Martin Gschwandtner
Friedrich Ritter von Lössl
(1817-1907)
Unermüdlicher Technik-Pionier, Visionär,
Tüftler und U(h)rgroßvater
1
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
3
1
Einleitung
4
1.1
Forschungsstand
4
1.2
Quellenlage
5
1.3
Allgemeines und technische Entwicklung
6
1.4
Die Biographie in der Technikgeschichte
9
2
Friedrich Ritter von Lössl
14
2.1
Übersicht über seine Biographie
14
2.2
Die Vorfahren Friedrich v. Lössls, Stammtafel
28
2.3
Lössls Finanzen
35
3
Eisenbahnen und Wasserwege in Europa
39
3.1
Die Entwicklung des Eisenbahn-Streckennetzes bis 1880
39
3.2
Lössls Streckentrassierungen in Kartendarstellungen
46
3.3
Lössls Abhandlung über Isopeden 1854
53
3.4
Lössls Isopedenmethode auf der Weltausstellung 1873
65
3.5
Lössls Projekt eines Schifffahrtskanales Save-Donau
67
4
Lössls Privilegien (Patente)
70
4.1
Schiff mit Aufwärtsfahrtantrieb (,,Selfpropeller"), 1859
70
4.2
Helioplastische Schichtenlinien, 1879
75
4.3
Schnellbremse für Schienenfahrzeuge, 1879
83
4.4
Der atmosphärische Motor 1880
88
4.5
Die Uhr mit selbsttätigem Luftdruckaufzug 1892
93
4.6
Ein neuartiges Zweirad 1898
99
2
5
Von der Wasseruhr bis zur Lössluhr. Streiflichter zur
Entwicklung der Zeitmessung.
102
5.1
Die Entwicklung bis zur Räderuhr
102
5.2
Der Durchbruch zur genauen Zeitmessung
109
5.3
Entwicklung der Genauigkeit von Uhren
114
5.4
Uhren von den Kräften der Natur aufgezogen
119
5.4.1
Streifzug durch die Entstehungsgeschichte
119
5.4.2
Beschreibung der autodynamischen Uhr Lössls
122
5.4.3
Auswahl aus Lössls Konstruktionszeichnungen
130
5.4.4
Aufstellungsorte von autodynamischen Uhren
134
5.4.5
Die Monumentaluhr in Bad Aussee
136
5.4.6
Die Atmosuhr
137
5.4.7
,,Pendelmathematik"
140
6
Lössl als Erforscher aerodynamischer Gesetze
144
7
Schluss
155
8
Archive, Quellen - und Literaturverzeichnis
162
9
Anhänge
176
9.1
Glossar
176
9.2
Vorfahren, Nachfahren, Wohnorte, Kinder
177
9.3
Tabellarische Übersicht über Lössls Lebenslauf
187
9.4
Lössls autobiographische Notizen
190
9.5
Erinnerungsorte
236
9.5.1
Friedrich Ritter von Lössl im Lichte der Presse
236
9.5.2
Bilder und Dokumente
246
9.5.3
Lössls Gebäude- und Landschaftsskizzen
287
-
319
3
Vorwort
Der Anstoss zu dieser Arbeit kam von Herrn Mag. Dr. Christian Dirninger,
Professor für Wirtschafts - und Sozialgeschichte an der Universität Salzburg.
