II
Inhaltsverzeichnis
TABELLENVERZEICHNIS. IV
ABBILDUNGSVERZEICHNIS V
ABK ÜRZUNGSVERZEICHNIS - 1 -
1 EINLEITUNG - 2 -
2 BEDEUTUNG UND GEGENSTAND DER THEORIE OPTIMALER
W ÄHRUNGSRÄUME. 4
2.1 BEDEUTUNG DER THEORIE OPTIMALER WÄHRUNGSRÄUME 4
2.2 DEFINITORISCHE UND MATERIELLE ABGRENZUNG DES BEGRIFFS DES OPTIMALEN
W ÄHRUNGSRAUMS. 6
3 DIE THEORIE OPTIMALER WÄHRUNGSRÄUME 9
3.1 KLASSISCHE ANSÄTZE UND KRITERIEN ZUR BESTIMMUNG OPTIMALER
W ÄHRUNGSRÄUME. 9
3.1.1 Faktormobilität 9
3.1.2 Offenheit. 13
3.1.3 Produktionsdiversifikation 14
3.1.4 Fiskalische Integration 15
3.1.5 Flexibilität von Löhnen und Preisen 16
3.1.6 Asymmetrie und Frequenz der Störungen 16
3.1.7 Frühe Beiträge zur Kosten-Nutzen-Analyse. 17
3.2 MODERNE ANSÄTZE DER THEORIE OPTIMALER WÄHRUNGSRÄUME. 18
3.2.1 Kapitalmobilität 19
3.2.2 Ähnlichkeit der Preisentwicklungen. 19
3.2.3 Ergebnisse erster empirischer Analysen der Theorie optimaler Währungsräume 20
3.2.4 Konjunkturzyklus. 21
3.2.5 Spezialisierung 24
3.2.6 Politischer Wille. 25
3.3 KRITISCHE WÜRDIGUNG DER THEORIE OPTIMALER WÄHRUNGSRÄUME 26
3.4 ABLEITUNG DER ZU UNTERSUCHENDEN KRITERIEN ZUR ABGRENZUNG OPTIMALER
W ÄHRUNGSRÄUME. 28
4 BEWERTUNG EINES BEITRITTS POLENS ZUR EUROPÄISCHEN
W ÄHRUNGSUNION 33
4.1 WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG POLENS UND REFORMBEWEGUNGEN SEIT 1990. 33
4.2 DER STAND DER NOMINALEN UND REALEN KONVERGENZ. 37
4.2.1 Nominale Konvergenz 37
III
4.2.1.1 Inflationsrate 37
4.2.1.2 Langfristige Zinsen 39
4.2.1.3 Wechselkursstabilität 40
4.2.1.4 Finanzlage der öffentlichen Haushalte 42
4.2.2 Reale Konvergenz 44
4.2.2.1 Pro-Kopf-Einkommen. 44
4.2.2.2 Produktivität. 45
4.2.2.3 Sektorale Wirtschaftsstruktur. 46
4.2.2.4 Ergebnisse von Untersuchungen zur Transformation und Konvergenz 48
4.3 ANALYSE DER KRITERIEN OPTIMALER WÄHRUNGSRÄUME. 51
4.3.1 Die Flexibilität des polnischen Arbeitsmarkts 51
4.3.2 Konvergenz der Konjunkturzyklen 54
4.3.3 Ausländische Direktinvestitionen. 58
4.3.4 Handelsintegration. 59
4.3.5 Diversifikation der Produktion 62
4.3.6 Intraindustrieller Handel 64
4.4 BEURTEILUNG EINES BEITRITTS POLENS ZUR EUROPÄISCHEN WÄHRUNGSUNION 65
5 FAZIT 69
ANHANG. 72
LITERATURVERZEICHNIS 74
IV
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Maastrichter Konvergenzkriterien. 28
Tabelle 2: Schlussfolgerungen auf Basis der theoretischen Grundlagen 32
Tabelle 3: Makroökonomische Daten Polens 2000-2007 35
Tabelle 4: Langfristiger Zinssatz (in Durchschnitt des Referenzzeitraums) 40
Tabelle 5: Budgetdefizit und öffentliche Verschuldung 2002-2010 42
Tabelle 6: Zufluss ausländischer Direktinvestitionen und Komponenten 2004-2007 (Mrd.
