Inhaltsverzeichnis
Seite
Einleitung 3
Die Zeitauffassung des Aurelius Augustinus 4
1. XJXVWLQXVµ/HEHQ 4
2. XJXVWLQXVµ(SRFKH. 5
3. XJXVWLQXVµ0HWDSK VLN 6
4. Die Vorgeschichte des Zeitbegriffs 7
5. Die Zeitlehre des Augustinus. 9
Zusammenfassung und Ausblick 15
Literaturverzeichnis 16
2
Einleitung
Was ist Zeit? Welches Phänomen des Alltags ist uns bekannter und dennoch unbegreifbarer als die Zeit?
Einerseits ist uns allen nichts selbstverständlicher als die Zeit: wir wissen wie spät es ist, wir machen Pläne für morgen, wir erzählen von gestern, wir erinnern uns an Jubiläen, wir beklagen uns wie schnell die Zeit vergeht, manchmal haben wir keine Zeit und gelegentlich scheint die Zeit stehengeblieben.
Andererseits, wie auch die fast zweieinhalbtausendjährige Geistesgeschichte zeigt, gibt es viele Zeittheorien, aber bis auf den heutigen Tag keine einheitliche Ã=HLWIRUPHOµ. Die Philosophie und die Fachwissenschaften untersuchen unterschiedliche Schwerpunkte und Frageninteressen ontologischer, erkenntnistheoretischer, psychologischer, wissenschaftstheoretischer,
geschichtlicher und kulturabhängiger Art und daraus entstehen unterschiedliche Antworten.
Augustinus hat bereits vor über eineinhalbtausend Jahren die Paradoxie der Zeit erkannt. Seine sprichwörtlich gewordene Redewendung ÄDenn was ist Zeit? Wenn niemand mich danach fragt, weiß ich's, will ich's aber einem Fragenden erklären, weiß ich's nicht.³ 1 , deutet auf die Schwierigkeit der Lösbarkeit des Zeit-Rätsels.
Um die große Bedeutung der augustinischen Zeittheorie explizit zu machen, muss im Vorfeld $XJXVWLQXVµ /HEHQ die philosophische Epoche in der Augustinus lebte $XJXVWLQXVµ 0HWDSK\VLN und die Vorgeschichte des Zeitbegriffes geschildert werden.
Augustinus entwickelte seine berühmte Zeitlehre im elften Buch der
Ä%HNHQQWQLVVH³. Die Analyse der Zeitauffassung des Augustinus wird
vorwiegend anhand dieses Werkes durchgeführt.
1 [1] 11,14
3
Die Zeitauffassung des Aurelius Augustinus
1. $XJXVWLQXVµ/HEHQ
Aurelius Augustinus, der größte Denker der lateinischen Patristik, ist am 13. November 354 n.Chr. in der Kleinstadt Thagast, damals römische Provinz Numidien, heute Souk-Ahras in Algerien, geboren. Er ist der Sohn des heidnischen Beamten Patricius und der Christin Monica. Augustinus schlägt zunächst die Laufbahn eines Rhetors ein. Im Verlauf seines Studiums in Karthago lernt er Ciceros Schriften kennen, die ihn nicht nur als rhetorische :HUNHEHLQGUXFNHQVRQGHUQGDUEHUKLQDXVYRUDOOHPGHUÄ+RUWHQVLXV³IUGLH Philosophie begeistern. Verglichen damit erscheint ihm die Bibel ungebildet und wertlos. In den Jahren 373 während seiner Lehrtätigkeiten in Thagaste und Karthago schließt sich der Manichäismus 2 an. Später, als er die Unhaltbarkeit manichäischer Spekulationen einsieht, nähert er sich an dem Skeptizismus 3 . 384 geht er als Professor nach Mailand, dem damaligen Zentrum des römischen Kaiserreiches. 385 wird er offizieller Redner des Kaisers. Dort lernt er die Philosophie der Neuplatoniker kennen. In der Augustinus-Forschung spricht man von einem ÄMailänder Zirkel³ philosophisch-neuplatonisch gebildeter Intellektueller, zu dem Augustinus Kontakt aufnimmt. Bischof Ambrosius, dessen neuplatonisch angereicherte Predigten er frequentiert, zählt dazu. In 386 fällt AugustiQXVµ $EZHQGXQJ von der Rhetorik und seine Hinwendung zum christlichen Glauben. Er schreibt seine ersten philosophischen Schriften: ÄContra Academicos" (er versucht die Skepsis der mittleren Akademie unter Berufung auf die Logik und alltägliche Praxis zu widerlegen), ÄDH EHDWD XLWD XQG Ä6ROLORTXLD Ä6HOEVWJHVSUlFKH³ LQ GHP