Prof. Dirninger, in Bad Aussee im steirischen Salzkammergut geboren, hat in
seinem Buchbeitrag ,,Visionäre der Machbarkeit. Das Salzkammergut im
Zeitalter von Fortschritt und Modernisierung"
1
solche Visionäre vorgestellt,
einheimische Tüftler und Erfinder gleichermaßen wie ,,zugereiste Eliten". Unter
den letzteren befindet sich auch Friedrich von Lössl. Obwohl dieser außerhalb
des Salzkammergutes weitgehend in Vergessenheit geraten ist, lebt doch die
Grundidee einer seiner Erfindungen, die der autodynamischen Uhr wenn auch
unter einem anderen Namen weiter fort. Und auf den von Lössl trassierten
Eisenbahnstrecken fahren bis heute unzählige Züge, ohne dass die Reisenden
wissen, wer Ihnen den Weg durch die Landschaft erkundet und geplant, sowie
das eiserne Band der Schienen von Ort zu Ort geführt hat. Auch seine
Forschungen über die Widerstände und Drücke der Luft ergaben für viele
Techniker wichtige Grundlagen und Daten für ihre Berechnungen und zählen
ebenfalls zu seinen großen Leistungen, auch wenn manches davon durch
verbesserte Theorien und Berechnungsmethoden verfeinert oder ersetzt
worden ist. Durch die Unterstützung vieler ,,hilfreicher Geister" in den Archiven
und
öffentlichen
Auskunftsstellen,
sowie
durch
das
freundliche
Entgegenkommen von Privatpersonen konnte zwar sicherlich kein vollständiger,
aber doch ein gut abgerundeter Überblick über das Leben und Lebenswerk des
leidenschaftlichen und visionären Technikers Lössl gewonnen werden. Ich
danke daher allen Damen und Herren aus Altmünster, Augsburg, Bad Aussee,
Bad Schönborn, Bergen im Chiemgau, Bocholt, Gablitz, Gmunden, Graz, Haag
i. Oberbayern, Immenstadt im Allgäu, Innsbruck, Irdning, Lindau, Linz,
München, Regensburg, Salzburg, Schweinfurt, Schwindkirchen, Weiler i. Allgäu
und Wien, die mir bei meinen Recherchen behilflich waren. Ein besonderer
Dank gilt den Urenkeln von Friedrich v. Lössl: Frau Freia Reinisch, die durch
sehr viel Mühe wesentlich zum Gelingen des Buches beigetragen hat, sowie
auch Frau Christa von Lössl, Frau Inge Schmölzer und Herrn Ing. Hermann
1
In: Hellmuth, Thomas/Hiebl, Ewald u.a. (Hrsg.): Visionäre bewegen die Welt. Ein Lesebuch
durch das Salzkammergut. Salzburg, München 2005, S. 162 - 171.
4
Pessl (der inzwischen leider verstorben ist). Dem GRIN-Verlag sage ich besten
Dank für die gute Zusammenarbeit zum Gelingen dieses Buchprojektes.
1 Einleitung
1.1 Forschungsstand
Das Leben und Lebenswerk Friedrich Lössls fand bisher noch keinen
literarischen Niederschlag in einer umfassenderen Biographie, die auch alle
seine Privilegien (Patente) und planerischen Aktivitäten einschließt.
In Schriften seiner Nachkommen, in vielen Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln, in
einem populärwissenschaftlichen Buch über seine autodynamische Uhr, sowie
in Absätzen von Hochschulschriften, in Festreden anlässlich von
Gedenkveranstaltungen, in Ausstellungen sowie in Straßenbenennungen hat
Lössl allerdings bereits zahlreiche Würdigungen erfahren. Die vorliegende
Abhandlung ist eine behutsam vorgenommene Kürzung und Umgliederung der
Arbeit des Verfassers: Friedrich Ritter von Lössl (1817-1907). Unermüdlicher
Technik-Pionier, Organisator, Tüftler und U(r)großvater, Hof bei Salzburg 2008.
Doch nicht ausschließlich Würdigungen konnte Lössl erfahren. Aus der Reihe
von Veröffentlichungen, die auf Lössl eingehen sei beispielhaft die Schrift von
Paul Bacher hingewiesen: ,,Das Flugproblem wieder einmal endgültig gelöst."
[...],Salzburg 1903.
Pacher (1832-1906), geb. als Sohn eines Spinnereibesitzers in Sollenau, NÖ,
Techniker, Schriftsteller, Politiker, behandelt den Stand der Luftfahrt und
beurteilt die verschiedenen Bestrebungen, Luftfahrzeuge zu entwickeln. Im
Zuge seiner Abhandlung geht er auch ausführlich auf das Lösslsche Buch über
die Luftwiderstandsgesetze ein und hält einige Formeln und Thesen Lössls für
,,Erdichtungen"
und
behauptete,
Lössl
führe
den
Lesern
ein
,,Formelfabrizierungstheater" vor. Pacher betont jedoch ausdrücklich, dass Lössl
in seinem Buch nicht nur Wahres mit Erdichtetem vermische, sondern
,,wiederholt Proben seines umfassenden mathematisch fisikalischen [sic!]
Wissens und Könnens abgelegt hat". Pacher zählte im Gegensartz zu Lössl zu
jenen Leuten, die ein ,,Auffliegen ohne Ballon" [starten vom Boden aus mit
5
Motorkraft, d. Verf.] für ein Hirngespinst und für völlig ausgeschlossen hielten.