EUR ) 59
Tabelle 7: Importe und Exporte Polens in die Eurozone, die EU und die MOEL in 2007 60
Tabelle 8: Wichtigste Handelspartner Polens in 2007 61
Tabelle 9: Offenheitsgrad Polens 1998-2007 61
Tabelle 10: Diversifikation der polnischen Exporte in die EU nach Warengruppen 2004-
2007 (in Mrd. EUR Veränderung 2007 zum Vorjahr in ) 63
Tabelle 11: Anteil des intraindustriellen Handels in Polen und den EWU-Ländern 64
V
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Die Wirkung asymmetrischer Schocks im Modell von Mundell (1961) ........ 11 Abbildung 2: Ausgleich eines asymmetrischen Schocks im Modell von Mundell (1961) .. 12 Abbildung 3: Handelsintegration, Symmetrie und der Optimale Währungsraum.............. 23
Abbildung 4: Der Effekt der Spezialisierung...................................................................... 25 Abbildung 5: Durchschnittliche Veränderungsrate des HVPI im Vergleich zum
Referenzwert 2000-2007 in %................................................................................... 38 Abbildung 6: Wechselkursentwicklung Zloty/Euro 2006-2007 ......................................... 41 Abbildung 7: Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in Kaufkraftstandards (EU-27=100) in der EU, der Eurozone und Mittel- und Osteuropa, (in %) 2005-2008* ................................... 44 Abbildung 8: Entwicklung der Arbeitsproduktivität und Beschäftigungsquote (in %) in
Polen und der EU (EU-15=100) ................................................................................ 46 Abbildung 9: Bruttoinlandsprodukt nach Wirtschaftssektoren (in %) in Polen und der
Eurozone................................................................................................................... 47 Abbildung 10: Transformationsindikatoren in Polen 2006................................................. 49 Abbildung 11: Arbeitslosigkeit in Polen, den EU-15 und der Eurozone in % (Anteil der Arbeitslosen an der Erwerbsbevölkerung) ................................................................ 51 Abbildung 12: Regionale Arbeitslosigkeit in Polen (in %) 2006-2007 ............................... 53 Abbildung 13: Konjunkturzyklen in Polen und der Eurozone, 1998-2009* (Abweichung der Wachstumsrate des realen BIP vom Trend) ............................................................. 56 Abbildung 14: Problematische Einflussfaktoren für die Unternehmenstätigkeit in Polen in
% ............................................................................................................................... 66 Abbildung 15: Beitrittsszenarien für Polen ........................................................................ 68
- 1 - Abkürzungsverzeichnis
BfAI Bundesagentur für Außenwirtschaft BIP Bruttoinlandsprodukt EBRD Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung EGV Vertrag über die Europäische Gemeinschaft EU Europäische Union EWU Europäische Währungsunion EWW Europäische Wirtschafts- und Währungsunion EZB Europäische Zentralbank FDI Foreign Direct Investment (Ausländische Direktinvestitionen) GUS Glowny Urzad Statystyczny (Polnisches Nationales Statistikamt) HVPI Harmonisierter Verbraucherpreisindex IMF International Monetary Fund (Internationaler Währungsfonds) MOEL Mittel- und Osteuropäische Länder NBP Narodowy Bank Polski (Polnische Nationalbank) NMS Neue Mitgliedsstaaten OECD Organisation for Economic Co-operation and Development OWR Optimaler Währungsraum UNCTAD United Nations Conference on Trade and Development WKM II Europäischer Wechselkursmechanismus II
- 2 - 1Einleitung
Der 1. Mai 2004 brachte wohl die größte Erweiterung in der Geschichte der Europäischen Union mit sich. Zehn mittel- und osteuropäische Länder, von denen acht aus dem ehemaligen Sowjetblock stammen, wurden als neue Mitgliedsstaaten in die EU aufgenommen. Trotz dieses symbolischen Charakters, hat dieses Datum den Integrationsprozess weder initiiert noch beendet. Alle diese post-kommunistischen neuen Mitgliedsstaaten haben während der vergangenen 18 Jahre eine Reihe tief greifender, radikaler und teils schmerzhafter Reformen auf sich genommen um die Erfordernisse der Beitrittsperspektive zu erfüllen und sich grundlegend auf die EU-Mitgliedschaft vorzubereiten. Jedoch bedeutet das Datum der formellen EU-Mitgliedschaft noch nicht die Vollendung des Beitrittsprozesses. Vielmehr ist eine der noch verbleibenden Pflichten der Beitritt zur Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion, da es eine Opting-Out-Klausel für die mittel- und osteuropäischen Länder, wie etwa für Großbritannien oder Dänemark, nicht gibt. Sie verpflichten sich somit den Euro zu einem späteren Zeitpunkt einzuführen und der Europäischen Währungsunion als gleichberechtigte Mitglieder beizutreten. Der Beitrittsvertrag enthält allerdings keinen Zeitplan für den genauen Beitritt, welcher formell davon abhängt ob die betreffenden Staaten die Maastricht Kriterien erfüllen. In der Praxis lässt dies dementsprechend auch viel Spielraum bei der Festlegung auf den genauen Beitrittszeitpunkt zur Eurozone.
