Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Das begriffliche Fundament. 5
2.1 Abriss zum Aufbau des Bildungssystems 5
2.2 „Ausländer“ - ein anachronistischer Begriff 9
2.3 Das Migrationskonzept 9
3 Migranten in unserer Gesellschaft. 10
3.1 Familien im Einwanderungsprozess 10
3.2 Zur Situation von Migranten in unserem Bildungssystem. 11
3.2.1 Zwischen vorschulischen Einrichtungen und Grundschule. 11
3.2.2 Übergänge im Primar- und Sekundarbereich I 11
3.2.3 Übergänge in die Berufsausbildung. 12
3.2.4 Migranten beim Übergang in die Hochschulen. 13
3.2.5 Der Übergang auf den Arbeitsmarkt 13
3.3 Migranten im Bildungsprozess - Ursachen/ Lösungsansätze 14
3.3.1 Die Auswirkungen der Segregation 14
3.3.2 Zur Leistungsbeurteilung. 15
3.3.3 Weitere Fördermaßnahmen. 16
4 Zusammenfassung 16
5 Quellenverzeichnis 17
1 Einleitung
„Der ganze Lebenslauf eines Menschen ist Verwandlung. Alle seine Lebensalter sind
Fabeln derselben, und so ist das ganze Geschlecht in einer fortgehenden Metamorphose. -
Bl üten fallen ab und welken, andere sprießen hervor und treiben Knospen: der ungeheure
Baum trägt auf einmal alle Jahreszeiten auf seinem Haupte.“ (J. G. von Herder 1744-1803)
Gewiss waren die Problemlagen von anderer Natur mit denen sich Herder im 18. Jahrhun-
dert auseinander setzen musste. Gleichwohl sehen sich die Gesellschaftssysteme damals
wie heute andauernden Veränderungen in Politik, Wirtschaft, Kultur und Bevölkerung
ausgesetzt. Dabei unterscheiden sich die Gesellschaftssysteme im Grad ihrer Anpassungs-
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und Reaktionsfähigkeit. Für unsere Betrachtung ist vor allem ein Subsystem von besonderer Relevanz - das Bildungssystem.
Dem hiesigen Bildungssystem wird vor allem in den letzten Jahren eine außerordentliche Fähigkeit, auf veränderte Rahmenbedingungen optimal zu reagieren, abverlangt. Durch die Vielzahl der dabei wirkenden Akteure und Prozesse handelt es sich um eine schwierige Aufgabe (vgl. Konsortium Bildungsberichterstattung 2006: 5). Auf welche Vorgänge gilt es dabei besonders zu achten? Im Wesentlichen sind dies die räumliche Bevölkerungsentwicklung, die wirtschaftliche Entwicklung, die Finanzausstattung der Haushalte der Gebietskörperschaften, Globalisierungstrends, die Strukturveränderung von der Dienstleistungs- zur Wissensgesellschaft sowie den Veränderungen der Familien- und Haushaltsstrukturen (vgl. Konsortium Bildungsberichterstattung 2006: 5). Von besonderem Interesse für die vorliegende Arbeit ist der Bereich der räumlichen Bevölkerungsentwicklung.
