Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis. III
Abbildungsverzeichnis. V
1. Einleitung. 1
1.1. Problemstellung. 1
1.2. Zielsetzung und Gang der Arbeit. 3
2. Selbstversicherung. 4
2.1. Grundlagen und Ursachen der Selbstversicherung. 4
2.2. Traditionelle Versicherung vs. Selbstversicherung. 5
2.3. Ineffizienzen der traditionellen Versicherungslösung. 6
2.4. Gründungsmotive für eine Captive. 8
2.4.1. Zugang zum Rückversicherungsmarkt und zu Instrumenten des
alternativen Risikotransfers. 8
2.4.2. Kostenoptimierung für den Versicherungsschutz. 9
2.4.3. Überwindung von Kapazitätsengpässen und Deckung schwer
platzierbarer Risiken. 10
2.4.4. Einheitliches weltweites Deckungskonzept. 11
2.4.5. Die Captive als Profit Center. 12
3. Anforderungen an die Organisation zum Aufbau einer Captive. 13
3.1. Versicherungs-Know-how. 13
3.2. Funktionierendes Risikomanagement. 14
3.2.1. Voraussetzung und Nutzen des Risikomanagements. 14
3.2.2. Versicherungstechnische Einflussgrößen. 17
3.2.2.1. Versicherungskriterien. 18
3.2.2.2. Versicherungstechnisches Risiko. 19
3.2.2.3. Risikopolitisches Instrumentarium. 22
3.2.2.4. Nicht versicherungstechnische Risiken. 25
3.2.3. Quantitative Bestimmung für die Übernahme traditionell ver-
sicherbarer Risiken. 26
I
3.3. Schadenerwartungswert. 30
3.4. Internationales Versicherungsprogramm. 31
4. Ausgestaltungsspektrum der Captive Gründung. 33
4.1. Wahl der Geschäftstätigkeit. 34
4.1.1. Erstversicherungs-Captive. 35
4.1.2. Rückversicherungs-Captives. 35
4.2. Trägerschaft. 37
4.2.1. Single-Parent-Captive. 37
4.2.2. Multi-Parent-Captive. 38
4.2.3. Non-Owned-Captives. 39
4.2.3.1. Rent-a-Captive. 40
4.2.3.2. Protected-Cell-Captive. 41
4.2.3.3. Captive-Account. 43
4.3. Gezeichnete Risiken. 44
4.4. Standort. 45
5. Abschließende Studien. 49
5.1. Machbarkeits-Studie. 49
5.1.1. Team. 51
5.1.2. Management Commitment und -Potenzial. 52
5.1.3. Abzugsfähigkeit der Prämien. 53
5.2. Versicherungstechnische Studie. 54
6. Konfliktpotentiale und Liquidation. 55
6.1. Rückversicherungsschutz. 56
6.2. Prämien und Deckungsprobleme. 56
6.3. Änderung steuerlicher oder rechtlicher Rahmenbedingungen. 57
6.4. Liquidationsgründe bei einer Captive. 57
7. Kritische Würdigung. 59
Anhangsverzeichnis. 61
Literaturverzeichnis. 67
Internetquellen. 72
II
Abkürzungsverzeichnis
AG Aktiengesellschaft ART Alternative Risk Transfer
bzgl. bezüglich bzw. beziehungsweise
ca. circa Captive Captive Insurance Company Co. Company
Diss DVA Deutsche Versicherungsakademie
etc. etcetera EV Erstversicherer EVC Erstversicherungs-Captive
f. folgende FvVV Firmenverbundener Versicherungsvermittler
ggf. gegebenenfalls GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung
HDI Haftpflichtverband der Deutschen Industrie HdV Handwörterbuch der Versicherung
IAS International Accounting Standard i.d.R. in der Regel IFRS International Financial Reporting Standard Inc. Incorporated inkl. inklusive Ins. Insurance IVP Internationales Versicherungsprogramm
III
JWV Jenaer Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft
Kfz Kraftfahrzeug
Ltd. Limited
PCC Protected-Cell-Captive PML Possible Maximum Loss
RM Risikomanagement RV Rückversicherer RVC Rückversicherungs-Captive
S. Seite s.a. siehe auch SL Stop-Loss sog. sogenannter
u.a. unter anderem US GAAP United States Generally Accepted Accounting Principles u.U. Unter Umständen
VM Versicherungsmakler VN Versicherungsnehmer Vol. Volume VR Versicherer vs. Versus VU Versicherungsunternehmen VVaG Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit VVW Verlag Versicherungswirtschaft
z.B. Zum Beispiel
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Strukturelle Ineffizienzen der traditionellen Versicherung.