Das Ziel dieser Arbeit ist es, die Frage zu beantworten, wann Polen bereit sein wird, der Eurozone beizutreten. Anders ausgedrückt, wird untersucht, mit welchen Vor- und Nachteilen im Falle der Euro-Einführung für die polnische Wirtschaft zu rechnen ist und welche Reformen das Land eventuell noch durchführen muss, um sich bestmöglich auf die Mitgliedschaft in der gemeinsamen Währungsunion vorzubereiten. Allgemeiner betrifft diese Fragestellung die Bedingungen, die Mitglieder der Eurozone erfüllen müssen, um einen so genannten optimalen Währungsraum zu bilden. Bei der Untersuchung der Kosten und Nutzen für Polen stellt die Theorie optimaler Währungsräume ein wertvolles Instrument dar, das die Grundlage für eine umfangreiche ökonomische Bewertung legt. Die Theorie wurde durch den im Jahre 1961 erschienen Artikel „A Theory of Optimum Currency Areas“ von Robert Mundell begründet. Die in den darauf folgenden Jahrzehnten erarbeiteten Kriterien bilden den Rahmen dieser Arbeit. Im Zuge der europäischen Währungsintegration hat die Frage nach den Optimalitätskriterien erneut an Bedeutung und Aktualität gewonnen und zahlreiche Verfeinerungen der Mundell´schen Theorie wurden vorgestellt. Jüngste Ansätze arbeiten insbesondere an der empirischen Umsetzung der Theorie und versuchen in Kosten-Nutzen-Analysen eine Aussage über die
- 3 - Optimalitäteines Währungsraums zu treffen. Auch kann sich nach neuen empirischen Untersuchungen einiger Autoren die Optimalität eines Währungsraumes ex post einstellen, sofern sie ex ante nicht gegeben war.
Inwiefern die MOEL in ihrer Gesamtheit die Optimalitätskriterien erfüllen ist bereits Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Analysen. Für den ganz spezifischen Fall Polens wurde der Erfüllung dieser Kriterien in der wissenschaftlichen Literatur bisher jedoch nur am Rande nachgegangen. Mit ihrer aktuellen Brisanz kann diese Arbeit somit als ein Beitrag zur Schließung der Lücke in der wissenschaftlichen Literatur angesehen werden. Dabei soll im Weiteren wie folgt vorgegangen werden: Nachdem in Kapitel 2 der Begriff der Optimalität geklärt wird, stellt Kapitel 3 die wichtigsten Kriterien und Ansätze zur Beurteilung eines Währungsraums detailliert dar. Auf Basis dieser theoretischen Grundlagen kann eine Abgrenzung eines optimalen Währungsraums erfolgen, weshalb im weiteren Verlauf der Arbeit immer wieder auf diese Erkenntnisse zurückgegriffen wird. Kapitel 4 analysiert auf der Theorie optimaler Währungsräume aufbauend ob Polen die Optimalitätskriterien erfüllt und welche Schlussfolgerungen bezüglich eines Beitritts zur Währungsunion daraus gezogen werden können. Zugleich wird versucht auf Basis von Prognosen Szenarien für den Beitritt Polens zur Eurozone zu entwerfen. Kapitel 5 fasst schließlich die Ergebnisse und Schlussfolgerungen der Arbeit zusammen. Die Analysen der Arbeit werden durchweg durch zahlreiche Grafiken veranschaulicht. Dabei wurde auf die Aktualität der verwendeten Primärdaten besonderer Wert gelegt, was die Praxisrelevanz der vorliegenden Inhalte zusätzlich unterstreichen soll.
4
2 Bedeutung und Gegenstand der Theorie optimaler
Währungsräume
2.1 Bedeutung der Theorie optimaler Währungsräume
Im Mittelpunkt der Theorie optimaler Währungsräume steht die Frage nach der ökonomisch sinnvollen Größe eines optimalen Währungsraums. Dabei ist sie an sich kein traditioneller Theoriebereich der Volkswirtschaftslehre. Vielmehr ist sie Anfang der 60er Jahre entstanden und kann im Allgemeinen auf drei Entwicklungen zurückgeführt werden: N Sie beruht zum einen auf der damaligen Diskussion um feste oder flexible Wechselkurse 1 bzw. dem geeigneten Grad der Wechselkursflexibilität zwischen Volkswirtschaften (Milek 2005, S. 21).
N Zum anderen entwickelte sie sich infolge der Diskussion um die Europäische Währungsunion (EWU), die bereits Anfang der 70er Jahre durch die Europäische Gemeinschaft einsetzte.
