Inhaltsangabe
Einleitung Seite 3 - 4
Hauptteil Seite 4 - 13
Der Quietismus
Biographie und Wirken von Jacques Bénigne Bossuet
Biographie und Wirken von François de Salignac de La Mothe-Fénelon
Der Quietismusstreit
Über die reine Liebe (amour pur)
Schluss Seite 13 - 14
Quellenangabe 15
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Einleitung
Das fundamentale Gebot des Alten Testaments lautet wie folgt: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen, aus deiner ganzen Seele, aus deinem ganzen Gemüte und mit allen deinen Kräften!
Was bedeutet es aber Gott aus ganzem Herzen zu lieben? Ermöglicht die Liebe zu Gott eine diesseitige oder jenseitige Glückseligkeit? Darf ich eine „Gegenleistung“ erwarten, indem in mir durch meine Liebe zu Gott und durch mein dadurch geprägtes Verhalten die das Licht der Hoffnung auf das Paradies leuchtet? Braucht die Liebe Beweise, dass sie auf Gegenseitigkeit beruht? Darf ich böse auf Gott sein, wenn ich mich für ihn hingebe, ihn liebe und verehre, aber dennoch einen Platz in der Hölle zugewiesen bekomme? Wie erfahre ich, dass Gott meine Liebe verdient?
Zu all diesen Fragen hat der Quietismus, eine mystische Geistesströmung, die vor allem im 17. Jh. in der christlichen Frömmigkeit auftrat, versucht Antworten zu liefern. Jeanne Marie Bouvieres de la Mothe Guyon wurde gemessen an der Wirkungsgeschichte die erfolgreichste Vertreterin des mystischen Quietismus. Sie kam durch ihre frühe Klostererziehung mit dem mystischen Gedankengut innerster Christusfrömmigkeit in Berührung. Gegen ihren Willen wurde sie bereits als sechzehn Jährige mit dem wesentlich älteren und kränklichen Jacques Guyon verheiratet. Sie sorgte sich um ihren Ehemann und ihre fünf Kinder und lebte zugleich nach dem Tod ihres Mannes zunehmend in der mystischen Übung des innerlichen Lebens und der inneren Einkehr im „stillen Gebet“. Nach einer freiwillig aufgegebenen Leiterposition einer Vereinigung von calvinistischen Konvertitinnen, gab sie ihren großen Besitz zugunsten der Armen auf und ließ sie sich in Thonon am Genfer See als freie religiöse Schriftstellerin mystischer Erbauungsliteratur nieder. Es begann eine außergewöhnlich erfolgreiche und wirkungsvolle
schriftstellerische Tätigkeit, obwohl sie keine formale Bildung genossen hatte. Sie schrieb
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Traktate über die Gottesliebe. Zeugnis dessen ist der Quietismusstreit zwischen Jacques Bénigne Bossuet und François Fénelon. 1 Bei diesem wird im Grundsätzlichen über folgende Fragen gestritten: Ist es möglich Gottesliebe zu üben, ohne die Tugend der Hoffnung auf zukünftigen Lohn aufgeben zu müssen? Und die Gegenfrage wie es möglich sei nach der Auslöschung des Verlangens zu verlangen. Diese Arbeit soll einen Versuch darstellen diese Fragen zu erläutern.
