Inhalt
I. Einleitung 3
II. Kurzer Überblick über die Entwicklung der deutsch - französischen Beziehungen
von 1866 bis zur Julikrise 1870 4
III. Die spanische Thronkandidatur der Hohenzollern im Spannungsfeld des preußisch
- französischen Gegensatzes 6
IV. Die Emser Depesche als unmittelbarer Anlass des Krieges 9
V. Die Darstellung des Kriegsausbruches in deutschen und französischen
Schulb üchern 11
VI. Schlussbemerkung. 13
VII. Literatur. 15
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I. Einleitung
Für Gerhard Ritter zählt der Kriegsausbruch von 1870 zu den „zentralsten und aufregendsten“ Problemen der deutsch - französischen Beziehungen überhaupt (vgl. Ritter, 1962, VII). Besteht doch in der Forschung ein nahezu einhelliger Konsens hinsichtlich der fatalen Auswirkungen dieses Konfliktes, die politisch weit über das 19. Jahrhundert hinaus fortwirkten.
Nun liegt es auf der Hand, dass die Diskussion um die Verantwortlichkeit dieses Krieges, infolge der sich nach 1871 schwierig, ja oft sogar feindlich und kriegerisch, entwickelnden deutsch - französischen Beziehungen, lange Zeit unter nationalistisch gefärbten Beiträgen litt.
Nach dem zweiten Weltkrieg allerdings wirkte diesem Dilemma die historische Aussöhnung zwischen Frankreich und der Bundesrepublik entgegen.
Als Folge dieser Entwicklung wichen in dieser diffizilen historischen Problematik nationale Leidenschaften erfreulicherweise mehr und mehr einer notwendigen nüchternen Betrachtungsweise, wobei besonders die sehr genaue Arbeit von Jochen Dittrich ( 1962 ) die Forschung vorangetrieben hat.
Dabei kam es den zahlreichen Publikationen zu diesem Thema sicherlich zugute, dass dieser Forschungsgegenstand durch die 1957 freigegebenen Dokumente des Auswärtigen Amtes 1 auf eine sicherere Grundlage gestellt wurde (vgl. ebd., XIII). Auf eben dieser Grundlage soll im Folgenden ein dem Rahmen einer solchen Arbeit adäquater Einblick in die historische Diskussion um die Verantwortlichkeit des deutschfranzösischen Krieges von 1870 erfolgen 2 .
Am Schluss dieser Hausarbeit gilt es schließlich der Frage nachzugehen, inwiefern sich diese Ergebnisse in aktuellen deutschen, wie auch in französischen Geschichtsbüchern widerspiegeln.
Doch zunächst soll dieser Arbeit ein knapper Überblick über die Genese des Konfliktes von 1870 vorangestellt werden.
1. Die Freigabe der Dokumente erfolgte von englischer Seite her, da sich das Archiv des Auswärtigen Amtes seit 1945 in englischem Gewahrsam befand. Dieser Sachverhalt erklärt auch die Bedeutung angelsächsischer Forschungsbeiträge zu dieser Thematik. Es sei hier an die Arbeiten von Bonnin (1957) und des Amerikaners Steefel (1962) erinnert.
2. Bei der Untersuchung dieses historischen Falls erscheint es notwendig, Verlauf und Struktur politischer Entscheidungsprozesse zu skizzieren. Wirtschaftliche, präziser finanziellökonomische Interessen müssen hier aus Gründen der Reduktion vernachlässigt werden. Vgl. dazu auch Kolb, 1970, S.7. Er ist der Meinung, dass diese Aspekte beim Kriegsausbruch keine Rolle gespielt haben.
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II. Kurzer Überblick über die Entwicklung der deutsch - französischen Beziehungen von 1866 bis zur Julikrise 1870
Spätestens nach Königgrätz - Sadowa und der daran anschließenden Konstituierung des Norddeutschen Bundes 1866 wurde der deutsch - französische Gegensatz offenkundig. Kam es doch zwischen den beiden Großmächten diesseits und jenseits des Rheins in zunehmendem Maße zu weitreichenden politischen Interessendivergenzen. Auf der einen Seite operierte Napoleon III. seit dem italienischen Einigungskrieg 1859 auf außenpolitischem Terrain nicht gerade erfolgreich und geriet immer mehr in die liberale und konservative Kritik. Die Erfolge des preußischen Junkers im österreichischen Krieg verstärkte diese Entwicklung beträchtlich.
