Inhaltsverzeichnis
Seite
1 Einleitung 1
2 Die Rolle von Religion bei Konflikten und Konfliktlösung 1
3. Konflikte und Konfliktlösung im Islam
3.1 Das islamische Friedensverständnis 3
3.2 Das islamische Konfliktverständnis 3
3.3. Islamische Methoden der Konfliktlösung
3.3.1 Überblick 5
3.3.2. Das Ṣulḥ-Verfahren
3.3.2.1 Wesen und Ursprung 6
3.3.2.2 Vorteile gegenüber dem Gerichtsverfahren (arab. qaḍā') 7
3.3.2.3 Anwendungsbereiche 7
3.3.2.4. Ablauf
3.3.2.4.1 Eröffnungsphase 8
3.3.2.4.2 Verhandlungsphase 10
3.3.2.4.3. Phase der Konfliktbeilegung (arab. muṣālaḥa)
3.3.2.4.3.1 Vorbemerkungen 10
3.3.2.4.3.2 Eröffnung der Konfliktbeilegung 11
3.3.2.4.3.3 Der Einigungsvollzug (arab. ṣulḥa) 12
3.3.2.4.3.4 Gemeinsames Essen und Trinken (arab. 13
mumala ḥa)
3.3.2.5. Das Ṣulḥ-Verfahren und westliche Mediation
3.3.2.5.1 wasāṭa 13
3.3.2.5.2 Freiwilligkeit und Eigenverantwortlichkeit 14
3.3.2.5.3 Die Rolle des Mediators (arab. wasīt) 14
3.3.2.5.4 Das Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft 15
3.3.2.5.5 Die Rolle der Religion 16
4 Zusammenfassung 17
5. Quellen
5.1 Bibliographie 18
5.2 Zeitschriften 18
5.3 Internetquellen 18
Abkürzungen
arab. arabisch
Aufl. Auflage Bd. Band bearb. bearbeitet d. h. das heißt ebd. ebenda erw. erweitert
etc. H. Hrsg. Herausgeber S. Seite u. a. unter anderem vgl. vergleiche z. B. zum Beispiel
Aussprache der lateinischen Umschrift der arabischen Wörter
Die Umschrift folgt den Regeln, die die Deutsche Morgenländische Gesellschaft beim 19. Internationalen Orientalistenkongress in Rom 1935, festgelegt hat.
1 Einleitung
Islam ist gleich Terrorismus; Islam ist gleich Dschihad im Sinne von Heiligem Krieg - so lautet mehrheitlich die medial verbreitete Assoziationskette, wenn es um die muslimische Weltreligion geht. Dabei leitet sich das Wort „Islam“ vom arabischen salām ab, was in seiner Grundbedeutung „Frieden“ heißt (vgl. http://www.helium.com/items/1316161-islamic-solution-to-conflict-management -at-home). salām suggeriert eine Bedingung von Frieden, Sicherheit und Ganzheit, die man durch die Hingabe an Gott (arab. taslīm bzw. islām) erreicht (vgl. Funk/ Kadayifci/ Said 2002: 7). Somit symbolisiert der Islam in seinen Grundfesten Frieden. Aus Koran und Sunna, seinen primären Rechtsquellen, geht ein breites, holistisches Friedensverständnis hervor (vgl. http://www2.gmu. edu /programs/icar/pcs/ASNC83PCS.htm). Allerdings ist das islamische Friedenskonzept in der Öffentlichkeit bisher oft unterrepräsentiert, missverstanden oder einfach ignoriert worden (vgl. Funk/ Kadayifci/ Said 2002: 2). Mit der vorliegenden Arbeit soll zunächst allgemein die Rolle von Religion bei Konflikten und deren Lösung untersucht werden. Danach wird im Speziellen auf das islamische Konfliktverständnis eingegangen, sowie eine Methode der Konfliktlösung, das ṣulḥ-Verfahren, ausführlich dargestellt. Zum Abschluss erfolgt ein Vergleich zwischen dem ṣulḥ-Verfahren und der Mediation im westlichen Sinne und eine Erläuterung seiner Kulturspezifik im islamisch-arabischen 1 Kontext.
2 Die Rolle von Religion bei Konflikten und Konfliktlösung
Religion ist ein zweischneidiges Schwert: Sie kann Konflikte verursachen oder verhindern (vgl. Johnston 1996: 53); sie ist ein beständiger und vielleicht unvermeidbarer Faktor für Konflikte und deren Lösung (vgl. http://www2.gmu.edu/ programs/icar/pcs/ASNC83PCS.htm). Diese Ambivalenz ergibt sich aus der individuell verschiedenen menschlichen Wahrnehmung und Interpretation des Heiligen. Dadurch kommen verschiedene Menschen zu genau
1 Genau genommen kann „arabisch“ und „islamisch“ nicht gleichgesetzt werde, da es z. B. auch arabische Christen gibt bzw. Muslime, die nicht in einem arabischen Land leben. Hier soll die Wortkombination lediglich ausdrücken, dass die Mehrheit der Menschen, die in der arabischen Welt lebt, dem islamischen Glauben angehören.
1
gegensätzlichen Schlussfolgerungen über den Willen Gottes und den von ihnen selbst einzuschlagenden Weg (vgl. http://www.plowsharesproject.org/journal/php /article.php?issu _list_id=10&article_list_id=32). Die Heterogenität aller heute existierenden Religionen kann immer eine Quelle von Konflikten sein (vgl. ebd.), jedoch sollte man nicht Gefahr laufen, Konflikte ausschließlich als religiös verursacht anzusehen (vgl. http://www2.gmu.edu/programs/icar/pcs/ASNC83 PCS.htm).
