Inhaltsverzeichnis
1 Hinführung zum Thema 3
2 Abgrenzung der Arbeit 4
3 Theoretische Grundlagen 5
3.1 Die Ganztagsschule 5
3.2 Das „Schweinfurter Modell
der bewegten Ganztagsschule“ 7
4 Studie 9
4.1 Fragestellung 9
4.2 Methodik 10
4.3 Instrumente 11
4.4 Grenzen 12
4.5 Ergebnisse und Interpretation 13
5 Weiterführende Gedanken 18
6 Literaturverzeichnis 19
6.1 Buchveröffentlichungen 19
6.2 Internetquellen 19
6.3 Forschungsberichte 20
7 Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen 21
8 Anhang 22
9 Erklärung und Bewertung 48
3
1 Hinführung zum Thema
„In unsere Natur gehört die Bewegung, die vollkommene Ruhe ist der Tod.“ (PASCAL 1670)
Bereits im 17. Jahrhundert erkannten Philosophen die Wichtigkeit von Bewegung für den Menschen. In der aktuellen sportpädagogischen Fachliteratur finden sich ebenfalls Begründungen dafür, dass Bewegung für den Menschen - vor allem für Kinder - unabdingbar ist und außerdem Vitalität, kindliche Neugier sowie Lebensfreude ausdrückt (vgl. HAAG/ HUMMEL 2001, 380 f.).
„Bewegung und Sport gehören mit zu den wichtigsten Faktoren einer umfassenden, ganzheitlichen psychophysischen,
psychosozialen und intellektuell-sprachlichen Entwicklung, da alle Sinne, alle Organsysteme direkt oder indirekt von Bewegungsreizen bzw. damit verbundenen Interaktionsprozessen abhängig sind.“ (WEINECK/ WEINECK 2007-3, 47).
Ohne Bewegung ist eine optimale Entwicklung somit nicht möglich.
Negative Begleiterscheinungen von Bewegungsmangel sind klar erkennbar: In hochentwickelten Ländern sind mehr und mehr Kinder übergewichtig oder gar adipös, was wahrscheinlich im weiteren Leben erhalten bleibt (vgl. MANN 2008, 11). Bewegungsmangel im Kindesalter kann des Weiteren sowohl zu Defiziten bei der Bewegungskoordination und bei den Bewegungsfertigkeiten führen, als auch das Risiko von Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und des aktiven und passiven Bewegungsapparates erhöhen. Zu wenig Bewegung kann außerdem zu einem Rückgang der psychischen Entwicklung und der sozialen Integration führen (vgl. GRAF/ DORDEL/ KOCH/ PREDEL 2006, S. 222).
Die Frage ist, in welchem Maße Kinder heute Bewegung brauchen, um sich optimal zu entwickeln. Nach KRETSCHMER gibt es verschiedene Versuche, Bewegungsmangel zu definieren. Einerseits gibt es die Definition, dass ein Bewegungsmangel vorliegt, wenn sich Kinder im
4
Schnitt nur noch eine halbe Stunde täglich bewegen, andererseits wird in einer anderen Definition davon gesprochen, dass eine halbe Stunde Bewegung am Tag ausreiche, um nicht von Bewegungsmangel zu sprechen (vgl. KRETSCHMER 2003, 4).
Klar erscheint, dass das Phänomen Bewegungsmangel unscharf ist und sich nicht eindeutig definieren lässt (vgl. GRAF et al. 2006, 220). Einsichtig ist hingegen, worin Bewegungsmangel seine Ursachen haben kann: Zunehmende Motorisierung, hochgradige Technisierung,
zunehmender Einfluss der Medien sowie eine „bewegungsfeindliche“ Umgebung (z.B. in der Stadt, weniger oder keine Spiel-, Sport-, und Bolzplätze) können jene Faktoren sein (vgl. SCHMIDT/ ZIMMER/ VÖLKER 2008, 110).
2 Abgrenzung der Arbeit
Inwieweit Bewegungsmangel nachgewiesen, beziehungsweise definiert werden kann, soll nicht Gegenstand dieser Arbeit sein, dagegen soll das „Schweinfurter Modell der bewegten Ganztagsschule“ - als Versuch dem Bewegungsmangel bei Kindern entgegenzuwirken - hier behandelt werden. Die vorliegende Arbeit beginnt mit theoretischen Grundlagen, wobei zunächst geklärt wird, was man allgemein unter einer Ganztagsschule versteht. Im Anschluss wird jenes „Schweinfurter Modell der bewegten Ganztagsschule“ vorgestellt und dessen Besonderheiten dargelegt.
