Inhaltsverzeichnis
Einleitung 2
1. Grundbegriff Neue Sachlichkeit 2
2. Interpretationsansätze. 3
3. Interpretation in Bezug auf die Neue Sachlichkeit. 4
Schlussbetrachtung. 5
Literaturverzeichnis. 6
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Einleitung
Die Beschreibung des Lebens in der Großstadt spielte in den 1920er Jahren eine wichtige Rolle in der deutschen Literatur. Nachdem das Deutsche Reich den Ersten Weltkrieg verloren hatte, vollzog sich ein Wandel in der Gesellschaft. Kunst, Kultur und Wissenschaft blühten auf und der Expressionismus wurde schrittweise von der Neuen Sachlichkeit ersetzt. Im Zuge der Erholung der Gesellschaft wurde parallel dazu in der Mitte der 20er Jahre der Begriff der „Goldenen Zwanziger“ geprägt, im Mittelpunkt standen dabei Lebensfreude 1 , Genuss, Experimentierfreudigkeit etc.
Brecht schrieb mit seinem Lesebuch für Städtebewohner einen Gegenentwurf zu dieser Zeit. Die zehn in dieser Sammlung enthaltenen Gedichte kamen der Realität näher und stellten auch die „andere Gesellschaft“ dar. 2
Im meiner Hausarbeit werde ich das erste Gedicht Bertolt Brechts aus dem Lesebuch für Städtebewohner „Verwisch die Spuren“ interpretieren und untersuchen, inwieweit sich die Neue Sachlichkeit darin widerspiegelt.
1. Grundbegriff Neue Sachlichkeit
Gefühle und Subjektivität waren in der Zeit des Expressionismus von großer Bedeutung. Um 1920 wurde diese Epoche sukzessive zurückgedrängt und musste der Nüchternheit der Neuen Sachlichkeit weichen. Künstler, Literaten und Schriftsteller wandten sich, durch die Kriegserlebnisse geprägt, von der Gefühlsbetonung und dem subjektiven Ton ab und widmeten sich realitätsbezogenen und berichtenden Dramen und Gedichten. Der Stil der Neuen Sachlichkeit ist klar, er wird kaum von Emotionen beeinflusst und es gibt keinen Ausdruck von Persönlichem.
Die Literatur ist zudem politisch, aber auch gesellschaftskritisch. Des Weiteren waren Antikriegstendenzen ein wichtiges Motiv in literarischen Werken. 3
1 Dies beinhaltete auch den Konsum von Drogen und Alkohol.
2 Die andere Gesellschaft bezeichnet keine Thematisierung von Exotik, ausschweifender Lebensweise, Aufsteigern, sondern die Erfassung der grauen Alltagswelt der Großstadt.
3 Bantel, Otto und Schaefer, Dieter (Hrsg.): Grundbegriffe der Literatur. Berlin 15 1993, S. 95.
2
2. Interpretationsansätze
Im Folgenden werde ich das Gedicht „Verwisch die Spuren“ näher betrachten und später in Bezug auf die Neue Sachlichkeit untersuchen. Dabei beziehe ich mich besonders auf die Ausführungen von Seung Jin Lee. 4 Bertolt Brechts Gedicht „Verwisch die Spuren“ entstand 1926 und wurde 1930 in den Zyklus Aus dem Lesebuch für Städtebewohner aufgenommen. 5 Bereits der Titel der Sammlung lässt erkennen, dass dieses Werk einer Anleitung für das Leben in der Großstadt gleichkommt.
Das vorliegende Gedicht ist das erste in Brechts Sammlung und beschreibt die Ankunft einer Person am Bahnhof einer Metropole. Jedoch verläuft diese Ankunft weder freundlich noch herzlich. Im Gegenteil, der Ankommende wird sofort mit Aufforderungen und Hinweisen, wie er sich zu verhalten habe, konfrontiert. Dies wird vor allem durch die Imperativformen verdeutlicht, die jede der fünf Strophen beherrschen („[…] Trenne dich von deinen Kameraden auf dem Bahnhof […]“; Zeile 1 ).
Alles ist ungeordnet und unregelmäßig, man lebt nur in der Gegenwart und denkt nicht an Morgen. 6 Das findet sich auch im unregelmäßigen Metrum wieder. Auch ein Reim ist nicht erkennbar, alles ist durcheinander und wirr („[…] Aber bleibe nicht sitzen! Und vergiß deinen Hut nicht! / Ich sage dir: / Verwisch die Spuren! […]“; Zeile 17-19). Dies wird auch an den unterschiedlichen Längen der Verse sichtbar, es lässt sich kein Sinn in der Anordnung erkennen. Einzig Strophen mit je sechs bzw. sieben Versen sind zu identifizieren. Dabei enthält jede dieser Strophen neue Befehle.
Das Motiv „Verwisch die Spuren“ tritt wiederkehrend am Ende jeder Strophe auf. Die Person scheint auf der Flucht zu sein. Sie soll nicht sitzen bleiben und den Hut nicht vergessen („[…] Und vergiß deinen Hut nicht! […]“; Zeile 17). Somit enthält das Gedicht eine Tendenz hin zur Illegalität. Der Angesprochene soll oder will anonym bleiben und muss daher den Anweisungen Folge leisten. Diese Befehle steigern sich immer weiter vom „Trennen“ (von den Kameraden) bis zur Aufforderung, die „Eltern nicht zu erkennen“ (Zeile 1 und 8). 7
4 Jin Lee, Seung: `Einmaliges Abspielen der Platte genügt nicht.` Ein medienästhetisches Experiment in der Lyrik. In: Interpretationen. Gedichte von Bertolt Brecht. Hrsg. v. Jan Knopf. Stuttgart 1995, S. 42 - 52.
5 Geppert, Hans Vilmar: `Wenn ich mit dir rede kalt und allgemein`? Bert Brechts Lesebuch für Städtebewohner im Kontext von Rundfunk, Film und Roman der 20er Jahre. In: Brechts Lyrik - neue Deutungen. Hrsg. v. Helmut Koppermann. Würzburg 1999, S. 49-50.
6 Jin Lee, Seung: `Einmaliges Abspielen der Platte genügt nicht. In: Interpretationen. Hrsg. v. Jan Knopf, S. 49.
7 Ebd, S.44.
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Arbeit zitieren:
Anne Mrotzek, 2005, Elemente der Neuen Sachlichkeit in Bertolt Brechts "Aus dem Lesebuch für Städtebewohner", München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
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