Ein weiteres Vordringen Preußens südlich der Mainlinie zwecks Verwirklichung der endgültigen nationalen Einheit stand den Interessen Napoleons III. somit diametral entgegen. Darüber hinaus wurde der Ruf nach eigenen außenpolitischen Erfolgen Frankreichs in Europa lauter. Das Schlagwort Revanche pour Sadowa unterstreicht diesen Tatbestand plakativ (vgl. Hillgruber, 1972, S.88).
Auf der anderen Seite blieb für Preußen - Deutschland zu dieser Zeit die Frage zunächst völlig offen, ob der Weg vom Norddeutschen Bund zum kleindeutschen Reich zu Ende gegangen werden würde.
Fest stand jedenfalls, dass der Weg dorthin - militärisch oder diplomatisch - nur über Frankreich zu erreichen sein würde.
In diesem Zusammenhang bekannte Bismarck schon frühzeitig, dass der Krieg mit Frankreich unvermeidlich sei (vgl. von Muralt, 1970, S.14). Gleichwohl zog er nach 1866 die Möglichkeit einer Erwerbsgemeinschaft in Betracht. Dazu Hillgruber 1972, S.87):
„Konkret hieß dies, dass die jeweilige Expansion nicht gegeneinander, sondern gleichsam aneinander vorbei erfolgte mit dem Ziel einer Erwerbung Belgiens und Luxemburgs für Frankreich und des Zusammenschlusses des Norddeutschen Bundes mit den süddeutschen Staaten."
Allerdings hatte Bismarck durch das Indemnitätsgesetz gerade erst seine vormals schmale innenpolitische Basis verbreitert. Durch das Zustandekommen der von Bismarck so lange gesuchten Verbindung von Staatsinteressen und nationaldeutscher Bewegung, die in Frankreich den Erbfeind sah, verlor Bismarcks Außenpolitik zweifellos das für ein solches Arrangement notwendige Maß an Flexibilität (vgl., ebd.).
Zudem beharrte Napoleon, auch innenpolitisch bedingt, auf der schon oben erwähnten Maxime, dass ein Anschluss der süddeutschen Staaten an Preußen - Deutschland mit dem französischen Hegemoniestreben unvereinbar sei.
Das Unvermögen der beiden Mächte, sich in dieser Frage zu arrangieren, wurde erstmalig während der Luxemburg - Krise 1867 deutlich.
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Wenngleich es auf der Londoner Konferenz gelang, mittels eines Kompromisses einen drohenden Krieg zwischen Preußen und Frankreich zu verhindern, so stellte diese Krise nach Schieder einen Einschnitt in der Geschichte der preußisch - französischen Beziehungen dar. „Durch sie (die Luxemburg - Krise, d. Verf.) wird eine Phase beendet, in der Napoleon III. seinen Einfluss auf die deutsche Politik und seine territorialen Ziele in erster Linie durch Verhandlungen mit Preußen zu erreichen versucht hatte" (1976, S.193). Auch für Hillgruber besitzt die Luxemburg - Krise Epochencharakter, da von nun an alle Bündniserwägungen in Frankreich von dem Gesichtspunkt einer Frontstellung gegen Preußen - Norddeutschland bestimmt waren (vgl. Hillgruber, 1972, S.93). Die sich immer mehr abzeichnende Konfrontation spiegelte sich zunächst in den diplomatischen Aktivitäten wider.
Obwohl Preußen einen gegen Österreich gerichteten Bündnisvorschlag des Zaren ablehnte, blieb die Zusammenarbeit mit Russland ein elementarer Pfeiler der bismarckschen Diplomatie (vgl. ebd., S.94).
Nicht zuletzt dem sich normalisierenden preußisch - österreichischen Verhältnis konnte es Preußen verdanken, dass der Versuch Napoleons III. scheiterte, einen Dreibund Österreich -Italien - Frankreich zu initiieren (vgl. Hillgruber, 1972, S.94). Im Frühjahr 1870 standen sich somit zwei Bewegungskräfte gegenüber, die „nach einem Ventil suchten, um ihre Kräfte ausströmen zu lassen" (vgl. Schieder, 1976, S.197).
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Arbeit zitieren:
Dr. Volker Brand, 1987, Der Ausbruch des deutsch - französischen Krieges 1870 und seine Rezeption in ausgewählten deutschen und französischen Schulbüchern, München, GRIN Verlag GmbH
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