Wolkersdorfer und Gebhardt konstatieren der BRD einen Trend von einem Aus-wanderungsland zu einem Einwanderungsland (vgl. Glaser, Gebhardt und Schenk 2007: 170). In Folge des Zweiten Weltkrieges suchten ca. 11 Mio. Heimatvertriebene aus Schlesien, Pommern, Ostpreußen etc. in Deutschland eine neue Bleibe. Durch die eklatante Lage in den zerstörten Städten wurden diese Menschen allerdings primär im ländlichen Raum angesiedelt. In den 1950er überlagerten sich gleichwohl zwei Effekte, die zu einem erhöhten Anteil von Migranten an der Stadtbevölkerung führten: Einesteils führte die Wiederherstellung der städtischen Infrastruktur zu einer Land-Stadt-Wanderung, anderenteils erhöhte sich die Zuwanderung von Gastarbeitern auf Grund der erhöhten Nachfrage nach Arbeitskräften vor dem Hintergrund des „Wirtschaftswunders“ (vgl. Glaser, Gebhardt und Schenk 2007: 171). Seit Ende der 1950er bis Mitte der 1960er betrug die jährliche Zuwanderung ca. 600.000 Menschen. Dabei ist erwähnenswert, dass jeweils zu unterschiedlichen Zeiten spezifische Gruppen in die BRD kamen - Italiener, Griechen und Spanier, Türken und schließlich Jugoslawen. Ungeachtet des Anwerbestopps und der Rückzugshilfen erhöhte sich der Ausländeranteil in den 1970er Jahren nicht zuletzt auf Grund des Zuzugs von Familienangehörigen. Bis zu dem Beginn der 1990er Jahre stieg die Anzahl von etwa 6 Mio. (1972) auf etwa 8 Mio. (1990). Ursächlich dafür verantwortlich waren Asylbewerber und Flüchtlingswanderungen in Folge von politische Veränderungen in Osteuropa einerseits, und kriegerischen Konflikten in der „Dritten Welt“ andererseits (vgl. Glaser, Gebhardt und Schenk 2007: 169-176). Trotz des Versuchs der Politik dieser Entwicklung mit dem neuen Asylrecht von 1993 entgegenzuwirken, nahm der Ausländeranteil in deut-
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schen Großstädten, mit mehr als 300.000 Einwohner, zwischen 1990-1997 von 12% auf 16% zu. Die Anzahl jener Menschen, ohne deutsche Staatsbürgerschaft, betrug 2005 7,3 Mio. Räumlich betrachtet konzentriert sich das Gros der Migranten auf die alten Bundesländer mit dem Schwerpunkt Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen (vgl. Glaser, Gebhardt und Schenk 2007: 172). Die Erkenntnis ist folglich korrekt, wenn die BRD als ein Einwanderungsland charakterisiert wird.
Das Bildungssystem erbringt für unsere Gesellschaft ausgesprochen wichtige Leistungen. Diese lassen sich in einer Triade aus individueller Regulationsfähigkeit, Beitrag zu den Humanressourcen und gesellschaftliche Teilhabe und Chancengleichheit zusammenfassen (vgl. Konsortium Bildungsberichterstattung 2006: 1-2). Unter individueller Regulationsfähigkeit versteht man die Fähigkeit eines einzelnen Elements des Systems, hier eines Menschen, die eigene Qualität - durch den Erwerb von Abschlüssen - zu erhöhen. Vor dem Hintergrund einer Wissensgesellschaft bedeutet dies primär einerseits lebenslanges Lernen, andererseits aber auch die Einsicht in die Notwendigkeit, an der Kultur mitzuwirken. Ferner soll das Bildungssystem einen Beitrag zu den Humanressourcen leisten. Einesteils wird dies auf Mikroebene durch den Erwerb von Kompetenzen gewährleistet, die dann auf dem Arbeitsmarkt angeboten werden können. Werden die Prozesse der Mikroebene auf die Makroebene kummuliert, stellt man fest, dass das Bildungssystem anderenteils „die Sicherstellung und Weiterentwicklung des quantitativen und qualitativen Arbeitskräftevolumens“ (Konsortium Bildungsberichterstattung 2006: 2) realisiert. Darüber hinaus wirkt das Bildungssystem an einer nicht zu vernachlässigenden Aufgabe mitder Förderung von Chancengleichheit und gesellschaftlicher Teilhabe. Durch die gemeinsame Sozialisation in den einzelnen Institutionen wird die soziale Integration und kulturelle Teilhabe gefördert (vgl. Konsortium