Im Rahmen dieser Arbeit soll die Studie, die an Projektschulen läuft, erläutert und deren Ablauf, Methodik, Messinstrumente sowie Grenzen verdeutlicht werden.
Abgerundet wird die Arbeit durch eine Interpretation der Ergebnisse der Studie sowie einige weiterführende Gedanken.
5
3 Theoretische Grundlagen
Die wichtigsten theoretischen Grundlagen dieser Arbeit beinhalten die Definition der Ganztagsschule allgemein, sowie die Besonderheiten und speziellen Aspekte des „Schweinfurter Modells der bewegten Ganztagsschule“.
3.1 Die Ganztagsschule
Die „Schule als Lebensraum“ ist eines der wichtigsten Schlagworte im Bezug auf die Ganztagsschule in Bayern. Kinder, die dieses Angebot wahrnehmen, sind von 8.00 Uhr - 16.00 Uhr in der Schule, essen dort gemeinsam zu Mittag, erledigen Hausaufgaben und spielen. Eltern wird somit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtert, da die Ganztagsschule nicht nur Betreuung, sondern auch erzieherische Unterstützung zusagt. Außerdem bietet die Ganztagsschule mehr Zeit, jeden einzelnen zu fördern und das soziale Miteinander zu unterstützen. Weiterhin bietet sich so die Möglichkeit für mehr Freiraum der Unterrichtsgestaltung, wie beispielsweise die Entwicklung von Projekten (vgl. ganztagsschule.bayern.de).
Essentiell und durch das Kultusministerium ausdrücklich gewünscht sind Kooperationspartner, am naheliegendsten Sportvereine und
Jugendorganisationen, die Personal zur Verfügung stellen, welches in Zusammenarbeit mit den Lehrkräften nachmittags mit den Kindern arbeitet und sie bei Sport und Spiel betreut (vgl. SEIBEL 2007, 10).
6
In Bayern unterscheidet man zwei Arten der Ganztagsschule, die gebundene und die offene:
Die Ganztagsschule steht demnach für eine neue Lehr- und Lernkultur, in der Unterricht und außerschulische Angebote zusammenfließen, jeder einzelne Schüler mehr gefordert und gefördert wird und Kompetenzen von außerhalb an die jeweilige Schule geholt werden (vgl. SEIBEL 2007, 11).
Welchen Effekt und welche positiven Folgen die Ganztagsschule tatsächlich hat, wurde bisher nicht abschließend untersucht. Mit der länderübergreifenden „Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen“ (StEG) (2005-2009) und schulinternen Erhebungen werden gesicherte Ergebnisse erwartet (vgl. ganztagsschule.bayern.de).
7
3.2 Das „Schweinfurter Modell der bewegten Ganztagsschule“
Das sogenannte „Schweinfurter Modell der bewegten Ganztagsschule“ wurde durch den „Idealverein für Sportkommunikation und Bildung e.V.“ (ISB) ins Leben gerufen und in Kooperation mit diversen Ganztagsschulträgern durchgeführt. Der ISB bietet interessierten Schulen in der Stadt und im Landkreis Schweinfurt unter dem Qualitätssiegel „Bewegte Ganztagsschule - Ganztagsschulen sorgen für Bewegung“ eine Kooperation an, die im Folgenden näher erläutert wird (vgl. BAUER 2008).
Das Personal, welches der ISB zur Verfügung stellt, besteht sowohl aus Vollzeitkräften wie auch aus jugendlichen Abiturienten, die ein freies soziales Jahr im Bereich Sport und Schule ableisten möchten. Voraussetzungen für das Personal sind eine erworbene C-Lizenz, also der Erwerb der 1. Lizenzstufe im „Breitensport“ als Übungsleiter und ein erfolgreich abgeschlossener Erste-Hilfe-Kurs (vgl. BAUER 2008).
Im Bezug auf das Ganztagsmodell stützt sich der ISB auf vier Leitziele: • Gesundheit, Leistungsfähigkeit, Vitalität, Wohlbefinden • Natürlichkeit, Lockerheit, Gelassenheit, Sicherheit • Soziales Verhalten, Fairness, Disziplin, Selbstbeherrschung, Freiwilligkeit
• Spiel, Bewegungsfreude, Zwecklosigkeit (vgl. HAAG/ HUMMEL 2001, 178).
