Einleitung
Im Zuge der Globalisierung wird die Mehrsprachigkeit im Unterricht immer wichtiger. Gerade in Deutschland, einem Land mit hoher Einwandererzahl, wird der Bedarf an neuen Konzepten immer dringender. Zur Zeit sind etwa 10% der Bürger Deutschlands nicht deutscher Herkunft, diese Zahl liegt angesichts der Einbürgerungen um weites höher. Rund ein Fünftel der deutschen Bevölkerung weist einen so genannten Migrationshintergrund auf. Als Menschen mit Migrationshintergrund werden vom Statistischen Bundesamt all jene, in Deutschland lebenden Personen gezählt, die seit der Gründung der Bundesrepublik im Jahr 1949 eingewandert sind, sowie deren Nachkommen. Die Mehrheit dieser rund 15 Millionen sprechen aber neben der deutschen oft auch noch eine andere (Mutter-)Sprache. Etwa 10 % aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland sprechen darüber hinaus eine andere Sprache als Deutsch als ihre Erstsprache.
Durch die heterogene Zusammensetzung in Schulen bzw. Schulklassen wachsen auch die Ansprüche an die Bildung. Ein zentrales Element der sich durch die Globalisierung verändernden Bildung in Deutschland ist die Sprachenvielfalt die sich in Schulen ergibt. In meiner Hausarbeit werde ich auf diese Mehrsprachigkeit im Unterricht eingehen. Vor allem werde ich die Methoden und Konzepte aber auch die Unterrichtsdidaktik von Mehrsprachigkeit betrachten.
1.Definition von Mehrsprachigkeit
Wenn gesagt wird, jemand sei bilingual oder gar mehrsprachig, dann assoziiert man häufig, dass dieser Mensch zwei oder mehr Sprachen perfekt spricht. Bilinguale Menschen sind sozusagen zwei Muttersprachler in einer Person. Angesichts der Präsenz von unterschiedlichen Sprachen in Deutschland und auch allen anderen Ländern der Welt, ist diese Definition nicht mehr ganz richtig.
Zunächst bedeutet Mehrsprachigkeit „Mehr als eine Sprache“, d.h., ein mehrsprachiger Mensch kann sich mehrerer Sprachen bedienen, abhängig vom Kontext, in dem diese Sprache verwendet wird. Diese Definition schließt ambilinguale Sprecher, die mit muttersprachlicher Kompetenz mehr als eine Sprache sprechen, ebenso ein wie z.B. Naturwissenschaftler, die zwar in der Fremdsprache auf hohem Niveau Artikel in Fachzeitschriften lesen und verstehen können, aber kaum über Interaktionskompetenzen verfügen 1 .
1 Weskamp, Ralf: Mehrsprachigkeit.Sprachevolution, kognitive Sprachverarbeitung und schulischer
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Entgegen landläufiger Vorstellungen ist heute die Mehrzahl der Weltbevölkerung zwei oder mehrsprachig. Selbst in scheinbar einsprachigen Ländern wie Deutschland ist das Vorhandensein mehrerer Sprachen eine Realität. Zwar ist Deutsch einzige Amtssprache, jedoch spielen das Türkische das Serbokroatische, das Italienische und das Kurdische eine wesentliche Rolle im Alltag (UNESCO 2004). Darüber hinaus besitzt Deutschland mehr als sieben Millionen ausländische Mitbürger aus Europa, Afrika, Amerika und Asien, die ebenfalls zur Sprachenvielfalt beitragen. Dies hat gesellschaftliche Konsequenzen, die dadurch bestimmt werden, ob man die Sprachenvielfalt als Chance und Reichtum oder als Strafe und Verlust sieht 2 . In Deutschland erfolgt mehrsprachiger Unterricht in der Regel in bilingualen Schulzweigen, wobei vor allem die sozialwissenschaftlichen Fächer beteiligt sind und Englisch als möglichst durchgehende Unterrichtssprache unterrichtet wird. Der Unterricht ist meist nicht mehrsprachig sondern eher einsprachig, nämlich in der Fremdsprache. Ausnahmen sind Schulen wie die staatlichen Europaschulen in Berlin oder die Deutsch-Italienische Gesamtschule Wolfsburg.
Es gibt vielfältige Gründe dafür, warum Kinder eine andere Sprache sprechen: die Eltern sprechen eine andere Sprache als die Landessprache und die Muttersprache der Kinder stellt somit eine Minderheitensprache dar; die Elternteile sprechen verschiedene Sprachen: eine Situation die sich vor allem in Mischehen zeigt; die Eltern lebten mit ihren Kindern für eine Zeitspanne außerhalb ihres Heimatlandes, wo die Kinder Europa- oder Auslandsschulen besuchten; das Land ist offiziell zweisprachig und bietet Schulen an, an denen beide Landessprachen gelernt werden können wie in Kanada z.B., wo sowohl Englisch als auch Französisch unterrichtet wird bzw. in Finnland Finnisch und Schwedisch.
