Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis. III
Abk ürzungsverzeichnis. IV
Abbildungsverzeichnis V
1. Einleitung 1
1.1 Zielsetzung. 1
1.2 Vorgehensweise 2
1.3 Hinführung zum Thema. 3
2. Veränderungen in Unternehmen gestalten 7
2.1 Der Veränderungsbegriff 7
2.1.1 Differenzierung der Veränderung in Organisationen 7
2.1.2 Dimensionen von Veränderungsprozessen. 10
2.1.3 Definition Change-Management 12
2.1.4 Verlauf eines Veränderungsprozesses 13
2.2 Veränderung im Unternehmen - das Management von Widerständen 17
2.2.1 Gründe für Widerstand 17
2.2.2 Change - Gruppen im Unternehmen 19
2.2.3 Anforderungen an Führungskräfte im Veränderungsprozess 22
3. Faktoren für eine erfolgreiche Umsetzung von Veränderungen 25
3.1 Die Veränderungsfaktoren 25
3.1.1 Die Funktion der Veränderungskommunikation 32
3.1.2 Der Change-Manager 34
4. Der CONSIDEO MODELER als IT- Instrument für Change-Management 36
4.1 Das Unternehmen CONSIDEO 36
4.2 Die Software 36
4.1.1 Funktions- und Arbeitsweise der Software. 37
4.1.2 Einordnung der Software zu Komplexität und Vernetzung. 42
4.2 Anwendung des CONSIDEO MODELERS in Veränderungsprozessen. 44
4.2.1 Leitbildentwicklung bei einem Glashersteller 44
4.2.2 Umstrukturierung nach einem Vorstandswechsel 45
4.2.3 Geplanter Umzug der Leitungsträger bei einem öffentlichen Träger. 46
5. Handlungsempfehlung. 54
5.1 Analyse des CONSIDEO MODELERS 54
5.2 Die Ergebnisse der Analyse 55
5.3 Bewertung. 59
6. Fazit 61
7. Anhang 63
8. Literaturverzeichnis 67
Abkürzungsverzeichnis
AG Aktiengesellschaft Bd. Band bzw. beziehungsweise DAX Deutscher Aktienindex EADS European Aeronautic Defence and Space Company ebd. ebenda et al. et altera f. folgende ff. fortfolgende Hrsg. Herausgeber IHK Industrie- und Handelskammer o.A. ohne Angabe o.S. ohne Seite o.V ohne Verfasser überarb. überarbeitete S. Seite SWOT Strengths, Weaknesse, Opportunities, Threats usw. und so weiter URL Uniform Ressource Locator; Internetseite vgl. vergleiche
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Merkmale komplexer Problemsituationen.
Abbildung 2: Der Acht-Stufen-Veränderungsplan.
Abbildung 3: Die Fünf Phasen des Change-Managements.
Abbildung 4: Die Change-Gruppen im Unternehmen.
Abbildung 5: Die Erfolgsfaktoren im Verlauf eines Veränderungsprozess.
Abbildung 6: Komplexe Veränderungsprozesse gestalten.
Abbildung 7: Der Beschreibe-Modus.
Abbildung 8: Der Definiere-Modus.
Abbildung 9: Der Verbinde-Modus.
Abbildung 10: Der Quantifiziere-Modus.
Abbildung 11: Der Simuliere-Modus.
Abbildung 12: Modellierung-Transit.
Abbildung 14: Bewertung des Transits.
Abbildung 15: Bewertungsfaktoren der Veränderungsgruppen.
Abbildung 16: Modellierung mit 42 relevanten Faktoren und ihren
Wechselwirkungen.
Abbildung 17: Ergebnisse der Modellierung.
Abbildung 18: Fragenübersicht-Analyse.
Abbildung 19: HERAKLIT-Modell.
