Inhaltsverzeichnis:
Einleitung 1
1. Soziale Diagnose nach Alice Salomon 2
1.1 Begriff Soziale Diagnose 2
1.2 Analyse und Technik der Sozialen Diagnose. 4
1.3 Funktion der Sozialen Diagnose 7
2. Soziale Diagnose heute in der Sozialen Arbeit 8
2.1 Begriff Soziale Diagnose 8
2.2 Anknüpfungspunkte an Alice Salomon 9
2.3 Funktion der Sozialen Diagnose 13
3. Fazit 14
4. Quellenverzeichnis 15
II
Einleitung
Das Thema der Sozialen Diagnose in der Sozialen Arbeit ist ein sehr aktuelles Thema. „Diagnose in der Sozialen Arbeit ist […] eine ganzheitliche Methode der Problem-, Erkenntnis-, Ressourcen- und Kompetenzerfassung, aus denen sich Lösungsstrategien ableiten lassen.“ (Weyrich 2007, S. 202) Heute werden Soziale Diagnosen in der Sozialen Arbeit einerseits gefordert und andrerseits abgelehnt als unzulässige Medizinisierung. (vgl. Schrapper 2004, S. 43)
In diesem Zusammenhang möchte ich das Thema unter dem Gesichtspunkt betrachten, was Soziale Diagnose für Alice Salomon bedeutet hat, die diese geprägt hat, und was davon heute übrig geblieben ist. Das Zitat zu Beginn stellt Alice Salomons Ansicht zur Sozialen Diagnose dar. Mein Thema lautet: Soziale Diagnose und ihre Bedeutung für Alice Salomon und ihre heutige Bedeutung für die Soziale Arbeit.
Dabei werde ich im ersten Teil meiner Arbeit auf Soziale Diagnose nach Alice Salomon eingehen. Dabei werde ich erstens den Begriff Soziale Diagnose nach Alice Salomon betrachten. Zweitens gehe ich auf ihre Analyse und Technik der Sozialen Diagnose ein. Als dritten und letzten Punkt werde ich die Funktion Sozialer Diagnose für Alice Salomon darstellen.
Im zweiten Teil meiner Arbeit wende ich mich dann der Sozialen Diagnose heute im Kontext Sozialer Arbeit zu. Dabei werde ich als ersten Punkt wieder den Begriff Soziale Diagnose klären, wie er heute verstanden wird. Zweitens gehe ich auf Anknüpfungspunkte an Alice Salomon ein. Als dritten und letzten Punkt werde ich dabei die Funktion der Sozialen Diagnose heute in der Sozialen Arbeit beschreiben.
Im dritten Teil meiner Arbeit ziehe ich mein Fazit dazu, was Soziale Diagnose für Alice Salomon bedeutet hat und was heute davon übrig geblieben ist. Zur Vereinfachung nutze ich im gesamten Text nur die männliche Form bei Personen. Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass es sich aber jeweils sowohl auf männliche als auch weibliche Personen bezieht.
1
1. Soziale Diagnose nach Alice Salomon
Alice Salomon schrieb zwei bedeutende Bücher: „Soziale Therapie“ und „Soziale Diagnose“. In dem Buch „Soziale Therapie“ geht es um Vernetzung und Lebensweltorientierung. (vgl. Kuhlmann 2004, S. 16) In ihrem Buch „Soziale Diagnose“ (1926) beschäftigte sie sich genauer mit dem Thema Soziale Diagnose und den Methoden der Sozialen Arbeit, die ihrer Meinung nach mehr an Bedeutung gewinnen sollten. (vgl. Salomon 1926, Vorwort) Das Buch stellt somit eine Einführung in die Formen individualisierter Fürsorge dar. Sie unterschied dabei „sachliche Aufgaben“, wie z. B. Vermittlung und „persönliche Aufgaben“, wie z. B. Beratung. (vgl. Kuhlmann 2004, S. 16) Zu diesem Buch wurde Alice Salomon durch den Besuch amerikanischer Wohlfahrtsschulen und durch amerikanische Lehrbücher der Wohlfahrtspflege inspiriert. Den Titel des Buches, sowie wesentliche Aspekte, hat sie von Mary Richmond übernommen. Außerdem stellt es eine Anlehnung an ein Buch von Karl Schweinitz und einem Vortrag von Porter Lee dar. (vgl. Salomon 1926, Vor-wort) Im Folgenden sind alle Begriffe, auf die ich mich im zweiten Teil meiner Arbeit beziehe, kursiv hervorgehoben.