N Des Weiteren haben die erhöhte Konvertibilität der Währungen und die zunehmende Flexibilität der Kapitalströme zur neuen Aktualität der Überlegungen zu Wechselkurssystemen beigetragen (Herrmann 2001, S. 20). Robert Mundell (1961) ist der Erste, der sich mit dem Begriff des optimalen Währungsraums, als einem Gebiet mit festen Wechselkursen, auseinandersetzt und, der sich auf theoretischer Ebene mit der Abgrenzung von optimalen Währungsräumen beschäftigt. Er stellt die relevante Frage „What is the appropriate domain of a currency area?” (Mundell 1961, S. 657). Zu jener Zeit war Mundells (1961) Forschungsgegenstand eher akademischer Natur, da es schwer vorstellbar war, die nationale Währung könnte zugunsten eines anderen Währungsregimes aufgegeben werden. Mit dem von der Europäischen Union angestrebten monetären Integrationsprozess erhielt die Theorie allerdings vollkommen neue Impulse (Horvath 2003, S. 10; Broz 2005, S. 54 f.), so dass in den folgenden Jahren Wissenschaftler unabhängig voneinander eine Vielzahl von Optimalitätskriterien erarbeiteten mit dem Ziel, das entscheidende Kriterium zur Bestimmung eines optimalen Währungsraums zu finden (Herrmann 2001, S. 2). Über diese Kriterien definiert die Theorie die grundlegenden Eigenschaften, die über Erfolg 2 oder Misserfolg einer Währungsunion entscheiden. Darüber hinaus trägt die Theorie aber
1 Während der 50er Jahre hinterfragten eine Reihe von wissenschaftlichen Arbeiten das System von
Bretton Woods, das 1945 als Quasi-Festkurssystem etabliert worden war, recht kritisch (Horvath 2003, S.
10).
2 Eine Teilnahme an einer Währungsunion wird im Allgemeinen dann als erfolgreich angesehen, wenn
unter Aufrechterhaltung eines fixierten Wechselkurses die wirtschaftspolitischen Ziele Vollbeschäftigung,
Preisstabilität und Zahlungsbilanzgleichgewicht in ausreichendem Ausmaß erreicht werden (vgl.
Herrmann 2001, S.11).
5
auch zu einem wesentlichen Teil zur Erklärung bei, welche Länder sich zu einer Währungsunion zusammenschließen sollten.
Mit den entwickelten Kriterien flossen auch zunehmend Kosten-Nutzen-Betrachtungen der Aufgabe des Wechselkurses als Anpassungsinstrument in die Theorie optimaler Währungsräume mit ein (Broz 2005, S. 54). Die traditionellen Ansätze setzen sich vorrangig mit Kostenaspekten auseinander (Auria 1997, S. 29). Im Vordergrund der Analyse der Kosten einer Währungsunion steht der Verlust des Wechselkurses als Anpassungsinstrument. Es wird angenommen, dass die Wirtschaftspolitik sich auf das Ziel der makroökonomischen Stabilisierung konzentriert, die Löhne nach unten starr sind und die Volkswirtschaften Störungen ausgesetzt sind (Milek 2005, S. 27). Die Kosten sind ganz besonders hoch, wenn diese Störungen bzw. Schocks asymmetrisch sind (Tavlas 1993, S. 669). Unter einem asymmetrischen Schock versteht man eine plötzliche und unerwartete Störung, welche die Mitgliedsstaaten eines Integrationsraumes unterschiedlich stark trifft. Dabei handelt es sich entweder um einen regionen- bzw. sektorspezifischen Schock, oder darum, dass ein allgemeiner Schock bestimmte Regionen (oder Staaten) ungleich stark trifft, weil sich die ökonomischen Strukturen oder die politischen Reaktionen der Regionen (oder Staaten) unterscheiden (Belke/ Hebler 2004, S. 74). Liegt solch ein asymmetrischer Schock vor, kommt es zu unerwünschten Effekten auf die internen Zielvariablen der Preis und Einkommensstabilität. Ohne eine Währungsunion könnten diese negativen Folgen durch eine Wechselkursänderung ausgeglichen werden. Innerhalb einer Währungsunion muss das ursprüngliche makroökonomische Gleichgewicht mit Hilfe anderer Anpassungsmechanismen wieder hergestellt werden (Auria 1997, S. 22 f.; Milek 2005, S. 28). Ist die Erfüllung der Kriterien optimaler Währungsräume jedoch hoch, so wird der Wechselkurs als Ausgleichinstrument umso weniger benötigt (Tavlas 1993, S. 669). Ein weiterer Kostenauslöser, der mit der Mitgliedschaft in einer Währungsunion und der damit verbundenen Einführung fester Wechselkurse eng verknüpft ist, ist der Verzicht auf eine autonome Geldpolitik. Durch den Verzicht auf die autonome Geldpolitik verlieren die einzelnen Länder einer Währungsunion die Möglichkeit, durch Erzeugung von Überraschungsinflation eine gewünschte Kombination von Inflation und Arbeitslosigkeit auf der Phillips-Kurve in der kurzen Frist selbst zu bestimmen (Auria 1997, S. 24, Jurek 2004, S. 34). Die Phillips-Kurve bildet dabei den kurz- und langfristigen Zusammenhang zwischen der Inflationsrate und der Arbeitslosigkeit ab. Sie ist der Hintergrund für wirtschaftspolitische Bemühungen mit Hilfe der expansiven Geldpolitik und der damit einhergehenden Inflation, die Arbeitslosigkeit zumindest kurzfristig zu bekämpfen (Milek 2005, S. 28 f.).
