dem sich Diana, als Zigeunerin verkleidet, dadurch hervortut, dass sie alle ihre Anbeter, außer Gaston, mit Tüchern verwirrt und schließlich aneinander fesselt und dann geheimnisvoll verschwindet. Gaston erinnert sich daran, sie schon mal getroffen zuhaben, in einer mystischen Begebenheit, in der er sie mit einem erschossenen Reh beobachtet hat. Vor dem Schloss des Königs treffen sich Gaston, Diana und der König wieder. Aufgrund eines Liedes von Diana, in dem sie davon singt, erobert werden zu wollen, kommt dem König die Idee einer Wette. Gaston und er verfügen über sie, indem Gaston wettet, sie gegen ihren Willen erobern zu können.
Daraufhin kehrt Diana in ihren Garten bei ihrem Schloss zurück und besinnt sich durch die Verwildertheit des Gartens zurück auf ihre Jugend, die sie gemeinsam mit Leontine verbracht hat. Sie schreibt einen Brief an sie um sie wieder zu treffen. Dieser Brief ist das Schlüsselelement, das beide Handlungsstränge und die Geschichten von Leontine und Diana verbindet.
Gaston gelingt es tatsächlich, Diana zu entführen, die ihn durch ihre verkleidete Zofe zu täuschen versucht hatte, und aus ihrem Garten auf ein Floß zu bringen. Doch er landet mit ihr auf der falschen Seite des Flusses, gegenüber seines Schlosses. Sie gehen in eine verlassene Mühle. Von hier will Gaston einen Schuss abfeuern um seine Männer zu Hilfe zu rufen, doch Diana zündet die Mühle an, um Gastons Pläne so zu vereiteln. So müssen sie doch nun beide sterben.
Die Flamme symbolisiert sowohl Zerstörung als auch Läuterung und Diana versucht so eine neue Form des Lebens zu erreichen. 3 , ihr Ausweg aus dieser für sie ausweglosen Situation. Doch Gaston gelingt es, sie beide zu retten und er bringt Diana auf sein Schloss. Doch als er nun sein Ziel erreicht zu haben scheint, erschauert er plötzlich vor ihrer grausamen Schönheit und schreckt vor ihr zurück. Er lässt sie gehen, womit nun endlich die Entscheidung für Leontine gefallen ist. Diana begibt sich in ein Kloster, wo sie den Ruf von Frömmigkeit und grausamer Strenge als Oberin erwirbt.
Doch von Zeit zu Zeit wirft Gaston noch den einen oder anderen sehnsüchtigen Blick in ihre Richtung. 4
Sofort in das Blickfeld des Rezipienten gerät die Personenkonstellation der Novelle. Dabei spielen Nebencharaktere, wie zum Beispiel die Witwe Astrenant, ihr Diener Frenel und der
3 Vgl. Kunz, Josef, Eichendorff Höhepunkt und Krise der Spätromantik, unveränderter reprographischer
Nachdruck der Ausgabe Oberursel (Taunus) 1951, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 1980, S. 59
Z. 1-4.
4 Nach: Eichendorff; Joseph von, Die Entführung, in: Joseph von Eichendorff Dichter und ihre Gesellen
Erzählungen II, Schillbach, Brigitte, Schultz, Hartwig, (Hrsg.), Deutscher Klassiker Verlag, 1993.
König nur eine untergeordnete funktionale Rolle. Das Hauptaugenmerk liegt auf Gaston, Diana und Leontine.
Leontine, die ihre Erfüllung in der Liebe zu Gaston, dem geheimnisvollen, aber auch starken Mann findet. Gaston der Kriegsheld, der dennoch die Richtige noch nicht gefunden hat und zwischen zwei Frauen wählen muss, und Diana, die „loreleyhafte Frauengestalt“ 5 , die mystisch, amazonenhaft und hexengleich Gaston verzaubert, aber ihre Erfüllung erst in der Hingabe an Gott, ihren letzten Ausweg 6 , findet. Sie scheint nur zu verlieren, über ihr Schicksal wird hinweg entschieden und sie muss schließlich auf sich allein gestellt bleiben. Nun bleibt die Parallele zur Realität und Eichendorffs wahrem Leben zu ziehen. Die Figur der Novelle, die Eichendorff selbst zu repräsentieren scheint, ist Gaston. Er steht zwischen zwei Frauen 7 , möchte aber für seine Liebe alles hingeben. Vordergründig ist er fasziniert von Diana, doch an deren Liebe wird er zu Grunde gehen. Überschattet werden die Begegnungen mit Diana von Leontine, die im Hintergrund in seinem Herzen ist. 8 Er erfährt eine Wandlung durch das Überschreiten einer Grenze, die durch das Ankommen am falschen Ufer nach Dianas Entführung versinnbildlicht wird. Die Entführung selbst ist eine kriminelle Handlung, eine Grenzüberschreitung, ein Eingriff in ihr Leben und Schicksal. 9 Doch die Konsequenz dieser Grenzüberschreitung will er nicht tragen. 10 Leontine ist sein Schutz vor der verhängnisvollen Diana, zu ihr kehrt er zurück, mit ihr will er sein Leben teilen. 11 Doch er ist auch ein Kriegsheld, ein starker Mann, der Rechtschaffenheit und Ruhm repräsentiert. Dabei führt er scheinbar, in der Novelle wird es an keiner Stelle bewiesen, ein Doppelleben als Hauptmann einer Räuberbande. Dabei steht er für das Geheimnisvolle, aber auch für Verbrechen und Ungerechtigkeit von dem aber zumindest für Leontine auch eine Faszination ausgeht.
