A. Krause: Sprache Gedächtnis beim Kind
Inhaltsverzeichnis
1. GEDÄCHTNISSPANNE UND ALTERSVERÄNDERUNG 5
1.1. Kontrollprozesse 7
1.2. Altersdifferenzen in der Gedächtnisspanne 7
1.3. Die Artikulatorische Memorier-Schleife 9
2. SCHLUßFOLGERNDES DENKEN IM KINDESALTER 11
2.1. Zwei Arten von Schlußfolgerungen 12
3. SEQUENTIELLES GEDÄCHTNIS 13
3.1. Sequentielle Gedächtnisaufgaben 13
3.2. Lesen und Gedächtnis 14
3.3. Verbaler vs Abstrakter Charakter des Dargebotenen 14
3.4. Empirische Belege 15
3.5. Zusammenfassende Schlußfolgerungen der Ensslen-Studie 18
LITERATUR 19
Anmerkung : Da es für das Problem der Gleichbehandlung weiblicher und männlicher Formen von Substantiven, Adjektiven
und Pronomen bis heute keine stilistisch und ökonomisch überzeugende Lösung gibt, wurde nach 'alter' Konvention - jedoch
im vollen Bewußtsein um diese Problematik - jeweils die männliche Form gewählt.
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A. Krause: Sprache & Gedächtnis beim Kind
1. Gedächtnisspanne und Altersveränderung
Die typische Alterszunahme der Gedächtnisspanne von der Kindheit bis ins junge Erwachsenenalter ist bereits in sehr frühen Untersuchungen dokumentiert In einer ausführlichen und in der Literatur sehr oft zitierten Untersuchung kam Bolton schon 1892 [S.379f.] zu grundlegenden - teilweise aber auch kuriosen - Ergebnissen über Gedächtnisspannen bei Kindern und Jugendlichen: "The limit [of digits] to the memory span for the pupils in the public school is six.
The memory-span increases with age rather than with the growth
The memory span measures the power of concentrated and prolonges attention. […]
The girls have better memories than the boys [sic!]. With practice, pupils increase in their ability to remember groups of digits.
Pupils inconsciously remember digits that they heard a day before, when they are used second time. […]
Memory images pass through three stages in leaving the mind.
Eine verstärkte entwicklungspsychologische Analyse der Gedächtnisspannen-Aufgabe hat jedoch erst Anfang der 70 er Jahre eingesetzt Die Annahme der Kapazitätsbegrenzung des menschlichen Gedächtnisses durch physiologische Strukturen ist seit dem Ende des 19. Jhts. in nahezu allen gedächtnispsychologischen Theorie-Entwürfen enthalten. Die Gedächtnisspanne gilt dabei als ein klassisches Verfahren zur individuellen Messung dieser Kapazitätsbegrenzung. Sie wurde als Methode 1887 von Jacobs eingeführt und ist definiert als Anzahl von Items, die im Anschluß an eine einmalige Darbietung in der richtigen Reihenfolge reproduziert werden können.
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A. Krause: Sprache & Gedächtnis beim Kind
Für viele Autoren steht bei der Frage der Entwicklung des Gedächtnisses das Kurzzeitgedächtnis im Fokus der Betrachtungen: "Denn der sensorische Informationsspeicher scheint, was seine visuelle Teilfunktion wie seine akustische Teilfunktion anbelangt, bereits wenige Wochen nach der Geburt voll aktionsfähig zu sein. […] Und die Entwicklung des Langzeitgedächtnisses als Funktionseinheit wird getrennt unter dem Aspekt der Entwicklung von Kontrollprozessen betreffend das Langzeitgedächtnis eingeordnet" [Sydow, 1979, S.84]. Dempster [1981; vgl. Hasselhorn, 1988, S.323] konnte zeigen, daß das Ausmaß der kontinuierlichen Gedächtnisspannen-Zunahme stark von der Art der Präsentation und dem verwendeten Item-Material abhängig ist: So verdoppelt sich zB die Gedächtnisspanne für Ziffern [ = Zahlenspanne] etwa zwischen dem vierten und dem zwölften Lebensjahr, die Gedächtnisspanne für Wörter [ = Wortspanne] dagegen benötigt für eine Verdoppelung den Zeitraum vom dritten bis zum achtzehnten Lebensjahr.
Sroufe & Cooper [1988, S.351] weisen noch auf einen anderen Aspekt hin: "One possible explanation for the poor memory performances of preschoolers is that they are less familiar with the number names they are asked to remember. When they do know as much as older children, however, and when the memory task does not require strategies, they sometimes remember as well as older children. […] In studies where children are instructed to remember presented material, older children always perform better than preschoolers, no doubt partly because they know better how to go about remembering." - Dies geht also in die Richtung der Annahme einer Entwicklungsunabhängigkeit der Kapazität des Kurzzeitgedächtnisses, wie sie von vielen Autoren vertreten wird [zB Pellegrino, 1977; vgl. Sydow, 1979, S.85]. Der Leistungszuwachs mit dem Alter wäre demnach nur auf verbesserte Strategien des Einprägens, also auf bessere kognitive Kontrollprozesse zurückzuführen.
In ähnlicher Weise äußert sich auch Chi in ihrer bekannten Untersuchung [1977, S.280]: "This research has shown that age differences in the memory span need not be attributed to structural limitations. The level of recall in adults' performance is greatly influenced by the number of processing strategies made available to them."
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Arbeit zitieren:
Mag. Arno Krause, 2002, Zu Gedächtnisspanne, schlußfolgerndem Denken & sequentiellem Gedächtnis beim Kind, München, GRIN Verlag GmbH
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