Inhaltsverzeichnis I
Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis. VII
1 Einleitung. 1
1.1 Problemstellung und Zielsetzung. 1
1.2 Aufbau der Arbeit 2
2 Mittelständische Unternehmen 3
2.1 Definition des Mittelstands 3
2.1.1 Der quantitative Aspekt. 3
2.1.2 Der qualitative Aspekt. 4
2.2 Finanzierungsstruktur im Mittelstand 5
2.2.1 Basel II und Rating. 6
2.2.2 Insolvenzursache und -prognose im Mittelstand. 8
3 Definition und Einordnung von Mezzanine-Kapital 11
3.1 Definition und Abgrenzung von Mezzanine-Kapital. 11
3.2 Differenzierung von Standard-Mezzanine und Individual-Mezzanine. 13
3.3 Anwendungsgebiete 16
3.4 Vor- und Nachteile von Mezzanine-Kapital 18
3.5 Anschlussfinanzierung beim Auslauf der Mezzanine-Programme. 21
4 Mezzanine-Finanzierungsinstrumente. 24
4.1 Equity Mezzanine (Eigenkapitalausrichtung) 24
4.1.1 Atypisch stille Gesellschaft. 24
4.1.2 Genussrechtskapital. 25
4.2 Debt Mezzanine (Fremdkapitalausrichtung) 28
4.2.1 Typisch stille Gesellschaft 29
4.2.2 Nachrangdarlehen 29
Inhaltsverzeichnis II
4.2.3 Partiarisches Darlehen. 32
4.3 Hybrid Mezzanine. 34
4.3.1 Wandelanleihen. 35
4.3.2 Optionsanleihen. 35
5 Bilanzielle und steuerliche Behandlung von Mezzanine-Kapital 37
5.1 Bilanzielle Behandlung von Mezzanine-Kapital nach HGB 37
5.1.1 Stille Gesellschaft. 37
5.1.2 Genussrechtskapital. 38
5.1.3 Nachrangdarlehen 39
5.1.4 Partiarisches Darlehen. 41
5.1.5 Wandel- und Optionsanleihen. 41
5.2 Steuerliche Behandlung von Mezzanine-Kapital. 42
5.2.1 Stille Gesellschaft. 42
5.2.2 Genussrechtskapital. 44
5.2.3 Nachrangdarlehen 47
5.2.4 Partiarisches Darlehen. 48
5.2.5 Wandelanleihe. 49
5.2.6 Optionsanleihe. 50
6 Realisierung einer Mezzanine-Finanzierung. 51
6.1 Implementierung einer Genussscheinemission 51
6.2 Mezzanine-Finanzierung am Fallbeispiel der HUETTEMANN GmbH 54
6.2.1 Unternehmensprofil. 54
6.2.2 Realisierung des Konzeptes 55
6.3 Mezzanine-Finanzierung am Fallbeispiel der insolventen Geiger Technologies
GmbH. 57
7 Fazit 60
Inhaltsverzeichnis III
Quellenverzeichnis ........................................................................................................VI
Abkürzungsverzeichnis IV
Abkürzungsverzeichnis
ABS Asset Backed Securities Abs. Absatz AG Aktiengesellschaft Anl. Anlage BGB Bürgerliches Gesetzbuch bspw. beispielsweise B. V. besloten vennootschap met beperkte aansprakelijkheid bzw. beziehungsweise ca. circa CDO Collaterized Debt Oligations DVD Digital Versatile Disc d. h. das heißt EBITDA earnings before interest, taxes, depreciation and amortization EStG Einkommenssteuergesetz Et. al. et alii EU Europäische Union EUR Euro e. V. eingetragener Verein f. folgende ff. fort folgende GewStG Gewerbesteuergesetz GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung GmbH & Co. KG Gesellschaft mit beschränkter Haftung & Compagnie Kommanditgesellschaft
Abkürzungsverzeichnis V
HGB Handelsgesetzbuch Hrsg. Herausgeber IDW Institut der Wirtschaftsprüfer IfM Institut für Mittelstandsforschung IFRS International Financial Reporting Standards IRB Internal Rating Based i. V. m. in Verbindung mit Jg. Jahrgang KfW Kreditanstalt für Wiederaufbau KMU kleine und mittlere Unternehmen KStG Körperschaftssteuergesetz LBO Leveraged Buy-Outs Lit. Litera MBI Management Buy In MBO Management Buy Out Mio. Millionen Mrd. Milliarden Nr. Nummer o. g. oben genannte p. a. per anno Rdnr. Randnummer S. Seite u. a. unter anderem US-GAAP United States Generally Accepted Accounting Principles Vgl. vergleiche z. B. zum Beispiel
Abkürzungsverzeichnis VI
zzgl. zuzüglich
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: KMU-Definition der Europäischen Kommission
Abbildung 2: Quantitative Mittelstandsdefinition des IfM Bonn
Abbildung 3: Eigenkapitalunterlegung nach Basel I und Basel II.