Abbildung 20: Positionierung des CONSIDEO MODELERS am Markt
1. Einleitung
1.1 Zielsetzung
„Die einzige Konstante ist der Wandel“ 1 lautet ein auf den griechischen Philosophen Heraklit zurückzuführender Aphorismus. Tatsächlich sind Veränderungen allgegenwärtig. Jedes Individuum muss sich in seinem Leben mit dem Wandel der Lebenssituation, sei er beruflicher oder privater Art, auseinandersetzen. Die Notwendigkeit einer schnellen Anpassung an sich ständig ändernde politische, soziale und klimatische Rahmenbedingungen besteht auch für Institutionen und Unternehmen. Dabei sind es vor allem Wirtschaftsunternehmen, die im besonderen Maße von Veränderungsprozessen betroffen sind. Mehr als je zuvor müssen die Unternehmen bereit sein, bisherige Wege zu verlassen, um profitabel zu bleiben. Rentabilitätserwartungen, Margendruck und Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland aber auch in internationalen Märkten sind nur einige Auslöser für Veränderungsprozesse in Unternehmen.
Aufgrund immer schnellerer Wege der Kommunikation, finden Veränderungsprozesse in ständig wachsenden inhaltlichen Reichweiten aber in kürzeren Zyklen statt. Erfolgreich sind die Organisationen, die sich den geforderten Bedingungen bestmöglich anpassen. Ihre Wandlungsfähigkeit ist ein kritischer Erfolgsfaktor. Mögliche Veränderungen können Fusionen oder Unternehmensübernahmen sein. Aber auch interne Neu-Strukturierungen oder Implementierung von Expansionsstrategien sind anzuführen.
Von jedem Wandlungsprozess sind Führungskräfte und Mitarbeiter, aber auch Externe wie Kunden, Lieferanten, Investoren oder Kooperationspartner betroffen. Der Unternehmenswandel stellt alle Beteiligten vor große Herausforderungen. So geschehen ist es beispielsweise bei der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank: Eine der größten Aufgaben des Managements war und ist hier die Kommunikation der Fusion an Mitarbeiter und an Kunden sowie die Zusammenführung der unterschiedlichen Kulturen beider Häuser. Die Mitarbeiter und die Gewerkschaft verlangen Klarheit über den angekündigten Stellenabbau. Durch Alterteilzeit, Aufhabungsverträge und Bonuszahlungen an Leitungsträger soll der Widerstand der Beteiligten möglichst gering gehalten werden. 2 Dies gelingt nur, wenn die
1 Fischer (2007), S.3.
2 vgl. o.V. (2009), o.S.
1
Veränderungen gut organisiert sind und mögliche Auswirkungen bereits im Vorfeld bedacht und organisatorisch eingeplant werden. Viele Unternehmen begreifen den Wandel selbst noch nicht als wichtigen Organisationspunkt. Ihnen fehlen Kompetenzen und Ressourcen, die komplexen Herausforderungen in Veränderungsprozessen angemessen zu handhaben.
Die vorliegende Studie untersucht die Bewältigung komplexer Veränderungsprozesse mit dem unterstützenden Einsatz von Software. Es wird sich der Fragestellung gewidmet, in welchen Situationen der Einsatz einer auf die Planung von Change-Prozessen spezialisierten Software für Unternehmen sinnvoll ist. Beispielhaft für eine solche Software betrachtet die Studie den CONSIDEO MODELER©, ein Programm zur Visualisierung und zur Analyse von Zusammenhängen und Ursache-Wirkung-Darstellung. 3 Die Software soll auf ihr unterstützendes Potential in Veränderungsprozessen überprüft werden.
1.2 Vorgehensweise
Die vorliegende Studie ist in fünf Kapitel gegliedert. Zunächst wird die Notwendigkeit und die Rahmenbedingungen von Veränderung in Unternehmen erläutert. Das zweite Kapitel stellt den theoretischen Rahmen der Untersuchung dar. Wichtige Konzepte wie Veränderungsprozesse, Dimensionen von Veränderung, Change-Management und der Phasenverlauf eines Veränderungsprozesses werden erklärt. Im Anschluss daran steht die Widerstandsproblematik bei Veränderungsprozessen im Fokus der Betrachtung, insbesondere mit Blick auf die Entstehung von Widerständen und ihrer Bewältigung im Unternehmen.
