1. Einleitung
Diese Facharbeit beschäftigt sich mit dem Thema „Das weltpolitische Ereignis des Mauerbaus“. Am Ende der Arbeit soll die Frage „Warum hat der Westen nicht eingegriffen?“ beantwortet sein. Zunächst wird der Wettlauf der Systeme zu Beginn der 60er Jahre dargestellt. Der Kalte Krieg war bereits im Gange und aufgrund der Aufrüstung mit Atombomben durch die USA und die Sowjetunion bestand die Gefahr eines neuen Weltkrieges. Die Erarbeitung der Probleme spezialisiert sich dann direkt auf Berlin, das Konfliktzentrum der Ost- und Westmächte. Dabei wird besonders auf den 12./ 13.8.1961 und die Errichtung der Mauer eingegangen. Außerdem werden die politischen Reaktionen der DDR (Deutsche Demokratische Republik), der Sowjetunion, der BRD (Bundesrepublik Deutschland) und der Westalliierten dargestellt. Mögliche Handlungsalternativen werden erörtert. Am Ende der Arbeit wird ein Ausblick auf die Maueröffnung 1989 gegeben. Berlin entwickelt sich seit 1989 zu einer Weltmetropole. Das konnte man sich weder beim Mauerbau noch beim Mauerfall erträumen. Auch das ehemalige Ost-Berlin ist heute vollständig in das Bild der deutschen Hauptstadt integriert. Von der Mauer kann man heutzutage nichts mehr erkennen. In Berlin erinnern nur noch Denkmäler, Pflastersteine und Mauerreste an die „Grenzsicherungsanlagen“ der DDR. Daher ist es vor allem für junge Menschen interessant zu erfahren, welchen Zweck die Mauer erfüllte und warum ihre Errichtung nicht verhindert wurde. Das Thema lässt sich vor allem anhand von Literatur bearbeiten. Zur weiteren Recherche werden außerdem seriöse Seiten des Internets genutzt.
2. Wettlauf der Systeme zum Ende der 50er und Beginn der 60er Jahre
2.1 Ziele und Methoden
Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges rangen die USA und die Sowjetunion um die Weltmacht. Die beiden Staaten hatten unterschiedliche Interessen. Die Sowjetunion strebte an, den Kommunismus nach marxistisch-leninistischem Vorbild auch in Europa weiter zu verbreiten und die kapitalistische Ordnung zu stürzen. Die USA hingegen förderten eine gesellschaftliche Ordnung in Form des Kapitalismus, gestützt auf die Demokratie und den freien Welthandel.
Beide Fronten plagte die Furcht vor einem Übergriff der anderen Seite. Um einen möglichen Angriff des Westens abzuwehren, wollte die Sowjetunion einen Sicher-heitsgürtel aus abhängigen Staaten (Satelliten) schaffen. Durch das Verbot nicht 3
kommunistischer Parteien und freier Wahlen sowie die Einsetzung moskautreuer Regierungen weitete die Sowjetunion ihren Machtbereich in den besetzten Ländern tatsächlich aus. In der sowjetischen Politik sahen die Amerikaner den Beweis für deren aggressiv betriebenen Imperialismus. Deshalb beschlossen sie eine Politik der Eindämmung (Containment), die den sowjetischen Einfluss und damit den Kommunismus in Europa einschränken sollte. Wirtschaftliche Hilfe wie der Marshallplan (1948) sollte die wirtschaftliche Gesundung europäischer Länder fördern und die Neigung zum Kommunismus abschwächen. Die USA betrieben auch die Gründung eines umfassenden antisowjetischen Verteidigungsbündnisses, der NATO (1949). Die Sowjetunion reagierte auf die Containment-Politik mit der beschleunigten Sowjetisierung Ost- und Mitteleuropas, d.h. die Wirtschafts- und Gesellschaftsordnungen der besetzten Länder wurden nach dem Vorbild der Sowjetunion umgestaltet. 1955 wurde auch im Ostblock ein Militärbündnis (Warschauer Vertrag) gegründet.