Der ISB setzt den Schwerpunkt für sein Ganztagsschulmodell auf die zentralen Aspekte Sport und Gesundheitserziehung. Während beispielsweise für eine reguläre Hauptschule zwei Stunden Basissportunterricht und eventuell zwei weitere Stunden differenzierter Sportunterricht vorgesehen sind, legt das „Schweinfurter Modell der bewegten Ganztagsschule“ mindestens eine Stunde Sport pro Tag fest (vgl. S. BAUER, persönliche Mitteilung, 08.10.2009).
8
Außerdem werden weitere Sport- und Freizeitangebote zur Verfügung gestellt. Besonders beliebt bei den Schülern sind Besuche der Eisbahn, des Fitnessstudios oder Wandertage mit Zielen wie zum Beispiel Sportgelände im Stadt und Landkreis Schweinfurt. Zu
Gesundheitserziehung gehören Besuche des Zahnarztes an der Schule sowie Lerneinheiten, die sich mit gesunder Ernährung beschäftigen (vgl. LUTZ 2009, BÄUERLEIN 2009).
Zusammenfassend ist zu sagen, dass durch das „Schweinfurter Modell der bewegten Ganztagsschule“ die gesundheitlichen Schutzfaktoren gestärkt werden sollen und eine nachhaltige, positive Verhaltensänderung in Bewegungs- und Ernährungsgewohnheiten angestrebt wird. Nach Aussage des ISB soll die „Bewegte Ganztagsschule“ keine Addition von Fächern, sondern ein von Lehrern, Schülern und Eltern gestalteter Lebensraum sein. Die Finanzierung des „Schweinfurter Modells“ erfolgt durch den Freistaat Bayern sowie durch Spenden und Sponsoren. Der ISB ist eine Non-Profit-Organisation, was heißt, dass der Verein keine Gewinnmaximierung anstrebt, sondern das Projekt sich lediglich refinanziert (vgl. BAUER 2008).
Bis zum Schuljahr 2009/2010 nehmen drei Schulen das Angebot des „Schweinfurter Modells der bewegten Ganztagsschule“ wahr. In der Hugovon-Trimberg-Volksschule in Niederwerrn wird die gebundene Ganztagsschule, in der Grundschule Schwanfeld sowie in der Hauptschule Schwanfeld die offene Ganztagsschule angeboten (vgl. BAUER 2008).
9
4 Studie
Im Folgenden wird die Studie, die an den Projektschulen läuft, erläutert und ihre Grenzen, sowie Ergebnisse und eine eigene Interpretation dargelegt.
4.1 Fragestellung
Es wurde verdeutlicht, dass ein Angebot wie das „Schweinfurter Modell der bewegten Ganztagsschule“ viele positive Aspekte in verschiedenen Bereichen bringen kann. Um Entwicklungsveränderungen der Kinder aufzuzeigen, wird im Rahmen einer Studie versucht, Vergleiche zwischen den Ganztags- und den Halbtagsschülern auf sozialer, gesundheitlicher, sportlicher und schulischer Basis anzustellen (vgl. BAUER 2008).
Ziel der Studie und somit des ISB ist es, zu überprüfen, ob sportbetreute Ganztagsschüler nachhaltig gesünder, aktiver und mobiler sind als Schüler, die keine Ganztagsschule mit Schwerpunkt „Sport“ besuchen (vgl. LÜDECKE/SCHNEIDER 2009, 1).
Im Folgenden möchte ich mich auf die Methodik und die Auswertung der Ergebnisse der Hauptschule Niederwerrn beschränken, da die Gesamtheit der Ergebnisse, welche an allen Schulen erhoben wurden, den Umfang dieser Arbeit überschreiten würde.
Für diese Arbeit wird die Frage nach den Veränderungen des Sportverhaltens sowie des Gewichts und der Größe und der aeroben Ausdauerleistungsfähigkeit in den Vordergrund gestellt und im Folgenden beantwortet.
10
4.2 Methodik
Das „Schweinfurter Modell der bewegten Ganztagsschule“ wird mittels einer Kohortenstudie bewertet. Nicht die gesamte Schule wird zur Ganztagschule, sondern einzelne Jahrgänge. Im Einführungsjahr, Kohorte 2008, konnten die Eltern der Kinder, die im Schuljahr 2008/2009 den 5. Jahrgang besuchen wollten, wählen, ob diese den Ganztagszug der Hugo-von-Trimberg-Volksschule besuchen sollten. Im Folgejahr besuchten diese Schülerinnen und Schüler den Ganztagszug der 6. Klasse, während sich die „neuen“ Fünftklässler wieder für den Besuch der Ganztagsklasse entscheiden konnten. Somit hatte Niederwerrn 2008/2009 eine und 2009/2010 zwei Ganztagsklassen. Aufgrund der Zweizügigkeit dieser Hauptschule gibt es parallel dazu auch je eine reguläre, also eine Halbtagesklasse (vgl. U. KEMPF, persönliche Mitteilung, 24.11.2009).