Im dritten Kapitel wird ein Bezugsrahmen erläutert, der die Faktoren betrachtet, die für eine erfolgreiche Gestaltung von Veränderungsprozessen von Bedeutung sind. Auf die Faktoren Veränderungskommunikation und Change-Manager wird detaillierter eingegangen.
Das vierte Kapitel stellt eine Software, den CONSIDEO MODELER© vor, mit der Herausforderungen in Veränderungsprozessen unterstützend angegangen werden können. In Verbindung dazu wird die Anwendung des CONSIDEO MODELERS© in Veränderungsprozessen anhand von drei Praxisbeispielen dargestellt.
3 Der Einsatzbereich der Software bezieht sich in der vorliegenden Arbeit lediglich auf den Raum Deutschland.
2
Im letzten Kapitel wird auf Basis der vorangegangenen Kapitel eine Handlungsempfehlung formuliert, die das unterstützende Potential der Software in Veränderungsprozessen erfasst.
1.3 Hinführung zum Thema
In dieser Untersuchung werden die Begriffe Change, Veränderung und Wandel, trotz der existierenden Differenzierungen in der Literatur, als gleichwertige Begriffe verwendet. Entsprechend gilt dies für die Begrifflichkeiten Methode und Instrument, welche ebenfalls als gleichbedeutende Begriffe betrachtet werden sollen. Wenn von Mitarbeitern gesprochen wird, sind das Management und die Führungskräfte mit inbegriffen.
Die Steuerung von Veränderungsprozessen stellt für das Management und die Führungskräfte neben der Weiterentwicklung des operativen Geschäfts eine zusätzliche Herausforderung dar. Mitarbeiterführung und die Kommunikation spielen bei der internen Umsetzung von Veränderungen eine wichtige Rolle. Ein Unternehmen muss sich permanent weiterentwickeln, um die strategischen Unternehmensziele oder auch das Überleben zu sichern. Es gibt viele Gründe, die einen Change-Prozess erforderlich machen, wie etwa Globalisierung, neue Technologien, staatliche Eingriffe wie Subventionen 4 sowie die wachsende Präsenz der Wettbewerber und die Wachstumsvorhaben von Organisationen. Zunächst werden die Einflussfaktoren und Anlässe genannt, die einen Unternehmenswandel sowie eine strategische Neuausrichtung erfordern können. Die vorliegende Studie befasst sich an dieser Stelle mit den Ausführungen von Doppler und Lauterburg, da sie eine umfassende Zusammenstellung der Ursachen von Veränderung aufzeigen. Dabei ist anzumerken, dass ihre Erläuterungen nur die externen Einflüsse von Veränderung betrachten und die endogenen Anlässe nicht berücksichtigt werden. 5
Die veränderten Rahmenbedingungen
Doppler und Lauterburg definieren wirtschaftliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen, mit denen Unternehmen konfrontiert sind und die Einfluss auf die
4 Beispiele für staatliche Subventionen sind beispielsweise die Umweltprämie oder die Einspeiserückvergütung bei Nutzung von
Solaranlagen.
5 Beispiele von endogenen oder internen Auslösern von Wandel werden im Kapitel 4.2 gezeigt.
3
Art und Weise der unternehmerischen Tätigkeiten haben. 6 Auf die folgenden Rahmenbedingungen soll hier näher eingegangen werden:
• Fortschritte in der Informatik und Telekommunikation
• Verknappung der Ressource Zeit
• Interkulturelle Zusammenarbeit in einer globalen Ökonomie
• Verknappung der Ressource Geld
• Steigerung der Komplexität
Fortschritte in der Informatik und Telekommunikation
Seit den letzten Jahren hat sich mit großer Geschwindigkeit ein technologischer Wandel in der Informationstechnologie vollzogen, der bisherige Geschäftsprozesse grundlegend revolutioniert hat. Insbesondere die Ausbreitung des Internets in den Neunzigern veranlassen die Unternehmen dazu, ihre Geschäftsprozesse neu zu gestalten. 7 Die Kosten für die Nutzung der Hardware, Leitungen usw. reduzieren sich dabei, da die schnelle Entwicklung in der Informations- und Telekommunikationstechnologie mit einer starken Preisreduzierung einhergeht. 8
Videokonferenzen und die Kommunikation über Chatrooms halten Einzug in den Arbeitsalltag. Die Entwicklung, hin zu einer globalen, kostengünstigen Kommunikation schafft auch die Voraussetzung für den Anbruch einer Ära, die Jeremy Rifkin als „Age of access“ bezeichnet: „It is access rather than ownership that has become the foundation of our economy. The industrial Era (Property, Products) is contrasted with the New Era, based on ideas and images“. 9
Der technologische Wandel fordert eine hohe Anpassungsleistung von den Unternehmen und deren Mitarbeitern.