Abb. 2: Risikomanagementprozess.
Abb. 3: Quantitative Optimumsbestimmung.
Abb. 4: Internationales Versicherungsprogramm.
Abb. 5: Klassifizierung von Captives.
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
Das risikopolitische Instrument der Captive Insurance Company (Captive) ist eine Alternative zur Versicherung auf dem traditionellen Versicherungsmarkt und gehört zu einer der ältesten und meist verbreiteten Formen des Alternativ Risk Transfer (ART). 1
Es handelt sich dabei um Versicherungsgesellschaften, die als Tochter von einem oder mehreren, meist internationalen Industrieunternehmen oder Konzernen, teils auch von mehreren Unternehmen einer Industriebranche gegründet werden, um deren Risiken zu versichern, weshalb sie auch als firmeneigene Versicherungen bezeichnet werden. 2 Sie sind von firmenverbundenen Versicherungsvermittlern (FvVV) und Captive-Brokern zu unterscheiden, welche ausschließlich eine Vermittlungstätigkeit ausüben und kein Risiko selbst übernehmen. 3
Neben der Möglichkeit zur Selbstversicherung bieten sie den Unternehmen, deren oberstes Ziel die Gewinnmaximierung bzw. die Steigerung des Shareholder Value ist, weitere Vorteile. Sie haben das Potenzial, von einer „kleinen“ firmeneigenen Versicherung zu einem vollständigen Versicherungsunternehmen zu wachsen. 4
So entstand z.B. aus einer von einem Industrieunternehmen gegründeten Captive die HDI VVaG. 5 Die Porsche AG ermöglichte ihren Kunden eine Kaskoversicherung durch die Gründung der Porsche International Insurance Ltd., da angemessene Versicherungen auf dem diebstahlgefährdeten Kfz-Kaskoversicherungsmarkt für Sportwagen für Käufer kaum noch tragbar waren.
1 Vgl. Skipper, H. D./ Kwon, J., 2008, S. 329; Romeike, F./ Finke, R. B., 2003, S. 258; Meyer-Kahlen, W., 1988, S. 95 f.
2 Vgl. Hets, S., 1995, S. 9; Romeike, F./ Finke, R. B., 2003, S. 258; Bragg, S. M., 2003, S. 218.
3 Vgl. Meyer-Kahlen, W., 1988, S. 95.
4 Vgl. Adkisson, J., 2006, S. 8.
5 Vgl. Hets, S., 1995, S. 9.
Somit unterstützte die Captive indirekt den Absatz der Produkte der Porsche AG, 6 wodurch sie den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens sowie dessen Wertsteigerung förderte.