Abbildung 4: Firmeninsolvenzen in Deutschland 2003-2010
Abbildung 5: Bilanzielle Einordnung von Equity Mezzanine und Debt Mezzanine.
Abbildung 6: Merkmale von Eigen-, Mezzanine- und Fremdkapital
Abbildung 7: Aufstieg und Fall der Mezzanine-Programme.
Abbildung 8: Verteilung der Finanzierungsanlässe 2008
Abbildung 9: Programmübersicht equiNotes II
Abbildung 10: Insolvenzen von Mezzanine-Nehmern
Einleitung 1
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
In Zeiten zunehmender Globalisierung befindet sich die Unternehmensfinanzierung in Deutschland in einem tief greifenden Wandel. Im Hinblick auf die Finanzierungsstruktur hat insbesondere der Mittelstand als größter Arbeitgeber Deutschlands erheblichen
Nachholbedarf. 1 Aufgrund Basel II und der aktuellen Finanzkrise müssen sich immer mehr mittelständische Unternehmen nach Finanzierungsalternativen zum klassischen
Bankdarlehen umsehen. 2 Bei Basel II richtet sich die Kreditvergabepolitik u. a. nach der Eigenkapitalquote. Im internationalen Vergleich weisen kleine und mittlere Unterneh-
men (KMU) eine sehr geringe Eigenkapitalquote von 7,5 % auf 3 . Um die Eigenkapitalquote zu erhöhen und damit auch die Bonität bzw. das Rating zu verbessern, eignet sich die Mezzanine-Finanzierungsform. Hierbei handelt es sich um eine Mischform, zwischen klassischem Fremdkapital und Eigenkapital, als Mittel zur Erhöhung der Eigen-
kapitalquote. 4 Um eine langfristige Präsenz des Mittelstands auf dem internationalen Markt zu gewährleisten, sind Investitionen in Zukunftstechnologien unerlässlich 5 . Daher gewinnt die Aufnahme von Mezzanine-Kapital bei dem zunehmenden internationalen Wettbewerbsdruck an Bedeutung. Das Mezzanine-Kapital eignet sich vorzugsweise
für Wachstumsfinanzierungen. 6 Interessant ist, dass diese Finanzierungsform, trotz des eigenkapitalähnlichen Charakters, steuerlich wie Fremdkapital behandelt werden kann 7 . Hierbei ist zu berücksichtigen, dass zwischen Standard-Mezzanine und Individual-Mezzanine unterschieden wird. Bei Standard-Mezzanine handelt es sich um eine kapitalmarktabhängige Finanzierungsform, während sich Individual-Mezzanine nicht am Kapitalmarkt orientiert, sondern flexibel an die gegebene Finanzierungssituation des Kapitalnehmers anpasst. 8
Das Ziel der nachfolgenden Arbeit besteht darin, zu untersuchen, inwiefern sich die Aufnahme von Mezzanine-Kapital als Finanzierungsalternative zum klassischen Bankdarlehen eignet. Unter Berücksichtigung der anhaltenden Wirtschaftskrise müssen ins- 1 Vgl. Steiner/Schiffel (2006), S. 1.
2 Vgl. Brezski et al. (2006), S. 1 f.
3 Vgl. Brezski et al. (2006), S. 1; Externbrink (2007), S. 241 f.; Werner (2007), S. 14.
4 Vgl. Frank (2008a), S. 28; Werner (2004), S. 12.
5 Vgl. Straubhaar (2008), S. 14.
6 Vgl. Häger/Elkemann-Reusch (2007), S. 6; Steiner/Schiffel (2006), S. 2.
7 Vgl. Werner (2004), S. 11; Werner/Kobabe (2007), S. 13.
8 Vgl. Bastian (2009), S. 23; Brokamp et al. (2008), S. 18 f.
Einleitung 2
besondere im Hinblick auf die bevorstehenden Fälligkeiten der Standard-Mezzanine-Programme mögliche Maßnahmen zur Anschlussfinanzierung aufgezeigt werden.
