Inhaltsverzeichnis
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1. Einleitung 2
2. Theorievorstellung
2.1. Definition Persönlichkeitsmerkmale 2
2.2. Persönlichkeitsmerkmale und Gesundheit 3
3. Emotionsbezogene Persönlichkeitsmerkmale
3.1. Negative Emotionen 5
3.2. Positive Emotionen 6
4. Kontrollorientierte Persönlichkeitsmerkmale
4.1. Risikowahrnehmung 7
4.2. Optimistischer Fehlschluss 8
5. Relevanz für den Schulalltag. 10
6. Literaturverzeichnis 12
7. Anhang 13
1. Einleitung
Die Gesundheitspsychologie beschäftigt sich mit unterschiedlichen individuellen, sozialen und strukturellen Einflussfaktoren, die Auswirkungen auf die körperliche und seelische Gesundheit von Menschen haben (können). Hierzu zählen beispielsweise Einflüsse der Umwelt, soziale Unterstützung oder bestimmte Eigenschaften von Personen: Wenn ein Mensch besonders zuversichtlich ist (und das in allen Lebenslagen), wird er in vielen Situationen auch davon überzeugt sein, dass ein bestimmtes Verhalten (z.B. Sport) zu einem gewünschten Ergebnis (z.B. körperliche Fitness) führt. 1
Die Gesundheitspsychologie beschreibt und erklärt solche gesundheitsrelevanten Einstellungen und Verhaltensweisen und leitet aus empirisch bestätigten Zusammenhängen Interventions- und Präventionsmaßnahmen ab, wie zum Beispiel Programme zur Stressbewältigung.
In dieser Ausarbeitung sollen verstärkt die Persönlichkeitsmerkmale betrachtet werden. Was ist hierunter überhaupt zu verstehen? Welche Zusammenhänge zur Gesundheit können hergestellt werden? Und welche Bedeutung hat dieses Thema schließlich für unseren zukünftigen Berufsalltag als Lehrkräfte?
Anlehnend an das Referat vom 07. Mai 2009 wird zunächst eine kurze theoretische Einführung in die Thematik gegeben und anschließend der Komplex der emotionsbzw. kontrollorientierten Persönlichkeitsmerkmale näher beleuchtet. Abschließend wird die Relevanz für den schulischen Alltag anhand verschiedener Beispiele erläutert.
2. Theorievorstellung
2.1. Definition Persönlichkeitsmerkmale
Persönlichkeitsmerkmale von Menschen werden in der Psychologie auch mit dem englischen Fachausdruck ‚trait’ bezeichnet und umfassen „sämtliche zeitlich überdauernde Persönlichkeitsmerkmale“. 2 Es handelt sich dabei um Merkmale, durch die bestimmte Aspekte des Verhaltens einer Person in einer spezifischen Situation beschrieben werden; das Persönlichkeitsmerkmal ‚Extraversion’ beschreibt beispielsweise wie sich eine Person zu seinen Mitmenschen verhält. Mit Persönlichkeitsmerkmalen sind aber keineswegs feste Charakterzüge gemeint, sondern vielmehr die Bereitschaft für ein bestimmtes Verhalten: Eine extravertierte Person wird sich demnach zwar in vielen sozialen Situationen gesellig und lebhaft
1 Vgl. Weber, Hannelore/ Vollmann, Manja: Gesundheitspsychologie, in: Bibliothek der Universität Konstanz, http://kops.ub.uni-konstanz.de/volltexte/2009/7137/, Zugriff: 19.04.2009, S. 524 f.
2 Hammelstein, Philipp: Persönlichkeitsmerkmale, in: Renneberg, Babette/ Hammelstein, Philipp: Gesundheitspsychologie, Heidelberg: Medizin Verlag 2006, S. 61.