Existierten 1980 weltweit gerade ca. 1.000 Captives, stieg die Zahl bis 2006 auf über 5.000 an. Sie nehmen heute über 10 % der weltweiten Versicherungsprämien ein. 7 Die Gründe dafür, dass die Bildung oder die Beteiligung an einer Captive auch für kleinere Konzerne zunehmend interessanter wird, sind u.a. neue Ausgestaltungsmöglichkeiten der Captive. Diese ermöglichen ihnen einen Zugang zu den ihnen bisher verwehrten finanziellen, versicherungstechnischen und steuerlichen Vorteilen. 8
Die Ursachen für das nachhaltige Wachstum von Captives sind auf sich verändernde Rahmenbedingungen zurückzuführen. Durch eine immer schneller voranschreitende technologische Evolution sowie komplexere Produktionsverfahren entstehen neuartige und nicht bzw. nur sehr teuer versicherbare Risiken für die Konzernunternehmen. Gestiegener Kostendruck aufgrund einer weltweit eingebrochenen Nachfrage führt ebenfalls zu erhöhtem Interesse nach Selbstversicherung, da sie Kosteneinsparungspotenzial bei den zu zahlenden Versicherungsprämien bietet. Diese Gründe sowie steuerliche Vorteile sind Anreiz zur Gründung von Captive Unternehmen. 9
Für das Risikomanagement (RM) eines Unternehmens ist es unerlässlich, vor der Gründung einer Captive die bestehende, wie auch die mögliche zukünftige Risikosituation des Unternehmens zu analysieren. Dabei ergeben sich vielschichtige zu beachtende Faktoren, für welche die Informationsbeschaffung die Grundvoraussetzung darstellt. 10
6 Vgl. Reinhard, F., 1999, S. 11.
7 Vgl. Adkisson, J., 2006, S. 8.
8 Vgl. Hets, S., 1995, S. 14; Gjertsen, L. A., 1997, S. 3 f.
9 Vgl. Meyer-Kahlen, W., 1988, S. 96.
10 Vgl. Hets, S., 1995, S. 5 f.
1.2. Zielsetzung und Gang der Arbeit
Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, die entscheidungsrelevanten Faktoren des Risikomanagements (RM), die bei der Konzeptionierung zur Gründung einer Captive von einem Industrieunternehmen zu berücksichtigen sind, kritisch zu analysieren und darzustellen. Neben dem Grundverständnis der Selbstversicherung soll dem Leser die Vielschichtigkeit der spezifischen versicherungstechnischen Risiken vermittelt werden und das risikopolitische Instrumentarium vorgestellt werden, um den entsprechenden Risiken zu begegnen. Weiterhin soll der Leser bei der Frage hinsichtlich der richtigen Ausgestaltungsform bei einer möglichen Captive-Gründung unterstützt werden. Aufgrund der Vielzahl der zu berücksichtigenden Faktoren bei einer Captive-Gründung zur Beantwortung der Frage, ob und unter welchen Voraussetzungen eine Captive Gründung sinnvoll erscheint, nicht ein quantitatives, sondern vielmehr ein qualitatives Konzept zur Gründung vorgestellt werden.
Betriebswirtschaftliche wie auch steuerrechtliche Aspekte sind Gegenstand der Untersuchung, wobei auf letztere aufgrund der komplexen internationalen Thematik, in welcher eine Vielzahl von Rechtsordnungen berührt werden, in geringeren Umfang eingegangen werden soll.
Zur Erreichung der Zielsetzung gestaltet sich die Struktur der Arbeit wie folgt: Kapitel 2 setzt sich mit der Thematik der Selbstversicherung auseinander, um dem Leser deren Vorteile aufzuzeigen, insbesondere aber auch um deren Tragweite erkennen zu lassen. Darauf aufbauend beschäftigt sich Kapitel 3 mit den Anforderungen an die Organisation zur Gründung einer Captive, welche das Fundament einer erfolgreichen Captive-Gründung darstellen.
Mit Hilfe des möglichen Ausgestaltungsspektrums einer Captive wird in Kapitel 4 ein den Gründungszielen und den Gegebenheiten des Gründungskonzerns individueller Rahmen zur Captive-Gründung illustriert, mit welchem die zu gründende Captive bereits konkret an Form gewinnt.
