ Wohnformen sinnvoll.
Betrachtet man die historische Entwicklung des Wohnens im Alter, sind zu den traditionellen Wohnformen die verschiedenen Angebote der Heimeinrichtungen VRZLHGDVÄQRUPDOH:RKQHQ³LQGHUHLJHQHQ:RKQXQJ]Xzählen.
Zu den großen Mythen über das historische Wohnen im Alter gehört die noch heute weit verbreitete Vorstellung, dass früher die alten Menschen überwiegend geborgen in Großfamilien gelebt hätten. Bei genauerer Betrachtung war dies jedoch nur sehr begrenzt der Fall. Wie auch heute, ZDU GDV ÄQRUPDOH :RKQHQ³ GLH DP ZHLWHVWHQ verbreitete Wohnform. Das institutionelle Wohnen betraf, wie heute, nur eine kleine Minderheit der Älteren. 7
5 Vgl. Neugebauer A.., S. 7 f.
6 Vgl. Amstutz C., S. 37 f.
xxxxxxxxxxxxxxx
7 Vgl. Krämer S. et al., S. 10
3
Veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen und veränderte Wohn- oder Lebensvorstellungen neuerer Generationen älterer Menschen, auf die im nächsten Teil noch genauer eingegangen wird, bedingen in der heutigen Zeit ein alternatives Angebot zu den bestehenden Wohnformen. 8 Die alternativen Wohnformen kann man in drei Arten unterteilen: 9
1. Wohnlösungen in der bekannten Umgebung,
2. Wohnlösungen im geeigneten Umfeld sowie
3. Gemeinschaftliches Wohnen mit und ohne Betreuung Alternative Wohnformen sind dabei kein grundsätzlich neues Wohn- und LebenskonzeptVRQGHUQLQVRIHUQÄQHX³XQGÄDOWHUQDWLY³, da sie mit ihrem Angebot auf die Mängel und Defizite der traditionellen institutionalisierten Wohnformen für ältere Menschen reagieren. 10
Hierbei gibt es folgende gemeinsame Ziele von alternativen Wohnformen: 11
- Entwicklung einer selbstständigen, selbstbestimmten und normalen Wohnform
- Zur Verfügung stellen von Perspektiven wie Sicherheit und Verfügbarkeit von Hilfe und Unterstützung für den Bedarfsfall
- Verbindung gemeinschaftlicher Lebensformen
2.3 Barriere
Eine Barriere bezeichnet im Allgemeinen alle Faktoren und Ursachen, welche die aktive, selbstständige Lebensgestaltung und Alltagsbewältigung ± also die Teilnahme am Leben ± verhindern. 12
8 Vgl. Höpflinger, F., S. 33
9 Nach Görnert-Stuckmann S., S. 27
10 Vgl. Neugebauer A., S. 45
11 Vgl. Kremer-Preiß, S. / Stolarz, H., S. 24 f.
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12 Vgl. Scherz, S. 44
4
2.3.1 Barrierefrei
Seit 1992 ist GHU %HJULII Ä%DUULHUHIUHLKHLW³ LQ =XVDPPHQKDQg mit dem Begriff Ä%DUULHUH³ EHU GLH ',1 Ä%DUULHUHIUHLH :RKQXQJHQ³ NQIWLJ ',1 Ä%DUULHUHIUHLHV %DXHQ ± 3ODQXQJVJUXQGODJHQ³ 13 , ein wesentlicher Bestandteil der Qualität im Wohnungs- und Städtebau. 14
'LHQRFKJHOWHQGH',1OHKQWVLFKLQGHU'HILQLWLRQYRQÄ%DUULHUHIUHLKHLW³DQGDV Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) an. Dort wird unter § 4 Barrierefreiheit wie IROJW GHILQLHUW Ä%DUULHUHIUHL VLQG EDXOLFKH XQG VRQVWLJH $QODJHQ 9HUNehrsmittel, technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informationsquellen und Kommunikationseinrichtungen sowie andere Lebensbereiche, wenn sie für behinderte Menschen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe, zugänglich und nutzbar sind.³ 15
Die DIN 18025 ist ursprünglich für Menschen mit Behinderungen entwickelt worden. Erst DIN 18025 Teil 2 in der Fassung von 1992 geht über diesen Betroffenenkreis hiQDXVXQGEH]LHKWDOOH0HQVFKHQHLQÄ'LH:RKQXQJHQPVVHQIUDOOH0HQVFKHQ QXW]EDUVHLQ³ 16
Trotz der unbestrittenen Erleichterungen für alle Bewohner, ob mit oder ohne Mobilitätseinschränkungen im Alltag, gibt es in der Literatur einen großen Kritikpunkt, nämlich die Nichtbeachtung der Norm bei Sanierungs-, Renovierungs- oder Umbaumaßnahmen im Bestand. Hierfür werden folgende Gründe angeführt: 17 1. Die Einhaltung der Norm wird in der Praxis häufig nicht für erforderlich gehalten.
