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Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 3
2. Der Kurzfilm im Spiegel der Filmgeschichte in Deutschland - Eine Übersicht 4
2.1 Was ist ein Kurzfilm? 4
2.2 Der Kurzfilm im Spiegel der Filmgeschichte 5
3. Struktur-Funktionale Filmanalyse nach L. Mikos - ein Extrakt 7
3.1 Filmverstehen 7
3.2.1 when the day breaks - Inhalt. 9
3.2.2 Formen des Zuschauer-Wissen und Textrekonstruktion 9
4. Perspektiven für den Kurzfilmeinsatz in der Erwachsenenbildung 14
5. Literatur 18
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1. Einführung
„Wir schauen uns heute einen Film an“ - diese Ankündigung meiner Klassenlehrerin ließ mein Herz als Grundschüler in den 80er Jahren höher schlagen. Filmgucken stand damals in der Grundschule selten auf den Stundenplan, es war demnach ein Ereignis und wurde von uns Schülerinnen und Schülern dementsprechend zelebriert. Es ging in den Keller, in den dunklen Raum, in dem der alte Filmprojektor stand (Etui und Sachkundemappe haben wir natürlich mitgebracht). Unsere Klassenlehrerin nahm dann eine große Filmspule aus der blechernen Schachtel, schnippselte jedesmal ein milimeterkleines Stück vom Filmband ab, damit sich das Band auch gut durch die Projektoroptik ziehen lies. Wenn der Film (ich erinnere mich sehr gut an Karius und Baktus mit der großen Zahnbürste) dann eingelegt war, wurde von einer Mitschülerin das Licht ausgeschaltet und der Film konnte starten. Dann zählten wir den Countdown des Vorspannbandes mit, bis nach dem aufflackernden Zahlen das Logo „FWU“, des Institus für Film in Wissenschaft und Unterricht erschien, Karius und Baktus konnten ihr Unwesen treiben...
Ein vielleicht etwas pathetischer Beginn einer Seminararbeit zum Themenfeld „Kurzfilm in der Bildungsarbeit“, aber ich glaube, dass hier deutlich werden kann, dass „Film gucken“ immer mit etwas Spannung verbunden ist und in vielen Fällen zelebriert wird. Sei es der Tatort am Sonntag abend, der Kinofilm im Cineplex oder der Kurzfilm in der Bildungsarbeit: Wenn der Saal oder das Wohnzimmer verdunkelt wird warten alle Menschen, jung und alt, dass es losgeht, dass der Film startet. Film gucken scheint also einen bestimmten Reiz auszuüben, Filme können den Zuschauer fesseln, ihn emotional ansprechen. Auch Filme, die der (Weiter-)bildung dienen scheinen mir von diesen Reizen nichts verloren zu haben. Wenigstens ist eine relative Motivation der Teilnehmenden zum Anschauen gewährleistet. Schließlich ist die technische Vorrichtung in der Regel die selbe (Projektor, Leinwand, abgedunkelter Raum), nur die Inhalte der Spule, der VHS-Videocasette oder der DVD sind unterschiedlich. So gibt es also Lehrfilme („10hoch“ in der Chemie oder eben „Karius und Baktus“ N 1968) oder Kurzspielfilme („Balance“ D 1990, „When the day breaks“ Can 2000), die wiederum in die Bereiche Trickfilm oder Realfilm („Quero ser. Gestoh- lene Träume“ D 2000) aufteilbar sind.
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Der „Lehrfilm“ soll in dieser Seminararbeit allerdings nicht im Vordergrund stehen. Es geht um die Gattung „Kurzfilm“. Um sich diesem Medium anzunähern soll zunächst in einem ersten Teil der Begriff „Kurzfilm“ definiert werden um daraufhin anhand des Kurzfilms einige Aspekte zur Filmgeschichte in Deutschland aufzuzeigen. Dieser historische Rückblick bildet den Hintergrund für den zweiten Teil dieser Arbeit. In diesem zweiten Teil werden Extrakte der Ausführungen des Filmwissenschaftlers Lothar Mikos dargestellt. Mikos hat sich in den 1990ern sehr stark mit Fragen der Filmanalyse und des Filmverstehens beschäftigt und dazu mehrere Beiträge veröffentlicht. In diesem zweiten Teil soll aus ausgewählten Beiträgen ein roter Faden eruiert werden. Die Arbeit wird im dritten Teil mit der Formulierung von Perspektiven für den Kurzfilmeinsatz in der Erwachsenenbildung abgeschlossen. Hier wird der im zweiten Teil gewonnene Faden mit dem Begriff „Medienkompetenz“ im Hinblick auf den Kurzfilmeinsatz und der didaktischen Vorbereitung/ Begründung des Einsatzes verwoben.