Wenige
Jahre
später
fanden
sich
seine
Vorurteile
und
drastischen
Fehleinschätzungen im Abfallkorb der Technikgeschichte.
1.2 Quellenlage
Die Quellen zum Leben und Werk Friedrich von Lössls ,,sprudelten"
insbesondere aus dem Privatarchiv von Frau Freia Reinisch, Wien, einer
Urenkelin Lössls. Frau Reinisch trug außerdem durch zusätzliche eigene
Suchaktionen sehr viel zum Auffinden von Unterlagen bei. Auch drei andere
Urenkel Lössls, Frau Christa von Lössl, Schweinfurt, Frau Ingrid Schmölzer,
Graz und Herr Ing. Hermann Pessl, Graz, stellten wichtige Unterlagen und
Informationen zur Verfügung. Frau Christa von Lössl fand im Oktober 2008
einen besonders wertvollen Schatz: Die vier Tagebücher von Friedrich von
Lössl, die sie mir zur Auswertung anvertraute. Weitere wichtige Infomationen
kamen aus rund 30 Archiven und privaten Auskunftsstellen, die im Kapitel 9,
Rechercheprotokoll, angeführt sind. Von diesen seien nach dem Umfang
vorhandener Unterlagen folgende herausgehoben:
Das Österreichische Patentamt in Wien, das Archiv des Technischen Museums
in Wien, das Stadtarchiv Linz, die Bibliothek der Technischen Universität
München, das Staatsarchiv München sowie das Stadtarchiv München, das
Stadtarchiv Immenstadt im Allgäu sowie die Recherchen und Informationen von
Herrn HS-Direktor Johann Lüftinger, Altmünster, zu den Gebäude - und
Landschaftsskizzen Lössls.
Doch auch viele andere Archive, öffentliche Auskunftsstellen und
Privatpersonen lieferten sehr wichtige Beiträge, ohne deren Hilfe es nicht
möglich gewesen wäre, das Wichtigste über die Persönlichkeit und das
Lebenswerk von Friedrich Ritter von Lössl zu dokumentieren.
6
1.3
Technische Entwicklung und Erfindungen.
Der große Ingenieur, Erfinder und Unternehmer Eugen Langen (1833 -1895),
unter anderem Gründer der Gasmotorenfabrik Deutz, schrieb einst:
,,Erfinde stets, doch werde kein Erfinder, in der Arbeit such dein Glück,
sonst darben deine Kinder".
2
Friedrich von Lössl, Vater von 10 Kindern, erfolgreicher Techniker in den
Diensten von verschiedenen Eisenbahngesellschaften, nebenher ideenreicher
Erfindergeist zur Steigerung der Effizienz seiner Berufsarbeit, Erfinder
außerhalb und neben seiner Berufsarbeit, dabei unter anderem einer Uhr, die
sich immer automatisch ohne menschliche Hilfe aufzog, war ein Beispiel für die
perfekte Umsetzung des oben zitierten Ratschlages von Eugen Langen. Er war
der Inbegriff des rastlos tätigen, seinen Einfällen lebenden Technikers.
Seine Kinder mussten nicht darben, er war ein guter Familienvater, wenn auch
meist mehr unterwegs als zu Hause. Seine Erfindungen entsprangen teilweise
Eingebungen aus seiner erfolgreichen Berufsarbeit und unterstützten diese.
Erfindungen außerhalb seines Brotberufes bereicherten die Technik um neue
Erkenntnisse und Methoden, oder brachten alte Ideen, wie jene der erwähnten
autodynamischen Uhr, zur praktischen Brauchbarkeit und Perfektion. Mit seinen
präzisen Zeichnungen und Skizzen von Gebäuden und Landschaften konnte er,
wie später die Fotografen, das Geschaute dokumentieren und für die Nachwelt
aufbewahren. Friedrich von Lössl konnte aus einem erarbeiteten, reichen
Wissen in technischen Belangen und einem sich stetig vermehrenden
Erfahrungsschatz
in
vielerlei
Disziplinen
schöpfen,
wie
z.B.
Geländevermessung, technisches Zeichnen und kaufmännischen Kenntnissen,
2
Langen, Eugen, (1833 -1895), einer der engsten Mitarbeiter Nikolaus August Ottos und
Gründers der ersten Verbrennungsmotorenfabrik der Welt, ,,N.A.Otto & Cie"; später gründete
er die ,,Gasmotorenfabik Deutz" die dann in den Konzern ,,Klöckner - Humboldt - Deutz"
eingegliedert wurde. Er entwickelte auch die so genannte ,,Wuppertaler Schwebebahn". Zitiert
aus: Diesel, Eugen: Das Phänomen der Technik. Zeugnisse, Deutungen und Wirklichkeit. 2.