Verknappung der Ressource Zeit
Die beschriebene technologische Entwicklung führt zu einer enormen Beschleunigung der Geschäftsprozesse aber auch zu Erwartungen in Bezug auf die Informationstransparenz, Kommunikation und Umsetzungsgeschwindigkeit von Change. Durch den Einfluss der Massenmedien und der gesteigerten Mobilität ist
6 vgl. Doppler & Lauterburg (2002), S.22ff.
7 vgl. Doppler & Lauterburg (2002), S.22.
8 Ein Beispiel für eine solche Entwicklung ist das so genannte Cloud Computing. Sie verändern zurzeit die aktuellen
Rechenmodelle, da Nutzer überall auf die Rechenleitung zugreifen können. So lassen sich Ressourcen wie Software und
Hardware einsparen.
9 vgl. Mourier (2006), S.70.
4
sowohl der mentale als auch der physische Wirkungsbereich der Menschen größer geworden.
Die kontinuierliche Veränderung des wirtschaftlichen, politischen und sozialen Umfeldes veranlasst Unternehmen, sich den ändernden Bedingungen anzupassen. Der Anpassungsdruck ist groß und die Geschwindigkeit wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor. 10
Interkulturelle Zusammenarbeit in einer globalen Ökonomie
Im Zuge der Globalisierung agieren die Unternehmen zunehmend global und sind zudem durch Fusionen und Kooperationen miteinander verbunden. Dieser Umstand stellt an jeden Einzelnen die Anforderung, sich in einem multikulturellen Umfeld zu bewegen und sich im Arbeitsalltag mit anderen Kulturen auseinanderzusetzen. Interkulturelle Kompetenz lautet der Begriff, welcher mittlerweile in Anforderungsprofilen an Manager und Mitarbeiter zu finden ist. Dies kennzeichnet die Fähigkeit, kulturelle Unterschiede sensibel wahrzunehmen und sich dem Fremden interessiert zu nähern. 11 Das hat besonders bei Change-Prozessen in multinationalen Konzernen, wie zum Beispiel bei Airbus, Boing und EADS, große Bedeutung.
Verknappung der Ressource Geld
Als Gründe für die Verknappung der Ressource Geld nennen Doppler und Lauterburg die Abnahme natürlicher Ressourcen, die wachsende Vielfalt staatlicher Aufgaben sowie den Verdrängungswettbewerb in der Industrie. Dieser Aspekt sollte aus aktuellem Anlass, wie beispielsweise der „Finanzkrise“ und den Renditeerwartungen hinterfragt werden und auf die derzeitige Situation angepasst werden.
Steigerung der Komplexität
Zu den knapper werdenden Ressourcen bildet sich eine zunehmende Komplexität der Prozesse heraus. Durch den rasanten strukturellen und gesellschaftlichen Wandel und die zunehmende weltweite Vernetzung wird es schwieriger Geschäftsprozesse zu steuern. Die gegenseitige Beeinflussung von ökonomischen, politischen und
10 vgl. Doppler & Lauterburg (2002), S.26.
11 vgl. Doppler & Lauterburg (2002), S.30.