2. Allgemeine Erkenntnisse im Bezug auf die Mehrsprachigkeit
Mehrsprachigkeit ist weltweit und geschichtlich gesehen eine Normalität. Die europäischen Einwanderungsstaaten erfahren heute diese Normalität von neuem. Individuelle Zweisprachigkeit stellt keine intellektuelle Überforderung dar und hat keine negativen Auswirkungen auf die soziale, geistige und sprachliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Nicht selten geht sie mit einer früher entwickelten Sprachbewusstheit einher, so kommt die DESI-Studie des Deutschen Instituts für Internationale pädagogische Forschung zu
Fremdspracherwerb.Bildungshaus Schulbuchverlage, Braunschweig 2007 Seite 16.
2 Weskamp, Ralf: Mehrsprachigkeit.Sprachevolution, kognitive Sprachverarbeitung und schulischer
Fremdspracherwerb.Bildungshaus Schulbuchverlage, Braunschweig 2007 Seite 14 ff.
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dem Entschluss, dass Schülerinnen und Schüler in bilingualen Klassen zum Ende des neunten Schuljahres einen signifikanten Kompetenzvorsprung beim Lese- und Hörverstehen, beim Schreiben in der Grammatik, in der Soziopragmatik und bei der Textkonstruktion besitzen. Die Erstsprache und die Zweitsprache zweisprachiger Kinder und Jugendlicher beeinflussen sich gegenseitig im Sinne von Transfereffekten. Wissenschaftliche Forschungen der letzten 100 Jahre haben gezeigt, warum frühe Mehrsprachigkeit für Schülerinnen und Schüler nützlich ist. Vor allem begünstigt sie das analytische Denken, ferner: Die Mehrsprachigkeit gibt den Kindern eine nuanciertere Auffassung von der Welt und sie erleichtert den Erwerb von weiteren Sprachen. Wenn jemand mit zwei Sprachen von Anfang an auf wächst, hat er es mit der dritten und vierten Sprache um vieles leichter. Persönliche Probleme mit der Zweisprachigkeit haben Ursachen im engeren oder weiteren sozialen Umfeld und sollten nicht der Mehrsprachigkeit der Schülerinnen und Schüler zugeschrieben werden. Diese können vielfältig und komplex sein. Für den Schulerfolg sind die Sozialschichtzugehörigkeit und die Beherrschung der Unterrichtssprache die beiden einflussreichsten Faktoren. In Betracht zu ziehen sind das Schulklima, das Curriculum und die Qualität des Unterrichts. Sprachfördernde Maßnahmen, die den Schulerfolg zweisprachiger Schüler sichern sollen, müssen langfristig angelegt sein. Die Vorstellung, durch kurzfristige Kurse könne der Anschluss an die schulischen Sprachanforderungen ein für alle Mal hergestellt werden, ist eine Illusion. Die Verwendung von Sprache zum Zwecke des Lernens curricularer Inhalte ist Erfolgsversprechender als bloße Sprachkurse 3 .
3. Ansätze von Mehrsprachigkeitsprojekten
Verschiedene Sprachen besitzen in unserer Gesellschaft einen unterschiedlichen Status. An erster Stelle steht die Mehrheitssprache Deutsch, dieser folgen die Schulfremdsprachen Englisch und Französisch denen man „Prestige“ zuschreibt. Das Schlusslicht bilden die Minderheitensprachen der Einwanderer wie türkisch oder albanisch. Monolinguale Kinder kennen ausschließlich ihre Familiensprache (die deutsche oder die nicht-deutsche Herkunftssprache bei ausländischen Kindern), Bilinguale mit dominanter Erstsprache sprechen dagegen zwei Sprachen, stärker ausgeprägt ist jedoch ihre Familiensprache. Bilinguale mit dominanter Zweitsprache haben ihre Herkunftssprache gering ausgebildet, wohingegen Bilinguale auf eine gut entwickelte Zweisprachigkeit zurückgreifen können. Um eine Öffnung des Fremdsprachenunterrichts zu bewirken und sprachlichen Gewinn aus einer
3 Vgl. www.goethe.de/lhr/prj/mac/msp/de1396470.htm
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Arbeit zitieren:
Cakmak Raide, 2010, Mehrsprachigkeit - Eine Einführung, München, GRIN Verlag GmbH
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