Im ersten Jahr, der Kohorte 2008, gab es somit zwei 5. Klassen. Die Testgruppe (Ganztagszug), die aktiv an der „Bewegten Ganztagsschule“ teilnahm und die Kontrollgruppe (Halbtagsklasse), die an der gleichen Schule den Unterricht weiterführte wie das Jahr zuvor, also ohne besondere Einflussnahme durch Mitarbeiter des ISB. Ziel der Untersuchung mittels Test- und Kontrollgruppe ist es, die Qualität des Betreuungsangebots zu messen (vgl. BAUER 2008).
Die Untersuchungen innerhalb der Studie beinhalten das Wiegen und Messen zur Errechnung des Body-Mass-Index (BMI), eine Befragung zu Bewegungs- Ernährungs-, und Hygieneverhalten sowie den schulischen Leistungen und einen Ausdauertest. Diese Erhebung findet zyklisch einmal im Schuljahr statt. Im ersten Teilnahmejahr an der „Bewegten Ganztagsschule“ wird mit der Grunderhebung begonnen und zu jedem weiteren Erhebungszeitpunkt folgt eine Zykluserhebung (vgl. BAUER S., persönliche Mitteilung, 13.10.2009).
11
Dieser Arbeit liegen nur die Ergebnisse der Kohorte 2008, also die Grunderhebung im September 2008 und die 1. Zykluserhebung im Juni 2009 zugrunde, da zum aktuellen Zeitpunkt die Erhebung des Folgejahrs noch nicht abgeschlossen ist.
4.3 Instrumente
Zu den Erhebungen, welche mit den Kindern durchgeführt werden, gehören ein fünfseitiger, durch den ISB zusammengestellter, Fragebogen, der standardisierte aber auch eigens erstellte Fragen enthält. (siehe Anhang). Die Themengebiete des Fragebogens unterteilen sich in „Habituelles Bewegungsverhalten“, „Gesundheit und Hygiene“, „Ernährung und Suchtverhalten“, „Total Quality“ und „Performance und Kompetenzen“ (vgl. LÜDECKE/ SCHNEIDER 2009, 1). Die Kinder werden außerdem auf Veränderungen hinsichtlich des BMI untersucht, welcher sich aus Körpergewicht in Kilogramm, dividiert durch Körpergröße in Metern zum Quadrat errechnet (vgl. WEINECK/ WEINECK 2007-2, 281).
Des Weiteren absolvieren die Schüler einen sportmotorischen Test zur Ermittlung der aeroben Ausdauerleistungsfähigkeit, den sogenannten Shuttle-Run-Test.
„Aufgabe beim Shuttle Run ist es, möglichst lange zwischen zwei 20 Meter entfernt liegenden Linien hin- und herzurennen. Die Laufgeschwindigkeit wird durch Intervalle zwischen zwei Tonsignalen angegeben. Zu Beginn ist dieses Tempo sehr langsam (8 km/h) und wird dann jede Minute um einen halben Stundenkilometer erhöht (progressiver Belastungstest). Die Kinder können den Test bei Ermündung selbstständig abbrechen oder sie werden von den Testleitern dazu aufgefordert aufzuhören, wenn sie das vorgegebene Tempo nicht mehr halten können.“ (SCHMID/ ROMANN/ KRIEMLER/ ZAHNER 2007, 59)
Der Test startet mit Level 1 und kann sich bis Level 20 steigern. Steigen die Kinder zum Beispiel während des sechsten Levels aus, so wird Level 5, als der zuletzt vollständig ausgeführte Level im Testbogen gewertet.
12
4.4 Grenzen
Klar erscheint, dass eine Studie immer genauer bzw. vertretbarer wird, je mehr Probanden sie hat. Somit wird schon bei der Anzahl der Schüler eine Ungenauigkeitsgrenze erreicht, da beispielsweise insgesamt nur 103 Schüler an der Grunderhebung teilgenommen haben. Diese können keine ausreichend repräsentative Ergebnisse liefern, was sich in den Folgejahren natürlich ändern wird, da immer mehr Probanden an der Untersuchung teilnehmen werden.