verhalten, in anderen Situationen jedoch nicht. Persönlichkeitsmerkmale sagen also mit mehr oder weniger großer Wahrscheinlichkeit etwas darüber aus, dass sich eine Person mit einem bestimmten Merkmal in einer ähnlichen Situation wieder so verhalten wird wie zuvor - gesellig, wenn die Person das Merkmal der ‚Extraversion’ zeigt beziehungsweise schüchtern, wenn sie das Persönlichkeitsmerkmal ‚Introversion’ aufweist. 3
Von den relativ zeitstabilen Persönlichkeitseigenschaften abzugrenzen sind aktuelle Zustände (engl. ‚state’). 4 Diese variieren über die Zeit sehr stark, so ändern sich zum Beispiel das Befinden und die Aufmerksamkeit eines Menschen bereits im Verlauf eines Tages. Ebenso können sich Fähigkeiten und erlernte Verhaltensgewohnheiten ändern, von denen die Persönlichkeitsmerkmale somit abzugrenzen sind. Einstellungen, Interessen oder Wertorientierungen können zwar auch sehr zeitstabil sein, dennoch werden auch sie in den meisten Theorien nicht als Persönlichkeitsmerkmale betrachtet, da sie sich in der überwiegenden Zahl der Fälle sehr schnell ändern können.
Jens Asendorpf unterscheidet die verschiedenen Persönlichkeitsmerkmale nach ihrer Funktionalität und gliedert die Merkmale in die Bereiche Temperament, Fähigkeiten, Bedürfnisse, Handlungseigenschaften sowie Bewältigungsstile und
Bewertungsdispositionen. 5 Carl-Walter Kohlmann hingegen hat ein Modell entworfen, das lediglich emotionsbezogene Persönlichkeitsmerkmale von kontrollorientierten Persönlichkeitsmerkmalen differenziert. 6 Da Kohlmanns Modell auf verschiedenen Zusammenhängen zwischen den Persönlichkeitsbereichen und gesundheitsrelevantem Verhalten basiert, soll im Folgenden zunächst erläutert werden, inwiefern Persönlichkeitsmerkmale die Gesundheit beeinflussen können.
2.2. Persönlichkeitsmerkmale und Gesundheit
In der Literatur werden fünf potentielle Mechanismen diskutiert, über die Persönlichkeitsmerkmale eine gesundheitsfördernde oder gesundheitsgefährdende Wirkung entfalten können - vielfach verbinden sich mehrere dieser Mechanismen zu einem komplexen Wirkgefüge. 7
3 Vgl. Amelang, Manfred u.a.: Differentielle Psychologie und Persönlichkeitsforschung, 6. Aufl.,
Stuttgart: Kohlhammer 2006.
4 Hammelstein 2006, S.61.
5 Vgl. Asendorpf, Jens: Psychologie der Persönlichkeit, 5.Aufl., Berlin: Springer-Verlag 2007.
6 Kohlmann, Carl-Walter: Gesundheitsrelevante Persönlichkeitsmerkmale, in: Jerusalem, Matthias/ Weber, Hannelore (Hg.): Psychologische Gesundheitsförderung. Diagnostik und Prävention, Göttingen: Hogrefe 2003, S. 39-55.
7 Vgl. die Ausführungen zu den Mechanismen in Weber 2005, S. 525 ff.
Die erste Möglichkeit wird darin gesehen, dass Persönlichkeitsmerkmale die Gesundheit über physiologische Reaktionen beeinflussen können, das heisst dass beispielsweise Angst oder eine große Stressempfindlichkeit Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems begünstigen können. Weiterhin können Persönlichkeitsmerkmale die Gesundheit über direkte Folgen von Verhalten beeinflussen. Bei diesem Mechanismus geht es also darum, dass bestimmte Persönlichkeitsmerkmale wahrscheinlich mit bestimmten Verhaltensweisen einhergehen, die entweder gesundheitsfördernd oder gesundheitsgefährdend sein können. So wird eine gewissenhafte Person sehr wahrscheinlich seltener zu Nikotin oder Alkohol greifen als eine stark depressive Person.
Eine logische Fortführung dieses ‚Mechanismus’ besteht in der Annahme, Persönlichkeitsmerkmale könnten die Gesundheit über indirekte Folgen von Verhalten beeinflussen. Eine stark depressive Person wird sich beispielsweise stark von ihren Mitmenschen zurückziehen und somit auch weniger soziale Unterstützung erhalten, was wiederum negative Folgen für die Gesundheit haben kann. Auch die Umwelt spielt eine zentrale Rolle: Persönlichkeitsmerkmale können die Gesundheit ebenfalls über die Selektion von Umwelten beeinflussen. Eine gewissenhafte Person wird sich beispielsweise eine stabile soziale und berufliche Umwelt aufbauen, das heisst reichhaltige und intensive freundschaftliche Kontakte pflegen oder eine feste Partnerschaft aufbauen und einen möglichst gesicherten Arbeitsplatz suchen, der eine möglichst sorgenfreie Zukunft garantieren kann. Dies kann - entsprechend durch weniger Sorgen bzw. Stress - positive Folgen für die Gesundheit haben.
