Bislang haben wir uns dem Schwerpunkt gewidmet, wie die von einer Hirnschädigung betroffene Person mit ihrer Einschränkung umgeht. Was es für Akzente zu setzen gilt hinsichtlich der Rehabilitation und der erforderlichen Therapiemaßnahmen. Im Focus standen jedoch auch auftretende Hindernisse, Probleme und damit einhergehende Grenzen, die dem Betroffenen, seinen Angehörigen und dem Professionellem Begleiter gesetzt sind. Die Notwendigkeit eines funktionstüchtigen sozialen Netzwerkes, die den Betroffenen Unterstützung bieten soll, wurde klar dargestellt. Gerade für das individuelle Verständnis von Teilhabe für den Betroffenen mit einer Hirnschädigung ist das Zusammenwirken von professioneller Hilfe, Beratung und Einbeziehen seiner sozialen Umwelt unabdingbar. Doch wie steht es um die Belastungen und die Belastungsgrenzen der Angehörigen? Wie kann effektive Unterstützung geleistet werden hinsichtlich der Bewältigung einer möglicherweise überfordernden Situation und der Anpassung an jene? Was ist hierbei von besonderer Bedeutung? Im vorliegenden Text wird auf die Problematik hingewiesen, dass gerade bei Angehörigen das Problem einer sich entwickelnden Depression, Reizbarkeit und erhöhte Aggressivität vermehrt auftritt (Fries, W (2007)). Vordergründig erwähnt Fries, dass zum einen wichtige Einflussfaktoren sind, wie der Partner mit den veränderten Verhaltensweisen des Erkrankten umgehen kann und zum anderen die Akzeptanz der mehr oder weniger unveränderlichen Situation. Jene können in ihrem Ausmaß nicht nur zu Resignation führen, sondern auch zu Beschämung, Leugnung und Beziehungsabbrüchen. Nicht nur der Betroffene unterliegt einer Veränderung seiner Identität und Erwartungshaltung. Auch der Angehörige erlebt eine Neustrukturierung, möglicherweise einen Zusammenbruch bestehender Wirklichkeiten, einen Rollentausch. Jede veränderte Situation, vor allem, wenn sie drastische Einschnitte in der eigenen Biografie hervorruft, erfordert entsprechende emotionale Verarbeitung. Priorität hat meiner Auffassung nach sinnvolle und angemessene Informationsgabe! Wie soll ein Angehöriger das Verhalten, welches sich beispielsweise durch Rückzug oder Anteilnahmslosigkeit des Betroffenen äußert, richtig deuten und angemessen darauf reagieren, wenn er nicht weis, ob das eine Folge der Einschränkung ist oder beabsichtigtes, provozierendes Verhalten? (Fries, W.( 2007)). Die Betreuung der Angehörigen sollte wesentlicher Bestandteil sein. Hilfestellung beim Umlernen und bei der Akzeptanz dieser neuen Situationen darf nicht ignoriert werden oder sich darauf verlassen werden, dass es von selbst läuft. 2
Bei dem Prozess der aktiven Auseinandersetzung mit der veränderten Situation, mit möglicherweise auftretenden Ohnmachtsgefühlen hinsichtlich des Erlebten, auftretenden Schuldgefühlen gegenüber des Partners und auch das Ziehen neuer Grenzen, die beiderseits respektiert werden müssen, muss professionelle Unterstützung gewährleistet sein. Denn nicht nur eintretende Erschöpfungszustände bei der Pflege können den Angehörigen überfordern, sondern auch die Qualität der Partnerschaft strapazieren. Wo ist die Grenze zwischen Nächstenliebe und Erschöpfung? Wo hört die Verantwortungsabgabe auf und wo beginnt, das Gefühl, zu einer Last zu werden? Selbst wenn die Wahrnehmung des Betroffenen nicht mehr die selbe sein sollte, wie zum Zeitpunkt vor der Einschränkung, so ist jedoch die emotionale Deutung der Beziehungsqualität und deren Teilhabe nicht zu unterschätzen. Auch für den Betroffenen findet möglicherweise ein Rollentausch statt, wobei er Selbständigkeit verliert und Kontrolle abgeben muss. Angemessene Hilfestellung, ohne, dass diese in Aufopferung mündet, muss erst erlernt werden, genauso wie angemessene Hilfeleistung zu fordern, ohne sich minderwertig zu fühlen oder das eine positive Entwicklung verhindert wird. Weniger Selbstständigkeit bedeutet nicht keine Selbstständigkeit. Jene Entwicklung erfordert viel Energie, Verständnis und Akzeptanz. Therapeutische Unterstützung bei Fragen und auftretenden Problemen innerhalb der Partnerschaft oder der Familie sollte fester Bestandteil sein. Wenn Familie das Refugium eines Individuums darstellt, ist es umso wichtiger, für den Erhalt und die Widerherstellung dieser Sicherheit und dieses individuellen Zufluchtsortes zu sorgen. Konfliktsituationen oder Defizite in der sozialen Interaktion, die vor der Einschränkung bestanden, werden jedoch nur schwer oder nicht bearbeitet werden können. Jedoch besteht immer die Möglichkeit, selbst in schweren Umbruchphasen innerhalb der Biografie eines Individuums eine positive Entwicklung zu erreichen. Eine Partnerschaft könnte an Festigkeit, Zusammenhalt und Beständigkeit gewinnen. Wenn von allen Seiten Unterstützung und ein Netz geboten wird, was den Kontext bearbeitet. Als einen nächsten Punkt, der unerlässlich für die Unterstützung Angehöriger ist, würde ich die Hilfestellung bei der organisatorischen Bewältigung und die Auseinandersetzung mit dem bürokratischen Anteil anführen. Informationsleistung, richtige Beratung, auszufüllende Anträge mit den Angehörigen zusammen durcharbeiten. Oftmals stehen die Angehörigen vor einer unendlich Kraft abfordernden Aufgabe und übrig bleiben falsche 3
Arbeit zitieren:
yvonne kohl, 2008, Was ist für die Arbeit mit Angehörigen Hirngeschädigter besonders wichtig?, München, GRIN Verlag GmbH
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