2. Der Kurzfilm im Spiegel der Filmgeschichte in Deutschland - Eine Übersicht
2.1 Was ist ein Kurzfilm?
Über die Frage, was einen Kurzfilm zu einem solchen macht, streiten sich die Experten. Ist ein Kurzfilm ein Film, der nicht abendfüllend ist? Ein Film, der maximal unter 60 Minuten lang (bzw. kurz) ist? Lars Hendrik Gass, Leiter der internationalen Kurzfilmtage Oberhausen 1 hat in einem Interview in der Zeitschrift „filmdienst“ folgende Definiton: „Ein Kurzfilm ist vor allem kurz (...). Kurzfilm ist jedes projizierbare Bewegungsbild unter circa 45 Minuten“ 2 Gass betont allerdings, dass das Genre Kurzfilm sich nicht in eine starre Definition unter zeitliche Gesichtspunkten packen lasse, sondern dass dieser Begriff als „Programm“ zu verstehen sei, welches ein „ungeheures Spektrum der Formate und Genres (umfasst), die gewissermasen den Humus bilden für künftige ästhetishe Entwicklungen“ 3 .
1 Die Kurzfilmtage 2003 sind gerade eben zu Ende gegangen (1-6. Mai 2003).
2 KARNIK, O., Entwicklungen werden verschlafen. Gespräch mit Las Henrik Gass in: filmdienst. Kino-Fernsehen-Video, herausgegeben vom Katholischen Institut für Medieninformation in Zusammenarbeit mit der Katholischen Filmkommission für Deutsch-land Heft 9/2001 (54.Jg.), Themenheft „Kurzfilm“, S. 23 (die Zeitschrift wird im folgenden zitiert als „filmdienst 9/2001“)
3 Vgl. Ders..
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2.2 Der Kurzfilm im Spiegel der Filmgeschichte
Blickt man auf den Beginn der Film- und damit der Kinogeschichte zurück, dann war zunächst jeder Film ein Kurzfilm. 4 Allein aus technischen Gründen waren die Filme in den Kinobuden auf den städtischen Jahrmärkten des beginnenden 20. Jahr-hunderts kurz, weil einfach die Bandkapazität der Rollen begrenzt war. Erst gegen 1910-20 war die Technik ausgereift, Filme über 60 Minuten zu produzieren und zu zeigen. Schon die frühen Spielfilme zeichneten sich dadurch aus, dass es einen komplexeren Handlungsstrang gab und das die ersten Kinostars geboren wurden. Dem Kurzfilm war von da an ein Schattendasein als „Beiwerk“ beschert, von dem er sich bis in die heutige Zeit nicht mehr lösen konnte. In den 1920ern wurden die ersten großen Lichtspielhäuser eingerichtet, um das Publikum mit Filmen wie Fritz Langs Metropolis (D 1926) oder F.W. Murnaus Nosferatu. Eine Symphonie des Grauens (D 1922) zu unterhalten. Diese (und andere) Filme sind längst Klassiker geworden. 5
In der Zeit der NS-Diktatur diente das Medium Film vor allem propagandistischen Zwecken. Zum einen in Form der Selbsdarstellung (vor allem die Arbeiten von Leni Riefenstahl, u.a. ein Film zum Reichsparteitag der NSDAP Triumph des Willens, D 1935), zum anderen in Form leichter Unterhaltungsfilme. Hierzu zählen besonders die Musikfilme mit Zarah Leander wie Die große Liebe (D 1942), oder frühe Filme mit Heinz Rühmann (Quax der Bruchpilot, D 1941). In Die große Liebe erlangten die Lieder Davon geht die Welt nicht unter oder Ich weis es wird einmal ein Wunder geschehen große Popularität. Die Vorortkinos spielten in dieser Zeit eine besondere Rolle, waren sie doch neben den Lichtspielhäusern in den Großstädten die ideale Plattform, propagandistische Filme dem Großteil der Bevölkerung zugänglich zu machen. 6
Die Nachkriegszeit war geprägt von einem großen Raummangel, da zahlreiche Städte ausgebombt waren. Das Kino teilte sich die notwendig hergerichteten Räume mit Theater und Varietéensembles. In den Jahren des Wiederaufbaus wurden zahlreiche Kinos gebaut oder eingerichtet, jede Neueröffnung war ein großes Ereignis. 1949 wird die Freiwillige Selbskontrolle der Filmwirtschaft eingerichtet, die bis heute als FSK bekannt ist und ihren Aufgaben nachgeht. Die Einrichtung dieses Gremiums
4 Vgl. hierzu und im folgenden: DITTGEN, A., Es gibt ihn wirklich. Stationen der deutschen Kurzfilmgeschichte in: filmdienst 09/2002, S. 9-11, hier: S. 9.
5 Die Filme aus dem us-amerikanischen Raum werden hier nicht berücksichtigt.
6 Vgl. hierzu und im folgenden: Baacke, D., Schäfer, H., Vollbrecht, R., Treffpunkt Kino. Daten und Materialien zum Verhältnis von Jugend und Kino, Weinheim u.a. 1994, S. 53 (zitiert: Baacke, Treffpunkt).
Arbeit zitieren:
Marius Stelzer, 2003, LEBEN IN DER SCHACHTEL? Kurzfilme in der Bildungsarbeit, München, GRIN Verlag GmbH
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