2.2 Kalter Krieg als Normalität
Seit 1947 galt die Konfrontation zwischen den USA und der Sowjetunion samt Bündnispartnern als Kalter Krieg, im Unterschied zum heißen Krieg mit seinem unmittelbaren Einsatz militärischer Mittel. Typisch für den Kalten Krieg war das Wettrüsten, die Bildung militärischer Bündnisse und die Unterstützung regional begrenzter Konflikte.
Das Wettrüsten lässt sich am besten anhand der atomaren Aufrüstung beider Staaten erklären. Seit August 1949 besaß auch die Sowjetunion atomare Sprengsätze. Damit war das Atomwaffenmonopol der USA endgültig aufgehoben. Beide Großmächte entwickelten neue und immer zielgenauere und wirksamere Waffensysteme. Das Wettrüsten gipfelte im Bau der Wasserstoffbombe, der mit Abstand gewaltigsten Kernwaffe. Die erste Bombe dieser Art mit einer 800-fach größeren Sprengkraft als die der Hiroshimabombe zündeten die Amerikaner 1952. Doch nach nur knapp einem Jahr hatten auch die Sowjets ihre erste Wasserstoffbombe fertig gestellt. Der so genannte Wettlauf zum All entwickelte sich aus dem Wettrüsten. Im Oktober 1957 gelang es der UdSSR vor den Amerikanern einen künstlichen Erdsatelliten (Sputnik) in den Weltraum zu schießen. Diese technologische Meisterleistung der Sowjets stellte die bis dahin sicher geglaubte Überlegenheit des Westens infrage. Für die amerikanische und westeuropäische Öffentlichkeit war das der so genannte „Sputnik-Schock“.
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Die russischen Trägerraketen, die den Sputnik ins All transportierten, konnten als strategische Interkontinentalraketen auch Atomsprengköpfe mit sich führen. Mit ihrer großen Reichweite konnten sie auch erstmals amerikanischen Boden erreichen. Der technologische Vorsprung der USA war damit verpufft. Als die neue Technologie der Sowjets bekannt wurde, begannen die USA umgehend ein Programm zur Entwicklung vergleichbarer Raketen. Damit wurde das Wettrüsten zur Normalität des Kalten Krieges. Erfolgreiche Weiterentwicklungen oder Neuerfindungen führten immer wieder zu vermehrten Anstrengungen der Gegenseite. Dabei hatten sie immer ein Ziel vor Augen: Die Waffensysteme der anderen Macht zu übertreffen. Die beiden Mächte wollten durch dieses gewaltige Wettrüsten das „atomare Patt“ für sich entscheiden. Zwar verschlang das Waffenarsenal immense Summen, doch das Wettrüsten mündete immer nur in einem anhaltenden „Gleichgewicht des Schreckens“. Einen Monat nach Sputnik 1 folgte die Hündin Laika an Bord des Sputnik 2 ins All. Im Dezember 1957 versuchte Amerika mit Vanguard seinen ersten Start. Doch der Rakete fehlte der nötige Schub, sie stürzte auf die Rampe zurück und explodierte. Die USA reagierten auf diese Fehlschläge, indem sie ankündigten, die Raketenentwicklung zu beschleunigen und mit der NASA eine neue Institution zu schaffen, die das Raumfahrtprogramm fortan leiten sollte. Damit hatten sie die Herausforderung um den „Wettlauf ins All“ angenommen. Die Sowjets waren bis zum Ende der 60er Jahre die Vorreiter in der Raumfahrt. Erst mit dem Betreten des Mondes 1969 hatten die USA das Blatt gewendet. Sie zeigten der Welt, dass sie die Konkurrenz UdSSR übertroffen hatten und technologisch in der Überlegenheit waren.