Mit der im folgenden Kapitel 5 erläuterten Feasibility-Studie können die in den vorangegangenen Kapiteln erläuterten notwendigen Schritte zur Gründung einer Captive zusammengefasst werden, um zu einem Ergebnis über die elementare Frage der Sinnhaftigkeit einer Captive zu gelangen.
Kapitel 6 benennt klassische Risiken, welche im Anschluss einer vollzogenen Captive-Gründung auftauchen, und erläutert wesentliche Ursachen, die eine Liquidation einer Captive notwendig machen können.
Kapitel 7 schließt mit einer kritischen Zusammenfassung der wesentlichen in dieser Arbeit behandelten Aspekte.
2. Selbstversicherung
2.1. Grundlagen der Selbstversicherung
Bei Selbstversicherung handelt es sich um den bewussten Verzicht der vollständigen oder teilweisen Abgabe der versicherbaren Risiken eines Wirtschaftssubjektes an ein traditionelles Versicherungsunternehmen. 11 Die Entscheidung für solch einen Verzicht beruht auf versicherungstechnischen bzw. risikotechnischen Überlegungen. 12 Lägen solche Überlegungen nicht vor, würde es sich um Nichtversicherung handeln. 13 Das Konzept der Selbstversicherung eignet sich insbesondere für häufig auftretende Schäden kleinen oder mittleren Ausmaßes, deren Gesamtvolumen gut einschätzbar ist. Eine traditionelle Versicherung ist ggf. in solch einem Fall weniger geeignet, da hier die Prämienzahlungen gegenüber den Schadenersatzzahlungen überwiegen können. 14
Die Selbstversicherung lässt sich in interne und externe Selbstversicherung unterscheiden. Da die interne Selbstversicherung durch eine betriebsinterne Abteilung ohne versicherungsvertragsrechtliche Grundlagen auskommt, handelt es sich hier nicht um eine Versicherung im versicherungsaufsichtsrechtlichen Sinne. 15
11 Vgl. Wätke, J., 1982, S. 81.
12 Vgl. Müller, H., 1988, S. 781; Gabler - Selbstversicherung.
13 Vgl. Gabler - Selbstversicherung.
14 Vgl. Dietrich, N., 2009, S. 145.
15 Vgl. Winter, G., 2007, S. 168 f.
Bei der externen Selbstversicherung hingegen werden die Wesensmerkmale des Versicherungsgeschäfts i.d.R. erfüllt. 16 D.h. dem Nichtversicherungsunternehmen wird gegen das Konzernversicherungsunternehmen im Fall des Eintritts eines ungewissen Schadenereignisses ein Rechtsanspruch eingeräumt, wobei der Risikoausgleich auf der Grundlage des Gesetzes der großen Zahlen erfolgt. 17
Von externer Selbstversicherung wird meist gesprochen, wenn Unternehmen oder Konzerne eine Versicherungseinrichtung bilden, in welche sie ihre Risiken transferieren und die sie selbst betreiben. 18 Unter diesen Einrichtungen haben Captives eine besondere Bedeutung.
Je nach Branche der Industrieunternehmen werden Captives für vielfältige Versicherungszweige genutzt, um Fremdleistung durch Eigenleistung zu ersetzen. 19 Insbesondere in den USA führte das Prinzip der Selbstversicherung zur Gründung von Captives. 20
2.2. Traditionelle Versicherung vs. Selbstversicherung
Der Abschluss einer traditionellen Versicherung bietet eine Vielzahl von Vorteilen. So werden u.a. die Risiken innerhalb des Konzerns kalkulierbarer, Schäden belasten nicht das Ergebnis einer Periode, und Nebenleistungen wie die Prüfung der Haftungsfrage und die Abwehr unberechtigter Schadensersatzansprüche übernimmt die Versicherungsgesellschaft. 21 Ebenfalls von Bedeutung ist die positive Auswirkung auf die Kreditwürdigkeit des Konzerns sowie die Versicherungsprämien, die einen steuerlichen Aufwand darstellen und somit zu Ertragssteuerersparnissen führen. 22
Diesen Vorteilen steht ein gravierender Nachteil gegenüber: die Versicherungsprämie. 23 Diese besteht neben der zur Deckung der Versicherungsleistung be-