5
gesellschaftlichen Prozessen entwickelt eine Eigendynamik und erhöht zudem das Risiko von Kipp-Effekten. 12
So geschehen bei dem Sportwagenhersteller Porsche: Dieser will den 15-mal größeren Volkswagenkonzern übernehmen und damit einen neuen Weltkonzern schmieden. Wiedeking greift das Management und die Gewerkschaft in Wolfsburg an. Ganze vier Jahre lang arbeitete Porsche auf dieses Ziel hin. Doch das Vorhaben konnte nie umgesetzt werden. Porsches finanzielle Situation, die Finanzkrise und nicht zuletzt der politische Widerstand des Landes Niedersachsen und der Mitarbeiter von VW, ließen die Unternehmung scheitern. 13
Der hohe Komplexitätsgrad der Aufgaben erfordert sowohl von Führungskräften als auch von Mitarbeitern ganz neue Kenntnisse und Fähigkeiten. Zusammenfassend lautet die Herausforderung, der sich ein Unternehmen stellen muss: „Schnellere und wirtschaftlichere Bewältigung einer zunehmenden Vielfalt sich rasch verändernder Aufgaben.“ 14 Unter diesen Voraussetzungen müssen folgende Bedingungen erfüllt werden: Nähe zum Markt und zum Kunden, schnelle Reaktionsfähigkeit, hohe Flexibilität, Steigerung der Produktivität und der Qualität bei gleichzeitiger Optimierung der Kosten. 15 Diese Konditionen können meist nur durch ein konsequentes Business Reengineering 16 der Geschäftsprozesse geschaffen werden. Die organisatorischen Change-Konsequenzen, die gezogen werden können, heißen Regionalisierung, Holding-Struktur, Lean Management 17 , Projekt-Organisation, und Total Quality Management 18 . 19
Die aufgeführten Rahmenbedingungen bieten einen Überblick über mögliche exogene Ursachen von Unternehmenswandel mit dem Ziel, in diesem Kontext auf die aktuellen Herausforderungen an Unternehmen aufmerksam zu machen.
12 Das bedeutet, ein realistisches Szenario kann sich plötzlich in sein Gegenteil verwandeln. vgl. Doppler & Lauterburg (2002),
S.36.
13 vgl. Dallan & Seidlitz (2009), o.S.
14 Doppler & Lauterburg (2002), S.53.
15 vgl. Doppler & Lauterburg (2002), S.53f.
16 Business Reengineering ist eine Methode, die Effektivität innerhalb eines Unternehmens zu steigern, die auf einer starken
Reorganisation desselben basiert. Dabei werden die Aufgaben nicht auf die Abteilungen verteilt, sondern als Prozesse gesehen,
die möglichst von einer Hand bzw. an einem Platz erledigt werden sollen. vgl. Osterloh & Frost (2006), S.29ff.
17 Lean Management ist eine Strukturierung des Unternehmens hinsichtlich des effizienten Einsatzes von Personal, Zeit und
Investitionen vgl. Bergmann & Garrecht (2008), S.149.
18 Das Total Quality Management (TQM) entspricht einem ganzheitlichen Qualitätsmanagementansatz, wobei die
Kundenzufriedenheit auf allen Hierarchieebenen in den Mittelpunkt sämtlicher Aktivitäten gestellt wird. vgl. Bergmann &
Garrecht (2008), S.151f.
19 vgl. Doppler & Lauterburg (2002), S.54.
6
2. Veränderungen in Unternehmen gestalten
2.1 Der Veränderungsbegriff
2.1.1 Differenzierung der Veränderung in Organisationen
Dieses Kapitel stellt den theoretischen Rahmen der Untersuchung dar. Begriffliche Grundlagen wie Veränderungsprozessen, Dimensionen von Veränderung, Change-Management und dem Phasenverlauf eines Veränderungsprozesses bilden dabei die zentralen Theorieelemente und werden erklärt.
Aufgrund der Aktualität und der hohen Praxisrelevanz der Thematik existiert eine umfangreiche Fachliteratur zu Veränderungsprozessen. Die Fülle an Beiträgen, Lehrbüchern und Fachpublikationen, die einzelne Aspekte in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen rücken, erschweren es, einen Überblick über die relevanten Einflussfaktoren auf Veränderungsprozesse zu erhalten. Auch fehlt den Forschungsbeiträgen eine ganzheitliche Perspektive, die sowohl „harte“ wie auch „weiche“ Faktoren von Veränderungsprozessen umfasst. 20
Auffallend ist, dass viele Beiträge, wie zum Beispiel die von Doppler und Lauterburg, vermehrt die Interessen der Mitarbeiter in den Fokus stellen und das Management sowie die Führungsebene mit ihren Belangen unberücksichtigt bleibt.