Eine weitere Schwierigkeit tritt auf, wenn man bedenkt, dass die standardisierten Fragestellungen der Fragebögen sowohl für die Probanden der 1. Klasse als auch für die der 9. Klasse benutzt werden. Gewisse Begriffe wie beispielsweise „Widerstände“ oder „Fähigkeiten“ können vor allem von den jüngeren Kindern nicht richtig verstanden werden (vgl. LÜDECKE/ SCHNEIDER 2009, 2).
Des Weiteren befand sich das „Schweinfurter Modell der bewegten Ganztagsschule“ im Jahr 2008 im Einführungsjahr, ebenso wie die dazugehörige Studie. Es traten Ungenauigkeiten sowie Fehler durch den beispielsweise noch unsicheren Interviewer oder durch unstrukturierte Abläufe bei sportmotorischen Tests auf. In den Folgejahren wird man ähnliche Probleme vermeiden können, indem man vieles vorher genauer bespricht und aus den Problemen des Einführungsjahres gelernt hat. Möglicherweise kann die erste Kohorte nach einigen Jahren Studienlaufzeit aus der Gesamtheit aller zur Verfügung stehenden Daten herausgefiltert werden, um eindeutigere Daten zu erhalten.
13
4.5 Ergebnisse und Interpretation
Insgesamt (Test- und Kontrollgruppe in Schwanfeld und Niederwerrn) umfasst die Kohorte 2008 123 Schüler in der Grunderhebung, 117 davon im 1. Zyklus. Durch Schulabgang, Schulwechsel oder ähnliches erklärt sich der Schwund von ca. 5%.
41 Schüler besuchten den 5. Jahrgang der Hugo-von-Trimberg-Volksschule in Niederwerrn. Die Testgruppe beinhaltete 24 Schüler, davon zehn weibliche und 14 männliche. In der dazugehörigen Kontrollgruppe waren von 17 Schülern sechs weiblich und 11 männlich.
Abb.1: Aufteilung des 5. Jahrgangs Niederwerrn nach Test- und Kontrollgruppe
Abb.2: Zusammensetzung der Probanden
Da die Geschlechter in Test- und Kontrolle ähnlich verteilt sind, wird bei der Auswertung der Daten auf die geschlechterspezifische Auswertung verzichtet.
Im Folgenden wird die Veränderung von Grunderhebung zu Zyklus 1 untersucht. Dabei werden Test- und Kontrollgruppe in ihrer jeweiligen Entwicklung bezüglich ihres habituellen Bewegungsverhaltens (Testfragen zum Bewegungsverhalten, Veränderungen des BMI-Wertes, Ergebnissen des Shuttle-Run-Tests) verglichen. Die Ergebnisse werden dargestellt und im Folgenden interpretiert.
14
Entwicklung der Testgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe nach Grund-und erster Zykluserhebung
- Regelmäßige sportliche Aktivitäten außerhalb des Ganztagsangebots
Abb. 3: Sportliche Aktivität außerhalb der Schule
Von den Schülern der Testgruppe haben zu Beginn des Schuljahres 74,01% außerhalb des schulischen Angebots Sport getrieben, zum Ende des Schuljahres waren es 90%. In der Kontrollgruppe lag der Durchschnitt derer, die regelmäßig Sport treiben im September 2008 bei 58,82% und im Juni 2009 bei 93,75%. Sowohl in der Testgruppe als auch in der Kontrollgruppe ist eine Steigerung im Bezug auf außerschulische sportliche Aktivitäten zu verzeichnen, die Ganztagsschüler um 15,99% die Halbtagsschüler um 34,93%.
Gründe, warum in beiden Gruppen die sportliche Aktivität außerhalb der Schule zunimmt, können neue Freunde und damit verbunden neue Interessen sein. In der 5. Klasse haben die Schüler die Grundschule verlassen und sind nun in Klassen mit neuen Mitschülern und Mitschülerinnen. Durch neue Freundschaften wird womöglich das Interesse für neue Sportarten oder mehr Aktivitäten geweckt. Eine Erklärung, warum die sportliche Aktivität der Halbtagsschüler um ca. 20% mehr steigt als die der Ganztagsschüler könnte der Zeitaspekt sein. Die Schüler des Halbtagszugs haben den Nachmittag frei und somit mehr Zeit und eventuell mehr Energie für Sport und Spiel. Sie können sich häufiger mit Freunden treffen und aktiv sein als die Ganztagsschüler, die erst am späten Nachmittag aus der Schule kommen.