16 Vgl. Winter, G., 2007, S. 168.
17 Vgl. Winter, G., 2007, S. 168 f.
18 Vgl. Winter, G., 2007, S. 168.
19 Vgl. Reinhard, F., 1999, S. 10 f.
20 Vgl. Dietrich, N., 2009, S.146.
21 Vgl. Rogler, S., 2002, S. 27; Wätke, J., 1982, S. 74 f.
22 Vgl. Rogler, S., 2002, S. 27; Wätke, J., 1982, S. 75.
23 Vgl. Wätke, J., 1982, S. 75.
stimmten Risikoprämie 24 und dem Sicherheitszuschlag aus dem Verwaltungsbzw. Betriebskostenanteil sowie Prämienzu- bzw. Prämienabschlägen. 25 Hinzu kommen noch die Versicherungsvermittlergebühren, die sich insbesondere aus Courtage und Provisionen für die Vergütung der Vermittler zusammensetzen, sowie der Gewinnanteil. 26
Die Versicherungsprämie mit ihren diversen Komponenten führt zu dem wesentlichen finanziellen Unterschied zwischen der traditionellen Versicherung und der Selbstversicherung, da die langfristig erwarteten Versicherungskosten für die traditionelle Versicherung i.d.R. höher sind als der Erwartungswert der Kosten für die Selbstversicherung. 27
2.3. Ineffizienzen der traditionellen Versicherungslösung
Die starke Entwicklung von ART Produkten basiert u.a. auf den relativ hohen Differenzen zwischen dem Erwartungswert von Schäden eines Versicherten und der zu zahlenden Prämie an einen (Rück-)Versicherer. Ursache dieser Unterschiede sind häufig die in Abb. 1 dargestellten strukturellen Ineffizienzen der traditionellen Versicherung. 28
Bietet eine traditionelle Versicherung keine Differenzierung nach Schadensklassen, wird auf Basis der durchschnittlichen Risiken die Gleichgewichtsprämie ermittelt, wodurch gute Risiken die schlechten Risiken subventionieren. Somit liegen die Prämienbeiträge für Unternehmen mit Risiken mit einer geringeren Schadenswahrscheinlichkeit über den risikoadjustierten Prämiensätzen, was diese zur Selbstversicherung bewegt. 29
24 Auch Risikokostenanteil oder Risikobeitrag genannt. Vgl. Ganster, B., 2008, S. 62.
25 Näheres zu den Begrifflichkeiten in Ganster, B., 2008, S. 64 f.
26 Vgl. Ganster, B., 2008, S. 65 f.
27 Vgl. Wätke, J., 1982, S. 77.
28 Vgl. Doherty, N., 1997, S. 84.
29 Vgl. Brümmerhoff, D., 2007, S. 99.
mühen zur Schadensvermeidung in die Prämienkalkulation einbezogen werden, entsteht das Moral-Hazard-Problem. 30 Dabei handelt es sich um die verstärkte Inanspruchnahme von Versicherungsleistungen, verursacht durch die nachlassende Sorgfalt der Versicherten aufgrund einer versicherungsmäßigen Absicherung. 31 Die Selbstversicherung des Konzerns hingegen führt zu einem verbesserten RM mit erhöhten Vorsichtsmaßnahmen, da durch die Eliminierung des Moral-Hazard-Effekts ein unmittelbarer Anreiz gegeben wird, Schadenfälle zu verhindern bzw. die Schadenhöhe in Grenzen zu halten. 32
Ein Kreditrisiko kann dem Konzern durch Kapazitätslücken bei den Versicherern durch eine z.B. zu geringe ex ante Absicherung von Naturkatastrophen entstehen. Kann das VU im Schadenfall nicht zahlen, ist der Versicherungsnehmer (VN) gezwungen den Schaden selbst zu tragen, was u.U. existenzielle Folgen haben kann. 33
Gelegentlich auftauchende Kapazitätsengpässe auf dem (Rück-) Versicherungsmarkt für große und existenzbedrohende Risiken wie auch eine Vielzahl von nicht versicherbaren Risiken stellen weitere Bedrohungen für international tätige Unternehmen dar. So führen Kapazitäts- bzw. Angebotsknappheit an Deckung zu