1.2 Aufbau der Arbeit
Im Rahmen dieser Ausarbeitung wird zunächst der Mittelstand samt seinen Besonderheiten definiert. Im Anschluss daran wird die Finanzierungsstruktur des Mittelstands unter Berücksichtigung der Weltwirtschaftskrise und der Kreditvergabepolitik analysiert. In diesem Zusammenhang wird auf die Insolvenzprognose eingegangen. Im dritten Kapitel wird das Mezzanine-Kapital als Finanzierungsalternative für den Mittelstand einschließlich deren Vor- und Nachteile beschrieben. Im Übrigen wird auf die bevorstehende Problematik einer Anschlussfinanzierung eingegangen. Basierend auf den vorgenannten Grundlagen werden die einzelnen Mezzanine-Finanzierungsinstrumente detailliert erörtert. Das darauf folgende Kapitel beschreibt die bilanzielle und steuerliche Be-handlung des Mezzanine-Kapitals. Im sechsten Kapitel wird die Umsetzung einer Genussscheinemission dargelegt. Im Anschluss daran wird eine Mezzanine-Finanzierung an Fallbeispielen dargestellt. Abschließend wird die Ausarbeitung zusammengefasst und ein Ausblick in die Zukunft gegeben.
Mittelständische Unternehmen 3
2 Mittelständische Unternehmen
2.1 Definition des Mittelstands
Für den Standort Deutschland hat der Mittelstand einen sehr hohen Stellenwert. In Anbetracht dieser Tatsache ist umso interessanter, dass es hierfür keine einheitliche Definition gibt. 9 Der deutsche Mittelstand umfasst mehr als 3 Mio. kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Davon gehören 280.000 Unternehmen zum verarbeitenden Gewerbe, 315.000 zum Baugewerbe, etwa 418.000 zur Einzelhandelssparte und ca. 800.000 zur Dienstleistungssparte. Darüber hinaus gehören zum deutschen Mittelstand noch ca. 560.000 Handwerksunternehmen und 817.000 Freiberufler. 10 In der weiteren Ausarbeitung werden die Begriffe „mittelständische Unternehmen“, „Mittelstand“ und „KMU“ als Synonyme verwendet.
2.1.1 Der quantitative Aspekt
Bei der Ermittlung des KMU-Anteils an der Gesamtwirtschaft werden Größenordnungen, die bestimmte Werte nicht überschreiten dürfen, zugrunde gelegt. Diese werden am Umsatz und/oder Zahl der Beschäftigten gemessen. Die Kommission der Europäischen Union teilt den Mittelstand in mikro, klein und mittelgroß ein. Hierbei ist zu berücksichtigten, dass bei der Definition von KMU, das Kriterium der Unabhängigkeit erfüllt sein muss, das heißt das Unternehmen darf keiner Unternehmensgruppe angehören. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass kein anderes Unternehmen 25 % oder mehr Anteile
an dem betreffenden Unternehmen hält 11 . Die Definition sieht vor, dass bestimmte Größenschwellen, wie ein Jahresumsatz von 50 Mio. EUR, eine Bilanzsumme von 43 Mio. EUR sowie 250 Mitarbeiter nicht überschritten werden. Die Mittelstandsdefinition der Europäischen Kommission wird auf der nachfolgenden Seite veranschaulicht (siehe Abbildung 1). Im Anschluss daran wird die Definition des Bonner Instituts für Mit-telstandsforschung (IfM) dargelegt (siehe Abbildung 2). Diese Definition hingegen zieht als Größenmerkmal die Grenze bis zu 500 Mitarbeiter heran. Basierend auf der Definition des IfM Bonn gehören zum Mittelstand 99,7 % aller Unternehmen in
Deutschland. 12
9 Vgl. Kirn (2002), S. 19; Steiner/Schiffel (2006), S. 1; Wallau (2006), S. 12; Weber (2005), S. 17.
10 Vgl. Schauf (2006), S. 11.
11 Vgl. Weber (2005), S. 19.
12 Vgl. Brezski et al. (2006), S. 5; Kienbaum/Börner (2003), S. 79; Steiner/Schiffel (2006), S. 1;
Ull (2006), S. 19; Wallau (2006), S. 12 f.
