Inhaltsangabe
Einleitung Seite 3 - 5
Hauptteil Seite 5 - 15
1. Allgemeines
2. Die Beziehung zwischen Gott und Mensch im Islam
3. Das Böse
4. Geduld
Schluss Seite 15 - 16
Quellenangabe Seite 17
2
Einleitung
Artikel aus „Der Spiegel“ 1 über die Flutkatastrophe in Istanbul vom
09.September.2009:
„Nach heftigen Unwettern ist der Großraum Istanbul von meterhohen Flutwellen heimgesucht worden. Mindestens 30 Menschen starben, zahllose andere versuchten verzweifelt, sich vor den Wassermassen in Sicherheit zu bringen. (...) Bis zu zwei Meter hohe braune Fluten wälzten sich am Mittwoch durch die türkische Millionenmetropole am Bosporus. Medien berichten, das Wasser sei „wie ein Tsunami“ über Istanbul hereingebrochen und zeigen dramatische Bilder. (...) U.a. wie ein 4- jähriges Mädchen aus den Händen ihrer Mutter gerissen und in den Tod gespült wird, während sich die Mutter und die Schwester der Kleinen retten konnten.“
Die Flutkatastrophe erfasste in Istanbul viele an einem gewöhnlichen Arbeitstag. Trotz Regen und Vorwarnungen waren hunderte von Menschen unterwegs, da sie sich aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen auch an einem solchen Tag nicht freinehmen konnten und zur Arbeit mussten. 30 von ihnen wurden in den Tod gerissen, unter diesen ein 4-jähriges Mädchen, welches die Mutter nicht länger halten konnte und somit gezwungen war die Tochter der Flut zu `überlassen`. Das Mädchen wurde zunächst vermisst, als man sieben Tage nach der Flut ihre Leiche finden konnte. Die Mutter gab in diesen sieben Tagen über den türkischen Nachrichtensender ntv 2 eine
Vermisstenanzeige auf und erwähnte mehrmals, dass sie als eine gläubige Muslimin ihre religiösen Pflichten noch nie vernachlässigt hätte und deshalb auf die Güte Gottes hoffe. Sie war sich sicher, dass ihre Tochter am Leben war und bat den möglichen Finder sie ihr dann schnellst möglichst zu bringen. Umso mehr enttäuscht und verlassen von all ihrer Zuversicht, Hoffnung und Glaube an die Gerechtigkeit Gottes, stand sie zuletzt am Sarg.
1 Siehe http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,647957,00.html.
2 http://www.ntv.com.tr/
3
Der Glaube an die Allmacht, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit Gottes ist ein zentraler wie fundamentaler Teil des islamischen Bekenntnisses. Die stets größere Gerechtigkeit Gottes zu bejahen und auf sie zu vertrauen entspricht der gläubigen Grundhaltung eines jeden Muslims. Was könnte aber der Islam z.B. gerade dieser trauernden Frau überhaupt noch versprechen, wenn ihre Frömmigkeit quasi durch den Tod der Tochter bestraft wurde?
Dieses Ereignis ist beispielhaft für viele andere Situationen, in denen Gottes Gerechtigkeit hinterfragt werden könnte. In diesem Kontext ist es unerlässlich, den Ursprung des Leids zu suchen: Bei Gott oder beim Menschen selber? Um die letztgenannte Frage beantworten zu können, müsste vorher geklärt werden, ob der Mensch frei handeln kann, d.h. aus eigener Kraft, Verantwortung und eigenem Willen oder ob all seine Taten letztendlich auf Gott zurückzuführen ist. Herrscht eine Handlungsfreiheit des Menschen, so sollte auch der Mensch für Böses verantwortlich sein. Doch was wenn man Böses erfährt ohne es verdient zu haben? Wie ist unverschuldetes Leid mit der Barmherzigkeit Gottes zu vereinbaren?