Doch nun die Parallele zum Dichter Eichendorff. Joseph von Eichendorff geboren am 10.3.1788 und gestorben am 26.11.1857 an einer Lungenentzündung 12 , steht ähnlich zwischen zwei Frauen bzw. überschattet eine bestimmte Frau alle seine Affären, Aloysia Anna Victoria
5 Kunisch, Hermann, Freiheit und Bann- Heimat und Fremde, in: Eichendorff Heute- Stimmen der Forschung
mit einer Bibliographie, Stöcklein, Paul (Hrsg.), 2. ergänzte Auflage, Wissenschaftliche Buchgesellschaft
Darmstadt, 1966, S. 147 Z. 35-36.
6 Vgl. Kunz, Josef, Eichendorff Höhepunkt und Krise der Spätromantik, unveränderter reprographischer
Nachdruck der Ausgabe Oberursel (Taunus) 1951, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 1980, S. 59
Z. 16-20.
7 Ebd. S.59 Z. 25.
8 Ebd. S. 61 Z. 10-17.
9 Ebd. S. 62 Z. 2-4.
10 Ebd. S. 62 Z. 14-20.
11 Ebd. S. 63 Z. 2-6.
12 Vgl. Schiwy, Günther, Eichendorff Der Dichter in seiner Zeit Eine Biographie, München, Verlag C. H. Beck,
2000, S. 668-688.
von Larisch, genannt Louise, geboren 1792 und am 3. 12. 1855 nach langer Krankheit gestorben 13 .
Anfangs schon ist er sehr verliebt in sie und schwört ihr die Treue, selbst wenn diese ihn krank macht. 14 Stets wartet er auf eine Antwort von ihr 15 , doch er zögert sich mit ihr zu verloben 16 , obwohl sie ihm sogar aus seiner Lebenskrise hilft. 17 Auch Eichendorffs Mutter ist gegen die Verlobung, da Louise nicht gerade aus reichen Verhältnissen stammt. 18 Die Heirat ist für Eichendorff eine folgenschwere Lebensentscheidung. Er hat Angst durch die Ehe eine Einengung seines Lebensraumes zu erfahren und seine Freiheit als Dichter zu verlieren und fragt sich ob er überhaupt wirklich für die Treue gemacht ist. 19 Doch schließlich entscheidet er sich für seine Verlobte, Louise, und nimmt sie zur Frau, um mit ihr gemeinsam doch die Liebe als Erfüllung zu empfinden. 20
Auch Gaston steht vor einer folgenschweren Lebensentscheidung. Mit Leontine gibt er auch einen großen Teil seiner Freiheit auf, die er mit der wilden Diana, die als von ihrem Vormund ausgebildete Jägerin 21 längst nicht dem hausfraulichen Ideal entspricht, das auch Eichendorff, trotz seiner Faszination für die venusgleichen, verführenden Frauen, für sich besitzt, 22 vielleicht eher gehabt hätte. Obwohl er sich für Leontine entschieden hat, wie Eichendorff sich für seine Louise entschied, blickt er oft noch mit Wehmut zu ihrem Kloster hinüber. Wehmütig handeln Eichendorffs literarische Werke immer wieder, bis hin zu seinen letzten Erzählungen, von verführerischen mystischen Frauen. 23
Doch die zweite wichtige Parallele zur Novellenfigur Gaston weist Eichendorff in seiner schon frühen Faszination für den Kriegsdienst auf. Er bedeutet für ihn die Ergebung in den Willen Gottes, Beharrlichkeit und Geduld 24 und er „brennt darauf, sich in einer Schlacht auszuzeichnen“ 25 Doch leider muss er die Enttäuschung erfahren niemals die Gelegenheit zu erhalten, sich als Kriegsheld auszeichnen zu lassen. Zum einen erhält der Lützowische Freikorps, dessen Mitglied er ist, keine Teilnahme an der Schlacht in Bautzen am 20./21. Mai
13 Ebd. S. 668-688.
14 Ebd. S. 276 Z. 27,28.
15 Ebd. S. 287 Z. 22.
16 Ebd. S. 296 Z. 8-10.
17 Ebd. S. 296 Z. 14-16.
18 Ebd. S. 298 Z. 30,31.
19 Ebd. S. 355 Z. 35- S. 336 Z. 6.
20 Ebd. S. 311 Z. 25-27.
21 Vgl. Kunz, Josef, Eichendorff Höhepunkt und Krise der Spätromantik, unveränderter reprographischer
Nachdruck der Ausgabe Oberursel (Taunus) 1951, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 1980, S. 46
Z. 18-21.
22 Vgl. Schiwy, Günther, Eichendorff Der Dichter in seiner Zeit Eine Biographie, München, Verlag C. H. Beck,
2000, S. 308 Z. 6-8.
23 Ebd. S. 542 Z. 1-4.
24 Ebd. S. 339 Z. 1-5.
25 Ebd. S. 341 Z. 10,11.
Arbeit zitieren:
Magistra Artium Frauke Itzerott, 2005, Eichendorff und die Frauen, München, GRIN Verlag GmbH
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