Bildungsberichterstattung 2006: 1-2). Die bisherigen Erläuterungen über das Bildungssystem waren eher normativ. Dabei ist die Betrachtung des konkreten Outcomes in der Gesellschaft eine sehr viel erkenntnisreichere Thematik. Da die Betrachtung aller Zielgruppen den Umfang der Arbeit sprengen würde, werde ich an die Ausführungen zur Migration anknüpfen. Aufgrund der 7,3 Mio. Ausländer in der BRD hat diese Gruppe eine nicht unerhebliche Bedeutung. Daher soll im Mittelpunkt dieser Arbeit die Fragestellung stehen, ob und inwieweit die Ziele des hiesigen Bildungssystems bei den Menschen mit Migrationshintergrund erreicht werden? Für die Beantwortung der Fragestellung werde ich im Wesentlichen zwei Werke aus der Fachliteratur heranziehen. Zum einen ist dies der Bericht über „Das Bildungswesen in der Bundesrepublik Deutschland“, der vom Max-Planck-Institut herausgegeben worden
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ist. Ausführlich gehen dabei die Autoren auf die Migration der vergangenen Jahrzehnte in den alten und neuen Bundesländern ein. Ferner gehen sie auf die Lage der Migranten im deutschen Bildungssystem ein und schließen daran Maßnahmen zur sozialen Integration an. Zum anderen nutze ich für die quantitative Erfassung den Bildungsbericht 2006 „Bildung in Deutschland“, der durch das Konsortium Bildungsberichterstattung verfasst worden ist. Mit Hilfe von Indikatoren werden die Strukturen und Elemente des Systems erfasst, wobei für die vorliegende Arbeit vor allem das Kapitel H relevant ist. Im weiteren Verlauf meiner Arbeit werde ich zunächst den Aufbau des bundesdeutschen Bildungssystems skizzieren. Daran anschließend differenziere ich den Begriff „Ausländer“, um für die folgenden Betrachtungen aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen. Ausgehend von einer Zustandsbeschreibung von Migrantenfamilien im Integrationsprozess werde ich auf die Partizipation am Bildungssystem eingehen. In diesem Zusammenhang stelle ich anschließend die Reaktionsfähigkeit des Systems auf die Migranten vor: Welche Maßnahmen sind für die Integration der Migranten angedacht? Welche Auswirkungen ergeben sich für jene Menschen, die keinen Schulabschluss erwerben? Alles in allem schließt sich an das Ende dieser Arbeit eine Zusammenfassung an, in der ich einen Bogen zwischen Forschungsstand und meinen Ergebnissen spanne.
2 Das begriffliche Fundament
2.1 Abriss zum Aufbau des Bildungssystems
„Das Bildungswesen in der Bundesrepublik Deutschland steht seit Ende der 1990er Jahre deutlich im Zeichen eines tief greifenden Wandels, dessen Zielpunkt sich erst in Umrissen andeutet.“ (Cortina u.a. 2003: 20) Wesentlicher Impuls für diese Veränderung stellt die Wiedervereinigung unseres Landes dar. Im Verlaufe dieses Prozesses galt es, zwei recht unterschiedliche Systeme zu integrieren, wobei vor allem das westdeutsche Bildungssystem als Blaupause diente. Die daraus zwangsläufig resultierende Dynamik führte letztlich zu einer Akzeptanz der sogenannten „Output-Orientierung“ mit Hilfe von Bildungsstandards. Begleitet wird diese Systemevolution durch zahlreiche Studien: TIMSS „Third International Mathematics and Science Study“, Education at a Glance und PISA „Programme for International Student Assessment“ (vgl. Cortina u.a. 2003: 20; vgl. OECD 2004: 1-27). Die zum Teil katastrophalen Ergebnisse führten unter anderem zu Forderungen, einesteils konventionelle Strukturen und Prozesse zu überdenken, anderenteils solche Strukturen wie Bundesländer und Schulformen zu vergleichen (vgl. Cortina u.a. 2003: 20-21).
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Arbeit zitieren:
Michael Liesk, 2008, Das Bildungssystem der Bundesrepublik Deutschland unter besonderer Berücksichtigung der Migration, München, GRIN Verlag GmbH
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