Es gibt unterschiedliche Differenzierungen von organisatorischem Wandel, die in der Literatur mit verschiedenen Bezeichnungen versehen sind und im Folgenden vorgestellt werden. Zunächst wird aufgezeigt, dass Termini wie Change, Wandel oder Veränderung als Oberbegriffe für verschiedenste Veränderungsmaßnahmen benutzt werden. Nach Stock-Homburg gibt es eine Unterteilung in einen zeitlichen Horizont, das heißt radikal oder kontinuierlich und eine Differenzierung im Ausmaß der Veränderung. 21 Diese beiden Komponenten sind jedoch zumeist eng miteinander verbunden. Um den Veränderungsbegriff für die vorliegende Studie enger zu fassen, wird nachfolgend auf weitere Unterscheidungen eingegangen.
Merten beschreibt Auslöser von Veränderungen und sieht dabei lediglich zwei Zugänge zum Change, einmal die Krise und zum anderen die geordnete Planung von Wandel. 22 Merten konzentriert sich vor allem auf die exogenen Einflüsse die Wandel hervorruft,
20 vgl. Vahs & Leiser (2003), S.13.
21 vgl. Stock-Homburg (2007), S.796ff.
22 vgl. Merten (2004), S.4.
7
aber auch der positive Anlass, wie zum Beispiel Wachstums des Unternehmens sollten an dieser Stelle erwähnt werden.
Schuh unterscheidet in diesem Zusammenhang zwischen inkrementellem und fundamentalem Wandel. 23 Vahs ergänzt, dass inkrementeller Wandel das Unternehmen im Rahmen der bisher bekannten Grenzen und Logik verändert. Es handelt sich dabei um eine schrittweise Veränderung, bei der Lösungen ohne maßgebliche Änderungen der Geschäftsstrategie implementierbar sind. Fundamentaler Wandel hingegen stellt einen Prozess dar, der in einer neuen Epoche mündet. Diese Phase ist durch Instabilität gekennzeichnet. 24
Mohr und Woehe unterscheiden bezüglich der betroffenen Ebenen in Hardware Changes und Software Changes. 25 Erstere betreffen Strukturen, Strategien und Systeme in einer Organisation, die so genannte Makroebene. Letztere beziehen sich auf Werte, Verhaltensweisen und Fähigkeiten der Beschäftigten, welche als Mikroebene bezeichnet wird.
Die vorliegende Studie geht davon aus, dass sich die Bereiche in der Praxis überschneiden, da veränderte Strukturen einen Wandel der Einstellungen und der Verhaltensweisen von Mitarbeitern erfordern.
Der Veränderungsbegriff dieser Studie soll von Bezeichnungen abgegrenzt werden, die eine kontinuierliche Veränderung beschreiben. Hier sind Konzepte wie Kaizen 26 , das der lernenden Organisation oder auch Total Quality Management zu nennen. Allen ist die kontinuierliche und flexible Anpassung an Märkte zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit und nicht ein singulärer Bedarf des Unternehmens von Veränderung gemein. Im Gegensatz zum zeitlich begrenzten Change-Management sind diese Konzepte in der Unternehmensstruktur dauerhaft verankert. 27 Daneben bezieht Glazinski die Position, dass es in einem komplexen Umfeld keine stabilen Zustände gibt.
„Die Idee, dass Veränderungsmanagement nur von einem stabilen Zustand zu einem nächsten stabilen Zustand durch eine kurze Phase der Instabilität führt,
23 vgl. Schuh (2006), S. 75f.
24 Dieser Aspekt wird im Kapitel 2.1.3 „Dimensionen von Veränderungsprozessen“ detaillierter nach Vahs betrachtet und ist wichtig
um die Praxisbeispiele in Kaptitel 4.2 als Veränderungsprozesse einzuordnen.