6
Den Kosten stehen jedoch auch zahlreiche Nutzenaspekte 3 gegenüber, die vor allem in den modernen Ansätzen der Theorie optimaler Währungsräume Berücksichtigung finden. Von größter Bedeutung sind dabei der Wegfall wechselkursbedingter Transaktions- und Informationskosten sowie der Wegfall des Wechselkursrisikos. Der Wegfall der Transaktions- und Informationskosten führt über direkte und indirekte Ersparnisse dazu, dass der Außenhandel zwischen Ländern einer Währungsunion effizienter wird und somit zunimmt (Auria 1997, S. 25; Jurek 2004, S. 34). Gleichermaßen führt das Ausbleiben des Wechselkursrisikos zu einer Stimulierung des Handels und zu einer größeren Anziehungskraft für ausländische Investitionen (Milek 2005, S. 31). Ein optimaler Währungsraum beinhaltet somit nur Länder, für die der Nutzen einer Währungsunion höher ausfällt als deren Kosten.
2.2 Definitorische und materielle Abgrenzung des Begriffs des
optimalen Währungsraums
Für eine tiefer gehende Diskussion über optimale „Währungsräume“ ist es zunächst erforderlich, den Begriff des Währungsraums genauer zu bestimmen. In der Literatur existiert keine einheitliche Definition für den Begriff. Tatsächlich ist es so, dass es unterschiedliche Stufen der Integration im Währungsbereich gibt. Eine erste Stufe ist die Wechselkursunion (Tavlas 1993, S. 665). Dieses System ist durch feste Wechselkurse, eine koordinierte Geldpolitik und vollkommene Kapitalmobilität zwischen den Unionsländern gekennzeichnet. Hierbei ist es allerdings möglich, dass die Finanzmärkte bei veränderten Fundamentaldaten die Koordinierung der Geldpolitik und die Aufrechterhaltung des festen Wechselkurses in Frage stellen 4 . Sie werden dann gegen die Währung des Landes spekulieren, von dem sie erwarten, dass die Geldpolitik expansiver wird, so dass die Währung dieses Landes unter Abwertungsdruck gerät (Auria 1997, S. 21). Die höchste Stufe der Integration im Währungsbereich ist die Währungsunion. Nach der Definition von Tavlas (1993, S. 665 f.) erfordert diese zusätzlich eine gemeinsame Zentralbank und die Einführung einer einheitlichen Währung. Während in der Wechselkursunion Paritätsänderungen grundsätzlich noch möglich sind, ist dies in der Währungsunion ausgeschlossen. Ein Währungsraum ist nach Tavlas (1993) in der Literatur des optimalen Währungsraums ein Währungsgebiet mit den Merkmalen einer Währungsunion. Mundell (1961, S. 657) versteht unter dem Begriff des
3 Für ausführlichere Kosten-Nutzen-Analysen von Währungsunionen siehe Auria (1997), S. 22 ff. und Milek
(2005), S. 27 ff. Tavlas (2004, S. 89 ff.) stellt eine entsprechende Analyse des Beitritts zur Eurozone dar.
4 Für eine Diskussion über das Problem der Zeitkonsistenz und Glaubwürdigkeit einer
Wechselkursverpflichtung siehe De Grauwe (1992), S. 45 ff.
7
Währungsraums „[...] a domain within which exchange rates are fixed [...]”. Gleichzeitig regt er dazu an, einen Währungsraum als Region 5 zu erachten, deren Grenzen nicht zwingend mit Staatsgrenzen übereinstimmen müssen. Man sollte in Mundells Artikel den „Währungsraum“ nicht mit dem Geltungsbereich eines Systems fester Wechselkurse gleichsetzen, denn die Argumentation Mundells gilt nur für Arrangements mit absolut festen Wechselkursen, während Festkurssysteme 6 im Allgemeinen die Möglichkeit von Paritätsänderungen vorsehen. Bofinger (1994, S. 126 f.) weist darauf hin, dass es bei der Diskussion um „optimale Währungsräume“ demnach nicht um die Frage nach festen oder flexiblen Wechselkursen geht, sondern um die Vor- und Nachteile von Währungsunionen. Mundells Vorstellung von einem optimalen Währungsraum stimmt hier mit der weithin anerkannten Definition des Werner-Plans (Europäische Kommission 1970, S. 15) überein, wonach eine Währungsunion vor allem durch die Unveränderlichkeit des Wechselkurses gekennzeichnet ist. Die Übereinstimmung bezieht sich auch darauf, dass Mundell unter dem Begriff des Währungsraums zum einen ein System einer Einheitswährung als auch ein Arrangement versteht, bei dem nationale Währungen mit festen Wechselkursen gegenseitig verbunden sind (Bofinger 1994, S. 127). Auf Basis der oben dargestellten Übereinstimmung wird im Folgenden von Mundells Definition eines Währungsraums ausgegangen. Der synonyme Gebrauch der Begriffe „Währungsunion“ und „Währungsraum“ in dieser Arbeit ist auch logische Konsequenz dessen, dass das theoretische Interesse an der Theorie optimaler Währungsräume im Zuge der Europäischen Währungsunion stark zugenommen hat.
