0. Inhaltsverzeichnis Seite
Deckblatt 0. Inhaltsverzeichnis 2 1. Einleitung 3 2. Methodisches Vorgehen 4
3. Charakterisierung des spezifischen Gestaltungsanliegens von Karl Schmidt-Rottluff
a. Der Expressionismus als deutsche Kunstrevolution, seine Kunstrichtung 5
b. „Die Brücke“, seine Künstlergruppe 1905-1913 8
c. Karl Schmidt-Rottluff und seine künstlerischen Phasen 13
d. Zusammenfassung: Seine Künstlerischen Fragestellungen 24
4. Differenzierte Analyse eines Kunstwerks 25
Karl Schmidt-Rottluff: „Deichdurchbruch“, 1910 5. Schlussbetrachtung 31
Gedicht: Einem Maler (Für K.-R.) von Karl Otto 33 6. Literaturverzeichnis 34 7. Abbildungsverzeichnis 35 8. Anhang: 36 Kopie Biographie
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1. Einleitung
Karl Schmidt-Rottluff ist einer der bekanntesten Künstler meiner Geburtsstadt Chemnitz, in der ich die ersten 20 Jahre meines Lebens verbracht habe. Rottluff liegt sogar ganz in der Nähe meines Elternhauses in Chemnitz-Reichenbrand. Dieser „örtliche Bezug“ war mein erstes Motiv, mehr über Karl Schmidt-Rottluff zu erfahren. So besuchte ich im Rahmen meiner Materialsammlungen die Städtischen Kunstlammlungen in Chemnitz, auch um einige Bilder Karl Schmidt-Rottluffs im Original zu sehen. Als Gründungsmitglied der Künstlergemeinschaft „Brücke“ und Hauptvertreter des Expressionismus und somit ein Klassiker der Moderne hat Karl Schmidt-Rottluff Kunstgeschichte geschrieben (vgl. Moeller 2007a, S.9).
Natürlich beeindrucken mich die ausdrucksstarken Werke des Expressionismus überhaupt, vor allem durch ihre starke Farbigkeit und ihre abstrakten Formen, was mich als zweites Motiv zu meiner Themenwahl geführt hat. So lautet meine These, an der ich im Folgenden arbeiten werde: Aus dem Bestreben, seine innersten Empfindungen zum Ausdruck zu bringen, arbeitete Karl Schmidt-Rottluff bevorzugt mit dem Eigenwert der Farbe und später mit der Dominanz der Form und entwickelte sich so zu einem Protagonisten, also sozusagen zu einer Hauptfigur des Expressionismus.
Von Anfang an beschäftigte sich diese sich autodidaktisch bildende Persönlichkeit mit jenen Techniken - der Ölmalerei, dem Aquarell, der Tuschmalerei, der Druckgrafik (und später dem Holzschnitt) -, die von ihr ab 1905 unter Betonung ihres selbstständigen Charakters zu Gipfelleistungen der Kunst des 20. Jahrhunderts entwickelt wurden (vgl. Brix 1974, S.4). In dieser Arbeit werde ich überwiegend auf sein malerisches Werk mit Ölgemälden und Aquarellen eingehen, vor allem weil an diesem die angesprochene Problemstellung am besten dargestellt werden kann. Und zu dieser passend habe ich auch das Ölgemälde „Deichdurchbruch“ von Karl Schmidt-Rottluff aus dem Jahr 1910 für die Analyse ausgewählt, wie sich im Fortgang meiner Arbeit zeigen wird.
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2. Methodisches Vorgehen
Ich baue die Arbeit deduktiv auf, das heißt vom Allgemeinen zum Besonderen (künstlerische Phasen Karl Schmidt-Rottluffs mit der Werkanalyse). Zunächst gehe ich auf den Expressionismus, der Kunstrichtung Schmidt-Rottluffs, dessen Definition, dessen Merkmale, dessen Vorbilder und der Vergleich der Künstlervereinigung des Münchner „Blauen Reiters“ mit der der Dresdner „Brücke“. Danach erläutere ich diese „Brücke“ als Künstlergruppe, bei der Schmidt-Rottluff Mitglied war, genauer. Nun gehe ich auf seine wichtigsten künstlerischen Phasen genauer ein. Dabei gehe ich logisch anhand seines Lebenslaufes und damit seiner Entwicklungsphasen vor. Ich werde sein Frühwerk näher erläutern als sein Spätwerk nach dem 1. Weltkrieg, da auch mein Werk für die Analyse aus der Vorkriegszeit stammt. Anschließend folgt die Analyse des Werks „Deichdurchbruch“ aus dem Jahr 1912. Und schließlich formuliere ich in der Schlussbetrachtung das Ergebnis meiner Arbeit. Beenden möchte ich mit einem Gedicht über Karl Schmidt-Rottluff.