Schließlich können Persönlichkeitsmerkmale die Gesundheit über das konkrete Krankheitsverhalten beeinflussen. Je nach persönlichen Eigenschaften wird eine Person zum Beispiel einen Arzt konsultieren oder sich selbst Medikamente verabreichen, insbesondere neurotische Menschen neigen zur letztgenannten Selbstmedikation.
Durch die genannten Mechanismen wird deutlich, dass Persönlichkeitsmerkmale im Rahmen der Gesundheitspsychologie von besonderem Interesse sind, um präventive Konzepte auszuarbeiten, die zu einem gesundheitsförderlichen Verhalten beitragen können. Abweichend von den hier fünf diskutierten Wirkmechanismen der
Persönlichkeitsmerkmale auf die Gesundheit unterscheidet Carl-Walter Kohlhammer, wie bereits oben erwähnt, lediglich zwei Bereiche - emotionsbezogene und kontrollorientierte Persönlichkeitsmerkmale. Emotionsbezogene
Persönlichkeitsmerkmale wirken sich laut Kohlhammer über physiologische Prozesse
auf den Gesundheitszustand aus, während kontrollorientierte Persönlichkeitsmerkmale über das konkrete Gesundheits- bzw. Risikoverhalten Einfluss auf den Gesundheitsstatus nehmen. Im Folgenden werden diese beiden
Persönlichkeitsbereiche und ihr Zusammenhang mit körperlicher bzw. seelischer Gesundheit näher betrachtet. 8
3. Emotionsbezogene Persönlichkeitsmerkmale
3.1. Negative Emotionen
Untersuchungen ergaben einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Erleben und Ausdruck negativer Gefühle einerseits und körperlicher Gesundheit anderseits. Dabei wurden zwei verschiedene Betrachtungsweisen eingenommen: Personen, die ihre Emotionen nicht ausdrücken, sind anfälliger für Krankheiten als diejenigen, die ihre Gefühle zum Ausdruck bringen („non-expression approach“). Die andere Sichtweise untersucht die positiven Auswirkungen von offen gezeigten Emotionen auf die Gesundheit („expression approach“). Untersuchungen belegten beispielsweise, dass ein konstruktiver Ärgerausdruck mit einem niedrigen Blutdruck im Ruhezustand einhergeht. Unter einen konstruktiven Ärgerausdruck wird dabei eine ziel- und problemlösungsorientierte Kommunikation des Ärgers verstanden, die drei wesentliche Aspekte beinhaltet:
a) der Ärger wird gegenüber derjenigen Person ausgedrückt, die am Zustandekommen des Ärgers beteiligt war,
b) die Sichtweise des anderen wird miteinbezogen und
c) die Ärgersituation gelöst.
Es wurde festgestellt, dass bei Personen, die ihre Emotionen nicht in dieser Weise ausleben, eine gesundheitlich ungünstige Veränderung des Blutdrucks erfolgte. Positive Erfahrungen bezüglich eines konstruktiven Umgangs auch mit negativen Emotionen konnten durch das expressive Schreiben gefördert werden, bei dem Erwachsene täglich ihre Emotionen schriftlich festhalten und reflektieren. Medikamentengebrauch, das Erleben von körperlichen Schmerzen und depressive Gefühle nahmen ab, während das Selbstwertgefühl stieg. Hieraus resultiert, dass die Integration von Gefühlen und Gedanken in einer kohärenten Geschichte das Verständnis von Erfahrungen und somit das Wohlbefinden und die Gesundheit steigert. Gerade das expressive Schreiben stellt für die Schule ein geeignetes Mittel dar, Schülerinnen und Schülern (SuS) zu helfen, konstruktiv mit ihren Gefühlen umzugehen
8 Eine grafische Übersicht beider Modelle befindet sich auf Seite 13.
Arbeit zitieren:
Bachelor of Arts Britta Wehen, 2009, Persönlichkeitsmerkmale und Gesundheit, München, GRIN Verlag GmbH
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