Globalisierung im Jahr 2010 - 2 -
Wasbedeutet Globalisierung für ein Unternehmen, welche Faktoren innerhalb der Wertschöpfungskette werden beeinflusst und welche Unternehmenskonzepte gibt es? Es erfolgt eine kurze Einführung. Verschiedene Internationalisierungsformen, sowie mögliche Eintrittsstrategien werden theoretisch erörtert. Chancen und Risiken des „going international“ und der Zusammenhang zwischen Theorie und Konzeption zur Entwicklung einer Internationalisierungsstrategie folgen. Anschließend wird das Weltmarktumfeld beleuchtet. Es werden die aktuellen globalen Trends und Rahmenbedingungen dargestellt, z.B. ökologisch (Ressourcen, Klimawandel), demographisch (Bevölkerungsentwicklung, Lebenserwartung, Demographie), soziokulturell (Generationswandel, Verbraucherverhalten), sowie wirtschaftlich (Kenngrößen Weltwirtschaft) und marktpolitisch (Handelsrestriktionen). Nachdem jeweils der Bezug des globalen Umfeldes und der Auswirkungen auf die Automobilindustrie hergestellt wurde, zeigt der sogenannte KOF © Index den aktuellen Entwicklungsstand der Globalisierung auf. Es sind viele Abbildungen eingearbeitet. Zusammen mit den Quellenangaben können diese als Überblick zum aktuellen Stand in 2010 dienen. Für weiteren, noch tiefergehenden Informationsbedarf sei auf die Quellenangaben mit der dazugehörigen Internetadresse im Quellenverzeichnis verwiesen.
Markus Woldrich
Dipl.-Ing.(FH), Dipl.-Wirt.Ing.(FH)
Ditzingen, 26.02.2010
Globalisierung im Jahr 2010
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Globalisierung im Jahr 2010
Grundlagen Internationalisierung und Weltmarktumfeld
Inhaltsverzeichnis :
1. Theoretische Grundlagen zur Internationalisierung 7
1.1. Internationalisierungsstrategie Begriffsbestimmung 7
1.2. Unternehmungskonzepte 10
1.3. Formen und Timing des Markteintritts auf internationalen Märkten 17
1.4. Chancen und Risiken der Internationalisierung 19
1.5. Zusammenhang zwischen Theorien und Konzepten zur Entwicklung einer
Internationalisierungsstrategie 20
2. Weltmarktsituation 2010 im Rahmen der Internationalisierung 24
2.1. Ökologische Herausforderungen 26
2.2. Demographie und soziokulturelle Entwicklungen 45
2.3. Wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen 63
2.4. Exkurs: Globalisierung - Where we are - 76
Globalisierung im Jahr 2010 - 4 -
Abbildungsverzeichnis:
[1] Zusammenhang der betrieblichen Stärken/Schwächen sowie der Umweltanalyse und den Theorien der Internationalisierung…………….…........11 [2] Der Prozeß der strategischen Unternehmensführung……………….…..…….…12 [3] Grundtypen von Internationalisierungsstrategien…………………….………...…14 [4] Die Wertschöpfungskette nach M. Porter………………………………...…….….16 [5] Varianten von Internationalisierungsstrategien…..………..…………….…..…....17 [6] Internationalisierungsstadien …..…………………………..……………….………18 [7] Branchen- und Rahmenbedingungen nach Porter….…………………...…..…...20 [8] Differenzierte Lückenanalyse .…..…………….……………………………………21 [9] Länderauswahl nach ORI Index Kriterien ……………………..……………….…22 [10] Herausforderungen und Megatrends der marktorientierten Unternehmensführung.………………………………………………………………24 [11] Übersicht über die weltweite Ölförderung .……….……………………………….27 [12] Statische Reichweite von Erdöl zwischen 1945 und 2008 ………….………..…28 [13] Proved oil reserves: BP Statistical Review of World Energy 06/2009……….....28 [14] Annahmen GDP Wachstum und Ölpreis ……….........…….……………………..29 [15] Weltweiter Ölverbrauch bis 2008-2014 ……………………………………………29 [16] Verbrauch von Mineralöl 2007 der zehn wichtigsten Länder, sowie Verteilung.30 [17] Annahmen zum durchschnittlichen Ölverbrauchszuwachs nach Regionen …..31 [18] Konventionelles Erdöl. Länder mit Reserven > 1 Gt ……...…………....………..31 [19/20] Regionale Verteilung des Gesamtpotenzials Erdöl 2007…...………………...32 [21] Regionale Übersicht über steigenden Energiehandel bis 2014…......................34 [22] Entwicklung des PEV weltweit nach BP bis 2008 und Prognose der IEA bis 2030 …...………………………………………………….……..….......34 [23] BP Sustainable Review 2008, Is BP really doing enough to address