30 Vgl. Wantzen, K., 2007, S. 93 f.
31 Vgl. Wantzen, K., 2007, S. 92 f; Heilmann, W., 1988, S. 756.
32 Vgl. Wantzen, K., 2007, S. 93 f.
33 Vgl. Ritter, M., 2006, S. 37.
einer Preissteigerung auf der Anbieterseite, und bei Industrieunternehmen kann es eine Limitierung des Geschäftsbetriebes hervorrufen. 34
2.4. Gründungsmotive für eine Captive
Die genannten Ineffizienzen der traditionellen Versicherung führen häufig dazu, dass eine Captive-Gründung in Betracht gezogen wird. Die aus solchen Überlegungen resultierenden Gründungmotive für eine Captive tragen entscheidend zur späteren Gründungs- bzw. Beteiligungsform bei. Diese hat wiederum Auswirkung auf die unterschiedlichen zu erfüllenden Voraussetzungen. 35 Die relevantesten dieser Motive sollen im Folgenden vorgestellt werden.
2.4.1. Zugang zum Rückversicherungsmarkt und zu Instrumenten des alternativen Risikotransfers
Captives bieten den direkten Zugang zum Rückversicherungsmarkt, zu dem sowohl die traditionellen Rückversicherer (RV) als auch die traditionellen Erstversicherer (EV) gehören. 36 Es ist üblich, dass Erst- und Rückversicherer aufgrund der enormen Versicherungsgesamtwerte Rückversicherungsprogramme in Anspruch nehmen, um die Kapazitäten für die notwendige Deckung zu erhalten. 37 Bei Captives ist aufgrund ihrer meist geringen Kapitalisierung, insbesondere in ihrer Anfangsphase, ein gleiches Vorgehen nötig. 38
Der Rückversicherungsmarkt bietet der Captive durch seine internationale Ausrichtung ein ausgedehntes Spektrum an potentiellen Vertragspartnern und attraktivere Konditionen als im Erstversicherungsgeschäft üblich. 39 Ein günstigerer Verwaltungsaufwand wirkt sich im Vergleich zu einem EV positiv auf die Prämie aus, und individuellen Schadensverläufen wird bei der Tarifierung stärker Rechnung getragen. 40 Weiterhin kann dem Wunsch des Konzerns nach hohen Selbst-