Religion konstituiert kulturelle Werte und Normen einer Gesellschaft, da sie sich mit existenziellen Fragen des menschlichen Lebens, wie Freiheit, Sicherheit, Recht und Unrecht, auseinandersetzt. Somit repräsentiert sie einen beträchtlichen Teil der Gesellschaft und sollte daher in Konfliktlösungsprozesse eingebunden werden. Religiöse Netzwerke und Infrastrukturen erweisen sich oft als stabiler als politische Einrichtungen. So hangeln sich politische Amtsträger von Wahl zu Wahl, immer in Gefahr bei der nächsten abgewählt zu werden. Viele religiöse Oberhäupter hingegen, wie z. B. Bischöfe, haben ihren Posten ein Leben lang inne. Somit kann sich religiöse Friedensstiftung potenziell langfristiger orientieren als politisch motivierte (vgl. http://www.plowsharesproject.org /journal/php/article.php?issu_list_id=10 &article_ list_id=32). Das Spirituelle kann außerdem nicht von Konfliktlösungspraktiken getrennt werden, denn oft geht es nicht (nur) darum materielle Interessenskonflikte beizulegen, sondern auch bestimmte Werte, wie soziale Reintegration und existenzielle Sicherheit, zu verteidigen (vgl. http://www2.gmu.edu/programs/ icar/pcs/ASNC83 PCS.htm).
Johnston führt drei Situationen an, in denen religiöse Vermittlung im Konfliktfall effektiv sein kann: Erstens trägt Religion dazu bei Frieden auf einem höheren Vertrauensniveau durchzusetzen, nämlich dann, wenn er z. B. bereits auf politischer, wirtschaftlicher oder sicherheitstechnischer Ebene erreicht wurde. Zweitens kann Religion den Konfliktparteien in einer festgefahrenen Pattsituation
eine Möglichkeit bieten einen gesichtswahrenden Ausweg zu finden 2 . Drittens hilft eine spirituelle Komponente dann, wenn es gilt, einen Kreis von Rachetaten zu durchbrechen und an die moralische Verpflichtung der Konfliktparteien nach
2 So spricht man z. B. bei einer islamischen Konfliktlösungsmethode von „schwebender Sulha“, also „schwebender Aussöhnung“, wenn der Konflikt schon seit Jahrzehnten nicht gelöst werden kann. Der Vermittler nämlich würde nie einräumen, dass ein Konflikt unlösbar ist (vgl. Lang 2002: 63).
2
Vergebung und Aussöhnung zu appellieren (vgl. Johnston 1996: 59f.).
3. Konflikte und Konfliktlösung im Islam 3.1 Das islamische Friedensverständnis
Der Name „Islam“ (wörtlich: Hingabe (an Gott)) (Wehr 1985: 593) geht auf die arabische Wurzel s-l-m zurück, die u. a. Bedeutungen wie Frieden, Sicherheit und Geborgenheit umfasst (vgl. http://www2.gmu.edu/programs/icar/pcs/ASNC83PC S.htm). Frieden im Islam beginnt mit Gott: Gott ist Frieden, denn Frieden (arab. salām) ist einer der 99 schönsten Namen Gottes (Koran 59:23) und auch im Paradies herrscht salām (vgl. Funk/ Kadayifci/ Said 2002: 7). Frieden ist etwas Natürliches und Ordnungsgemäßes (vgl. Lang 2002: 65) und das Streben danach liegt in der tiefsten Natur des Menschen. Der Koran ruft die ganze muslimische Glaubensgemeinschaft (arab. 'umma) auf, Frieden anzustreben (vgl. http://www2. gmu.edu/programs/icar/pcs/ASNC83PCS.htm). Frieden wird als ein Gleichgewicht bzw. als eine Harmonie verschiedener Teile aufgefasst (vgl. ebd.), welche Gewalt und Konflikt ab und zu durchbrechen (vgl. Lang 2002: 65). In einer solchen Konfliktsituation sind die Gläubigen dann verantwortlich die Harmonie im eigenen Interesse wiederherzustellen. Denn Frieden ist nicht einfach nur die Abwesenheit von Unterdrückung und Tumult (vgl. http://www2.gmu.edu/ programs/icar/pcs/ASNC83PCS.htm), sondern ist auch eng mit Gerechtigkeit, menschlichem Wohlstand bzw. Gedeihen und einer Umgebung verbunden, die Selbstverwirklichung unterstützt (vgl. Funk/ Kadayifci/ Said 2002: 6f.). Die wichtigsten Anliegen in der Scharia, dem Gesetz des Islams, sind es demnach die harmonische Beziehung innerhalb der Familie und der muslimischen Gemeinschaft, zwischen dem einzelnen Gläubigen und Gott, zwischen den Religionen und zwischen dem Menschen und anderen Lebewesen aufrechtzuerhalten (vgl. ebd.: 8).
3.2 Das islamische Konfliktverständnis
Das islamische Konfliktverständnis ergibt sich aus den folgenden Quellen: Koran, Aussprüche des Propheten (arab. ḥadīṯ), sowie Konsens (arab. iǧmā') und Analogieschluss (arab. qiyās) der Gelehrten (vgl. http://www.islamische-zei-
3
Arbeit zitieren:
Cornelia Steinigen, 2009, Konflikte und Konfliktlösung im Islam, München, GRIN Verlag GmbH
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