climate change? ................................................................................................35 [24] Future Biofuels Anstieg .......................................................................…....…...36 [25] CO 2 Emissions by regions ....................………………..........................…....…..36 [26] CO 2 Emission/person 1999 ..........................................…………….……………37
Globalisierung im Jahr 2010 - 5 -
[27]WRI, 2003. Carbon Emission from Energy Use a. Cement
Manufacturing, 1850 to 2000 .............................................................................38 [28] Globale CO 2 Emissionen pro Jahr [%] ………..……..........................................38 [29] Bisherige Anomalien Klima hergeleitet aus Table´s: Earth Trends ……….……39 [30] Auswirkungen Klimawandel …………...……………………………………………40
[31] Outlook: Zuwachs by region 2007 to 2030 ……......…………….....................…41 [32] Zielsetzung EU CO 2 Emissionen …………………………………………….….....41
[33] CO 2 Emissions from fuel combustions and Kyoto targets ................................42 [34] Historische Entwicklung der nominalen Rohölpreises von 1970 bis 2008 und Abschätzung bis 2030 …………………………….…………………………...43 [35] CO 2 Gesetzgebung EU ..……………………………………...……….…………...44 [36] NOx Reduktion EU ……………….………………….…………………….……….45 [37] Globale Bevölkerungsentwicklung bis 2030 ………………………………….…..46 [38] Einkommen und Armut 2005 ………………………………………………………47 [39] Zu-/Abnahme EU27- Bevölkerung nach Region bis 2030 …………..…………..50 [40] Top10 Regionen - höchstes/niedrigstes Durchschnittsalter 2030/2008 ……….51 [41] Altenquotient 2030 ………………………..…………………………………………52 [42] Bevölkerung Deutschland……………………………….…………………………..53 [43] Altersaufbau 2008/2030 ………..………………………………………………..….54 [44] Bevölkerungsstruktur …………………………..……………………………………54 [45] Altenquotient/Renteneintritt …………..…………………………………………….55 [46] Lebenserwartung Deutschland …………………………………..………………...55 [47] Zunahme der Bevölkerung in Stadt (urban)/ Abnahme in Land (rural) ………..56 [48] Verstädterung der Weltbevölkerung .………………………………………………57 [49] Citizenship: Young people 15-29 year 2007 ……………………………….……..58 [50] Zunahme höhere Schulbildung 2007 ….…………….………………………….…58 [51] Internetnutzung DE ………..………………………………………………………...59 [52] E-Commerce DE …..………………………………………………………………...59 [53] Internet Nutzung in der EU ……...……………………..…………………………...60 [54] Zunahme Dienstleistungen DE ……………..……………………………………...60 [55] Art des Internetkonsums .…………………………………………………….….….61
Globalisierung im Jahr 2010 - 6 -
[56]BIP Deutschland ………..………………………………………….…………….…..63
[57] GDP world ....................………………………………...........…...................…….64 [58] Größte Exportnationen im Welthandel Ausfuhr in Mrd. US Dollar .................…64 [59] Economic growth by region 1960-2008 .............................................................65 [60] A modest recovey: real GDP growth, percentage change from
