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INHALT
Seite
1. Einleitung 2
2. Studiensituation 3
3. Beratungsdienste 4
4. Studienplatzvergabe durch die ZVS 5
5. Studienfinanzierung 6
6. Wohnen 7
6.1. Wohnheime mit Assistenz/Pflege 8
6.2. Der freie Wohnungsmarkt 8
7. Studienalltag 8
7.1. Organisatorische Hilfen 8
7.2. Persönliche Hilfen 9
7.3. Technische Hilfsmittel 10
8. Studienordnung und Prüfungen 12
9. Vorschläge zur Verbesserung der Studiensituation aus 13
der Sicht der Gehörlosen
10. Schlußwort 14
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1.Einleitung
Viele behinderte Schülerinnen und Schüler, die die Schule mit dem Abitur oder der Fachhochschulreife abschließen, werden bei ihren Überlegungen zur Berufswahl auch ein Hochschulstudium mit einbeziehen, um auf diesem Wege ins Berufsleben einzusteigen. Ein Studium ist oft sinnvoll, weil der Arbeitsmarkt für Akademiker vieler Fachrichtungen auf voraussichtlich längere Sicht als recht günstig anzusehen ist. Vor 10 - 15 Jahren wurde die Zahl der behinderten Menschen, die studieren, auf ca. 0,4% geschätzt. Heute sind es ca. 13% aller Studenten, die behindert oder chronisch krank sind (dies ergab die fünfzehnte Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes). Von diesen 13 % sind ca. 11 % chronisch krank, diese vor allem durch Allergien oder Atemwegserkrankungen, etwas seltener sind Schädigungen des Stütz- und Bewegungsapparates, Hauterkrankungen, Erkrankungen innerer Organe, chronische Stoffwechselstörungen oder psychische Erkrankungen. Dieser hohe Anteil behinderter und chronisch kranker Studierender bedeutet eine hohe Herausforderung für die Hochschulen und das Studentenwerk, angemessene Bedingungen für ein chancengleiches Studium aller zu schaffen. Behinderte junge Menschen werden während eines Studiums häufig mit großen Problemen konfrontiert und die Lösungsmöglichkeiten sind vielfach schwieriger, als bei Nichtbehinderten. Hinzu kommt noch die gesellschaftliche Diskriminierung und die Schwierigkeit, damit fertig zu werden, von der Norm abzuweichen. Im Gegensatz zum Schulbereich gibt es keine gesonderten Hochschulen für Behinderte (eine Ausnahme spielt hier die Fachhochschule im Rehabilitationszentrum in Heidelberg). Die Integration in eine Hochschule wirft besonders für Hörbehinderte und Sehbehinderte spezielle Probleme auf. Durch häufige jahrelange intensive Betreuung und Förderung in Spezialschulen, familiäre Atmosphäre und ständige vertraute Bezugspersonen, fällt der Wechsel in die Anonymität der Hochschule oft sehr schwer. Eigeninitiative und Selbständigkeit müssen oft erst erlernt werden, um die Umstellung und die neuen Belastungen positiv verarbeiten zu können. Durch ein optimales Ausschöpfen der individuellen Leistungsfähigkeit, der sozialen und pädagogischen Maßnahmen und der bestmöglichen technischen Unterstützung haben jedoch auch Hör- und Sehbehinderte ein großes Angebot an Studienmöglichkeiten. Im folgenden werde ich zunächst auf die derzeitige Studiensituation Behinderter eingehen. Daran schließt sich ein Überblick über die Schwierigkeiten und Möglichkeiten der Hör-und Sehbehinderten im Studienalltag. Letztlich erläutere ich das Konzept einer Interessengemeinschaft zur Verbesserung der Studiensituation der Hörbehinderten.( Leider habe ich Ähnliches nicht aus der Sicht der Sehbehinderten finden können).
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2.Studiensituation von Behinderten
Der Anteil der Behinderten und chronisch Kranken aller Studierenden ist mit dreizehn Prozent größer, als man vermuten würde. Dies geht aus der fünfzehnten Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes von 1990 über "„Behinderte und chronisch Kranke im Studium“ hervor. Aus dieser Auswertung kann man auch erkennen, daß 37 Prozent der Behinderten und chronisch Kranken durch die Behinderung bzw. die Krankheit mittelschwer bis sehr stark im Studium beeinträchtigt sind. Behinderte und chronisch Kranke wechseln aufgrund ihrer gesundheitlichen Probleme sehr häufig ihren Studiengang oder unterbrechen ihr Studium. Dies führt oft zu einer Überschreitung der Förderungshöchstdauer nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz und zu krankheitsbedingten Mehrkosten. Die Behinderten oder chronisch kranken Studenten/innen beklagen vor allem die fehlende soziale Anteilnahme und die Anonymität an den Hochschulen. 32 Prozent der Studierenden wünschen sich eine bessere Studien- und Sozialberatung. Größere Unterstützung bei der Beschaffung des gesundheitlich bedingten finanziellen Mehrbedarfs oder der technischen Hilfen bzw. bei der Regelung der täglichen Lebensbedürfnisse wünschen sich 27 Prozent. Die Entscheidung ein Studium zu beginnen unterliegt jedoch keinen anderen Kriterien als bei Nichtbehinderten. Auch der behinderte Abiturient versucht, seine Begabungen und Interessen für seinen Berufswunsch zu nutzen, und wird ein Studienfach wählen, das am ehesten seinen Erwartungen und Ansprüchen entspricht.