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3. Charakterisierung des spezifischen
Gestaltungsanliegens von Karl Schmidt-Rottluff
a. Expressionismus, eine deutsche Kunstrevolution, seine Kunstrichtung Expressionismus ist ein vielschichtiger und offener, kaum präzise zu definierender Begriff (Elger 2007, S.7)
Laut Brock-Haus-Lexikon ist es eine Kunstrichtung des frühen 20. Jahrhunderts, die im Gegensatz zum Impressionismus als der Kunst des Eindrucks den Wesensausdruck suchte. Zu den Wegbereitern gehörten van Gogh und Munch. Die entschiedensten Vertreter des Expressionismus wurden die Deutschen (Maler: Kirchner, Heckel, Schmidt-Rottluff, Nolde; Bildhauer: Lehmbruck, Barlach). In der Literatur trat der Expressionismus in Deutschland 1910-25 hervor. Hauptvertreter: Trakl, Heym,… (DER BROCKHAUS 1992, S. 242).
Jedoch herrscht trotz der heutigen historischen Distanz weiterhin Unklarheit darüber, welche Künstler dem Expressionismus als seine typischen Vertreter zuzuordnen sind. Auch war für Künstler dieser Zeit der Expressionismus nur eine zeitlich begrenzte und vielfach kurze Phase innerhalb ihrer gesamten künstlerischen Entwicklung. Radikalstes Beispiel hierfür ist wohl Wassily Kandinsky. Sein Expressionismus der Jahre bis 1914 führte in konsequenten Schritten zur gegenstandslosen Malerei (vgl. Elger 2007, S.7). Der Expressionismus als tiefgreifende Bewegung blieb nicht auf die Bildende Kunst beschränkt (wie schon in der Definition aus dem Brockhauslexikon erwähnt). Expressionistischer Ausdruckswille findet sich ebenso in der Literatur, in Schauspiel, Bühnenbild und Tanz, im Film und in der Architektur. (vgl. ebenda, S.7) Über die zeitliche Einordnung dieser Kunstrichtung ist man sich weitgehend einig: Das Gründungsjahr der Künstlergemeinschaft „Brücke“ 1905 in Dresden und das Ende der revolutionären Nachkriegsunruhen um 1920 werden allgemein als Eckpfeiler für beginn und Ende der Bewegung in Deutschland genannt. Dies bedeutet aber keinesfalls dass nach 1920 nicht mehr expressionistisch gemalt oder geschrieben wurde. Gerade Karl Schmidt-Rottluff ist seinem einmal gefundenen expressionistischen Stil ein Leben lang treu geblieben. In jenen Jahren 1905-1920 prägte der Expressionismus aber auch den gesamten Zeitgeist (vgl. Elger 2007, S.8).
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„Doch von einem einheitlichen, von typischen Merkmalen bestimmten expressionistischen Stil kann gar nicht gesprochen werden.“ (ebenda, S.8). Betrachtet man die Bilder der verschiedenen Maler scheinen mehr die Gegensätze und das Trennen in den Vordergrund zu treten als dass eine stilistische Verwandtschaft erkennbar wäre. Es ist mehr die geistige Haltung, die den Expressionismus ausmacht. Dieser erweist sich eher als Ausdruck des Lebensgefühls einer jungen Generation, die sich lediglich einig war in ihrer Ablehnung herrschender gesellschaftlicher und politischer Strukturen. (vgl. Elger 2007, S.8) Mit der einfachen, kreatürlichen und allein vom Rhythmus der Natur vorgegebenen Lebensgemeinschaft entwarfen die Expressionisten eine utopische Gegenwelt zu der vom industrialisierten Arbeitsprozess fremdbestimmten und durch das wilhelminische System reglementierten Gesellschaft. Dabei ging diese
Auseinandersetzung für sie fast immer auch mit einer persönlichen Emanzipation einher. Die meisten der jungen Expressionisten entstammten sogenannten gutbürgerlichen Familien, und gerade in ihnen fand der Wilhelminismus seine treuesten Repräsentanten (Elger 2007, S.9).