Ist der Mensch jedoch in seinem Handeln von Gott bestimmt, müsste dann nicht jede leidvolle Widerfahrnis und jedes existierende Übel ebenfalls göttlichen Ursprungs sein? Doch so würde die Gerechtigkeit und Barmherzigkeit Gottes in Frage gestellt werden. Während in der christlichen Tradition die Fragen nach dem Verhältnis von der Gerechtigkeit Gottes und der Freiheit des Menschen vielfältig diskutiert werden und dabei ein besonderes Augenmerk auf die Frage nach offenbar unverschuldetem Leid, das dem Menschen widerfährt, gerichtet ist, misst der Islam dieser Themenstellung kaum Bedeutung bei. Die islamische Theologie hat die Frage nach dem Leid stets im größeren Fragenzusammenhang der Allmacht und Gerechtigkeit Gottes und des freien Willens des Menschen
4
verortet. Diese Problematik zu ergründen, soll Gegenstand dieser der vorliegenden Arbeit sein.
Hauptteil
1. Allgemeines
Die Theodizee 3 , d.h. die Rechtfertigung Gottes, ist ein klassisches
philosophisches und theologisches Problem für diejenigen religiösen Traditionen, die von der Existenz eines allmächtigen, gütigen und allwissenden Gottes ausgehen.
Das Theodizee - Problem ist im Kern ein Widerspruchsproblem. Auf der einen Seite steht ein allmächtiger und nicht zuletzt ein gerechter Gott, auf der anderen Seite stehen die Erfahrungen von Übel und Leid in der von Gott geschaffenen Welt.
Eine prägnante, oft zitierte Formulierung des Problems lautet: „Entweder will Gott die Übel beseitigen und kann es nicht: Dann ist Gott schwach, was auf ihn nicht zutrifft, Oder er kann es und will es nicht: Dann ist Gott missgünstig, was ihm fremd ist, Oder er will es nicht und kann es nicht: Dann ist er schwach und missgünstig zugleich, also nicht Gott, Oder er will es und kann es, was allein für Gott ziemt: Woher kommen dann die Übel und warum nimmt er sie nicht hinweg“ 4
Auf zwei Arten wird versucht eine Lösung für dieses Problem zu finden: Der Widerspruch wird aufgelöst, indem die eine oder andere der beiden Aussagen eingeschränkt oder ganz fallen gelassen wird, oder indem man erklärt, wie an beiden Aussagen festgehalten werden kann. Und genau dies versuchte Gottfried Wilhelm Leibniz in seinem 1710 erschienenen Werk „Essais de Thèodicèe sur la bontè de Dieu, la libertè de
3 Der Begriff geht auf den Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz zurück.
4 Diese Argumentation wurde von dem Kirchenschriftsteller Lactanitus (ca. 250 bis nach 317) überliefert, der sie dem Philosophen Epikur zuschrieb.
5
Arbeit zitieren:
Ferda Cav, 2009, Theodizeefrage im Islam, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Jugendweihe in der DDR: 1954-1957
Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte
Seminararbeit, 23 Seiten
Praktikumsbericht: Laborschule Bielefeld
Praktikumsbericht / -arbeit, 20 Seiten
Propaganda und Agitation im DEFA Film der 50er Jahre
Vordiplomarbeit, 33 Seiten
Filmzensur und -politik in der DDR - Untersuchung an ausgewählten Film...
Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Magisterarbeit, 159 Seiten
Über den Text 'Einführung in die Biblische Didaktik' von Ingo ...
Theologie - Biblische Theologie
Essay, 8 Seiten
Ferda Nunninger hat einen neuen Text hochgeladen
Mohammed and Islam Mohammed and Islam Mohammed and Islam Mohammed and ...
Ignaz Goldziher, Kate Seelye, Morris, Jr. Jastrow
Islam in Tibet: Including Islam in the Tibetan Cultural Sphere; Buddhi...
Abdul Wahid Radhu, Gray Henry, Jane Casewit
Ibn Arabi in the Later Islamic Tradition: The Making of a Polemical Im...
Alexander D. Knysh
Victory of Islam-Alt8: The Victory of Islam: Muhammad at Medina A.D. 6...
Tabari, Michael Fishbein
Moderate and Radical Islamic Fundamentalism: The Quest for Modernity, ...
Ahmad S. Moussalli, Ahmad Mawsilili
Islam and Terrorism: What the Quran Really Teaches about Christianity,...
Mark A. , PhD Gabriel
0 Kommentare