15
- „Bist du aktives Mitglied in einem Sportverein?“
Abb. 4: Mitgliedschaft in einem Sportverein
Zum Zeitpunkt der Grunderhebung waren 50% der Testgruppe und 47,06% der Kontrollgruppe Mitglied in einem Sportverein. Bei der ersten Zykluserhebung gaben 70% der Testgruppe und 50% der Kontrollgruppe an, Mitglied in einem Sportverein zu sein. Die Mitgliedschaft in Sportvereinen steigt also bei der Testgruppe von 50% in der Grunderhebung auf 70% im Zyklus 1, während die der Kontrollgruppe von 47,06% auf 50% steigt.
Sowohl in der Testgruppe als auch in der Kontrollgruppe sind zum Schuljahresende mehr Schüler Mitglied in einem Sportverein als zu Beginn des Schuljahres. Während der Zuwachs der Sportmitglieder in der Kontrollgruppe nur bei 2,94% liegt, liegt jener in der Testgruppe bei 20%. Dieses Ergebnis ist sehr überraschend, da man aufgrund des Zeitaspektes erwarten könnte, dass die Ganztagsschüler nicht nur weniger Sport außerhalb der Schule treiben, sondern - als Schlussfolgerung daraus - auch weniger häufig Mitglied in einem Sportverein werden. Vermehrte und verschiedenste Sportangebote in der bewegten Ganztagsschule könnten aber dazu führen, dass mehr Interesse an diversen Sportarten geweckt wird und somit ein Eintritt in einen Sportverein folgt. Außerdem besteht durch den jeweiligen Mitarbeiter des ISB eine direkte Verbindung zu einem Sportverein. Dies könnten Gründe sein, warum Ganztagsschüler, trotz weniger Zeit, vermehrt Mitglied in einem Sportverein werden.
16
- Body-Mass-Index
Der BMI der Ganztagsschüler steigt durchschnittlich von 15,64 auf 17,42. Zu Schuljahresbeginn befand sich der Durchschnitt der Schüler des Ganztagszugs im leichten Untergewicht, zu Jahresende im Normalgewicht (vgl. CONERS/ HEBEBRAND/ HESEKER/ HIMMELMANN/
REMSCHMIDT/ SCHÄFER 1996) (Tabelle siehe Anhang).
Die Halbtagsschüler hatten im Durchschnitt in der Grunderhebung einen BMI-Wert von 17,168, zum Zeitpunkt des ersten Zyklus 16,937. Der BMI der Kontrollgruppe befindet sich somit im Bereich des Normalgewichts und ändert sich kaum (vgl. CONERS et al. 1996) (Tabelle siehe Anhang).Die enorme Zunahme des durchschnittlichen BMI der Ganztagsschüler - im Vergleich zu dem der Halbtagsschüler - könnte sich im Muskelaufbau begründen. Die Schüler der bewegten Ganztagsschule treiben jeden Tag Sport und haben somit einen großen Muskelaufbau. Nach eigener Mitarbeit in den Erhebungen kann bestätigt werden, dass die Kinder der Ganztagsschule nicht deutlich zugenommen haben. Weiterhin ist es für Kinder und Jugendliche im Alter von 11-13 Jahren, in welchem sich die Probanden befinden, normal, innerhalb eines Jahres bis zu 9,5 kg zuzunehmen (vgl. WEINECK/ WEINECK 2007-3, 41).
Die BMI-Werte werden meiner Meinung nach erst in den Folgejahren brauchbare und erklärbare Daten liefern, wenn die Probanden die „bewegte Ganztagsschule“ länger als ein Jahr besuchen.
17
- Shuttle-Run-Test-Ergebnisse
Der Durchschnitt der Ganztagsschüler schied zu Jahresbeginn im 6. Level des Shuttle-Run-Tests aus, am Jahresende im 4. Level. Sie verschlechterten sich somit um fast zwei Level. Die Kontrollgruppe verschlechterte sich ebenfalls, von durchschnittlich Level 6 in der Grunderhebung auf Level 5 in der ersten Zykluserhebung.
In beiden Gruppen ist also eine deutliche Verschlechterung zu erkennen. Dies könnte damit zusammenhängen, dass die Kinder den Test im ersten Zyklus schon zum zweiten Mal absolvieren, es ist also nichts Neues für sie und kann gegebenenfalls langweilig sein. Nach der ersten Durchführung könnten sie erkannt haben, dass das Testergebnis keine schulischen Konsequenzen für sie hat (keine Benotung). Die Schüler könnten also im Zyklus 1 keine besondere Motivation mehr gehabt haben. Auch diese Werte werden meiner Meinung nach in den Folgejahren aussagekräftiger, wenn die Schüler und Schülerinnen länger am sportbetonten Ganztag teilgenommen haben. Allerdings sollten sie eventuell einen Motivationsanstoß seitens der Lehrer oder der ISB-Mitarbeiter bekommen. Der Test sollte beispielsweise als Wettbewerb durchgeführt werden.