25 vgl. Mohr & Woehe (1998), S.33l.
26 Der Begriff Kaizen kommt aus dem Japanischen. Er setzt sich zusammen aus Kai, das bedeutet Veränderung und Zen, was zum
Besseren heißt. Damit ist die schrittweise und stetige Verbesserung von Abläufen, Produktionsverfahren oder Produkten durch
alle Mitarbeiter eines Unternehmens gemeint. Heutzutage wird der Kaizen mit dem kontinuierlichen Verbesserungsprozess in
Verbindung gebracht. vgl. Kraus et al. (2006), S.32.
27 vgl. Kraus et al. (2006), S.20.
8
lässt sich in der derzeitigen Arbeits- und Wirtschaftswirklichkeit nicht aufrecht erhalten.“ 28
Cacaci kritisiert in diesem Kontext die Statik von Change-Phasen in der Literatur. Er ist der Ansicht, ein Wandel sei ein dynamischer Prozess ohne definitives Ende. Er sieht den Grund hierfür in einem Umfeld, das selbst ständigen Veränderungen ausgesetzt ist. 29
Ohne ein Mindestmaß an Stabilität zwischen beziehungsweise während der verschiedenen Veränderungsphasen ist bei tiefgreifendem Wandel kein produktives Agieren möglich. Daher sollte am Ende eines Veränderungsprozesses zwar von neuer Stabilität ausgegangen werden, jedoch „[…] wohl wissend, dass dieses neue Gleichgewicht nicht auf Dauer angelegt ist und bereits morgen wieder überholt sein kann.“ 30
Somit handelt es sich bei den neueren Ansätzen um die Entwicklung von Bereitschaft und die Fähigkeit der Unternehmen, tiefgreifende Wandelprozesse zu bewältigen. Der Aspekt Stabilität in Change-Prozessen bietet in dieser Untersuchung lediglich einen kurzen Einblick, da eine Weiterführung dieser Thematik einen neuen Ansatz in der Studie darstellen würde.
Vahs und Leiser konzentrieren sich bei ihrer Betrachtung von Change-Prozessen auf den Menschen als Individuum. Nach ihrer Begründung sind fundamentale und einschneidende Veränderungen von hoher Komplexität gekennzeichnet, so dass sie das gesamte Unternehmen oder zumindest wichtige Teile davon betreffen und häufig einen darstellen. 31 Bruch mit der Vergangenheit Für die betroffenen
Organisationsangehörigen und ihr Arbeitsumfeld bringt dies weitreichende und fundamentale Auswirkungen mit sich. 32
Abbildung 1 zeigt die Struktur von Veränderungsprozessen, die im Fokus dieser Studie stehen. Sie kennzeichnen sich durch Dynamik sowie starke Vernetzung und lassen sich mit herkömmlichen Methoden nur schwer lösen. 33 Daher ist ein ganzheitlicher Lösungsansatz für komplexe Aufgaben zweckmäßig, der den Prozess, in diesem Fall der Wandel, als vernetztes Ganzes betrachtet. 34
28 Glazinski (2007), S.19.
29 vgl. Cacaci (2006), S.37.
30 Classen & Kyaw (2008), S.62.
31 vgl. Vahs & Leiser (2004), S.2.
32 Eine detaillierte Betrachtung des Verlaufs von Veränderungsprozessen findet im Kapitel 2.1.4 statt.
33 Weitere Ausführungen zu dieser Thematik in Kapitel 4.1.2.
34 vgl. Gomez & Probst (1995), S.20ff.
9
Der Veränderungsprozess in dieser Untersuchung steht als Synonym für organisatorische Change-Prozesse mit hoher Komplexität, die tiefgreifende und weitreichende Bedeutung für die Organisation und deren Mitglieder haben. Umfassender Wandel betrifft mehrere Bereiche im Unternehmen und löst somit größere unternehmensinterne Veränderungen aus. 35
Im Rahmen dieser Studie ist der Begriff Veränderungsprozess nicht nur auf das Gebiet des Change-Managements anzuwenden, sondern als Oberbegriff für den Ablauf komplexer Veränderungsvorhaben zu sehen. Deshalb wird, sofern sich die Betrachtung von Veränderungsvorhaben auf das Change-Management beschränkt, von Prozessen des Wandels oder kürzer von Wandlungsprozessen gesprochen.