Aufl. Berlin, 1940, S. 212. Vergl.: Heindl, Gottfried/ Higatsberger, Michael: Dem Ingenieur ist
nichts zu schwer, oder Technik und Industrie in Anekdoten. Wien 1982, S. 60.
7
und
sie
für
seine
angestrebten
Ziele,
wie
z.B.
Betriebsgründungen,
Leitungsfunktionen in Unternehmen und Vereinen, sowie Erfindungen nutzbar
machen. Gerade der Begriff ,,Erfindung" erscheint im Sprachgebrauch häufig
sehr verschwommen und undeutlich und soll daher, um Missverständnissen
auszuweichen, im Nachstehenden kurz beleuchtet werden:
Man spricht von Einzelerfindung, wenn nur eine einzelne Person an einer
Erfindung beteiligt ist, von einer Mehrfacherfindung, wenn mehrere Erfinder
unabhängig voneinander und ungefähr zur gleichen Zeit zu ähnlichen
Ergebnissen
kommen,
bzw.
die
gleiche
Erfindung
machen.
Der
Erfindungsvorgang ist ein Prozess, der in der Regel in drei Phasen unterteilt
wird: Invention (Erfindungsvorgang), Innovation (wirtschaftliche Umsetzung)
und Diffusion (Verbreitung), zusammengefasst häufig als Innovation im
weiteren Sinne bezeichnet. Ein Scheitern einer Erfindung ist prinzipiell in
jedem Abschnitt möglich. Im Allgemeinen bezeichnet man jedoch als
gescheiterte Erfindungen jene, die sich am Markt zu einer bestimmten Zeit nicht
durchsetzen können, wobei spätere Wiederbelebungen nicht ausgeschlossen
sind.
3
Damit sich jedoch Erfindungen durchsetzen können, bedarf es der
technischen Umsetzung der Erfindungsidee und ihre Einführung in die Praxis.
Dazu reicht das finanzielle Potential des Erfinders in der Regel nicht aus.
Zahlreiche Erfinderschicksale zeugen davon. Als Voraussetzung für eine
erfolgreiche Erfindung muss unbedingt eine gewisse ,,Faktorkombination"
gegeben sein: Der Erfinder mit seiner Idee, die wirtschaftliche Basis, sowie
genügend technische, patentrechtliche und kaufmännische Kapazität zur
Durchsetzung von Patentansprüchen für den Abschluss von Lizenzverträgen
und zur Markterschließung.
Insbesondere die Durchsetzung von Patenten mit allen damit
verbundenen
Problemen unter hohem Aufwand an Arbeit und finanziellen Mitteln ist als
zusätzliche Phase des mehrphasigen Prozesses der Innovation zu sehen, weil
3
Lindner, Helmut: Technische Entwicklung und das Problem der Mehrfacherfindung. In:
Jokisch, Rodrigo (Hrsg.): Techniksoziologie. Frankfurt a. Main (1982), S. 394 - 408, hier
S. 395. Vergl.: Reith, Reinhold: Seminar 312162, WS 2002/03: Erfinder und Erfindungen.
Einführung in die historische Innovationsforschung. Mitschrift d. Verf. Vergl.: Dirninger,
Christian: Visionäre der Machbarkeit. Das Salzkammergut im Zeitalter von Fortschritt und
Modernisierung. In: Visionäre bewegen die Welt. Ein Lesebuch durch das Salzkammergut.
Salzburg, München 2005, S. 162 - 171.
8
zum
erfolgreichen
Abschluss
eines
Erfindungsvorganges
die
endgültig
gesicherten Patentrechte, eine unabdingbare Voraussetzung sind.
Aus dem Vorstehenden geht hervor, dass eine Idee allein noch keine Erfindung
darstellt. Wäre jedoch eine Idee schon als Erfindung zu werten, dann hätte es
viele Erfinder nicht gegeben, weil ihnen beispielsweise schon Leonardo da Vinci
zuvorgekommen wäre.