Hauptteil
Der Quietismus 2
Der Quietismus 3 ist eine Geistesströmung mit heterodoxen Tendenzen, die vor allem im 17. Jh. in der christlichen Frömmigkeit auftrat. Die Wurzeln sind bei Augustinus mit seiner Betonung auf das Angewiesenseins auf Gnade und des castus amor, der uneigennützigen Liebe zu Gott, zu finden. Die Theorie besagt, dass Gott nur gefunden werden kann, indem die Seele in absoluter Tatenlosigkeit, d.h. in totaler Passivität verharrend, Gott in ihr wirken lässt. Jede Anstrengung ihrerseits wird als unnütz, schädlich und sogar schuldhaft angesehen. Jede Form menschlichen Bemühens und Verlangens wird verworfen. Es soll dazuführen sich Gott und seinem Willen ganz hinzugeben und sich um nichts zu sorgen, weder jetzt noch in der Zukunft, weder im Himmel noch in der Hölle. Es gilt die Notwendigkeit Gott um seiner selbst willen zu lieben und nicht um irgendeines Lohnes willen, den diese Liebe etwa herbeiführen könnte. So vergifte nach dem Quietismus jede Eigenliebe innerhalb der Liebe des Menschen zu Gott - sogar das Verlangen nach Glückseligkeit - die reine Gottesliebe. „Es ist besser Gott zu lieben und in der Hölle zu sein, als den Himmel zu gewinnen, aber ohne Gottesliebe zu sein.“ Die quietistische Bewegung in Italien, Spanien und Frankreich entsprang nahezu unabhängig voneinander. Zwei wichtige Vertreter des Quietismus sind zu nennen: Der
1 Siehe: www.madame-guyon.de
2 Siehe: Balz, Horst, Theologische Realenzenzyklopädie, (Hrsg.) Müller, G., De Gruyter Verlag, Berlin/New York ,1997: In folgendem als TRE abgeküzt.
3 Siehe:TRE, S. 40.
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spanische Priester Miguel de Molinos in Rom und die Madame Guyon in Frankreich. Miguel de Molinos hatte 1664 als Seelenführer großes Ansehen erlangt und ließ daraufhin 1675 sein in sich betrachtet harmloses Werk Guía espiritual erscheinen. Man beschuldigte ihn wegen schwerster moralischer Perversion, da er Eingeweihten eine viel gewagtere esoterische Unterweisung gab. Obwohl Innozenz XI ihn zunächst beschützte, wurde Molinos 1685 verhaftet, 1687 verurteilt und starb in Haft. Die Verurteilung rief in Italien eine antimystische Welle hervor und zahlreiche bis dahin sehr geschätzte Werken wurden indiziert. Molinos vertrat den strikten (rigorosen) Quietismus, welcher nur eine grobschlächtige Lösung für den Gegensatz von Gottesliebe und Selbstliebe hatte: „Aktiv wirken zu wollen, heißt Gott verletzen, der selbst allein Träger sein will: und deshalb ist es notwendig, sich selbst ganz und völlig in Gott aufzugeben und hernach wie ein toter Leib zu verbleiben.“ 4 In diesem rigorosen Quietismus wird aus dem Verzicht und dem Nicht-Wollen die Beliebigkeit des Ich geformt. D.h. „was mir passiert, soll mir gleichgültig sein, ich lasse mich treiben und wehre mich auch gegen dämonische Einwirkungen nicht“. 5 In Frankreich wurde Madame Guyon beschuldigt in ihren Werken Ideen mit quietistischen Tendenzen zu verbreiten. Madame Guyon vertrat den Semi - Quietismus, welcher die Ergebenheit in den Willen Gottes als Untätigkeit des eigenen Willens darstellt. 6 Diese Art vom Quietismus ist allerdings doppeldeutig, da es zwar klar ist, dass das Ich nichts mehr für sich will aber es auch nicht deutlich hervorgeht für welches Ziel es sich einsetzt. 7 1695 wurde sie von Bossuet verurteilt aber von Fénelon verteidigt, der ihrer Gedankenwelt sehr verbunden blieb und gegen die nicht sehr einsichtigen Kritiken Bossuets zum Vorkämpfer der Mystik wurde. In dieser Intention ließ Fénelon im Februar 1697 seine Explication des Maximes des Saints erscheinen, die Bossuet quietistisch beurteilte und die eine heftige Polemik hervorrief. Der Streit blieb lange unentschieden bis Bossuet 1798 seine Relation sur le quietisme erscheinen ließ, eine schreckliche Schmähschrift verleumderischer Art, das Madame Guyon und Fénelon der Lächerlichkeit preisgab.
4 Hattrup, Dieter, Fenelon 1699 - 1999,
5 Siehe Hattrup, S.87.
6 Siehe Hattrup, S. 80.
7 Siehe Hattrup, S.87.
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Arbeit zitieren:
Ferda Cav, 2009, Der Quietismusstreit zwischen Fènelon und Bossuet, München, GRIN Verlag GmbH
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