Typisch für den Kalten Krieg war außerdem eine ausgeprägte Bündnispolitik der bei-den Supermächte. Sie führte zur Gründung der NATO 1949 unter Führung der USA. Als 1955 die BRD in die NATO aufgenommen und die Bundeswehr gegründet wurde, reagierte die Sowjetunion mit der Gründung eines eigenen Militärbündnisses, des Warschauer Vertrages. Die DDR gehörte noch im selben Jahr zu ihren Gründungs-mitgliedern. Sie wurde offen militarisiert und die NVA (Nationale Volksarmee) ent-stand 1956. Damit war die politische und militärische Einbindung beider deutscher Staaten in die jeweiligen Machtblöcke abgeschlossen. In wirtschaftlicher Hinsicht schlossen sich 1948 sechzehn europäische Staaten zu einer „Organisation für euro-päische Zusammenarbeit“ (OEEC) zusammen. Die USA traten 1961 in die Nachfol-georganisation OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Ent-wicklung) ein. Die UdSSR gründete ihrerseits einen „Rat für gegenseitige Wirt- 5
schaftshilfe“ (COMECON) und das „Kommunistische Informationsbüro“ (Kominform), einen Zusammenschluss kommunistischer Parteien in Ost und West. Durch die Militär- und Wirtschaftsbündnisse bildeten sich die beiden Fronten maßgeblich heraus. Die beiden Großmächte schlossen sich mit „kleineren“ Staaten zusammen, um Stärke zu demonstrieren. Im Kalten Krieg wurden regional begrenzte Konflikte besonders bedeutsam. Hierzu kann die Berlin-Blockade als Beispiel dienen.
Im Zusammenhang mit der Währungsreform in den westlichen Besatzungszonen riegelten im Juni 1948 die Sowjets alle Zufahrtswege nach Berlin ab. Die Errichtung eines westdeutschen Teilstaates sollte verhindert werden (vgl. www.hdg.de, Grau, Entstehung zweier deutscher Staaten: Kalter Krieg). Die Sowjetunion wollte den Rückzug der Westmächte aus West-Berlin erzwingen und erhob Anspruch auf Groß-Berlin. Trotz der Absperrung West-Berlins konnten die Westalliierten die Versorgung der Bevölkerung mit lebensnotwendigen Dingen durch Flugzeuge sicherstellen. Die Blockade verstärkte den Antikommunismus in Westeuropa (vgl. www.hdg.de, Grau, Entstehung zweier deutscher Staaten: Berlin-Blockade und Luftbrücke).
In den nächsten Jahrzehnten wurde der Konflikt um West-Berlin dauerhaft zur Normalität des Kalten Krieges. 1958 forderte Chruschtschow die Entmilitarisierung und die Loslösung West-Berlins von der BRD. Im Juni 1961 wiederholte er diese Forderung. Regional begrenzte Konflikte gab es aber auch weltweit. Ein Beispiel dafür ist die amerikanische Invasion in der Schweinebucht auf Kuba 1961. Sie war die erste militärische Aktion der USA gegen die kommunistische Revolution Fidel Castros. Die Amerikaner sahen ihre Sicherheitsinteressen im mittelamerikanischen Raum bedroht, weil sich Kuba der UdSSR annährte. Die Invasion in der Schweinbucht be-stand in der Landung von 1300 Exilkubanern unter der Leitung des amerikanischen Geheimdienstes CIA (Central Intelligence Agency) an der Südküste Kubas. Die Exilkubaner mussten nach zwei Tagen schwerer Kämpfe mit der unterschätzten Revolutionsarmee aufgeben. Dieser Konflikt führte im Weiteren zur Kubakrise im Oktober 1962, die aufgrund der Stationierung von sowjetischen Mittelstreckenraketen auf Kuba entstand. Solche Konflikte trugen maßgeblich dazu bei, dass sich die Fronten zwischen den beiden Mächten weiter verhärteten und eine Normalität des Kalten Krieges entstand.
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Arbeit zitieren:
Adrian Merker, 2010, Das weltpolitische Ereignis des Mauerbaus, München, GRIN Verlag GmbH
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