Gerade für Behinderte ist jedoch noch wichtiger sich gut zu informieren und kompetent beraten zu lassen,, so daß man den Blick nicht zu früh auf ein Fach einengt. Es gibt immer wieder Fächer, die häufig gewählt und erfolgreich studiert werden, dennoch kommt es natürlich auch vor, daß behinderte Studenten andere Fächer erfolgreich studieren. Sie müssen dann lediglich mehr Überzeugungsarbeit bei dem Kostenträger, der Hochschule oder auch der Familie leisten. Sie müssen auch mit Arbeitslosigkeit im Anschluß an das Studium rechnen.
Zu den „bewährten“ Fächern für Blinde zählt die Rechtswissenschaft, Informatik oder Wirtschaftsingenieurwesen. Auch Sozialwissenschaften, Sozialwesen, Theologie oder Sprecherziehung sind gut vorstellbar. Sehr schwer sind sicherlich solche Studienfächer, bei denen Laborarbeiten erforderlich sind, also alle naturwissenschaftlichen Fächer. Für hörgeschädigte Studenten dagegen sind gerade naturwissenschaftliche Fächer gut geeignet.
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Hier liegen die Schwierigkeiten in den kommunikativ orientierten Studiengängen. Natürlich gibt es auch schwerhörige Ärzte, Sozialarbeiter oder Juristen, die ihr Studium mit viel Energie und Durchsetzungsvermögen abgeschlossen haben 1 . Auch die Wahl des Hochschulorts ist bei Behinderten nach den gleichen Kriterien wie bei den Nichtbehinderten orientiert. Das heißt, es wird zuerst überprüft, wo das Wunschfach überhaupt angeboten wird. Manchmal fragt man auch nach dem Ruf der Hochschule oder nach der Wohnortnähe. Dennoch kann nicht jeder Student bzw. jede Studentin mit einer Behinderung an jeder Hochschule jedes dort angebotene Fach studieren. Häufig scheitert es schon an unzureichender apparativer Ausstattung oder schlechten baulichen Gegebenheiten, vor allem bei älteren Hochschulen 2 .
3.Beratungsdienste
Es gibt eine Vielzahl von Beratungsdiensten, die bei der Entscheidungsfindung und Studienrealisierung Hilfe anbieten. Das sind zum einen amtliche Beratungsdienste, die mit der Berufs- und Studienberatung behinderter Studienbewerber und Studenten vertraut sind. Hierzu zählt vor allem die Berufsberatung für behinderte Abiturienten und Hochschüler vom Arbeitsamt, die in der Regel am einfachsten zugänglich ist und einen Überblick über alle Probleme und Lösungen hat. Natürlich werden hier auch nichtbehinderte Schüler oder Studenten betreut. Außerdem gibt es Stellen, die sich nicht ausschließlich mit der Beratung behinderter Abiturienten oder Studenten beschäftigen, aber kompetente Ansprechpartner sind, z.B. die Studienberatungsstellen der Hochschulen, die Beauftragten für Behindertenfragen an den Hochschulen, die Studentenwerke und die Allgemeinen Studentenausschüsse (AStA). Daneben gibt es an einigen Orten auch Interessengemeinschaften behinderter und nichtbehinderter Studenten. Diese bieten Beratung, Erfahrungsaustausch und Hilfe bei allen Problemen an. Sehgeschädigte Studenten werden zusätzlich vom Deutschen Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Berufen e.V. (mit Sitz in Marburg) und Hörbehinderte von der Bundesarbeitsgemeinschaft hörbehinderter Studenten und Absolventen e. V. (mit Sitz in Hochheim) beraten 3 . Bei speziellen Problemen hilft auch oft die Beratungsstelle für behinderte Studienbewerber und Studenten des Deutschen Studentenwerks in Bonn.
1 vgl. Bundesanstalt für Arbeit: Behinderte Jugendliche vor der Berufswahl. S. 106
2 Deutsches Studentenwerk: Online in Internet: URL: www.studentenwerke.de
3 vgl. Bundesanstalt für Arbeit, a. a. O., S.113
Arbeit zitieren:
Bärbel Backhaus, 2001, Studium mit Behinderung, München, GRIN Verlag GmbH
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