Automobilzulieferindustrie im Ausland 2010 - 2 -
Abstract
Wie teilt sich die Automobilindustrie ein? Zulieferer und Hersteller der Automobilindustrie werden erläutert. Nach kurzem Eingehen auf die Wirtschaftskrise wird der Strukturwandel und die notwendigen Veränderungen in der globalen Wertschöpfungskette in dieser Branche dargestellt. Welche Lieferantenstrukturen gibt es in der Zuliefererkette und welche Erfolgsfaktoren müssen erfüllt werden - ein weiterer Schwerpunkt. Standardfaktoren, die heute von allen Lieferanten erfüllt werden müssen und kritische Erfolgsfaktoren, die zu einer strategischen Erfolgsposition (SEP) führen können, werden dargestellt. Es folgt eine Anleitung zu einer Bestandsaufnahme (Mikro-Analyse) des aktuellen Internationalisierungsstatus, Stärken/Schwächen Analyse sowie die Möglichkeiten zur Herausarbeitung priorisierter Handlungsbedarfe für ein automobiles Zulieferunternehmen. Nach der Anleitung zur Durchführung der Internationalisierungsanalyse, wird auf das aktuelle globale Branchenumfeld (Makro-Kurzanalyse) eingegangen. Traditionelle Märkte wie Europa und NAFTA Regionen, sowie die Neuen Märkte, insbesondere die BRIC-Staaten werden mit einigen statistischen Kenngrößen aus den einschlägigen Quellen vorgestellt.
Markus Woldrich
Dipl.-Ing.(FH), Dipl.-Wirt.Ing.(FH)
Ditzingen, 15.03.2010
Automobilzulieferindustrie im Ausland 2010 - 3 -
Automobilzulieferindustrie im Ausland 2010
Anforderungen und Erfolgsfaktoren,
„Internationalisierungsanalyse“ und Marktumfeld
1. Automobilbranche 2010 5
1.1. Definition und Strukturwandel 5
1.2. Veränderung der Wertschöpfungskette 11
1.3. Globale Einkaufsaktivitäten der OEM 14
1.4. Lieferantenstruktur und Erfolgsfaktoren 15
2. Internationalisierungsanalyse eine Zulieferunternehmens 24
2.1. Bestandsaufnahme Internationalisierung 25
2.2. Bestandsaufnahme Erfolgsfaktoren 27
2.3. Ermittlung priorisierter strategischer Handlungsbedarf 32
3. Länderkurzüberblick 34
3.1. Traditionelle Märkte: Europa und NAFTA 36
3.2. Neue Märkte, insbesondere BRIC Staaten 41
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Abbildungsverzeichnis:
[1] Aufteilung Automobil- und Zulieferindudustrie……………………………………..5 [2] Konjunkturübersicht Automobilindustrie …...……………….........…………………6 [3] Insolvente Automobilzulieferer 02/2009……….………………………………...…..7 [4] strategische Allianzen OEM …………….………..………………………..…….….7 [5] Darstellung des Strukturwandels im Automobilgeschäft….........…………………9 [6] Zuliefererjahr 2009: Im Sog der Krise………………………………….………..…10 [7] 2010 Percent of Reduction of supply base expected ......…............…..………..11 [8] Number of M&A Transactions Trend by 2010 ..……………….....………………11 [9] Innovator Archetypen für Automobilhersteller und Zulieferer……………………13 [10] Automotive Einkauf in den BRIC Staaten …..……..………………………..…….14 [11] Kundenbeziehungs-Lebenszyklus ………..…………...……….…………….18 [12] Erfolgsmerkmale im Zuliefergeschäft ………………….………………………….18 [13] Mögliche externe / interne Nutzenpotentiale ……………………..……………….21 [14] Kritische Erfolgsfaktoren in der internationalen Kfz-Zulieferindustrie …..….…..23 [15] Prozeß der strategischen Unternehmensführung …..…………………….......…24 [16] Strategischer Handlungsbedarf nach Prioritäten ………………………..............32 [17] Autoproduktion 2009 - 2015 …………………………………….…………………34 [18] Fahrzeugsegmente 2008.………………………………….………………………..35