1.1 Begriff Soziale Diagnose
Alice Salomons Begriff von Sozialer Arbeit ist immer noch aktuell. Ursachen für Notlagen sind nicht nur materieller Art und Hilfe muss daher neben Geldleistungen auch bildende Begleitung und Beratung von Klienten in Lebenskrisen enthalten. Sozialarbeiter müssen daher neben Kenntnissen auch über spezifische Fähigkeiten verfügen, wie Methoden. Methoden sind dabei solche, wie Ressourcenvermittlung, Hilfenetzwerkaufbau, stellvertretende Deutung, Vertrauensverhältnis oder Begleitung und Unterstützung. (vgl. Kuhlmann 2004, S. 14) Für Alice Salomon war eine Voraussetzung erfolgreicher Professionalisierung Sozialer Arbeit die Entwicklung spezifischer Handlungsmethoden. Dadurch wurde die teure Arbeitskraft gerechtfertigt. Die Soziale Diagnose war für sie dabei eine dieser Methoden der Sozialen Arbeit. (vgl. Kuhlmann 2004, S. 12; vgl. Salomon 1926, S. 6) Methoden waren für Alice Salomon unentbehrliche Werkzeuge. Daneben sollte die Soziale Arbeit eine emotionale Basis haben. Denn erst die kreative Handhabung dieser Werkzeuge machte für sie den Erfolg aus. (vgl. Kuhlmann 2004, S. 24) Die zentrale Perspektive ihrer Methoden ist der ganzheitliche Blick auf den Menschen. (vgl. Kuhlmann 2004, S. 16)
2
Alice Salomon hebt in ihrer Betrachtung zur Entwicklung der sozialen Fürsorge hervor, dass sich die Einsicht in die Ursachen der Not der Menschen entwickelt hat. Im Zusammenhang damit hat sich die Methode der Ermittlung der individuellen Not erweitert. Das Wort Ermittlung hatte damals das Wort Recherche abgelöst. Das Wort Ermittlung wurde zur Zeit Alice Salomons als zu eng angesehen und sie sprach sich dafür aus es durch das Wort Diagnose zu ersetzen. (vgl. Salomon 1926, S. 1) Der Begriff Soziale Diagnose enthält nach Alice Salomon bereits eine methodische Anweisung. (vgl. Salomon 1926, S. 7) Alice Salomon vergleicht die Arbeit eines Sozialarbeiters mit der eines Arztes. Es werden wesentliche Tatsachen und Symptome ermittelt und ihre Bedeutung bewertet. Das Gesamtbild ergibt sich durch das Abwägen aller Ermittlungen. Daraus wird dann ein Handlungskonzept entworfen. (vgl. Salomon 1926, S. 2) Zur Zeit Alice Salomons haben sich die Erkenntnisse aus der Jugendfürsorge auch auf andere Gebiete der Sozialen Arbeit ausgeweitet. Man hatte erkannt, dass Probleme häufig nur ein Symptom und nicht die Krankheit selbst sind. Für Heilung wurde es wichtig, die Tatsachen dahinter zu erforschen. (vgl. Salomon 1926, S. 5) Das Arbeitsgebiet der Sozialen Arbeit hatte sich erweitert, sowie die Methoden. Aus bloßer Ermittlung von Tatbeständen wirtschaftlicher oder anderer Art ent-stand die Soziale Diagnose. Diese betrachtet alle Seiten des menschlichen Lebens - wie Anlage, Entwicklung Milieu und Schicksal. So entsteht ein Gesamtbild als Ausgangspunkt für die Hilfeleistung und des Ziels von Hilfe. (vgl. Salomon 1926, S. 6) Alice Salomon verweist auf Dr. Richard Gabot aus Bosten, dem Begründer der ersten sozialen Krankenhausfürsorge. Er meinte, dass für ein Gesamtbild vier Fragen nötig wären: 1. die Frage nach dem Gesundheitszustand,
2. die Frage nach dem Charakter und dem geistig moralischen Zustand, 3. die Frage nach den äußeren Verhältnissen und 4. die Frage nach den geistig seelischen Einflüssen.
Alice Salomon meint, dass ein Arzt zu dem ersten Punkt viel sagen könnte, zu Punkt zwei etwas und zu den anderen beiden Punkten wenig. Ein Sozialarbeiter muss ihrer Meinung nach aber über alle vier Punkte Kenntnis haben. Die Soziale Arbeit ist auf den ganzen Menschen eingestellt, während Ärzte einen besonderen Blick haben. Eine Zusammenarbeit ist daher empfehlenswert. (vgl. Salomon 1926, S. 5-6) Nach Alice Salomon sind Sozialarbeiter dazu verpflichtet über Handeln zu reflektieren und dieses zu bewerten. Im Vorder-grund stehen für sie die Anwendungsmöglichkeiten bzw. die Umsetzung des richtigen
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Arbeit zitieren:
Ivonne Schröder, 2010, Soziale Diagnose und ihre Bedeutung für Alice Salomon und ihre heutige Bedeutung für die Soziale Arbeit, München, GRIN Verlag GmbH
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Einbetten
DOI
Alice Salomon und ihre Bedeutung für die soziale Arbeit
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