previous year .....................................................................................................66 [61] Arbeitslosenrate Veränderung letztes Jahr ……………………………………….66 [62] Arbeitslosenrate bis 2011 ……….………………….……………………………….67 [63] Veränderung EU Konsums bis 2009 ………………….........……………………..68 [64] Inflationsrate Länder ……………..………………………………………………….68 [65] Defizit Haushalte …..…………………………………………………………….…..69 [66] Inflationsgefahr und Staatsschulden ……………..…………………………….….69 [67] Dollar Index und Dollar zu anderen Währungen ……………………………….67 [68] Foreign direct investment …………..……………………………………………....67 [69] Zuwachs Geldfluß mit Verteilung ……….………….……………………………....69 [70] Zuwachs terms of trade ……………………………………………………………..72 [71] %-tuale globale Autoproduktion 2008 ……………...………………………….…..72 [72] Globaler Autoabsatz 2008 …………………….…………………………………..…73 [73] Kundenwünsche je Autotyp …..………………………………………………….…74 [74] Auslandsproduktion deutscher PKW ……....……………………………………...75 [75] Zollsätze PKW asiatischer Länder …………………………………………………75 [76] KOF Index bis 2007 ……..………………………………………………….……….77 [77] Länderranking 1-15 ……….…………….……………………………………..…….77 [78] OECD / non OECD Länder …………………………………………………………78
Globalisierung im Jahr 2010 - 7 -
1.Theoretische Grundlagen zur Internationalisierung
Wurde vor 15 Jahren noch diskutiert, ob sich Unternehmen international aufstellen müssen oder ob sie alleine in nationalen Binnenmärkten überleben können, so ist internationales Handeln im Zuge der Globalisierung zwischenzeitlich zu einer Voraussetzung für den lang anhaltenden Erfolg geworden. Nach dem Crash 2009 muss sich ein Unternehmen hinsichtlich knapper Ressourcen, Kreditklemmen für Investitionen und Nachwirken der Wirtschaftskrise hierzulande schon die Fragen stellen, in welche Länder mit welchen Auslandsaktivitäten und mit welcher Geschwindigkeit es nötig ist, international präsent zu sein. Einerseits gilt es dabei, den nachhaltigen Erfolg zu sichern, Andererseits aber auch das finanzielle Überleben zu sichern.
Nach einigen theoretischen Überlegungen zur Internationalisierung werden anhand einer aktuellen Analyse zu globalen Trends, Zukunftsmärkten, Weltbevölkerung sowie demographischer Entwicklungen aufgezeigt, wie sich die Rahmenbedingungen weltweit in den nächsten Jahren verändern werden. Auszugsweise werden die sich daraus ergebenden Herausforderungen für die Automobilindustrie dargestellt.
1.1. Begriffsbestimmung Internationalisierung.
Was bedeutet der Begriff Internationalisierung, die Strategie oder internationales Marketing für ein Unternehmen? 1 „…Internationalisierung ist ein Phänomen, daszumindest konzeptionell - das Unternehmen als Ganzes umfasst. Eine ausschließlich funktionsbereichsspezifische Betrachtung der länderübergreifenden Aktionsfeldausdehnung erscheint daher nicht angebracht.“ Es werden nicht nur Bereiche wie Absatz und Produktion international, sondern auch andere betriebliche Teilbereiche, wie z.B. Finanzierung, Beschaffung, Marketing oder Forschung und Entwicklung 2 . Internationalisierung kann also verstanden werden, als die länderübergreifende Ausdehnung sämtlicher unternehmerischer Aktivitäten. Eine Internationalisierungsstrategie ist folglich die Entwicklung einer grundsätzlichen, länderübergreifenden Handlungskonzeption, die auf Wettbewerbsvorteilen aufbaut, die für die Auslandsaktivitäten des Unternehmens notwendig oder nützlich sind. Sie kann damit als letzte Stufe einer regionalen Diversifikation betrieblicher Funktionen
1 vgl. Perlitz, M., Internationales Management, S. 9 ff, 3. Auflage
2 vgl. Porter, M.E., Globaler Wettbewerb, S22ff, Wiesbaden, 1989
Globalisierung im Jahr 2010 - 8 -
verstandenwerden. 3 Aus Unternehmen mit Auslandsgesellschaften mit klar definierten nationalen Standortschwerpunkten werden multinationale, bzw. internationale Unternehmen, deren Länderschwerpunkt nicht mehr klar zu erkennen ist.