[19] Fahrzeuge auf 1000 Einwohner ..........................................................………...35 [20] Direktinvestitionen 2008 ………………………………………………………….36
[21] Bruttoinlandsprodukt 2008 ...............................................................................36 [22] Veränderung Fahrzeugregistrierung in Europa 2007/2008 …….…….......…....37 [23] Verfügbares Haushaltseinkommen EU27 je Einwohner in 2006 ……………....38 [24] Exportaktivitäten EU 27 …………………………………….………………..……..39
[25] Neuzulassungen Fahrzeuge ............................................................................39 [26] Produktionsstandorte 2008 …………………………………….…………………..40 [27] Mögliche Szenarien strategischer Allianzen 09/2009 ………………...…….......40 [28] Produktion China 2008 …………………………………….…………………..……41 [29] Kritische Schwelle Konsumgüterkauf …………………………...………………42 [30] Handelsbeschränkungen Asien …………...…………………………….……...…43
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1.Automobilbranche 2010:
1.1. Definition und Strukturwandel: Die Automobilindustrie gliedert sich in 2 Gruppen: ◊ Herstellerunternehmen bezeichnet als OEM´s 1 (Original Equipment Manufacturer´s = Erstausrüster) sind organisatorische Nachfrager, die Produkte als Teile oder Module bei
◊ Zulieferern beschaffen, um sie in ihre Endprodukte einzubauen
Die Zuliefererseite hat ein hoch spezialisiertes Leistungsangebotes bei unterschiedlichen, aber keinesfalls häufig wechselnden Märkten. Das Zulieferergeschäft im Rahmen der Investitionsgüterindustrie gliedert sich in die Originalteilelieferung („personalisierter Markt“, wenige bis einen Anbieter bei einem Nachfrager: OEM) und den Ersatzteilelieferungen (Abnehmer ist der Endverbraucher, „anonyme Markt“ - Automobilbesitzer).
Abbildung 1: Aufteilung Automobil- und Zulieferindudustrie 2
Beide, Hersteller wie Zulieferer durchleben aktuell eine der schwersten Krisen seit 100 Jahren. Umsatzverluste, hohe Lagerbestände, Kurzarbeit, unangepasste
1 Vgl. Backhaus, K., Industriegütermarketing, S. 641ff, Abb. E185, 5. Auflage, München
2 Vgl. Accenture, Auto 2010, Eine Expertenbefragung zur Zukunft der Automobilindustrie, S.6, M. Jeltsch, A.Baier, M. Wahrendorff,
Automobilzulieferindustrie im Ausland 2010 - 6 -
Kostenstrukturen,Refinanzierungsprobleme und Insolvenzen, sind Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009. Anhand des Schaubildes aus dem VDA Jahres-
bericht 2009 ist erkennbar, Ausnahmejahr 2009, schon beginnend mit 2008 war. Laut Automobilproduktion 2009 mussten mindestens 75 namhafte Zulieferer bisher Insolvenz anmelden. Laut Price-water-house Coopers soll diese Zahl noch bis Mitte 2010 auf bis zu 150 Unternehmen steigen. Der Grund, Absatzprobleme, Überkapazitäten, Probleme in
Abbildung 2: Konjunkturübersicht Automobilindustrie 3 der Refinanzierung
durch fehlende, bzw. restriktive Bankenpolitik. Unternehmen, OEM wie Zulieferer, die nicht genügend Eigenkapital für die Durststrecke haben, fehlt es in der aktuellen Nachfrageerholung an Liquidität und kommen sehr schnell trotz vorhandener Aufträge in Zahlungsschwierigkeiten.
Die Auswirkungen der Krise auf die Automobilindustrie sind in vielerlei Hinsicht erkennbar. Bei den OEM findet seit Beginn des 21. Jahrhunderts schon aufgrund der bestehenden Überproduktionen ein Verdrängungswettbewerb statt, der zu erheblichen Strukturwandlungen im automobilen Sektor geführt hat.