Dazu eine der gebräuchlichen Definitionen:
,,Eine prinzipiell patentierbare Erfindung ist eine technische
Problemlösung, die in überraschender Weise bekannte, oder auch neue
Wirkprinzipien anwendet, oder in Relationen setzt, um letztlich das
gewünschte Ergebnis auf bisher nicht bekannte Weise zu erreichen."
4
Der berühmte Erfinder Rudolf Diesel (1858 -1913) sagte zu diesem Thema:
,,Nie und nimmer kann eine Idee allein als Erfindung bezeichnet werden.
(...). Immer gilt als Erfindung die ausgeführte Idee. Eine Erfindung ist
niemals ein rein geistiges Produkt, sondern nur das Ergebnis des
Kampfes zwischen Idee und körperlicher Welt; deshalb kann man auch
jeder fertigen Erfindung nachweisen, dass ähnliche Gedanken mit mehr
oder weniger Bestimmtheit und Bewusstsein auch Anderen, oft schon
lange vorher, vorgeschwebt haben."
5
4
Wagner, Michael/ Thieler, Wolfgang: Wegweiser für den Erfinder. Von der Aufgabe über die
Idee zum Patent. Berlin Heidelberg New York u.a. 1994, S. 90.
5
Zitiert nach: Diesel, Eugen: Das Phänomen der Technik. Zeugnisse, Deutung und
Wirklichkeit. 2. Aufl. Berlin 1939, S. 198.
9
1.4 Die Biographie in der Technikgeschichte
In der Technikgeschichte hat die Biographie eine lange Tradition. Manche
namhaften Biographen sahen die Technikgeschichte in erster Linie als
Erfolgsgeschichte, die sich am besten an herausragenden Persönlichkeiten
darstellen ließ.
6
Ein wichtiger Vertreter dieser Richtung war Conrad Matschoß
mit seiner biographischen Sammlung ,,Männer der Technik" aus dem Jahre
1925 und seinen Arbeiten zu Ernst Alban, Robert Bosch, Robert Mayer und
Werner Siemens.
7
Für Matschoß war die Technikgeschichte vorwiegend die
Geschichte bedeutender Männer und ihrer Erfolge. Andere Autoren stellen fest,
dass Biographien über Techniker ,,einem stark personenzentrierten Blickwinkel
verhaftet"
8
sind und nur selten eine Einordnung in einen technik-, gesellschafts-
und
kulturhistorischen
Gesamtprozess
leisten.
9
Die
einschlägigen
Bibliographien nennen schwerpunktmäßig Autobiographien und Biographien
von berühmten Technikern und Ingenieuren. Hinzu kommen die zahlenmäßig
dominierenden belletristischen Biographien ohne wissenschaftlichen Anspruch.
Diese Ausrichtung auf Personen ist vielleicht als Gegenreaktion auf Intentionen
der Sozialwissenschaften in den vergangenen Jahrzehnten zu sehen, die Rolle
der Persönlichkeit in der Geschichte zugunsten struktureller Untersuchungen
zeitweise in den Hintergrund zu drängen.
Im Rahmen der Geschichtswissenschaft wird seit Mitte der 1980er Jahre ein
deutlich verstärktes Interesse an der Biographik festgestellt. Für die von der
Glorifizierung
der
Persönlichkeit
bis
in
die
1960er
Jahre
geprägte
Technikgeschichte und technikhistorische Forschung trat in den 1980er Jahren
eine Trendwende ein.
10
Es geht dabei nun um technikgeschichtliche Prozesse
im gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang auf der Grundlage biographischer
6
Füßl, Wilhelm/ Ittner Stefan Füßl: Einführung. In: Wilhelm/ Ittner Stefan (Hrsg.): Biographie
und Technikgeschichte. In: BIOS. Zeitschrift für Biographieforschung und Oral History (1998),
SH. S. 3.
7
Matschoß, Conrad: Werner von Siemens. Ein kurz gefasstes Lebensbild nebst einer Auswahl
seiner Briefe. Berlin 1916.Vgl: Ders.: Große Ingenieure. Lebensbeschreibungen aus der
Geschichte der Technik.2. Auflg. Berlin 1937. S. 234 - 249.
8
Füßl, Biographie und Technikgeschichte, S. 3.
9
Ebda.
10
Füßl, Wilhelm/Ittner, Stefan: Einführung. In: Füßl, Wilhelm/Ittner, Stefan(Hrsg.): Biographie und
Technikgeschichte. BIOS. Jg.11(1998), Sonderheft, S. 3.
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