Mittelständische Unternehmen 4
2.1.2 Der qualitative Aspekt
Bei der KMU-Definition werden neben den quantitativen Merkmalen qualitative Kriterien für eine Bewertung herangezogen. Ein wesentliches qualitatives Kriterium liegt in der Einheit von Eigentum und Haftung begründet. Dabei steht der geschäftsführende Gesellschafter im Blickpunkt, der in enger Beziehung zum Unternehmen steht. Dazu zählt insbesondere die Beeinflussung der strategischen Entscheidungen in leitender und eigenverantwortlicher Position sowie die sich daraus unter Umständen ergebende persönliche Haftung. Insbesondere bei der Inanspruchnahme eines Bankkredites durch eine haftungsbeschränkte Gesellschaft ist es üblich, dass sich geschäftsführende Gesellschafter verbürgen müssen 15 . Darüber hinaus basiert erfahrungsgemäß die Finanzierung einer Kapitalgesellschaft teilweise auf dem Privatvermögen des Gesellschafters. 16 Somit steht die wirtschaftliche Existenz des Unternehmers mit der des Unternehmens in enger Ver-bindung. 17 Aus der engen Beziehung zwischen dem Unternehmen und dem Inhaber resultiert eine völlige oder weitgehende Konzernunabhängigkeit, die sich aus der Ein-
13 InAnlehnung an EU-Kommission (2003).
14 In Anlehnung an IfM Bonn (2002).
15 Vgl. Jula (2009), S. 258.
16 Vgl. Strothmann (2006), S. 91; Ull (2006), S. 22. Jan Janssen Rechnungslegung im Mittelstand
17 Vgl. Kirn (2002), S. 19; Wegmann (2006), S. 4.
Mittelständische Unternehmen 5
flussnahme der Geschäftsleitung auf die strategische Ausrichtung des Unternehmens ergibt. Basierend auf dieser qualitativen Definition zählt demnach ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 100 Mio. EUR zum Mittelstand. 18 Demgegenüber steht der quantitative Aspekt, bei dem ein Unternehmen unter Berücksichtung der Größenklassen als mittelständisch deklariert wird, obwohl sich an dem mittelständischen Unternehmen ein Konzern beteiligt. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die qualitativen Kriterien einen hohen Stellenwert haben, sich jedoch statistisch nur schwer belegen lassen. In Folge dessen sind die quantitativen Kriterien für die Definition eines mittelständischen Unternehmens unerlässlich. 19
2.2 Finanzierungsstruktur im Mittelstand
Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage und den damit verbundenen Umsatzein-
brüchen stehen zahlreiche Unternehmen vor großen Herausforderungen 20 . Die KMU finanzieren sich meist über klassische Bankdarlehen oder mittels thesaurierter Gewinne. Bedingt durch die aktuelle Wirtschaftslage ist der Finanzierungs- und Investitionsspielraum erheblich eingeschränkt 21 . Interessant ist, dass vor allem mittelständische Unternehmen mit besonders geringen Umsätzen eine höhere Abhängigkeit im Hinblick auf die klassische Fremdfinanzierung über die Hausbank aufweisen. 22 Angesichts Basel II wird die Aufnahme eines klassischen Bankkredites durch die verschärfte Kreditvergabepolitik der Banken für KMU schwieriger. Dieses ist in erster Linie auf die steigenden Anforderungen im Bereich des Ratings und dem damit verbundenen erhöhten Informationsbedarf von Seiten der Banken zurückzuführen. Dennoch ist auffällig, dass unabhängig von der verschärften Kreditvergabepolitik der klassische Bankkredit vom Mit-telstand bevorzugt wird. Daher sind die Kontaktpflege und die damit verbundene offene Kommunikation zu den Banken für KMU unerlässlich. Insbesondere in Zeiten der Finanzkrise wird die klassische Fremdfinanzierung von KMU aufgrund der geringen Ei-
genkapitalquote oder des hohen Verschuldungsgrades 23 erschwert. 24 In Folge dessen
18 Vgl. Brezski et al. (2006), S. 5; Wallau (2006), S. 13 ff.
19 Vgl. Wallau (2006), S. 15.
20 Vgl. Aschke (2009), S. 6; Emmrich (2009), S. 14.
21 Vgl. Rottmann/Schätzmüller (2009), S. 5.
22 Vgl. Brettel et al. (2005), S. 157; Steiner/Schiffel (2006), S. 10.
23 Der Verschuldungsgrad spiegelt das Verhältnis zwischen dem Gesamtkapital und dem Fremdkapital
wider, so dass der Anteil der Fremdfinanzierung ersichtlich wird. Vgl. hierzu Schachtner (2009), S. 123.