Die betriebswirtschaftlichen Gründe für ein verstärktes Engagement im Ausland und die Internationalisierungsentwicklung sind vielschichtig. Laut eines Erfahrungsberichtes von T. Labonte, vormals VW Manager Local content Asia pacific haben Investitionen im Ausland nach Rangfolgen eingeteilt folgende unveränderte Beweggründe: 4
Betrachtet man diese Beweggründe unter dem aktuellen Fokus, so muss auch noch der kostengünstige Entwicklungsstandort ergänzt werden, der im Rahmen der komperativen Kostenvorteile ebenfalls immer mehr in den Mittelpunkt rückt. Generell sind die Gründe für die Internationalisierung in produktions- und beschaffungs-, wie auch in absatzbedingten Faktoren zu suchen.
Beispiele für produktions- und beschaffungsbedingte Faktoren 5 :
- Nutzen der Kostenvorteile durch Degressionseffekte (economies of scale), Kostenerfahrungskurve und regionale staatl. Begünstigungen (Subventionen und Steuerersparnisse)
- Sinkende Kosten für Kommunikation und Informationstechnologie
- Umgehen von Importrestriktionen und Öffnung des Marktes durch Produktion im Abnehmerland
z.B Local-content Richtlinien erfordern die Produktion im Abnehmerland
- Günstigere Rahmenbedingungen im Abnehmerland
z.B. Ausnutzen des günstigeren Mitarbeiterpotenzials in „Billiglohnländern“
3 vgl. Schneck, O., Lexikon der Betriebswirtschaft, s. 464, 7.Auflage Muenchen 2007
4 vgl. Labonte, T., Engagement der Automobilzulieferer in der Volksrepublik China am Beispiel der Volkswagen AG, S. 7 ff, Euroforum Konferenz: Automobilindustrie im Ausland 97
5 vgl. Praxis des internationalen Marketings, Schurawitzki, W., Seite 43 Vgl. auch: Internationales Marketing-Management, Berndt, Altobelli, Sander Seite 7 ff, 2005
Globalisierung im Jahr 2010 - 9 -
z.B.Umgehung von Kaufkraft- und Wechselkursverschiebungen z.B. Nutzung des Know-Hows im Gastland, sei es im Produktions-, Verfahrens-, oder Entwicklungsbereich und Bildung von Wettbe-werbsvorteilen
Beispiele für absatzbedingte Faktoren 5 :
- Beseitigung und Abbau der tarifären und nicht tarifären Handelshemmnisse im Güter und Dienstleistungsaustausch; aktuelle Entwicklungen zeigen
„…protektionistische Tendenzen in einer wachsenden Anzahl von Staaten.“ 6 Viele neue Staaten stoßen zu den bisherigen TRIADE Märkten neu hinzu; hier entstehen derzeit neue Handelsrestriktionen und -vorschriften
- Vergrößerung des Marktpotentials durch Öffnung neuer Märkte durch politische Veränderungen
- Wirtschaftsregionen und gemeinsame Märkte ermöglichen freieren Handel, z.B. Euro-Zone, Mercosur (Brasilien, Argentinien, Uruguay, Paraguay, Chile, Bolivien), NAFTA (Kanada, USA, Mexiko), ASEAN Staaten (China, Thailand, Indonesien, Malaysia, Philippinen, Burma, Vietnam,..) mit AFTA (Asean free trade area),
- Sättigung der Inlandsmärkte und stagnierende Binnennachfrage Beispiel Automobilindustrie:“ …Mit inzwischen über 2.000 Produktionsstätten im Ausland und einer Exportquote bei Personenkraftwagen von über 75 Prozent sind Automobilhersteller und Zulieferer auf offene Märkte angewiesen) 7
- Wirtschaftswachstum in ehemaligen Schwellenländern erfordern Neuorientierung der Absatzmärkte z.B: BRIC Staaten 8
- Nutzung der technologischen Lücke im Abnehmerland zur eigenen Umsatzsteigerung
- Mithalten mit Konkurrenten und Sicherung der Kundenbeziehung vor Ort
Die erfolgreiche Entwicklung einer Internationalisierungsstrategie ist für das globale Unternehmen eine lebenswichtige Aufgabe. Bevor die unterschiedlichen Internatio-
6 vgl.VDA Jahresbericht 2009, Seite 16: Rahmenbedingungen, Protektionismus vermeiden vgl. auch Doha-Runde: in 2001 bei der 4. WTO-Ministerkonf. Beschluss einer „Entwicklungsagenda“ beschlossen, bei der u.a. Zölle und andere Handelshemmnisse abgebaut werden
7 vgl. VDA Jahresbericht 2009
8 Die Abkürzung BRIC steht für die Anfangsbuchstaben der vier Staaten: Brasilien, Russland, Indien und China. Sie wurde vom Goldman Sachs-Chefvolkswirt Jim O'Neill im Jahre 2003 geprägt. (www.Wikipedia.de)
Globalisierung im Jahr 2010 - 10 -
nalisierungsstufenerläutert werden, noch eine kurze Darstellung der möglichen Internationalisierungskonzepte der Unternehmen.