18
5 Weiterführende Gedanken
Zusammenfassend ist zu sagen, dass man bereits nach einem Jahr „Schweinfurter Modell der bewegten Ganztagsschule“ nicht erwarten kann, dass alle Werte sich zugunsten des Modells verändern. In einigen Jahren werden erwartungsgemäß die Testergebnisse aussagekräftiger sein, da einerseits mehr Daten vorhanden sein werden und andererseits die Organisation und Durchführung der Erhebungen besser ausgearbeitet sein wird. Die Probleme oder Unklarheiten des Einführungsjahres können beispielsweise durch genauere und bessere Instruierung der Testleitung reduziert werden.
Dass Schüler, die das „Schweinfurter Modell der bewegten Ganztagsschule“ besuchen, sich regelmäßig bewegen und somit dem bewegungsunfreundlichen Alltag mit Video- und Computerspielen sowie Fernsehen entgegenwirken ist klar ersichtlich. Durch tägliches Sporttreiben und gesunde Ernährung werden die Kinder auf einen gesunden und aktiven Lebensstil vorbereitet. Dass die bewegte Ganztagsschule Tatsachen wie zunehmende Technisierung oder Motorisierung nicht ändern kann ist klar, doch zeigt sie einen Weg auf, Kinder gesund und aktiv zu erziehen und auf diese Weise Bewegungsmangel vorzubeugen. Ob dieser Weg sich auf Dauer durchsetzen wird, kann zu diesem Zeitpunkt nicht bewiesen werden.
Nach einigen Jahren und mehr repräsentativen Ergebnissen wird sich dann eine neue Frage aufwerfen: Liegt die Veränderung, in den Ergebnissen der Testgruppe im Vergleich zu denen der Kontrollgruppe, im Bewegungsangebot des „Schweinfurter Modells“ begründet oder nur im Besuch einer Ganztagsschule an sich?
19
6 Literaturverzeichnis
6.1 Buchveröffentlichungen
HAAG, H./ HUMMEL, A.: Handbuch der Sportpädagogik. Schorndorf 2001
PASCAL, B.: Pensées de M. Pascal sur la religion et sur quelques autres sujets [publ. avec une préface par Etienne Périer]. Seconde édition Paris1670
SCHMIDT, W./ ZIMMER, R./ VÖLKER, K.: Zweiter Deutscher Kinder- und Jugendsportbericht. Schwerpunkt: Kindheit. Schorndorf 2008
SEIBEL, B.: Bewegung, Spiel und Sport in der Ganztagsschule. Dokumentation eines Symposiums an der Südbadischen Sportschule Steinbach, Schorndorf 2007
WEINECK , J./ WEINECK, A.: Sportbiologische und trainingswissenschaftliche Grundlagen. Band 2. 3. Aufl. Forchheim 2007
WEINECK , J./ WEINECK, A.: Bewegungswissenschaftliche und gesellschaftspolitische Grundlagen. Band 3. 4. Aufl. Forchheim 2007
6.2 Internetquellen
BAUER, S.: Konzept der Bewegten Ganztagsschule, 2008. Online verfügbar unter http://www.bewegte-ganztagsschule.de/index.php?showtopic=Qualit%E4tssiegel , zuletzt geprüft am 05.01.2010.
BÄUERLEIN, A.: Die Ganztagsschule Schwanfeld. 2009 Online verfügbar unter http://www.bewegteganztagsschule.de/index.php?showtopic=Schwanfeld Zuletzt geprüft am 05.01.2010.
CONERS/ HEBENBRAND/ HESEKER/ HIMMELMANN/ REMSCHMIDT/ SCHÄFER: Kinder BMI Tabelle, 1996. Online verfügbar unter http://www.kinder.de/BMI_Tabelle_Kinder_und_Jugendliche.2921.0.html , zuletzt geprüft am 05.01.2010.
GRAF, C/ DORDEL S./ KOCH B./ PREDEL H-G.: Bewegungsmangel und Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen, 2006. (Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, 57, 220-225). Online verfügbar unter http://www.zeitschrift-sportmedizin.de/Inhalt/images/Heft%200906/220-225.pdf, zuletzt geprüft am 05.01.2010.