24 Vgl. Rottmann/Schätzmüller (2009), S. 5; Steiner/Schiffel (2006), S. 10.
Mittelständische Unternehmen 6
müssen Mittelständler gegenwärtig ihre Investitionen und Personalaufstockungen in
andere Perioden verschieben. 25
Derzeit finanzieren sich mittelständische Unternehmen über Bankdarlehen (66 %), die Einbehaltung von Gewinnen (50 %) und die Überlassung von Gesellschafterdarlehen (32 %) 26 . Um den Erfordernissen im Bereich des Ratings und der damit verbundenen Kreditvergabe gerecht zu werden, ist eine hohe Eigenkapitalquote essentiell. Basierend auf der Unternehmensbefragung der KfW aus dem Jahr 2008 beabsichtigten lediglich sechs bis sieben Prozent aller Unternehmen die Aufnahme von Mezzanine-Kapital, um die Eigenkapitalquote zu erhöhen. Zu den weiteren Finanzierungsinstrumenten, die immer mehr an Bedeutung gewinnen, zählen neben den Mezzanine-Finanzierungsformen, Factoring und Leasing. 27 In Zeiten der Rezession muss berücksichtigt werden, dass krisenanfällige Unternehmen, im Hinblick auf die Rückzahlung der endfälligen Standard-Mezzanine-Programme vor große Herausforderungen gestellt werden 28 .
2.2.1 Basel II und Rating
Die Verordnungen des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht (Basel II) von 2007 stellen Mindestanforderungen an Banken hinsichtlich der Eigenkapitalunterlegung bei der Kreditvergabe 29 . Primäres Ziel ist es, die Stabilität im Kreditwesen und im internationalen Finanzsystem zu sichern. Dabei werden die Kreditnehmer abhängig von deren Bonität in verschiedene Risikoklassen (AAA bis CCC) eingeteilt. 30 Die Bonitätsbewertung hängt dabei von der Eigenkapitalquote sowie dem Verschuldungsgrad ab 31 . In diesem Kontext muss berücksichtigt werden, dass die Banken bei der Darlehensvergabe an Kunden mit schlechter Bonität (CCC-Kunden) einen wesentlich höheren Eigenkapitalanteil unterlegen müssen als bspw. bei AAA-Kunden. Die Bonität und die daraus resultierende Einteilung in eine Risikoklasse gibt demzufolge Aufschluss über die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens. 32 Hierbei ist zu berücksichtigen, dass in der Zeit von 1988 bis 2007 nach Basel I unabhängig von der Bonität des Kreditnehmers lediglich acht Prozent des in Anspruch genommenen Darlehens als Risikokapitalrücklage durch
25 Vgl. Bastian et al. (2008), S. 14; Schnell (2009), S. 10.
26 Vgl. Steiner/Schiffel (2006), S. 10.
27 Vgl. Brezski et al. (2006), S. 2; Reich (2007), S. 16.
28 Vgl. Emmrich (2009), S. 14 f.; Fleischhauer/Olkowski (2009a), S. 34.
29 Vgl. Krause (2008), S. 12; Steinbrügger (2008), S. 36; Werner (2004), S. 18.
30 Vgl. Franz et al. (2007), S. 12; Sicking (2007), S. 25; Steinbrügge (2008), S. 36.
31 Vgl. Heim (2006), S. 94; Peemöller (2003), S. 51; Rottmann/Schätzmüller (2009), S. 5.
32 Vgl. Franz/Hötzinger/Mangels (2007), S. 12 f.; Geisen et al. (2003), S. 17.
Mittelständische Unternehmen 7
die Bank unterlegt werden musste. Am nachfolgenden Beispiel wird die Eigenkapitalunterlegung bei einer Darlehensinanspruchnahme eines Darlehens über 2.000.000,-EUR abhängig von der Risikoklasse veranschaulicht (siehe Abbildung 3). 33
Bei der Kreditvergabe nach Basel II ist zu berücksichtigen, dass Unternehmen mit einer Bonität von A- und besser das Darlehen zu günstigeren Konditionen erhalten, als nach Basel I 35 .