1.2. Unternehmenskonzepte:
In der Literatur finden sich verschiedene Theorien zur Internationalisierung, die erklären, wie die Auslandsaktivitäten von Unternehmen zustande kommen (Beispiele: Internationale Produktlebenszyklus-Theorie in Bezug auf die Absatzsituation, Theorie der komperativen Kosten bei der Produktion und die Theorie der technologischen Lücke in Bezug auf Innovationen und technologischer Wettbe-werbsvorteile). Die Theorien können bei der Suche nach Erklärungsvariablen für die jeweilige betriebliche Stärken/Schwächen Analyse und der Umweltanalyse behilflich sein. 9
Aus den ermittelten Informationen der Analysen legt das Management die generellen Ziele und Werte, also die internationale Unternehmenspolitik, bzw. -strategie fest.
Abbildung 1:
Zusammenhang der betrieblichen Stärken/Schwächen sowie der Umweltanalyse und den Theorien der Internationalisierung (vgl. Perlitz, M.).
9 vgl. Perlitz, M., Internationales Management, S. 137 ff Abb. 36, Zusammenhang der betrieblichen Stärken/Schwächen sowie der Umweltanalyse und den Theorien der Internationalisierung.
Globalisierung im Jahr 2010 - 12 -
NachfolgendeAbbildung zeigt den Zusammenhang der Umwelt und Unternehmensanalyse in Zusammenhang mit der Unternehmensstrategie. Dargestellt wird ein Teil des Planungsprozesses der strategischen Unternehmensführung von der Vision bis zur Entscheidungsfindung für eine strategische Variante 10 .
Abbildung 2: Der Prozeß der strategischen Unternehmensführung
Im Rahmen der Entscheidungsfindung und Entwicklung einer Internationalisierungsstrategie muss konkret über das Ausmaß von Wertschöpfungsaktivitäten, der Standortwahl und globale Eintrittsstrategien entschieden werden. Die Konzepte von Perlmutter (EPRG-Modell), Ohmae (Triade-Modell) und das Globalisierungsmodell von Porter (betriebl. Teilbereiche) bieten je nach Fragestellung innerhalb der
10 Koller, H.-P., Dr., Strategische Unternehmensführung I: Grundlagen, S. 48, Abbildung 17, Betriebswirtschaftslehre III, Akad- Lektion 1
Globalisierung im Jahr 2010 - 13 -
Strategieentwicklungeinen Orientierungsrahmen zur Entscheidungsfindung im internationalen Marketing.
Das EPRG-Modell 11 von Perlmutter befasst sich mit den 4 Stadien internationalen Marketings und der Einstellung des Managements zur Internationalisierung von
Unternehmensaktivitäten.