34 Vgl. Ritter, M., 2006, S. 37 f.
35 Vgl. Hets, S., 1995, S. 14.
36 Vgl. Hets, S., 1995, S. 14.
37 Vgl. Reinhard, F., 1999, S. 19.
38 Vgl. Adkisson, J., 2006, S. 25; Eickstädt, J., 2001, S. 108.
39 Vgl. Greiner, R., 1980, S. 46; Bawcutt, P., 1997, S. 91.
40 Vgl. Reinhard, F., 1999, S. 19.
behalten durch individuelle Vertragsgestaltungsmöglichkeiten Rechnung getragen werden, wodurch das maximale Verlustrisiko einer Captive für die Laufzeit der Rückversicherungsverträge genau kalkulierbar wird. 41
Dabei muss beachtet werden, dass günstigere Rückversicherungsprämien einem erhöhten Verwaltungsaufwand bei der Captive gegenüberstehen. Des Weiteren ahndet der Rückversicherungsmarkt negative Schadensverläufe ebenso wie er die positiven Schadenverläufe honoriert. 42
2.4.2. Kostenoptimierung für den Versicherungsschutz
Der Vergleich zwischen der auf dem traditionellen Versicherungsmarkt zu zahlenden und der zu erwartenden Prämie für einen gleichwertigen Versicherungsschutz durch eine Captive ist Ansatzpunkt und häufig Ursache der Gründungserwägung. 43
Dabei spielt zum einen die Zusammensetzung des Risikokollektives eine bedeutende Rolle. Ein - im Vergleich zur Branche - unterdurchschnittlicher Schadenverlauf eines Risikokollektives wirkt sich für einen Captive-Eigentümer prämienreduzierend aus. Das Risikokollektiv einer Captive orientiert sich ausschließlich an den durchschnittlichen Schadensverläufen der beteiligten Konzerngesellschaften. Somit wird der Mutterkonzern der Captive nicht durch die Schäden überdurchschnittlich schadensintensiver VN des traditionellen Versicherungsmarktes belastet. 44
Zum anderen trägt die Abschöpfung des Provisions- und Gewinnanteils wesentlich zur Erreichung einer Kostenoptimierung bei. Eine Einsparung der Rückversicherungsprovision die durch ein direktes Verhandeln mit dem RV erreicht wird, trägt zu einer niedrigeren Prämie bei. 45
41 Vgl. Reinhard, F., 1999, S. 19 f.
42 Vgl. Reinhard, F., 1999, S. 19.
43 Vgl. Reinhard, F., 1999, S. 12; Hets, S., 1995, S. 13.
44 Vgl. Reinhard, F., 1999, S. 13 f.
45 Vgl. Reinhard, F., 1999, S. 14 f.
Arbeit zitieren:
Peter Rupilius, 2010, Betriebswirtschaftliches Konzept für die Entscheidung über eine Captive-Gründung bei Industrieunternehmen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Alternative Risk Transfer: Überblick über die Produkte – Möglichkeiten...
BWL - Bank, Börse, Versicherung
Studienarbeit, 36 Seiten
Versicherungen im Rahmen des industriellen Risikomanagements
Eine kritische Analyse
Ingenieurwissenschaften - Wirtschaftsingenieurwesen
Seminararbeit, 26 Seiten
Business continuity management bei Finanzdienstleistern
BWL - Bank, Börse, Versicherung
Diplomarbeit, 71 Seiten
Das deutsche und polnische Schulsystem im Vergleich
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Seminararbeit, 70 Seiten
Risikomanagement in der Materialbeschaffung
Marktpreisrisiko bei börsengeh...
BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik
Diplomarbeit, 99 Seiten
Bilanzielle Auswirkungen des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilM...
Diplomarbeit, 87 Seiten
BWL - Sonstiges: neuer Titel erschienen: Betriebswirtschaftliches Konzept für die Entscheidung über eine Captive-Gründung bei Industrieunternehmen
Peter Rupilius hat einen neuen Text hochgeladen
Allgemeine Betriebswirtschaftslehre - Koordination betrieblicher Entsc...
Die Fallstudie Peter Pollmann ...
Klaus Backhaus, Uta Herbst, Markus Voeth, Robert Wilken
Arbeitsbuch zur betriebswirtschaftlichen Entscheidungslehre
Günter Bamberg, Franz Baur, Michael Krapp
Betriebswirtschaftliche Entscheidungslehre
Günter Bamberg, Adolf G. Coenenberg, Michael Krapp
Elemente einer betriebswirtschaftlichen Entscheidungslehre
Werner Dinkelbach, Andreas Kleine
Intelligent Decision-Making Support Systems: Foundations, Applications...
Foundations, Applications and ...
Manuel Mora, J. N. Gupta, Guisseppi A. Forgionne
Multiple Criteria Decision Making in the New Millennium
Proceedings of the Fifteenth I...
Stanley Zionts, Murat Köksalan
0 Kommentare