13 Die DIN 18040-Ä%DUULHUHIUHLHV%DXHQ± Planungsgrundlagen ± 7HLOgIIHQWOLFK]XJlQJOLFKH*HElXGH³XQG
die DIN 18040-Ä%DUULHUHIUHLHV%DXHQ± Planungsgrundlagen ± 7HLO:RKQXQJHQ³VROOHQ$QIDQJGHV-DKUHV
2010 in Kraft treten. Seit Oktober 2009 wird noch in Konsultationen über Einsprüche und Stellungnahmen
beraten.
14 Vgl. Edinger S., S. 9
15 Vgl. Bundesministerium der Justiz
16 Vgl. AMS Reha, S. 187
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17 Vgl. Edinger S., S. 14f.
5
Hier wird kritisiert, dass in der Praxis häufig Barriere reduzierende 0DQDKPHQ ÄQXU³ IU 5ROOVWXKOIDKUHr erforderlich seien, und zudem extrem teuer sind.
2. Die Einhaltung der Norm wird häufig für nicht realisierbar gehalten. Eine normkonforme Umsetzung ist nur mit erheblichen Kosten umsetzbar.
2.3.2 Barrierearm
Während die Barrierefreiheit nach DIN 18025 an nachprüfbaren Maßen IHVW]XPDFKHQLVWJLEWHVIUGHQ%HJULIIÄ%DUULHUHDUP³ELVKHUNHLQHH[DNWH'HILQLWLRQ Der Begriff entstand aus der aufgeführten Kritik an der DIN 18025 und soll, wenn schon keine barrierefreie Anpassung des Wohnungsbestands möglich ist, zumindest GDV=LHOHLQHÄJU|WP|JOLFKH%DUULHUHUHGX]LHUXQJ³]XHUUHLFKHQ, beschreiben. 18 Dieser Begriff wird aufgeführt, da er in der Praxis immer häufiger Anwendung findet und somit auch Bestandteil dieser Arbeit ist.
3 Alterung der Gesellschaft in Deutschland
3.1 Demographische Entwicklung
0LW GHP %HJULII ÄGHPRJUDSKLVFKH (QWZLFNOXQJ³ ZLUG GLH 9HUlQGHUXQJ GHU Zusammensetzung der Altersstruktur einer Gesellschaft bezeichnet. Dieser Begriff ist jedoch zunächst nicht wertend gemeint und kann somit sowohl eine Bevölkerungszunahme als auch eine Bevölkerungsabnahme bezeichnen. 19 Die demographische Entwicklung wird von drei Faktoren beeinflusst: 20
1. die Geburtenrate
2. die Lebenserwartung
3. dem Wanderungssaldo (Differenz zwischen Zu- und Fortzügen)
18 Vgl. Vgl. Edinger S., S. 16 f.
19 Vgl. Gemeinnütziger Spar- und Bauverein, Friemersheim eG, S. 4
xxxxxxxxxxxxxxx
20 Vgl. Meier J., S. 5
6
3.2 Deutschland wird zur Altenrepublik
Wie bereits erwähnt, ist die Lebenserwartung der Deutschen in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Seit 1855 ist sogar eine Verdoppelung der Lebenserwartung zu verzeichnen (von 37 Jahren auf über 77 Jahre). Und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht absehbar. Aktuell nimmt die Lebenserwartung in Deutschland jedes Jahr um etwa drei Monate zu. Die Gründe dieser Entwicklung liegen im Zusammenwirken von Einkommen, Bildung, Ernährung, Hygiene, Gesundheitsverhalten und Lebensweise sowie der immer besseren medizinischen Versorgung. 21 Mit steigender Lebenserwartung, erhöht sich zugleich auch das Potential der Ä]XNQIWLJHQ 6HQLRUHQ³, welches aber bisher bei weitem nicht genutzt wird. Gerade mal 30 Prozent der Frauen und 41 Prozent der Männer im Alter von 50-65 sind in einem Beschäftigungsverhältnis. Altersgrenzen bei Ärzten und Richtern oder Frühverrentungen von produktiven Menschen belasten die Sozialsysteme und geben wenige Anreize, im Alter ökonomisch aktiv zu sein. 22 4 Wohnen im Alter ± heute
Um die Notwendigkeit von alternativen Wohnformen deutlich zu machen ist zu Beginn ein Blick auf die aktuelle Situation vonnöten. Wie und unter welchen Rahmenbedingungen leben ältere Menschen in Deutschland? Anschließend müssen die Erwartungen und Wünsche an das Wohnen im Alter betrachtet werden, um eine Kategorisierung und Bewertung der vorhandenen alternativen Wohnformen vornehmen zu können.