Dabei lassen sich folgende 4 Stufen von Unternehmen unterscheiden 12 :
Stufe 1 ethnozentrische Unternehmung (Heimatland-orientiert):
Absatzschwerpunkt im Heimatmarkt
Exporttätigkeiten bestimmen die Auslandsumfänge Steuerung der Auslandsaktivitäen weitgehend aus dem Heimatland
Besetzung von Schlüsselpositionen in ausländischen Tochtergesellschaften aus dem Stammland
Stufe 2 polyzentrische Unternehmung (Gastland-orientiert):
differenziert nach den Besonderheiten ausländischer Märkte Management im Gastland wird mit ausl. Mitarbeitern besetzt
wenig Einflussnahme bei Entscheidungen vom Stammland
Stufe 3 regiozentrische Unternehmung (Regionenorientiert):
ähnlich zu polyzentrisch, aber
Managementpersonal wird aus Ländern der gleichen Region besetzt
Stufe 4 geozentrische Unternehmung (Welt-orientiert):
weltweit komplexe Unternehmens- und Marketingstruktur internationales Management auf der Basis einheitlicher Ziele und Strategien
Stammhaus und ausländische Tochtergesellschaft als weltweite Einheit (Weltunternehmen)
Synergieeffekte über Ländergrenzen hinweg in Basisfragen zentral-orientierte straffe Führung
11 vgl. Becker, J., Grundlagen der Marketing Konzeption, München 1983, S.170 ff. vgl. Perlitz, M., Internationales Management, S.140 ff., 1997, 3.Auflage
12 Diller, H., Vahlens großes Marketing Lexikon, S. 476, Abbildung: Grundtypen von Internationalisierungsstrategien
Globalisierung im Jahr 2010 - 14 -
Abbildung3: Grundtypen von Internationalisierungsstrategien
Perlmutter untersucht den Einfluß der unterschiedlichen Konzepte auf das Unternehmen, z.B. in Hinsicht auf Entscheidungsabläufe, Kommunikation, Führungskraftstruktur, usw. Es können daraus Einflußgrößen abgeleitet werden, die im Rahmen der Fragestellungen und Integration der internationalen Unternehmensstrategie benötigt werden.
Beispiele: 13
- die Einbindung und organisatorische Ausrichtung von Abteilungen
- Entscheidungsbefugnisse bei der Muttergesellschaft im Stammland bzw. den Tochtergesellschaften „vor Ort",
- Konzepte zur Koordination der Aktivitäten
- Prozessgestaltung im internationalen Unternehmen
13 vgl. Internationales Marketing-Management, Berndt, Altobelli, Sander Seite 10 ff, 2005
Globalisierung im Jahr 2010 - 15 -
DasTriade-Modell von Ohmae, 14 betrachtet die geopolitischen Märkte und formuliert sein Konzept aufgrund der Globalisierung der Produkte und Märkte sowie des schnellen technischen Fortschritts in Form von sog. Triade Unternehmen, die die multinationalen Unternehmen ablösen werden. Innerhalb der Triade-Regionen (Nordamerika: ca.260 Mio. Kunden, Europa: ca. 320 Mio. Kunden, Japan: 120 Mio. Kunden) wird ein Unternehmen, aufgrund des homogenen Marktes, als lokal und als „Insider“ betrachtet. Im Zuge der immer weiter voranschreitenden Globalisierung und um die aktuelle Entwicklung mit neuen Marktchancen (BRIC Staaten, Verlagerung nach Asien, Entwicklung der Schwellenländer) nicht zu ignorieren, müsste die Triade heute allerdings neu definiert werden („TETREADE“).
Neuordnung der Triade:
Nordamerika = NAFTA (USA, Kanada, Mexiko), Westeuropa Europäischer Binnenmarkt, Japan Japan+ASEAN+Tiger-Staaten, bzw. BRIC-Staaten
Ein Unternehmen muss bei der Konzeptfindung die neue Triade berücksichtigen und kann dann entsprechend Entscheidungen zu Schwerpunktgebieten treffen, wie kapitalintensive Produktion, dynamische Entwicklung neuer Technologien oder Homogenisierung der Nachfrage.
Zur Unternehmensorganisation sieht Ohmae den Perlmutterkonzepten sehr ähnliche Strukturen, wie die drei Modelle: multinational (-> ethnozentrisch), multilokal (polyzentrisch) und multiregional (geozentrisch) tätige Unternehmen. Für ein von ihm interpretiertes TRIADE Unternehmen ist in erster Linie eine multiregionale Organisationsstruktur empfehlenswert.