Die Einordnung in die verschiedenen Risikoklassen erfolgt mittels interner oder externer Ratings. Bei einem internen Rating (IRB-Ansatz) erfolgt die Bewertung des Kunden über die Hausbank. Gemäß Basel II sind die Hausbanken bei der Kreditvergabe verpflichtet ein internes Rating durchzuführen. 36 Das externe Rating erfolgt durch akkreditierte Ratinggesellschaften (z. B. „Standard & Poor’s“ oder „Moody’s“) und findet insbesondere bei Unternehmen, die sich über Anleihen oder Verbriefungen finanzieren, seine Anwendung. Für mittelständische Unternehmen ist das von den Banken durchgeführte interne Rating maßgeblich. Generell lässt sich festhalten, dass externe Ratings nur einen geringen Einfluss auf die Kreditvergabe der Banken haben und somit nur bei
33 Vgl. Geisen et al. (2003), S. 16 f.; Nagl (2006), S. 155.
34 In Anlehnung an Nagl (2006), S. 155; Steinbrügge (2008), S. 38.
35 Vgl. Steiner/Schiffel (2006), S. 3 f.
36 Vgl. Mayer-Kuckuk (2006), S. 26.
Mittelständische Unternehmen 8
Akquisition, Private Equity oder Beteiligungsfinanzierung in Betracht kommen. Bei der Durchführung eines externen Ratings fallen zudem Kosten von mindestens 50.000,-EUR an. Demnach ist das externe Rating für den Mittelstand nur von geringer Rele-
vanz. 37 Ziel des Ratings ist es, Aufschluss über die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens zu geben, insbesondere im Hinblick auf die fristgerechte und vollständig zu leis-
tenden Zahlungen von Zinsaufwendungen oder Tilgungsraten der Darlehen. 38 Bei der Vergabe einer Ratingnote werden neben den „harten“ Faktoren (finanzielle Lage des Unternehmens) auch „weiche“ Faktoren (unternehmerische Perspektive für die Zukunft) herangezogen. Zur Bestimmung der „harten“ Faktoren werden Unterlagen wie z. B. Bilanzen, Jahresabschlüsse, Liquiditätsvorschau und Investitionsplanung angefordert. Prinzipiell kommen alle Kennzahlen, insbesondere die Eigenkapitalquote, der Cash-Flow oder die Umsatzrendite in Betracht. Zu den „weichen“ Kriterien gehören u. a. Nachfolgeregelungen, Struktur und Kompetenz der obersten Führungsebene sowie die
Branchenzugehörigkeit. 39
Die Gründe für die Ablehnung eines Kreditantrages sind neben den geringen Sicherheiten die niedrige Eigenkapitalquote von KMU. Hinsichtlich der Bonität und des damit verbundenen Ratings ist die Eigenkapitalquote der wichtigste Indikator. Besonders im Hinblick auf die Höhe der Finanzierungskosten bei der Aufnahme eines Bankdarlehens ist eine hohe Eigenkapitalquote für ein gutes Rating von wichtiger Relevanz. Die Sicherstellung einer hohen Eigenkapitalquote ist daher unerlässlich, vor allem für zukünftig geplante Investitionen und die Eindeckung mit kostengünstigen Darlehen. 40
2.2.2 Insolvenzursache und -prognose im Mittelstand
In Zeiten der Finanzkrise und der damit verbundenen scharfen Rezession im ersten Quartal 2009 wird in Bezug auf die Unternehmensinsolvenzen in 2010 eine leichte Stabilisierung prognostiziert. Ungeachtet der ersichtlichen Erholung der Konjunktur wird die Zahl der Insolvenzen in 2010 ihren Höhepunkt erreichen. Die Ursache liegt darin begründet, dass Firmeninsolvenzen die wirtschaftliche Entwicklung zeitversetzt abbilden. Die Gründe für den Auslöser einer Insolvenz sind neben dem mangelnden Inkasso-und Debitorenmanagement das fehlende Controlling bei KMU. Bei der Kreditvergabe
37 Vgl. Köhler (2006), S. 31; Müller (2007), S. 277 ff.
38 Vgl. Peemöller (2003), S. 21; Werner (2007), S. 16.
39 Vgl. Geisen et al. (2003), S. 25 ff.; Müller (2007), S. 284; Starck/Scherer (2008), S. 183.
40 Vgl. Externbrink (2007), S. 238; Werner (2007), S. 17 f.
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Damian Markus Slebioda, 2010, Mezzanine-Kapital als Finanzierungsalternative für den Mittelstand, München, GRIN Verlag GmbH
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