Ein wesentlicher Charakterzug des Expressionismus ist also in jedem Fall sein leidenschaftliches Streben nach Ausdruck, wie schon der Name besagt, genauer dem Ausdruck der inneren Wahrheit in radikal vereinfachter Weise. Sie wollten die Welt und das Leben in ihrer Kunst so darstellen, wie sie sie unmittelbar empfanden (vgl. Betz 1995, S.3). Dem Expressionismus ging es vor allem um die große Gebärde, um das leidenschaftliche Pathos, um Erneuerung, Wahrheit und Mitgefühl. Sie fühlten sich allem Anfänglichen, und vor allem der Welt der Kinder und der Primitiven, schöpferisch verwandt. Mit ungeheurer Intensität erlebten sie die Natur und den Sturm ihrer Gefühle. Und dieser Überwältigung wollten sie Ausdruck geben (vgl. Betz 1995, S.5) Der Künstler empfand sich oft selbst als Einzelner und Einsamer, er identifizierte sich mit dem Schicksal der Ausgestoßenen und Ringenden. (Betz 1995, S.3f.) Der Impressionismus, der den Augenblickseindruck festhält, würde viel zu viel „gut Gemaltes“ geben wie August Macke sich abwertend äußerte (vgl. Elger 2007, S.10). Er schien den Expressionisten zu unverbindlich und zu schön. Diese Kunstrichtung hat zwar auch auf die Darstellung akademisch festgelegter Ideale verzichtet, aber eher die äußere Erscheinung der Dinge darzustellen versucht. (vgl. Betz 1995, S.62). Im Gegensatz zu den impressionistischen Malern drückten die Expressionisten ihre eigenen Regungen aus, sie gaben direkt und spontan ein „durchfühltes“ und interpretiertes Motiv weiter. Der Expressionismus ist eine Ausdruckskunst, die geistigseelische Inhalte in energisch vereinfachter Form darstellt (Betz 1995, S.62). Charakteristisch ist die ausgeprägt subjektive Tendenz; Farben und Formen werden als Ausdrucksträger zur Darstellung innerer Wirklichkeitserlebnisse eingesetzt. Eine großflächige, scharf konturierte Formensprache mit starken Farb-und
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Proportionskontrasten widerspiegelt psychische Impulse, Affekte und Befindlichkeiten. Zur Steigerung des Ausdrucks wurde - neben der Flächigkeit - das Mittel der Deformation eingesetzt (http://lexikon.meyers.de/meyers/Expressionismus)
Die jungen, expressionistischen Künstler, die daran gingen, neue leidenschaftliche Werke zu schaffen, orientierten sich an älteren Malern wie Vincent van Gogh, Paul Gauguin, Henri Matisse, Cezanne oder Robert Delaunay (vgl. Betz 1995, S.3). Van Gogh war dabei die entscheidende Mittlerfigur bei ihrer Rezeption der modernen französischen Malerei (Elger 2007, S.10). Wie schon erwähnt schlossen sich ja in dieser Zeit vor dem 1. Weltkrieg hier und da die expressionistischen Künstler zu Gruppen zusammen wie in Dresden „Die Brücke“, der Karl Schmidt-Rottluff angehörte, in München „Der Blaue Reiter“ oder in Paris die Fauves, die man als „Wilde“ beschimpfte (vgl. Betz 1995, S.5). Während jedoch „Der Blaue Reiter“ die orphistische Farbtheorie Delaunays aufgriffen, fanden die „Brücke“-Maler ihre weiteren Vorbilder in Munch und Ensor, die beide über die bloße Wirklichkeitsempfindung hinaus eine Psychologisierung des erlebten Eindruckes anstrebten (vgl. Elger 2007, S. 10).
Gerade die Begeisterung für die französische Malerei war eine der wenigen Eigenschaften, die die unterschiedlichen Vereinigungen und Einzelkünstler des deutschen Expressionismus miteinander verband.
Die Sternennacht
(Zypressen und Dorf), 1889
Arbeit zitieren:
Susann Schüßler, 2008, Der Expressionismus, die "Brücke" und Karl Schmidt-Rottluff , München, GRIN Verlag GmbH
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