3 Vgl. VDA Jahresbericht 2009, Weltwirtschaft in der Rezession, Wege aus der Krise, Rahmenbedingungen, S. 13, zitiert: Ifo Institut, M. Yoshida, After Sales Manager, Ingolstadt
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Abbildung3: Insolvente Automobilzulieferer 02/2009 4
Im Jahr 2008 wurden von den 69 Mio Autos Gesamtweltproduktion 6 Mio Autos zu viel produziert (Quelle VDA) 5 . Laut IFA (Institut für Automobilwirtschaft) finden bei
4 Vgl. Automobilproduktion 02/2009, zitiert: O. Wyman, Automobilzulieferer im deutschsprachigen Raum,
5 vgl. VDA Statistik, zitiert in Internationalisierung im Jahr 2010, M. Woldrich, 02/2010, S.71
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schöpfungskette
nötig (vgl. Globalisierungsmodell von Porter). 7
Zulieferer wie Hersteller müssen eine Internationalisierung der Wertschöpfungsaktivitäten in Ihre strategischen Zielsetzungen einbinden, um einen besseren Zugang zu materiellen oder immateriellen Ressourcen sowie Markt- und Kostenpotentialen zu erlangen. Die strategischen Anforderungen für das zukünftige Wettbewerbspotential sind u.a.
◊ weitere Kostenreduzierungen (globaler Einkauf, lokale Produktion, Aufbau von Logistiknetzwerken, Low-cost-Alternativen) ◊ Aufbau neuer Kooperationen und globaler Produktions- und Entwicklungsnetzwerke (Netzwerke mit System-, Integrations-und
Innovationskompetenz - global denken, local handeln) ◊ Verbesserte Qualität in angepassten kürzeren Entwicklungszeiten, ◊ kürzere Modellzyklen bei mehr Modellindividualität und Gleichteilen (evtl. Plattformstrategie/Weltauto) 8 , ◊ ständige Innovations-/Integrationssteigerung (Know How) ◊ eine Verbesserung des weltweiten Kundenwertes- und nutzens durch stärkere Differenzierung, incl. des Serviceangebotes
Das Finden eines internationalen Optimums ist für ein Unternehmen allein meist nicht zielführend, so daß neue strategische Kooperationen zwischen Herstellern wie Zulieferern unumgänglich sind (siehe Abbildung 4 für OEM).
Abbildung 5 zeigt den Strukturwandel infolge des globalen Automobilgeschäfts.
6 vgl. IFA: Zur Lage der Automobilindustrie im Frühjahr 2010, Presseinformation, Prof. Dr. W. Dietz, S. 5 anlässlich der Pressekonferenz zum 80. Genfer Automobilsalon 17.02.2010
7 vgl. Koller, H.-P., Dr., Strategische Unternehmensführung II: Strategische Planungsinstrumente, S. 48 ff., Betriebswirtschaftslehre III, zitiert Porter, M.E., Frankfurt 1986, S.91 Vgl. Backhaus, K. Industriegütermarketing, Abb. C41, S. 165 vgl. Schneck, O., Lexikon der Betriebswirtschaft, s. 1002, 7.Auflage Muenchen 2007
8 Def.: Plattformstrategie: Unterschiedl. Modellvarianten werden auf vereinheitl. Aufbauten z.B. Bodengruppe verbaut und die Anzahl kann so global reduziert werden
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Abbildung5: Darstellung des Strukturwandels im Automobilgeschäft 9
Durch diese Allianzen können horizontale, laterale und vertikale Netzwerke entstehen.
◊ horizontal: Kooperationen und Konzentration zwischen OEM, OEM/ Zulieferer,
zwischen Zulieferern untereinander ◊ lateral: Zusammenwirken unterschiedlicher Branchen für das Angebot von
System-, Modul- oder Integrationsdienstleistern ◊ vertikal: Kooperationen zwischen Lieferanten und Abnehmern in erweiterten
Bevor auf die Veränderung der Wertschöpfungskette aufgrund der aktuellen Anforderungen eingegangen wird, noch ein Ausblick auf die Auswirkungen der Krise für die Zulieferindustrie. Aus untenstehender Abbildung ist ersichtlich, wie stark der Einbruch war, der jetzt zur Zahlungsunfähigkeit der Unternehmen führt.
9 Angelehnt an Hartmann, R., International Production Network, S. 17 ff., , Euroforum-Konferenz: Automobilindustrie im Ausland, 26.11.97, Düsseldorf, selbständig ergänzt 02/2010
Arbeit zitieren:
Markus Woldrich, 2010, Automobilzulieferindustrie im Ausland 2010, München, GRIN Verlag GmbH
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