die Frage nach dem Sinn des Lebens so problematisch zu beantworten ist. Doch dieser Umstand bedeutet keineswegs, dass das Leben keinen Sinn hätte sondern nur das man diesen durch derartige Herangehensweisen verfehlen muss. Der Sinn unseres Lebens, unserer Existenz liegt in uns selbst, er offenbart sich in gewissen Momenten, in denen wir die Empfindung haben, dass das Leben etwas wert sei, wo wir uns erfüllt fühlen- im Einklang mit uns und unserer Umwelt sind. Dies führt uns zu der schon weiter oben erwähnten Überlegung, die mir im Rahmen der Diskussion der Sinnfrage sehr wesentlich erscheint. Ob wir der Auffassung sind das Leben bzw. unser Leben habe einen Sinn kann sich letztendlich nur an einem Gefühl manifestieren. Denn unsere Gefülswelt ist es, die uns erstens veranlasst diese Sinnfrage zu stellen ( was meistens, wie auch schon im Seminar erörtert, in existentiellen Notlagen geschieht) und zweitens uns diese Frage innerlich beantworten lässt, ob wir unser Leben oder das Leben an sich als sinnvoll/sinnerfüllt erachten oder nicht! Folgt man dieser Argumentation so scheint mir, ist die Frage nach dem Sinn nicht anderes als die Frage nach einem Gefühl. Und die Tatsache, dass Gefühle- insbesondere überschwenglich positive- nur schwer beschrieben werden können, sie werden meist ebenso mit dem Attribut des Unbeschreiblichen beschrieben (z.B. Das ist bzw. war einfach unbeschreiblich) mag vielleicht eine weitere Erklärung dafür sein, warum es so schwer fält die Frage nach dem Sinn angemessen zu beantworten. Eben diese Auffassung des Sinnbegriffs, die ich soeben dargelegt habe,steht ganz im Einklang zu den beiden Vorträgen, die ich im Seminar halten durfte; sie geht gewissermaßen aus ihnen hervor. Günther Anders unterstrich in seinem Aufsatz " Die Antiquiertheit des Sinnes" die schon oben angesprochene Bemerkung, dass wir die Sinnfrage fast ausschließlich angesichts der Existenz von Negativem stellen, weswegen er zu Recht die Einseitigkeit dieser Frage anmahnt und sie als eine so wörtlich "getarnte Rechtfertigungsfrage" 1 entlarvt. Am Ende seines Essays findet sich die so wunderbar einsichtige und folgerichtige Bemerkung, dass das Gegenteil von Sinnlosigkeit nicht etwa, wie man meinen könnte Sinnbesitz ist, sondern vielmehr einfach GLÜCK, ein seeliger Zustand, indem wir dieser Sinnfrage nicht bedürfen. Diese Auslegung des Sinnbegriffs findet sich schon in der Philosophie der Antike, wo das Glück (griech. eudaimonia) als das höchste Gut,als der eigentliche Sinn des Lebens angesehen wurde. Glück, das sich uns wiederum als ein Gefühl offenbart. Auch der zweite Vortrag, der die Erörterung der Sinnfrage in den fernöstlichen Philosophien am Beispiel des Daoismus zum Thema hatte, zeigte die Fehlbarkeit der Herangehensweise als einfache Frage Was ist der Sinn des Lebens? auf. Denn
1 Christoph Fehige, Georg Meggle, Ulla Wessels, Der Sinn des Lebens, Deutscher Taschenbuchverlag 2000,
S.139
Arbeit zitieren:
Nathaniel Mandal, 2007, Zur Frage nach dem Sinn des Lebens, München, GRIN Verlag GmbH
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