Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 3
2 ROGERS GRUNDANNAHMEN. 3
2.1 GRUNDZÜGE DES MENSCHENBILDES. 3
2.2 KONGRUENZ UND INKONGRUENZ. 5
3 LITERATURVERZEICHNIS 7
2
1 Einleitung
Die vorliegende Ausarbeitung beschäftigt sich mit dem Thema „Krankheitslehre der Gesprächspsychotherapie“, wobei Rogers als Begründer und Entwickler der GT ins Zentrum gestellt wird, weil eine Darstellung weiterführender Theorien den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.
Zunächst wird sein Menschenbild im Hinblick darauf darstellt, welche Grundantriebe und seelische Dynamik „der gesunde Mensch“ besitzt als Grundlage für das Verständnis der seelischen Vorgänge des „kranken“ Menschen und der erforderlichen Therapiemaßnahmen.
2 Rogers Grundannahmen
2.1 Grundzüge des Menschenbildes
Bevor erörtert wird, welcher Krankheitsbegriff der Gesprächspsychotherapie zugrunde liegt, ist es sinnvoll, Rogers Menschenbild zu umreißen und die Frage zu stellen, welche Ziele, Motivationen und grundlegende Antriebskräfte der „gesunde“ Mensch nach Rogers besitzt. Es gibt zahlreiche Fortführungen dieses Menschenbildes und weiterführende Reflexionen, diese anzuführen, würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen.
Nach Rogers ist die grundlegende Antriebskraft beziehungsweise das „Sein-Prinzip“ (Finke, 2004, S. 252) des Menschen die so genannte „Aktualisierungstendenz“, die Rogers (1987) wie folgt definiert:
Der Begriff bezeichnet die dem Organismus innewohnende Tendenz zur Entwicklung all seiner Möglichkeiten; und zwar so, dass sie der Erhaltung oder Förderung des Organismus dienen… Der Begriff beinhaltet … Erweiterung im Sinne von Wachstum, die Steigerung der Effektivität (S. 21-22)
Die Aktualisierungstendenz als einziges vorausgesetztes Axiom der Gesprächspsychotherapie ist ein Oberbegriff, sozusagen die basale Motivation des Menschen, sie ist allerdings nicht nur ihm eigen, sondern ein Grundprinzip allen Lebens - der Mensch ist in dieser Tendenz nur ein „Teil des Evolutionsstroms“ (Finke, 2004, S. 27) Aktualisierungstendenz meint, dass alle Lebewesen grundsätzlich danach streben, sich zu „erhöhen“ (Rogers, 1987, S. 19), das heißt ihre inhärenten Möglichkeiten und Potenziale zu entfalten.
Nach Finke (2004) kann die Aktualisierungstendenz des Menschen so verstanden werden, dass er danach strebt, bereits gegebene Anlagen zu entfalten und sich zu „zunehmender
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Komplexität“ (Finke, 2004, S. 252) zu entwickeln. Der Mensch ist also nicht nur zum Beispiel durch seine Lerngeschichte vollständig determiniert und von der Umwelt kontrolliert, vielmehr steht im Zentrum, dass er seine inneren Potenziale sucht und findet und „das Selbst [ist], das er in Wahrheit [ist]“ (Rogers, 1973, zit. nach Finke, 2004) - der Begriff „Selbst“ ist zentral zum Verständnis von Rogers` Menschenbild und verdeutlicht das Streben des Individuums nach Autonomie.
Das Selbst gliedert sich im Laufe des Lebens aus dem Organismus, dem „Ort aller Erfahrung“ (Rogers, 1987, S.23), sprich, der Erscheinungswirklichkeit des Menschen, seinem „phänomenalen Feld“ (Rogers, 1987, S. 23) aus, und der Mensch strebt dann danach, gleichsam den gesamten Organismus und das Selbst als dessen Teil bei zu „aktualisieren“, zu verwirklichen, zu entfalten - und dies gelingt je besser, desto genauer die „echten“ Erfahrungen des Organismus symbolisiert werden, also zum Beispiel verbalisiert werden, so dass der Mensch sie bewusst wahrnehmen und in sein Selbstbild integrieren kann (vgl. Rogers, 1987).
Dass der Mensch nach „Selbstsein strebt, impliziert nach Finke (2004) zum einen, dass die Möglichkeit dazu im Menschen wie eine Art Grundfähigkeit angelegt ist - dies bedeutet aber keinen Determinismus aufgrund bestimmter Anlagen. Vielmehr setzt die Verwirklichung dieser Anlage die „freie Entscheidung des Individuums“ (Finke, 2004, S. 256) voraus. Menschen entfalten ihre Anlagen also nicht automatisch und aus sich heraus, sondern können sich zu deren Entfaltung entscheiden, sie stellt einen „personalen Entscheidungsakt“ dar (Finke, 2002, S. 29) und kein „naturhaft -subjektloses Wachstum“ (Finke, 2002, S. 29). Finke (2002) stellt heraus, dass menschliches Wachstum nicht mit einer sich aus sich heraus, dass Selbstverwirklichung, das Ziel, nach dem Menschen streben, somit Anstrengung erfordert, die Überwindung von Ängsten und Blockaden etc.
Neben dem Streben nach Aktualisierung wird der Mensch von kulturellen Werten und Normen, der Erziehung der Eltern, Grenzen, die dem Verhalten gesetzt werden können und die im Widerspruch zum Selbst stehen können, beeinflusst - hier sind die Ursachen von psychischen Störungen zu suchen (vgl. Inkongruenz 2.2. und 3.)
Das Selbst ist also als Teil des Organismus ein wichtiger Teil der Persönlichkeitsstruktur und wird von Rogers definiert als eine „organisierte, in sich geschlossene [begriffliche] Gestalt“ (Rogers, 1987, S. 26). Der Gestaltbegriff macht deutlich, dass das Selbst veränderlich ist (was die Voraussetzung für eine Therapie darstellt). Rogers (1987) nennt eine Kippfigur, nämlich „das Doppelbild der alten Hexe und der jungen Frau“ (Rogers, 1987, S. 27) als Metapher für
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Arbeit zitieren:
Sören Lüdeke, 2009, Der Krankheitsbegriff der Gesprächstherapie, München, GRIN Verlag GmbH
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