Deutschland erkennt an, da[ß] Deutschland und seine Verbündeten als Urheber aller Verluste und aller Schäden verantwortlich sind, welche die alliierten und assoziierten Regierungen und ihre Angehörigen infolge des ihnen durch den Angriff Deutschlands und seiner Verbündeten aufgezwungenen Krieges erlitten haben.“ 1 Die deutsche Bevölkerung sah dies natürlich überhaupt nicht so, hatte doch während der Balkankrise vor allem das Königreich Serbien zu solchem Handeln provoziert und Europa in diesen Krieg gestürzt in den das deutsche Kaiserreich nur durch die Bündnissysteme hineingezerrt wurde. Doch damit nicht genug, nicht nur die deutsche Ehre wurde damit natürlich auf das Schärfste beleidigt, außerdem sollte Deutschland Reparationen zahlen, damit die Alliierten ihre entstandenen Kriegskosten decken konnten. Allerdings entstand diese äußerst harte Position gegenüber dem besiegt Deutschen Reich erst während der Verhandlungen. Aus diesem Grund möchte ich an dieser Stelle die Voraussetzungen für Friedensverhandlungen mit dem besiegten Deutschland aufführen. Dabei beschränke ich mich auf die federführenden Kräfte Großbritannien unter Premierminister David Lloyd George, Frankreich unter Premierminister Georges Clemenceau und die USA unter Präsident Thomas Woodrow Wilson. Nach Ansicht von Premierminister George sollte Deutschland nicht zu hart bestraft werden, da dies nur die „Balance of Power“ in Europa stören würde und dies zu nachhaltigen Schwierigkeiten führen würde. Er wollte, dass sich Deutschland vom Krieg erholen konnte und dennoch teilweise militärisch geschwächt werde. Dabei forderte Lloyd George die Abtretung aller Kolonien und machte den Vorschlag zur Entmilitarisierung des Rheinlandes. Sein Hauptziel war jedoch die Bestrebungen des russischen Kommunismus in Bezug auf eine „Weltrevolution“ im Zaum zu halten. Clemenceau vertrat unter den drei führenden Kräften die radikalsten Ansichten für einen Friedensvertrag mit Deutschland. Er forderte Elsass-Lothringen zurück, welches 1871 an das Deutsche Reich ging. Darüber hinaus wollte er das Rheinland als Sicherheitszone vor einem erneuten Angriff der Deutschen einrichten. Weiterhin stellte er die Forderung nach angemessenen Reparationszahlungen, die den Wiederaufbau Frankreichs fördern sollten und Deutschland schwächen sollten. Dabei zeigt sich bereits Georges Clemenceaus zentrales Ziel, nämlich die Isolation und nachhaltige Schwächung Deutschlands um gleichzeitig eine Vormachtstellung Frankreichs in Europa zu erreichen. Der amerikanische Präsident Wilson vertrat hingegen eine Zielstellung ähnlich der Großbritanniens, wonach Deutschland nur maßvoll bestraft werden sollte um es nicht als Wirtschaftspartner zu verlieren. Außerdem wollte er den Völkerbund als Kontrollorgan und zur Sicherung des Friedens gründen. Seine Hauptziele waren die im Januar 1918 vor dem Kongress vorgestellten 14-Punkte, in Folge derer sich Deutschland überhaupt erst auf Friedensverhandlungen einließ. Allerdings erkannte
2