Eine Hilfestellung für die Optimierung der betrieblichen Aktivitäten, im Rahmen der Konzeptfestlegung gibt Porter 15 durch sein Globalisierungsmodell. Nach Porter, der das Unternehmen in eine Wertkette zerlegt, muss unter Berücksichtigung der ent- 14 Vgl.Ohmae, K. Die Macht der Triade, S1 ff und S 69 ff, Wiesbaden, 1985
15 vgl. Koller, H.-P., Dr., Strategische Unternehmensführung II: Strategische Planungsinstrumente, S. 48 ff., Betriebswirtschaftslehre III, zitiert Porter, M.E., Frankfurt 1986, S.91 Vgl. Backhaus, K. Industriegütermarketing, Abb. C41, S. 165 vgl. Schneck, O., Lexikon der Betriebswirtschaft, s. 1002, 7.Auflage Muenchen 2007
Globalisierung im Jahr 2010 - 16 -
sprechendenLänderorientierung eine Optimierung der entsprechenden Aktivitäten weltweit erfolgen.
Im Rahmen seines Ansatzes unterscheidet Porter zwischen unterstützenden und Primäraktivitäten. Primäraktivitäten sind interne und externe Logistik, Produktion, Marketing und Verkauf sowie Kundendienst. Die unterstützenden Aktivitäten umfassen die Funktionen Beschaffung, technologische Entwicklung, Personalmanagement und die Infrastruktur des Unternehmens. Für die Entwicklung einer Internationalisierungsstrategie muß das Management eines global operierenden Unternehmens jetzt entscheiden, wie die verschiedenen Aktivitäten der Wertkette auf die unterschiedlichen Länder verteilt werden sollen. Nach der Theorie von Porter sollen die nachgelagerten, also stärker auf den Kunden bezogenen Unternehmensfunktionen (z.B. Teile der externen Logistik, Marketing, Verkauf und Kundendienst) geographisch nahe dem Kunden angesiedelt werden (länderspezifische Wettbewerbsvorteile). Vorgelagerte, sowie unterstützende Aktivitäten (interne Logistik, operative Funktionen) können, nach Porter unabhängig vom Kundenstandort sein. Durch die Aufteilung der Aktivitäten in primäre und unterstützende Aktivitäten kann es in globalen Branchen zu einer internationalen Verteilung dieser Aktivitäten (z.B. Outsourcing, lokale Produktion, lokale Logistik,
Globalisierung im Jahr 2010 - 17 -
usw.)kommen. Die Hauptunterscheidungsmerkmale zwischen globalen oder länderspezifischen Strategien sieht Porter dabei in der Konfiguration und Koordination der Unternehmensaktivitäten. 16 Es können vier Internationalisierungsstrategien unterschieden werden (Abbildung 5).
Bei der einfachen Globalstrategie stehen dann entsprechend der geographischen, wie wettbewerbsspezifischen Betrachtung die Kostenführerschaft, globale Differenzierung oder Segmentierung sowie die länderspezifischen Strategien zur Verfügung, z.B. spez. Länderanpassung und Anpassung an geschützte Märkte.
Hoch
Koordination
der Aktivitäten
niedrig
Wie sich diese Theorie z.B. auf die Automobil- und Zulieferindustrie anwenden lässt, wird zu einem späteren Zeitpunkt aufgezeigt werden. Im Folgenden soll dargestellt werden, welche generellen, alternativen Auslandsaktivitäten Unternehmen zur Verfügung stehen.
1.3. Formen und Timing des Markteintritts auf internationalen Märkten: Internationalisierungsaktivitäten sind sehr stark abhängig von der Branche und der Art des Unternehmens (Klein-, mittelständisches-, Großunternehmen). Das mögliche einzubringende Kapital-, sowie der Managementeinsatz ist für ein Unternehmen nur begrenzt vorhanden und muß sowohl im Heimatland als auch im Gastland aufrechterhalten werden. Deshalb muss sich gerade ein Klein- oder mittel-
16 vgl. Porter, M. E. in Perlitz, M., Seite 154 ff
Arbeit zitieren:
Markus Woldrich, 2010, Globalisierung im Jahr 2010, München, GRIN Verlag GmbH
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