Die „Optimalität“ eines Währungsraums wird bezüglich zahlreicher Merkmale optimaler Währungsräume definiert - diese werden auch als „Voraussetzungen“, „Eigenschaften“ oder „Kriterien“ bezeichnet. Die Erfüllung der Merkmale bzw. Kriterien verringert einerseits die Notwendigkeit nominaler Wechselkursanpassungen innerhalb eines Währungsraums und andererseits die Auswirkungen bestimmter Schocks oder erleichtert eine Anpassung danach (Mongelli 2002, S. 7; Kucerova 2003, S. 2 f.). Auch Mundell (1961, S. 657 ff.) zufolge ist ein Währungsraum dann optimal, wenn es andere Anpassungsmechanismen zum Wechselkurs gibt, die nach einem asymmetrischen Schock in der Lage sind, ein binnenwirtschaftliches Gleichgewicht zu realisieren. Für Mundell ist eine hohe Flexibilität des Arbeitsmarks eine alternative Möglichkeit der Anpassung um auf asymmetrische Störungen zu reagieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Länder zu einem gemeinsamen Währungsraum zusammenschließen, ist grundsätzlich dann am höchsten,
5 Nach Mundell (1961, S. 660) entspricht die Region einer Industrie, da er den optimalen Währungsraum
als Region definiert, die ihm zufolge eine einheitliche Produktionsstruktur hat und durch interne
Faktormobilität gekennzeichnet ist.
6 Bofinger (1994, S. 126) nennt hier als Beispiele für Festkurssysteme das Bretton Woods System und das
Europäische Währungssystem.
8
wenn der gegenwärtige und der zukünftig erwartete Nutzen die Kosten übersteigt (Mongelli 2002, S. 7).
Im Folgenden werden die wichtigsten Kriterien und Ansätze der Literatur zur Theorie optimaler Währungsräume im Überblick dargestellt. Diese Theorie hat sich über mehr als vier Jahrzehnte hinweg entwickelt und umfasst daher Arbeiten, die von völlig unterschiedlichen Annahmen ausgehen und sich auf unterschiedliche Aspekte konzentrieren. Dennoch lassen sich zwischen einigen Arbeiten Ähnlichkeiten erkennen, so dass sich die im nächsten Kapitel dargestellte Theorie in traditionelle und moderne Ansätze sowie Kriterienkategorien unterscheiden lässt. Während sich die traditionellen Kriterien hauptsächlich auf die Kosten einer Währungsunion durch den Verlust des nominalen Wechselkurses beziehen, stellen die modernen Kriterien und Ansätze überwiegend Nutzenaspekte einer Währungsunion in den Vordergrund. Ferner dient das nächste Kapitel auch als Basis für die Analyse der Kriterien des optimalen Währungsraums in Polen.
9
3 Die Theorie optimaler Währungsräume
3.1 Klassische Ansätze und Kriterien zur Bestimmung optimaler
Währungsräume
Die klassischen bzw. traditionellen Kriterien, die im Wesentlichen in den 60er und Anfang der 70er Jahre entwickelt wurden, sind hauptsächlich mikroökonomischer Art. Damit bestimmen sie, inwieweit mikroökonomische Ungleichgewichte 7 , d.h. Verschiebungen der relativen Preise, bestehen bzw. ob alternative Anpassungsmechanismen vorhanden sind, die die Wiederherstellung des Zahlungsbilanzgleichgewichts unter Aufrechterhaltung von Preisniveaustabilität und Vollbeschäftigung bei festem Wechselkurs und starren Nominallöhnen ermöglichen 8 (Herrmann 2001, S. 2 und S. 23; Peters 2006, S. 6).
3.1.1 Faktormobilität
Mundell (1961) betont die Faktormobilität, dabei insbesondere die Arbeitsmobilität, als ausschlaggebendes Kriterium zur Abgrenzung von optimalen Währungsräumen. Beim Auftreten asymmetrischer Schocks und in Abwesenheit des Wechselkurses als Anpassungsinstrument, benötigen die an der Währungsunion beteiligten Länder alternative Mechanismen, um diese Schocks abzufedern (Mundell 1961, S. 657). Als solch ein Mechanismus zählt vor allem eine hohe Flexibilität des Arbeitsmarktes in Form von Lohnflexibilität und Arbeitsmobilität (Milek 2005, S. 22). Da alle auf Mundells Ansatz folgenden Erweiterungen lediglich als Verfeinerungen des ursprünglichen Modells zu betrachten sind (Rose 2000, S. 212 f.), soll im Folgenden Mundells Grundkonzept ausführlicher dargestellt werden, als die daraufhin entwickelten Ansätze anderer Autoren.