2 Von dem Perser Mani (216-276) gegründete Offenbarungsreligion, Dualismus vom Licht (Gott) und
Finsternis (Materie),die bis zum Endzeit in dauernden Kampf stehen. Der Mensch, gefangen mit seinem
Körper in der Finsternis, kann nur durch Offenbarung eines Lichtboten zur rettenden Gnosis (Erkenntnis)
seiner wahren Heimat, Lichtgott gelingen.[6] Bd.2 S.757
3 Zweite, mittlere Skeptizismus (mittlere platonische Akademie), kritische Zweifel an Wirklichkeit, lässt
vµctZZ]vo]Z^ol]ZK]v]µvP,vovPovòXïU^Xôîð
4
$XJXVWLQXV HLQHQ ÄLQQHUHQ 'LDORJ³ PLW *RWW IKUW 387 wird er vom Bischof Ambrosius getauft. Seine philosophische Schrift ÄDe immortalitate animae" und GLH /HKUEFKHU Ä'H GLDOHFWLFD³ Ä'H UHWKRULFD³ XQG Ä'H JUDPPDWLFD³ VWDPPHQ aus diesem Jahr. 388 kehrt Augustinus in seine Heimat zurück und führt ein zurückgezogenes, philosophischen Gesprächen gewidmetes Leben, mit Freunden und Schülern. In dieser Periode verfasst er mehrere antimanichäische und philosophische Schriften sowie Lehrbücher. Auf einer Reise nach Hippo Regius wird er 391 durch Bischof Valerius zum Priester ordiniert. Ab 396 bis zu seinem Tod, am 28. August 430, wirkt er dort als Bischof. Von Bischof Ambrosius, den Neuplatonikern Plotin und Porphyrius beeinflusst, bekämpfte Augustinus u.a. die Skeptiker, die Manichäer, die Pelagianer (Vertreter der absoluten Willensfreiheit). Er begründete die Trinitätslehre mit psychRORJLVFKHQ $QDORJLHDUJXPHQWHQ ÄDe trinitate", 399-419), artikulierte eine theologische Geschichtsphilosophie aus dem Antagonismus der weltlichen Staaten zum (kirchlichen) Gottesstaat (De Civitate und VFKULHE LQ VHLQHQ ÄConfessiones" 4 (um 397) die erste Dei, 426) abendländische Selbstbiographie.
Während die ältere Augustinus-Forschung in der Fragestellung befangen war, ob $XJXVWLQXVµ %HNHKUXQJ HLQH ]XU SODWRQLVFKH 3KLORVRSKLH : 7KLPPH 3 Alfaric) oder zum christlichen Glauben (C. Boyer, J. Nörregaard) gewesen sei, ist seit W. Kamlah und P. Courcelle nahezu einhellig anerkannt, dass
christlicher Glaube und platonische Philosophie für ihn eine Einheit bilden. 5
2. Augustinusµ Epoche
Augustinus lebte in der Epoche der Patristik, charakterisiert durch Entstehung XQG .RQVROLGLHUXQJ HLQHU ÄFKULVWOLFKHQ 3KLORVRSKLH³ DOV ZLVVHQVFKDIWOLFKH Unterlage der kirchlichen Dogmatik. Philosophiegeschichte dieser Epoche ist fast vollständig Kirchen- und Theologiegeschichte. In der Epoche der Patristik
4 Bekenntnisse, Buch 11 wird in dieser Arbeit eingehend analysiert
5 [6] Bd.1, S.218, Augustinus; [7] Augustinus Leben/Werke; [5] S.64
5
Arbeit zitieren:
Renata Ellermann, 2009, Die Zeitauffassung des Aurelius Augustinus, München, GRIN Verlag GmbH
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