1 Einleitung 3
1.1 Gliederung 4
2 Die Rolle 5
2.1 Zum Begriff 5
2.2 Der Strukturalistische Ansatz 6
2.2.1 Rollenkonflikte 7
2.3 Der funktionalistische Ansatz 8
2.4 Der Symbolisch-Interaktionistische Ansatz 9
3 Management-Paradoxa und Führungsdilemmata 10
3.1 Das Management-Paradoxon 11
3.2 Das Führungsdilemma 13
3.2.1 Geben vs. Nehmen 14
3.2.2 Reden vs. Zuhören 14
3.2.3 Autonomie vs. Kontrolle 14
4 Identität - die Suche nach dem Ich 15
4.1 Wie entsteht Identität? 16
4.1.1 Identitätsmodelle von Mead, Goffman und Frey 16
4.1.2 Weitere Facetten der Identität 18
5 Die Spannungsfelder zwischen Identität und Rolle und Rolle und Identität 20
6 Schlussfolgerung 21
7 Literaturverzeichnis 23
1 Einleitung
Schreiben wir das Drehbuch, oder spielen wir nur, was schon längst geschrieben steht? Gibt es in einer Gesellschaft Handlungsfreiheit, oder werden wir alle in Rollen gedrängt, welche zu erfüllen sind, um uns nicht ins Abseits zu stellen? Besitzen wir eine Identität, oder ist die Identität nur die Summe der Rollen, die uns auferlegt werden? All das sind Fragen, mit denen sich die folgende Seminararbeit beschäftigen wird.
Im Folgenden wird versucht, manche dieser Fragen zu beantworten, oder zumindest eine Übersicht über die Theorien und Meinungen verschiedener AutorInnen, die sich mit der Materie Rollentheorie beschäftigt haben, zu vermitteln. Eindeutige Antworten wird es nicht geben, da die Rollentheorie, aufgrund ihres sozialwissenschaftlichen Charakters, keine endgültige Wahrheit kennt. Neuberger 1 zieht einen Vergleich zwischen dem von Dahrendorf geschaffenen homo sociologicus, der jegliche Handlungsfreiheit durch Sozialisation verloren hat und ausschließlich nach Rollen handelt, welche von der Gesellschaft geschaffen werden und dem homo oeconomicus, der vollkommen rational handelt. Jedoch kann man sich auch hier die Frage stellen, ob der homo oeconomicus tatsächlich mehr Handlungsfreiheit besitzt als der homo sociologicus, denn er handelt schließlich nach der Maxime der Effizienz und Rationalität, welche ihrerseits durch die Gesellschaft geschaffene Werte sind.
Die Rollentheorie hat ihre Ursprünge in Amerika und wurde von Ralf Dahrendorf nach Mitteleuropa importiert 2 . Tatsächlich befasste man sich aber schon weitaus länger mit der Identität der Individuen und den Rollen, die diese spielen. So schrieb Shakespeare beispielsweise:
Und alle Fraun und Männer bloße Spieler. Sie treten auf und gehen wieder ab, Sein leben lang spielt einer manche Rollen, Durch sieben Akte hindurch.“ 3
1 Vgl. Neuberger, O. (2002) S.313
2 Vgl. Haug, F. (1972) S.17
3 Vgl. Haug, F. (1972) S.17
3
1.1 Gliederung
Die Arbeit ist in vier Hauptteile gegliedert, von denen der Erste sich mit der Definition des Rollenbegriffs befasst. Des weiteren werden die drei verschiedenen Hauptdenkrichtungen der Rollentheorie im Spezifischen vorgestellt. Der zweite Teil befasst sich mit den Führungsdilemmata und Management-Paradoxa, welche aufgrund gegensätzlicher Rollenerwartungen entstehen. Insbesondere wird das Thema Fairness, im Zusammenhang mit Führungsdilemmata, besprochen und generelle Lösungsansätze im Umgang mit Management-Paradoxa aufgezeigt. Im dritten Teil wird das Thema der Identität eingehend erläutert. Zuerst wird auf die Identität im Allgemeinen eingegangen und im Folgenden die drei wichtigsten Identitätskonzepte vorgestellt. Des weiteren wird auf das Spannungsfeld zwischen Rolle und Identität hingewiesen. Im Anhang an den vierten Hauptteil wird in Form eines Schlusswortes ein kurzes Resümee gezogen und nochmals auf die eingangs gestellten Fragen eingegangen.
4
2 Die Rolle
Einleitend wird auf den Begriff der Rolle eingegangen werden, woher er kommt und wie er verwendet wird. Dann werden der Gliederung von Neuberger 4 folgend der Strukturalistische, Funktionalistische und der Symbolischinteraktionistische Ansatz behandelt. Anders als bei Neuberger jedoch, sollen den Ansätzen aber die direkten Widersprüche diverser anderer Autorinnen gegenübergestellt werden, um die Unterschiedlichen Meinungen direkt herauszuarbeiten.
