Inhaltsangabe
Einleitung Seite 3 - 4
Einf ührung in das Thema
Problemstellung
Hauptteil Seite 4 - 10
1. Tradition und Entwicklung der Fortuna in der Antike Seite 4 - 5
2. Der Begriff der Fortuna bei Boethius Seite 5 - 8
2.1 Der Begriff der Fortuna bei Dante Seite 8 - 11
Schluss Seite 12
Er örterung der anfangs der Arbeit erstellten Fragestellung auf der Grundlage der im Hauptteil
erzielten Befunde
Quellenangabe Seite 13
2
Einleitung
Einführung in das Thema und Problemstellung
Der Schicksalsbegriff beinhaltet Probleme, die einen wesentlichen Bestandteil der Philosophiegeschichte ausmachen.
Wie entscheidet sich das Schicksal (Fortuna) einige Menschen in die Katastrophe zu stürzen, während andere unverdienterweise mit Reichtümern ausgestattet zum höchsten Ruhm gelangen? Was nützen einem der Gebrauch von Vernunft und Einsicht, wenn ein sittliches Handeln keine gerechte Strafe und Belohung erhält? Nimmt in einer durch die göttliche Vorsehung geordneten Welt, das Schicksal einen höheren Rang ein als die Ordnung Gottes? Oder ist Gott selbst ungerecht, indem er Menschen nach seinem Gutdünken bestraft oder belohnt ohne auf ihr Handeln näher einzugehen?
Vor Dante Alighieri haben sich auch andere Philosophen mit diesem Problem befasst. Für Dantes Fortunabild waren dabei hauptsächlich die Quellen der christlichen Interpretationen von Augustinus und Boethius, die Lehren der großen Scholastiker Albertus Magnus und Thomas von Aquin maßgebend. 1
Während Augustinus für die Schicksalsgöttin der Heiden keinen Raum in der christlichen Lehre sieht und die Fortuna in das Reich der Dämonen versetzt, verhalf Boethius in der Consolatio philosophiae der Gestalt der antiken Glücksgöttin zu frischem Leben um sie schließlich ganz in den Dienst Gottes zu stellen. Albertus Magnus und sein Schüler Thomas von Aquin gewinnen ihre Fortuna-Konzeption in der Auseinandersetzung mit Aristoteles und versuchen dabei eine Synthese zwischen christlicher Theologie und aristotelischer Metaphysik zu finden. Damit verschafften sie Dante den Zugang zu den philosophischen Systemen griechischer Tradition. 2
Nicht nur aufgrund der Tatsache, dass das von Boethius erzeugte ambivalente Bild einer christlichen Fortuna zur Grundlage für den mittelalterlichen Fortuna-Begriff wurde, sondern vor allem auch, weil sich Dante in seiner Diskussion auf die philosophische Quelle des Boethius beruft und einige Aspekte seiner Argumentation mit ihm teilt 3 , soll in dieser Arbeit
1 Siehe Erläuterungen von Meyer-Landrut, E., Fortuna in Dantes "Divina Commedia", Rheinfelden 1987, Seite 14. Wird im Folgenden als "Meyer-Landrut, E., Fortuna in Dantes "Divina Commedia" angegeben.
2 Siehe Meyer-Landrut, E., Fortuna in Dantes "Divina Commedia, Seite 12 - 23.
3 Dante Aligheri, Das Gastmahl, Imbach, R. (Hrsg.), Hamburg 2004, Seite XXXV.
3
die Herangehensweisen an das Problem der Fortuna dieser beiden Autoren auf ihre gegenseitige Beziehung überprüft werden.
Hauptteil
1. Tradition und Entwicklung der Fortuna in der Antike
Um eine Vorstellung von der Fortuna zu gewinnen, welche Dante in seinen Werken Das Gastmahl und Die göttliche Komödie behandelt, erfolgt zuerst eine knappe Zusammenfassung der langen und variationsreichen Entwicklungsgeschichte der Göttin Fortuna.
Die etymologische Bedeutung des Begriffes Fortuna kann man aus dem Zusammenhang der Figur Fors-Fortuna und dem Verb ferre ableiten, im Sinne von "das Kommende" und "das Geschickte". Fors, "blinder Zufall" und "Schicksalsgöttin", wird in der Verbindung mit Fortuna zu einem Synonym für günstige Schickung und Glücksgöttin. 4 Die erstgeborene Tochter des Jupiter, Fortuna Primigentia, war von weitreichender Bedeutung, sowohl als Muttergottheit wie als Orakel. Sie war die Göttin des Glücks, der Fruchtbarkeit und des guten Gelingens. Obwohl die Fortuna in all ihren Eigenschaften und Spezialisierungen für jeden eine andere, wie man sie gerade gebrauchte, war, entsprach der römischen Vorstellung einheitlich der vorwiegend Glück bringende Charakter der Fortuna. 5 Durch das Ruder, mit welchem das Schiff ebenso wie menschliche Schicksale und die sublunare Welt regiert werden, wird die Schicksalsgöttin als Herrscherin gekennzeichnet. Mit der Kugel symbolisiert sie ihr wankelmütiges Wesen.
Tiefe und Wirkung gewinnt die Fortuna erst in ihrer Verbindung mit der griechischen Göttin Tyche, mit der sie im Hellenismus zu einer fest verbundenen Einheit zusammenwächst. 6 Im Griechischen bedeutet Tyche "die aus der Ferne sicher Treffende", die unabänderliche Macht blinden Zufalls, von der man nicht sicher weiß, ob sie von dem Willen eines Gottes oder von eigener Willkür gelenkt wird. Ihr Wesen entspricht dem einer unberechenbaren, blind waltenden Kraft und nicht dem einer wohlwollend gewährenden Göttin wie der alt-römischen Fortuna. Ihre Kraft bestimmt sowohl Geschicke der Städte und Völker als auch des einzelnen
4 Herzog-Hauser, G., "Tyche und Fortuna", in: Mras, K., Wiener Studien. Zeitschrift für klassische Philologie, Vaduz 1965, Band 61 und 62. S.156ff. Wird im Folgenden angegeben als: "Herzog-Hauser, G., "Tyche und Fortuna"". Ausführliche Darlegung der etymologischen Bedeutungen von "Fortuna".
5 Siehe Meyer-Landrut, E., Fortuna in Dantes "Divina Commedia, Seite 6.
Durch den Glück bringenden Charakter sind ihre Attribute im Allgemeinen auch Glücks- und Machtsymbole wie das Füllhorn, Ähren und Modius (Fruchtmaß).
6 Herzog-Hauser, G., "Tyche und Fortuna", S.156f.
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Arbeit zitieren:
Ferda Cav, 2006, Überprüfung des Fortuna - Begriffes in Dantes "Convivio" mit Heranziehung des Verständnisses von Fortuna bei Boethius als Quelle , München, GRIN Verlag GmbH
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