4.1 Übersicht
Spricht man von Wohnformen im Alter, dann denken die meisten Menschen an Alten- oder Pflegeheime oder seit einigen Jahren auch an betreute Wohnformen. Die Realität hingegen sieht anders aus. So lebten im Jahr 2000 gerade 4% der über 65jährigen in einem Heim und ca. 2% in betreuten Wohnformen. Auch das
21 Vgl. Opaschowski H., S. 54 f
xxxxxxxxxxxxxxx
22 Vgl. Kröhnert S. et al., S. 35
7
Gemeinschaftliche Wohnen spielt mit gerade einmal 0,01% eine untergeordnete Rolle. 23
4.2 Demographische Rahmenbedingungen
Wie in der Übersicht dargestellt ist das ÄQRUPDOH³:RKQHQGLHPLW$EVWDQGKlXILJVWH Wohnform älterer Menschen. Eine wachsende Singularisierung sowie der gesellschaftliche Alterungsprozess sind dabei als dominante Entwicklungslinien in der Beeinflussung des zukünftigen Wohnens im Alter festzustellen. 25
4.2.1 Haushaltsgröße
Betrachtet man die Entwicklung der Haushaltsgrößen in den Jahren 1900 über 1950 bis 2000, ist eine stetige Zunahme der kleinen Haushalte zu sehen. Bestanden im Jahre 1900 nur 21,8 Prozent der Haushalte aus einer oder zwei Personen, so waren es 1950 bereits 44,7 Prozent. Bis 2000 hat sich dieser Anteil nochmals deutlich erhöht und lag bei 69,4 Prozent. Auch in Zukunft wird sich dieser Trend fortsetzen,
23 Vgl. Edinger S. et al., S. 7
24 Vgl. Schader Stiftung (2005)
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25 Vgl. Krämer S., S. 52
8
jedoch durch den bereits sehr hohen Anteil an kleinen Haushalten an Dynamik verlieren. 26
Zu beachten ist bei diesem Trend, dass die statistische Definition der Haushaltsgröße keinen Rückschluss darauf zulässt, ob es sich tatsächlich um allein stehende Personen handelt. Gemäß der so genannten allgemeinen repräsentativen Bevölkerungsumfrage (ALLBUS) lebte im Jahre 2000 nur etwa die Hälfte der Befragten mit festem Lebenspartner auch mit diesem in einem gemeinsamen Haushalt. 27
Dies gilt zwar hauptsächlich für die jüngere Bevölkerungsgruppe, doch auch unter Älteren ist diese Entwicklung zu beobachten. Über 31% der über 60-jährigen leben alleine. Bei den Männern wird sich der Anteil allein lebender bis 2040 mehr als verdoppeln (von 2000 17% auf 35%). 28
4.2.2 Wohnstatus
Der größte Teil der Menschen in Deutschland (87%) lebt in Wohnungen, welche älter als 15 Jahre sind. Dass sich dies auch in den nächsten Jahrzehnten nicht verändern wird, verdeutlicht ein Blick auf die neu errichteten Wohneinheiten. Bei insgesamt ca. 39,5 Mio. Wohneinheiten werden pro Jahr nur etwa 250.000 neu errichtet. 29 Die Eigentümerquote ist im Vergleich zu anderen Europäischen Ländern relativ niedrig. In der Altersgruppe der Senioren sind nur etwa 40% der Wohnungen selbstgenutztes Eigentum. In Großbritannien liegt der Anteil beispielsweise bei 67%. 30 Betrachtet man den Mietwohnungsmarkt in Deutschland, so ist festzustellen, dass über ein Drittel der Wohnungen einzelnen Eigentümern oder kleineren
26 Vgl. Krämer S., S. 52
27 Vgl. Statistisches Bundesamt, S. 525 f.
28 Vgl. Ministerium für Arbeit und Soziales BaWü, S. 6
29 Vgl. Edinger S. et al., S. 1
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30 Vgl. BMFSFJ (1998), S. 102
9
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Jens Nunninger, 2009, Alternative Wohnformen im Alter, München, GRIN Verlag GmbH
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