2.1.2 Dimensionen von Veränderungsprozessen
Wie bereits angeführt, lassen sich verschiedene Formen des Wandels unterscheiden. 36 So differenziert sich zunächst ungeplanter, exogener von geplantem, endogenem Wandel. Die Reaktion darauf ist in der Regel ein passiv-abwartender Anpassungsversuch an den Ausgangszustand. 37 Geplanter organisatorischer Wandel hingegen umfasst:
35 Das Anwendungsbeispiel in Kapitel 4.2.3 entspricht einem solchen Wandel.
36 Siehe Kapitel 2.1.1.
37 vgl. Vahs (2007), S.266f.
10
„(...) alle absichtlichen, gesteuerten, organisierten und kontrollierten Anstrengungen zur antizipativen und zielgerichteten Organisationsgestaltung mit dem Ziel der Effektivität und Effizienzsteigerung. Strukturelle Veränderungen in einem so verstandenen Sinn meint die aktive Entwicklung der Organisation als Höher- und Weiterentwicklung, beispielsweise von bestimmten Eigenschaften, Fähigkeiten und Beziehungen.“ 38
Veränderung lässt sich darüber hinaus in ihrem Ausmaß und ihrer Intensität unterscheiden. Das Ausmaß von Wandel kann in episodischen und kontinuierlichen Veränderungen erfolgen, wobei die episodischen einschneidender als die kontinuierlichen anzusetzen sind und letztere auf einem Konzept aufbauen, das auf konstanter Anpassung beruht. 39
Krüger fordert dagegen in diesem Zusammenhang eine Einteilung der Veränderung in dynamische Fähigkeiten der ersten und zweiten Ordnung. Dabei ist mit der Fähigkeit der ersten Ordnung die Möglichkeit der reaktiven 40 oder proaktiven 41 Anpassung gemeint.
Die zweite Ordnung besagt, dass Wandlungsfähigkeit zu einer Kernkompetenz der Organisation zählt: „Wandel ist zu verstetigen und als kontinuierlicher Strom von Entwicklungsimpulsen zu organisieren.“ 42
Eine ähnliche Unterscheidung erfolgt nach Levy und Merry ebenfalls in Veränderungen erster und zweiter Ordnung, daher eine Differenzierung in graduellen und radikalen Wandel. 43
Wandel der ersten Ordnung „gradual change“ bewegt sich im bisherigen Bezugsrahmen des Unternehmens. Es geht um quantitative und kontinuierliche Anpassungen in bestimmten Organisationseinheiten oder -bereichen. Intensität und Komplexität des Wandels bleiben überschaubar, die Angst der Betroffenen fällt geringer aus. 44 Evolutionärer Wandel bewegt sich in diesem Rahmen, zielt auf den Entwicklungsaspekt und auf ein Veränderungstempo, das für die Organisation und ihre Mitglieder zu bewältigen ist. Er ist in der Regel langfristig angelegt und vollzieht sich schrittweise. 45 Der Wandel der zweiten Ordnung, auch „radical change“ genannt, verändert hingegen diesen grundsätzlichen Bezugsrahmen.
38 Vahs (2007), S.267.
39 vgl. Greif et al. (2004), S.29f.
40 Ist das Auslösen der Veränderung durch externe Einflüsse.
41 Bezieht sich auf einen langfristigen und kontinuierlichen Aufbau der Veränderungsbereitschaft.
42 Krüger (2006), S.37.
43 vgl. Levy & Merry (1986), S.5ff.
44 vgl. Vahs (2007), S. 268f.
45 vgl. ebd., S.372f.
11
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Saskia Rennebach, 2009, Veränderungsprozesse gestalten mit Unterstützung des CONSIDEO MODELERS©, München, GRIN Verlag GmbH
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