20
KRETSCHMER J.: Mangelt es Kindern an Bewegung? 04.12.2003 Online verfügbar unter http://www2.erzwiss.uni-
hamburg.de/personal/kretschmer/MangeltesKindern.pdf , zuletzt geprüft am 05.01.2010.
LUTZ, T.: Die Ganztagsschule Niederwerrn. 2009 Online verfügbar unter http://www.bewegte-ganztagsschule.de/index.php?showtopic=Niederwerrn zuletzt geprüft am 05.01.2010.
MANN, R.: Bewegungsförderung - Schlüssel zur Gesundheit und gesundheitlichen Bildung und Erziehung von Kindern im Vorschulalter. Online verfügbar unter http://stb-gym.de/sportkongress07/praesentationen/141_mann.pdf , zuletzt geprüft am 05.01.2010.
SCHMID, M. /ROMANN, M./KRIEMLER, S./ ZAHNER, L.: Wie kann die Fitness von Schulkindern gemessen werden? 2007 (Schweizerische Zeitschrift für Sportmedizin und Sporttraumatologie, 2, 52-61). Online verfügbar unter http://www.sgsm-ssms.ch/ssms_publication/file/262/Fitness_2.07-7.pdf , zuletzt geprüft am 05.01.2010.
Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (Hg.): Ganztagsschulen in Bayern. Online verfügbar unter http://www.ganztagsschulen.bayern.de/ , zuletzt geprüft am 05.01.2010.
6.3 Forschungsberichte
LÜDECKE, C./ SCHNEIDER, D.: Forschungsbericht: Kritische Betrachtung von Fragebögen (2009). Technische Universität Chemnitz
21
7 Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen
Abb. 1: Aufteilung des 5. Jahrgangs Niederwerrn nach Test- und Kontrollgruppe von der Verfasserin nach den Ergebnissen der Studie (siehe Anhang)
Abb. 2: Zusammensetzung der Probanden von der Verfasserin nach den Ergebnissen der Studie (siehe Anhang)
Abb. 3: Sportliche Aktivität außerhalb der Schule der Test- und Kontrollgruppe im Vergleich von der Verfasserin nach den Ergebnissen der Studie (siehe Anhang)
Abb. 4: Mitgliedschaft in einem Sportverein der Test- und Kontrollgruppe im Vergleich von der Verfasserin nach den Ergebnissen der Studie (siehe Anhang)
Tab. 1: Arten der Ganztagsschulen in Bayern von der Verfasserin nach Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung: Ganztagsschulen in Bayern. Online verfügbar unter http://www.ganztagsschulen.bayern.de/
Tab. 2: Werte des Body-Mass-Index der Test- und Kontrollgruppe im Vergleich von der Verfasserin nach den Ergebnissen der Studie (siehe Anhang)
Tab. 3: Ergebnisse des Shuttle-Run-Tests der Test- und Kontrollgruppe im Vergleich von der Verfasserin nach den Ergebnissen der Studie (siehe Anhang)
22
8 Anhang
Kinder -BMI-Tabelle nach Coners et al
Arbeit zitieren:
Luisa Rödemer, 2010, Das „Schweinfurter Modell der bewegten Ganztagsschule“, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Sind handballspezifische Tests für eine adäquate Leistungsbewertung in...
Sport - Bewegungs- und Trainingslehre
Hausarbeit, 12 Seiten
Einführung in den Hochsprung in der gymnasialen Mittelstufe
Sport - Sportpädagogik, Didaktik
Seminararbeit, 7 Seiten
Größere Wirkung durch bessere Vernetzung - Vernetzungsbedarf und Ausei...
Dargestellt am Netzwerkprojekt...
Sport - Sportökonomie, Sportmanagement
Bachelorarbeit, 83 Seiten
Sport - Sportpädagogik, Didaktik: Das „Schweinfurter Modell der bewegten Ganztagsschule“ ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Luisa Rödemer hat einen neuen Text hochgeladen
Zeit- und Raumkonzepte in der bewegten Ganztagsschule
Rhythmisierung und körperliche...
Reiner Hildebrandt-Stramann
Bewegungskonzepte in der ganzt...
Aline Becker, Matthias Michel, Ralf Laging
Der Weg - Die Herausforderungen - Die Erlebnisse - 3.369 Kilometer all...
Eine Reise durch Deutschland, ...
Johannes Reichert
0 Kommentare