Mundell (1961) untersucht in seiner Arbeit unter besonderer Berücksichtigung der Vereinigten Staaten und Kanada mögliche Anpassungsmechanismen an asymmetrische Schocks und kommt zu dem Schluss, dass Wechselkursänderungen für keines der beiden Länder ein zufriedenstellendes Angleichungsmittel sind, da die eigentliche Asymmetrie nicht zwischen den beiden Ländern, sondern zwischen ihren Regionen (Ost
7 Bei mikroökonomischen Ungleichgewichten bzw. Störungen handelt es sich meist um
Nachfrageänderungen bei den Konsumenten oder Produktivitätsverschiebungen zwischen den Branchen
(Herrmann 2001, S. 23).
8 Für einen Überblick über die ersten Beiträge der Theorie des OWR siehe auch Ishiyama (1975), Tower/
Willett (1976), Herrmann (2001), Horvath (2003), Jurek (2004), Broz (2005), Milek (2005) sowie Peters
(2006).
10
und West) bestand 9 . Aufgrund dessen waren Mechanismen erforderlich, die das relative Preisverhältnis zwischen Ost und West, nicht aber zwischen Nord und Süd ausgleichen (Amati/ Patterson 1998, S. 16; Peters 2006, S. 6). Um nun die Auswirkungen der Bildung eines einheitlichen Währungsgebietes zu veranschaulichen, konzipiert Mundell (1961, S. 658 ff.) ein Modell, in dem er von der Region als ökonomische Einheit ausgeht, deren Grenzen nicht zwingend mit Staatsgrenzen übereinstimmen. Eine vereinfachte Variante der Theorie geht von zwei Regionen A und B aus (Amati/ Patterson 1998, S. 16). Die Regionen zeichnen sich in der Ausgangssituation beide durch Vollbeschäftigung und Zahlungsbilanzgleichgewicht aus und sind auf die Herstellung eines bestimmten Produkts spezialisiert. Beide Güter können jedoch gleichermaßen konsumiert werden. Dem nominalen Wechselkurs kommt in diesem Modell eine Anpassungsfunktion zu, weshalb Mundell davon ausgeht, dass die Preise und Löhne in der kurzen Frist nach unten rigide sind. Des Weiteren nimmt er an, dass die Zentralbanken Inflation vermeiden möchten (Rose 2000, S. 212; Milek 2005, S. 23). Ein asymmetrischer Nachfrageschock führt zur Bevorzugung des von B hergestellten Produkts gegenüber dem von A hergestellten Produkt. In A kommt es aus diesem Grund zu einem Rückgang der Nachfrage und damit zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit sowie zu einem Außenhandelsdefizit. In B steigt hingegen die Inflation (Mundell 1961, S. 658; S. 12). In Abbildung 1 sind die Anpassungen in A und B graphisch dargestellt.
9 Vgl. hierzu auch die Darstellung von Broz (2005), S.55.
11
Abbildung 1: Die Wirkung asymmetrischer Schocks im Modell von Mundell (1961)
Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Amati/ Patterson 1998, S. 16.
Eine gemeinsame Geldpolitik kann in diesem Fall nicht die Probleme in A und B gleichzeitig lösen (Peters 2006, S. 6). Das durch den Schock verursachte Ungleichgewicht erfordert daher eine Änderung des relativen Preisverhältnisses, um das frühere Gleichgewicht wieder herzustellen. Wenn die Regionen getrennte Währungen haben, lässt sich dies durch eine Änderung der Wechselkurse erreichen (Amati/ Patterson 1998, S. 16). Haben sie jedoch eine gemeinsame Währung oder einen festen Wechselkurs, muss die Produktions- und Beschäftigungslage in A auf eine andere Weise wiederhergestellt werden. Dies kann auf drei Arten geschehen: N durch einen Rückgang der nominalen Löhne und Preise, N durch eine Verschiebung der Angebotskurve bei heimischen Waren nach oben, was beispielsweise durch eine Abwanderung von Arbeitskräften aus dem Land, wie sie in Abbildung 2 dargestellt ist, erklärt werden kann (Broz 2005, S. 55 f.), oder
N durch eine expansive Fiskalpolitik, die auch in der Lage wäre das Gleichgewicht wieder herzustellen (Amati/ Patterson 1998, S. 17).
12
Abbildung 2: Ausgleich eines asymmetrischen Schocks im Modell von Mundell (1961)
Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Amati/ Patterson 1998, S. 17.
Mundell (1961, S. 661 f.) kommt in Abhängigkeit der Art des Schocks zu dem Ergebnis, dass bei symmetrischen Schocks 10 feste Wechselkurse oder eine Währungsunion angemessen sind, bei asymmetrischen Schocks 11 spielt jedoch die Höhe der Arbeitsmobilität und/oder die Lohnflexibilität eine wichtige Rolle. Die Mobilität des Faktors Arbeit ist somit in der Lage die Stabilisierungsfunktion des Wechselkurses zu übernehmen 12 . A und B bilden Mundell zufolge dann einen optimalen Währungsraum, wenn die Arbeitsmobilität hoch genug ist. Für ihn ist somit der Grad der Arbeitsmobilität das letztlich entscheidende Abgrenzungskriterium. Die Kosten einer Währungsunion sind in Anbetracht asymmetrischer Störungen umso geringer, je höher die Arbeitsmobilität in einem Land mit nach unten rigiden Preisen und Löhnen ist (Herrmann 2001, S. 23; Peters 2006, S. 6).