2.1 Zum Begriff
Der Begriff der Rolle kommt aus dem Theatermilieu. Daher wird auch immer wieder von der Theater-Metaphorik gesprochen. Die Theater-Metaphorik versucht die Parallelen, die zwischen dem Leben innerhalb einer Gesellschaft und dem Spielen einer Rolle in einem Theaterstück existieren, zu skizzieren. Man bekommt für die Rollen, die man in der Gesellschaft spielt zwar kein Drehbuch, dennoch steht es schon geschrieben. Es gibt keinen Intendanten, der einem Hinweise gibt wie die Rolle zu spielen ist. Trotz allem wird darauf geachtet, dass jedeR seiner/ihrer Rolle gerecht wird. Die Gesellschaft tritt an den Platz des Theaterintendanten. Sie nimmt auch die Position der AutorIn ein, indem sie die Rollen kreiert. Ähnlich wie im Theater, kann man sich auch innerhalb der Gesellschaft nicht immer die Rolle aussuchen, von der man meint, dass sie am besten zu einem passen würde. Rollen werden oft zugeteilt und lösen bei den Protagonistinnen, die sie dann spielen müssen nicht immer Freude aus, aber genauso wie im Theater kann der/die Schauspielerin die Rolle in gewissem Maße interpretieren. Trotz der vielen bestehenden Parallelen relativiert Neuberger 5 die Bedeutung der Theater-Metapher, da er argumentiert, dass man in der Gesellschaft nicht immer weiß, welche Rolle man spielt. Weiter stellt er fest, dass die Tatsache, dass Theaterstücke vor Publikum aufgeführt werden und für dieses inszeniert werden, gegen die Theateranalogie spricht.
4 Vgl. Neuberger, O. (2002) S.318-334
5 Vgl. Neuberger, O. (2002) S.315
5
Wie bereits eingangs erwähnt, wurde bereits im 16. Jahrhundert, zur Zeit Shakespeares, von Rollen als Verhaltensformen in der Gesellschaft gesprochen. Auch im Sprachgebrauch fand der Begriff der Rolle, im Sinne von Positionen bzw. Verhaltensweisen innerhalb der Gesellschaft, Verwendung. Man sagt beispielsweise „Jemand spielt eine Rolle“ um zu signalisieren, dass jemand eine besondere Position einnimmt und das Handeln anderer von ihm/ihr abhängig ist. Oft sagt man auch, dass jemand aus der Rolle fällt, wenn sich diejenige/derjenige nicht den Erwartungen, die an sie/ihn gestellt werden, gemäß benimmt.
2.2 Der Strukturalistische Ansatz
Rollen sind aus Sichtweise des Strukturalistischen Ansatzes
Verhaltensmuster, denen Individuen folgen, oder zumindest folgen sollen, die an dem Wertesystem der jeweiligen Gesellschaft, in der ein Individuum lebt, orientiert sind. 6 Das bedeutet, dass Rollen Erwartungen sind, die an Personen in bestimmten Positionen gestellt werden, unabhängig ob diese die Erwartungen erfüllen oder ihrer Rolle nicht gerecht werden. Es ist immer ein soziales Verhältnis notwendig, damit Rollen entstehen. Dieses soziale Verhältnis besteht, im einfachsten Fall, zwischen einer Person, welche die Rolle einnehmen soll und einer zweiten Person, die von der ersten erwartet, dass sie die Rolle einnimmt. Neuberger 7 spricht von einem Sender-Empfänger Modell und nennt jene Person, an welche die Erwartungen gestellt werden, Fokalperson. Popitz 8 widerspricht dieser Definition der Rolle. Er definiert Rolle als regelmäßiges, wiederholtes und „tatsächlich ablaufendes Verhalten“. Dieser Auffassung folgend, bezeichnet er die Person, welche Rollen innehat, als „Normadressat“. Er spricht auch von einem „Normbenefiziar“, der davon profitiert, dass andere Personen ihm gegenüber an bestimmte Verhaltensweisen gebunden sind, dass heißt, dass er Rechte anderen gegenüber besitzt. Wie aus der oben angeführten Definition hervorgeht, haben Rollen einen normativen Charakter, sie legen fest wie etwas sein soll. Dieser normative Charakter ist innerhalb der Sozialwissenschaften inzwischen von allen als Konsens anerkannt. 9 Der Begriff Rolle bezieht sich jedoch nicht auf eine Person, sondern auf eine Position innerhalb des Systems, die von einer Person zu besetzen ist 10 .
6 Vgl. Wiswede, G. (1977) S.31
7 Vgl. Neuberger, O. (2002) S.318
8 Vgl. Popitz, H. (1972) S.22
9 Vgl. Wiswede, G. (1977) S.16
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Arbeit zitieren:
Antje Artmann, 2003, Rolle und Identität, München, GRIN Verlag GmbH
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