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I. Leonardo da Vinci - Nur ein Phantombild? Leonardo da Vinci gilt als einer der bekanntesten und wohl auch berühmtesten Künstler der europäischen Geschichte. Wer ist also dieser Mann, dessen Werke so viele Rätsel beherbergen und von dessen Gestalt wir kaum ein Bild im Kopf haben? Da Vinci verstand nämlich das Spiel mit den Rätseln nahezu perfekt und war der „Schönheit des Verrätselten“ verfallen.
In dieser Ausarbeitung werde ich näher auf die Rätsel der wissenschaftlichen Sprache Leonardos in der Forschung eingehen und versuchen, ein klareres Bild eines großen Meisters zu erstellen. II. 1. Das Leben eines Künstlers
Im Jahre 1452 wird Leonardo in Vinci geboren. Nur siebzehn Jahre später arbeitet Leonardo wahrscheinlich schon in der Werkstatt seines Lehrmeisters Andrea del Verrocchio, der einer der bedeutendsten Bildhauer im damaligen Florenz war. Florenz wird zu dieser Zeit durch die Förderung Lorenzo I. de‘ Medicis der schönen Künste und der Philosophie das geistige Zentrum Italiens. Die ersten Gemälde, die ursprünglich Aufträge an Verrocchio waren, entstehen 1474. Zwei Jahre später zeichnet da Vinci, der noch immer in Verrocchios Werkstatt arbeitet, seine ersten technischen Pläne und experimentiert mit optischen Geräten. 1485 ereilt Mailand die Pestepidemie und Leonardo, der zu dieser Zeit in Mailand verweilt, entwirft Pläne für eine hygienische Idealstadt und erhält nun auch Aufträge außerhalb Italiens. Da Vinci sucht sich nun auch einen Gehilfen für seine Werkstatt. Gian Giacomo Caprotti di Orneo, ein zehnjähriger Junge, übernimmt diese Rolle und begleitet Leonardo bis zu seinem Tod. Zu
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Beginn von 1501 widmet sich Leonardo kurz den Studien und nimmt ein Studium der Kunst der Antike in Rom auf. Kurze Zeit später, zurück in Florenz, legt er sein Hauptaugenmerk auf geometrische und mathematische Studien. 1512 intensiviert da Vinci seine Studien über die Anatomie und des Wassers, des Weiteren verfasst er Theorien über Geologie, Kosmologie und der Entstehung der Erde. So erklärt Leonardo zum Beispiel, dass das Mondlicht die Reflexion der Sonnenstrahlung ist. 1514 nimmt sein wohl bekanntestes Werk, die Mona Lisa, Konturen an und findet im Zeitraum von 1517 bis 1519 seine Vollendung. In dieser Zeit erleidet Leonardo da Vinci einen Schlaganfall und ist infolge dessen auf der rechten Körperseite gelähmt.
Am zweiten Mai 1519 stirbt Leonardo in Amboise. 1
2. Leonardos wissenschaftliche Schriften
Im Laufe der Jahrhunderte sind viele Manuskripte spurlos verschwunden. Die noch erhaltenen Aufzeichnungen verteilen sich auf mehrere Bibliotheken in Italien, Frankreich, England und Spanien. Die Schwierigkeit einer chronologischen Klassifikation der Aufzeichnungen liegt darin, dass viele Daten unsicher sind und, dass Leonardo oftmals in ein und dasselbe Manuskript und sogar auf dieselbe Seite zu unterschiedlichen Zeiten geschrieben hat. Leonardos Schriften beziehungsweise Aufzeichnungen können in zwei Gruppen aufgeteilt werden. Zum einen gibt es die Hefte, die gut geschrieben und gekennzeichnet sind, des Weiteren eine einheitliche Thematik enthalten, sich wahrscheinlich an den Leser wenden oder sogar fast bis zur Endfassung ausgearbeitet sind. Die ursprüngliche Absicht hierbei schien eine geschlossene Abhandlung gewesen zu sein.
1 S.Klein(2009):DaVincisVermächtnisoderWieLeonardodieWeltneuerfand.Frankfurta.
Main,S.263f.
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Die zweite Gruppe sind Büchlein mit flüchtigen Anmerkungen. Hierbei wurden die Seiten in unregelmäßig datierten Abständen mit Notizen versehen, wo auch immer gerade Platz für solch eine war. Diese Art von Manuskripten können auch als Kladden oder Schmierhefte bezeichnet werden. Doch hat Leonardo da Vinci auch Seiten anderer kopiert und wortwörtlich oder in Zusammenfassung aus Büchern anderer abgeschrieben. Jedoch tat er dies nicht, um die Ergebnisse als seine eigenen zu präsentieren, sondern um zu lernen und sich weiterzubilden. Die Schreibweisen Leonardos variieren auch und die
Unterschiedlichkeit reicht von geordnet, einheitlich und elegant bis zu hastig und hingekritzelt, wobei er je nach Thema und Anlass begann, an verschiedenen Stellen etwas zu notieren oder zu zeichnen und zwischen diesen Aufzeichnungen blieben oft leere weiße Seiten, die mit der Zeit immer weniger wurden.
Obwohl es den Anschein hat, dass bei einem willkürlichen Aufschlagen eines Buches Leonardos jegliche rationale Ordnung nicht vorhanden sei, wird einem der Eindruck vermittelt, dass Leonardo im ersten Teil des Manuskripts im Sinne der jetzigen Nummerierung vorging. Dem Überblick über die literarischen Hinterlassenschaften muss hinzugefügt werden, dass das Lesen und entziffern seiner Schriften mühsam sein und große Schwierigkeiten bereiten kann sowie auch enttäuschend. Die geplanten Traktate Leonardos wurden oft nur als flüchtige Notizen niedergeschrieben, die meistens nur wenige Zeilen füllten. Es ist darüber hinaus aber auch hinzuzufügen, dass die mehrheitlichen Notizen, die abwechselnd eigene Gedanken oder Abschriften aus Seiten anderer Bücher waren, nicht für den Leser bestimmt waren, sondern Leonardo als Gedächtnisstütze dienen sollten. Des Weiteren verfasste da Vinci viele seiner Notizen in Spiegelschrift, was ein Zeichen seiner ausgeprägten Linkshändigkeit ist und nicht, wie oft vermutet, als Geheimschrift dient.
Arbeit zitieren:
Franka Röder, 2010, Die wissenschaftliche Sprache Leonardo da Vincis, München, GRIN Verlag GmbH
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