Die Aussagen des Ansatzes von Mundell (1961) sind nicht frei von Kritik und wurden in der Literatur des optimalen Währungsraums verstärkt diskutiert. Die wichtigsten Kritikpunkte beziehen sich auf die Definition der Region sowie auf das Konzept der
10 Bei symmetrischen Schocks sind die Auswirkungen auf bestimmte Gebiete gleich.
11 Neben der Kategorisierung in symmetrische und asymmetrische Schocks existieren in der Literatur noch
weitere Differenzierungen in Schockkategorien. Vgl. hierzu Amati/ Patterson (1998), S. 14 ff.
12 Tatsächlich abstrahiert Mundell (1961) hier von der realen Welt, da es oft Probleme aufgrund
unterschiedlicher Sprachen und Kulturen gibt. Auch wenn alle Beschränkungen hinsichtlich der
Arbeitsmobilität beseitigt wären, würden die voran genannten Probleme eine fortschreitende Integration
einschränken. Vgl. Broz (2005), S. 55.
13
Arbeitsmobilität. Mundells Definition einer Region wird weder als geographisch noch als politisch erachtet (Kenen 1969, S. 44; Horvath 2003, S.12), sei darüber hinaus zu breit gefasst und nicht in der Realität anwendbar (Grubel 1970, S. 321). Die Einwände gegen das Kriterium der Arbeitsmobilität zielen auf unterschiedliche Aspekte ab. Zum einen wird davon ausgegangen, dass die Arbeitsmobilität in der kurzen Frist vielfach zu gering ist, da hohe Kosten der Migration und der Anpassung an eine neue Umgebung in Erwägung zu ziehen sind (Mongelli 2002, S. 9). Damit wird es schwierig Währungsräume zu begründen, die über nationale Grenzen hinausgehen. Andererseits wird auch die praktische Relevanz des Kriteriums erheblich in Frage gestellt, zumal Mundell keine detaillierten Vorgaben zur Ausprägung der notwendigen Arbeitsmobilität macht. Im Allgemeinen wären jedoch die aufgrund dieses Kriteriums entstehenden Währungsräume sehr klein 13 (Herrmann 2001, S. 24). Mundells wesentliches Kriterium besteht trotz dieser stichhaltigen Kritik fort und wird heutzutage als entscheidendes Kriterium zur Abgrenzung eines optimalen Währungsraums erachtet (Horvath 2003, S. 14). Andere Autoren weisen dagegen auch auf die Kapitalmobilität als Abgrenzungskriterium hin. In der Folgezeit veröffentlichte Arbeiten brachten weitere Kriterien hervor, von denen einige nachstehend betrachtet werden sollen.
3.1.2 Offenheit
McKinnon (1963) betont den Grad der Offenheit einer Volkswirtschaft als zentrales Kriterium für die Bestimmung eines optimalen Währungsraumes. Seine Aussage basiert auf der Annahme, dass kleine Volkswirtschaften im Allgemeinen einen höheren Offenheitsgrad aufweisen, wobei er den Offenheitsgrad als Verhältnis von handelbaren zu nichthandelbaren Gütern am gesamten Output einer Volkswirtschaft definiert (Broz 2005, S. 57). Kleine, sehr offene Länder, d.h. Länder, die viel Außenhandel betreiben, können Preise auf dem Weltmarkt nicht beeinflussen und sind von den Auswirkungen externer Schocks im Vergleich zu großen, weniger offenen Ländern stärker betroffen (Herrmann 2001, S. 24 f.; Milek 2005, S. 34). McKinnon argumentiert, dass ein fester Wechselkurs für Länder umso vorteilhafter ist, je offener deren Volkswirtschaft ist. Gleichzeitig ist für weniger offene Volkswirtschaften ein flexibler Wechselkurs vorteilhafter (McKinnon 1963, S. 717 ff.; Horvath 2003, S. 15). Drückt man Kosten und Nutzen einer Währungsunion als Funktion des Offenheitsgrades aus, wird es möglich einen kritischen Wert des Offenheitsgrads bzw. eine kritische Größe eines Landes zu bestimmen, bei dessen Überschreitung der Beitritt zu einer Währungsunion insgesamt vorteilhaft wird (Milek
13 Für einen vollständigen Überblick der Kritikpunkte an Mundells (1961) Konzept der Arbeitsmobilität siehe
Horvath (2003, S. 12 ff.).
Arbeit zitieren:
Michaela Bruckner, 2008, Die Theorie optimaler Währungsräume – Wie ist ein Beitritt Polens zur Europäischen Währungsunion zu bewerten?, München, GRIN Verlag GmbH
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