er bald darauf in den Friedensverhandlungen, dass unter diesen Gesichtspunkten kein Frieden zusammen mit Frankreich und Großbritannien zu schließen sei. Wie ich bereits angesprochen habe und der Artikel 231 aus dem insgesamt 434 Artikel umfassenden Vertragswerk von Versailles zeigt, waren die endgültigen Bestimmungen um einiges härter. Zunächst möchte ich auf die territorialen Bestimmungen eingehen, wonach Deutschland 13% seines Staatsgebietes verlor. So ging Nordschleswig an Dänemark, Eupen-Malmedy an Belgien, Elsass-Lothringen zurück an Frankreich, Teile Oberschlesiens und das Hultschiner Ländchen an die Tschechoslowakei, Posen und Westpreußen an den neu gegründeten Staat Polen und das Memelgebiet an Litauen. Des Weiteren wurde Danzig freie Stadt unter der Verwaltung des Völkerbundes. Ebenso wurde das linksrheinische Gebiet und 50km rechts des Rheins entmilitarisierte Zone. Das Saarland fiel für 15 Jahre unter französische Herrschaft, danach sollte ein Volksentscheid über die Staatszugehörigkeit entscheiden. Überdies wurde eine Verbindung von Österreich und Deutschland verboten. Natürlich waren dies nicht die einzigen Bestimmungen aus diesem Vertrag. Darüber hinaus wurden dem Deutschen Reich massive militärische Beschränkungen auferlegt. So wurde der Generalstab aufgelöst, die allgemeine Wehrpflicht verboten und eine auf 100.000 Soldaten beschränkte Berufsarmee vertraglich festgelegt. Auch die Marine wurde auf 15.000 Soldaten, sechs Panzerkreuzer, sechs leichte Kreuzer und 12 Torpedoboote beschränkt. Sämtliche schweren Waffen wie U-Boote, Panzer, Schlachtschiffe und auch chemische Waffen, sowie der Wiederaufbau von Luftstreitkräften wurden gänzlich verboten. Zu den militärischen Bestimmungen gehört außerdem die Entmilitarisierung des Rheinlandes, das Verbot von Festungsbauten und die Stationierung von Artillerie zwischen Nord- und Ostsee. Die wahrscheinlich härtesten Bestimmungen wurden der Wirtschaft auferlegt. Deutschland musste Reparationen in noch nicht festgelegter Höhe zahlen, obwohl Experten wie John Maynard Keynes eine realistische Kalkulation vorlegten. Erst 1921 einigten sich die Alliierten auf eine Summe von 132 Milliarden Goldmark. Diese Summe war jedoch keinesfalls stetig. Des Weiteren verlor Deutschland fast seine gesamte Handelsflotte, große Schifffahrtsstraßen wurden für international erklärt, die junge Republik musste ein Drittel der Kohlevorkommen und dreiviertel der Erzvorkommen ab. Dies sind natürlich nur Ausschnitte aus dem Vertragswerk von Versailles, dennoch halte ich sie für die wohl Wichtigsten.
Einigkeit bestand in dieser Zeit des Umbruchs für Deutschland einzig und allein in der Ablehnung dieses Friedensdiktats. Die Deutschen sahen sich tief in ihrer Ehre verletzt, was natürlich auf den ´bereits angeführten Kriegschuldartikel 231 zurückzuführen ist. Doch natürlich waren die anderen Bedingungen weitaus schwerwiegender. So war die ohnehin
3
Arbeit zitieren:
Stephan Gottschall, 2009, Der Versailler Vertrag, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Krisenjahre der Weimarer Republik von 1920-23
Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik
Referat / Aufsatz (Schule), 7 Seiten
Die frühen Krisenjahre der Weimarer Republik und deren Zusammenhang mi...
Politik - Politische Systeme - Historisches
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Die Krisenjahre bis 1923 - Ruhrkampf
Besetzung des Rheinlandes
Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik
Hausarbeit, 18 Seiten
Der Kapp-Lüttwitz-Putsch und die Gründe für sein Scheitern
Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik
Seminararbeit, 19 Seiten
Stephan Gottschall hat den Text Der Versailler Vertrag veröffentlicht
Stephan Gottschall hat einen neuen Text hochgeladen
Die wirtschaftlichen Folgen de...
John Maynard Keynes, Dorothea Hauser, M. J. Bonn, C. Brinkmann
0 Kommentare