Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Konstruktivismus: Was ist das? 4
2.1. Kernthese des Konstruktivismus. 6
3. Lerntheorie. 7
3.1. Lernen in einer konstruktivistischen Pädagogik. 7
3.2. Konstruktivistisches Lernen. 8
4. Bezug zur Erwachsenenbildung und Beratung. 9
4.1. Merkmale der konstruktivistischen Sichtweise. 10
4.1.1. Sozialkonstruktivismus und sozial-kognitive Perspektive. 11
4.1.2. Explizit konstruktivistische Perspektive. 12
5. Zusammenfassung. 13
6. Quellenangabe. 16
7. Abbildungsverzeichnis. 17
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1. Einleitung
Was ist Wirklichkeit? „Des Kaisers neue Kleider“ ist eines der bekanntesten Märchen des dänischen Schriftstellers Hans Christian Andersen. Es handelt von zwei Betrügern, die behaupten, dem Kaiser ein Kleid weben zu können, welches für ungebildete und unfähige Menschen unsichtbar bleibt. Von Grund auf begeistert, gibt der Herrscher das Kleidungsstück in Auftrag und hofft somit, untaugliche Staatsdiener erkennen zu können. Die wundersame Kraft des Kleides spricht sich herum und so wagt niemand - auch der Kaiser nicht - zuzugeben, dass sie alle nichts von der sonderbaren Kleidung sehen. Vielmehr bewundern die Leute den Kaiser mit dem kostbaren Gewand. Lediglich ein kleines Kind ruft plötzlich: “Aber er hat ja gar nichts an!“
Das Märchen regt in seiner phantasievollen Gestaltung zu mannigfaltigen Interpretationen an und lässt verschiedenste Deutungen zu. Es symbolisiert die Unbekümmertheit von Kindern, die Wahrheit auszusprechen, während sich Erwachsene keine Blöße geben wollen. „Des Kaisers neue Kleider“ stellt die Frage nach Sein und Schein, nach Wahrheit und Täuschung und nach Wirklichkeit und Illusion. Was sehen wir, wenn wir etwas sehen? - Dies ist nicht nur in Anbetracht des Märchens ein interessanter Aspekt, sondern stellt zudem einen zentralen Gegenstand im Konstruktivismus dar (vgl. Siebert 2005, S. 7). Im Kontext der Präsentation im Seminar „Beratung als Arbeitsfeld in der Erwachsenen- und Weiterbildung“ wurde die Seminargruppe an dieser Stelle aktiv in die Thematik mit einbezogen. Das Plenum hatte die Aufgabe, die vorliegenden Abbildungen 1 und 2 zu interpretieren bzw. erste Eindrücke zu nennen.
Abb. 1 Optische Täuschung Abb. 2 Wahrnehmungsübung „Jesus“
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Bild 1 stellt eine optische Täuschung dar, bei der nicht bestimmt werden kann, ob es sich bei der Ansicht auf die Plattform um eine Vogel- oder Froschperspektive handelt. Dies wurde bei der Übung von allen Teilnehmern bestätigt. Der Unterschied in der Betrachtungsweise lag lediglich in der Reihenfolge der wahrgenommenen Perspektiven. Für einen wirkungsvollen Effekt des zweiten Bildes bedarf es mehr Aufwand. Hierzu wurde die Seminargruppe angeleitet, den Blick für etwa 30 Sekunden auf die vier Punkte in der Mitte des Objektes zu lenken. Im Anschluss daran sollten die Augen fest geschlossen werden und im optimalen Fall war das Gesicht von Jesus mit einer weißen Umrandung zu sehen. Dies funktionierte nicht bei allen Teilnehmern und kann verschiedene Gründe haben. Diese zwei Übungen zeigen, wie selektiv unsere Wahrnehmung arbeitet und dass wir uns das konstruieren, was wir erwarten. Man spricht an dieser Stelle von einem so genannten Filter der Wahrnehmung. Die Verarbeitung der durch die Sinne aufgenommenen Informationen basiert auf der Grundlage persönlicher Erfahrungen und des individuellen Weltwissens. Die Sinneswahrnehmung des Menschen bildet die Wirklichkeit folglich nicht ontologisch-objektiv ab, wie sie ist, sondern jedes Individuum konstruiert seine Wirklichkeit rein subjektiv.
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2. Konstruktivismus - was ist das?
Mit dem Begriff Konstruktivismus wird seit ungefähr 1980 eine Denkrichtung bezeichnet, deren Grundlagen aus verschiedenen Fachgebieten
zusammengetragen sind. Die folgende Abbildung 3 veranschaulicht Disziplinen, die konstruktivistische Merkmale aufweisen bzw. die zur Prägung des Terminus beigetragen haben und soll lediglich einen informativen Zweck erfüllen.
Wie aus der Abbildung 3 hervorgehen soll, werde ich mich in der vorliegenden Arbeit auf den Konstruktivismus im Kontext der Erziehungswissenschaft beziehen. Da es jedoch unumgänglich ist, in diesem Zusammenhang auch auf weitere Disziplinen zu sprechen zu kommen, werde ich zudem Bezüge zu anderen Fachbereichen herstellen.
Bei dem Begriff Konstruktivismus handelt es sich um eine Erkenntnistheorie mit einer langen erkenntniskritischen Tradition. Bereits der italienische Philosoph Giovanni Battista Vico (1668-1744), aber auch Immanuel Kant (1724-1804), Arthur Schopenhauer (1788-1860), Jean Piaget (1896-1980) und Weitere stießen bei dem Thema Erkenntnis auf das Problem des Verhältnisses zwischen den Objekten und dem erkennenden Subjekt. In der philosophischen Tradition bedeutete Erkennen und Wissen nichts anderes, als dass etwas wahr war, weil es objektiv
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Arbeit zitieren:
Janett Hemstedt, 2010, Der Konstruktivismus und seine Bedeutung für die Beratung , München, GRIN Verlag GmbH
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