Gliederung
1. Einleitung 2
2. Bedeutung der Grammatik im Sprachunterricht 2
3. Der bestimmte und unbestimmte Artikel im Akkusativ. 4
4. Artikelwörter im Akkusativ - das Konzept. 6
4.1 Lernziele. 7
4.2 Charakterisierung der Lehr- und Lernbedingungen 7
4.3 Alles Gute zum Geburtstag - eine Didaktisierung. 8
5. Didaktische Reflexion zum Konzept. 13
6. Literaturverzeichnis. 16
Anlage 1: Hörtext „Geschenke für Oma“ 17
Anlage 2: Lösungen und Zieltexte 18
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit enthält eine Aufgaben- und Übungseinheit, die das grammatische Problem von Artikelwörtern im Akkusativ behandeln und vermitteln soll. Nach einem kurzen geschichtlichen Abriss über die Rolle der Grammatik im Deutschunterricht wird das zu untersuchende grammatische Problem näher vorgestellt und auf die Schwierigkeiten eingegangen, die eine Vermittlung dieses Themas an DaF-Lerner erschweren. Im Hauptteil dieser Arbeit soll die Didaktisierung zunächst vorgestellt und anschließend genauer erklärt und darüber reflektiert werden. Zieltexte und Lösungen sowie ein Hörtext befinden sich im Anhang.
2. Bedeutung der Grammatik im Sprachunterricht
Sprachunterricht war lange Zeit gleichzusetzen mit Grammatikunterricht. Dem Lerner sollte das formale System einer Fremdsprache so vermittelt werden, dass er befähigt wurde, es zu reproduzieren. Auf die Fähigkeiten Sprechen und Hörverstehen in der Fremdsprache wurde kein oder nur sehr wenig Wert gelegt. Typische Übungsaufgaben waren das Ausfüllen von Lückentexten, das Umformen bestehender Sätze nach einer grammatischen Regel oder das Übersetzen aus der Muttersprache in die Fremdsprache und umgekehrt. Diese Unterrichtsmethode nannte man später die „Grammatik-Übersetzungs-Methode“ (Funk; Koenig, 34-41).
Angeregt durch neue Erkenntnisse in der Psychologie, der Pädagogik und der Linguistik sowie den technischen Fortschritt entwickelten sich in den 1960er Jahren Unterrichtsmethoden, in denen die Rolle der Grammatik in den Hintergrund rückte. Die Sprachwissenschaft konzentrierte sich zunehmend auf die gesprochene Sprache, während in der Psychologie die Theorie des Behaviorismus seit den 30er Jahren immer mehr an Bedeutung gewinnt (Funk; Koenig, 41-46). Nach Auffassung der Behavioristen geschieht Sprachlernen nicht durch Regeleinsicht, sondern durch klassische Konditionierung. Bei ausreichender Wiederholung, bei der richtig ausgesprochene Wörter oder Wortkombinationen belohnt, falsche aber ignoriert werden, werden die richtigen Wortfolgen mit der Belohnung verknüpft und deshalb positiv belegt. So prägt sich der Lerner die richtigen Wörter ein.
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Grammatik kann auf diese Weise implizit gelernt werden. Eine Regeleinsicht wäre nach Ansicht einiger Psychologen für diesen Vorgang sogar hinderlich (Funk; Koenig, 47). Da durch die technischen Innovationen der 50er und 60er Jahre nun viele neue Möglichkeiten gegeben waren, entstand die audiolinguale bzw. die audiovisuelle Methode, bei der auch Bilder und Videomaterial benutzt wurden. In Sprachlaboren konnten Wortfolgen immer wieder vorgespielt und von den Lernern wiederholt werden. Die häufigste Textsorte, mit der in den Lehrwerken gearbeitet wurde, war der Dialog (Funk; Koenig, 46). Mit der sogenannten kommunikativen Wende kamen Ende der 70er Jahre neue Methoden auf, die versuchten, die Schwächen der vorherigen zu kompensieren (Funk; Koenig, 48). Die Muttersprache des Lerners rückt wieder stärker in den Mittelpunkt und der Lerner soll im Unterricht mehr kommunizieren und zwar als er selbst, ohne dabei in eine fremde Rolle zu schlüpfen (Funk; Koenig, 53, 54). Die Gesamtheit der neuen Ideen bezeichnet man als den Kommunikativen Ansatz. Die Grammatik wird nicht mehr ausschließlich implizit vermittelt, bekommt jedoch einen anderen Stellenwert als in der Grammatik-Übersetzungs-Methode. Die Einführung neuer grammatischer Strukturen ist jetzt immer eng verknüpft mit ihrem Zweck für die Sprachhandlung. Der Lerner soll die Grammatik als „Werkzeug zur Sprachproduktion“ (Funk; Koenig, 52) wahrnehmen. Um eine bestimmte Sprechintention auszudrücken, werden dem Lerner verschiedene unterschiedlich schwierige
Grammatikstrukturen vermittelt. Zum leichteren Verständnis werden die grammatischen Regeln bei diesem Ansatz in den Lehrwerken durch visuelle Lernhilfen wie Fettdruck, Unterstreichungen oder Kursivschrift sowie Rahmen dargestellt (Funk; Koenig, 54). Heute versucht man, im modernen Fremdsprachenunterricht die neuesten Erkenntnisse zu berücksichtigen, ohne dabei jedoch vorhergehende Ansätze vollständig zu verwerfen. Viele moderne Lehrwerke sind nicht eindeutig einer Lehrmethode zuzuordnen, sondern bemühen sich, mehreren Ansätzen gerecht zu werden. Jede Lehrmethode hat sowohl Befürworter als auch Kritiker. Über die erforderliche Darstellung von Grammatikregeln herrscht keine Einigkeit, was sicher auch darin begründet ist, dass unterschiedliche Lerner mit verschiedenen Lehrmethoden bessere Erfolge erzielen. Während ein Lerner Grammatikregeln durch klassische Konditionierung am besten implizit lernt und sie anschließend anwenden kann, ohne sie deswegen definieren zu können, benötigt ein anderer Lerner die Möglichkeit zur kognitiven Reflektion über die grammatischen Strukturen und somit unbedingt Einsicht in die
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Regeln, die er lernen soll. Die Vielfalt der möglichen Lerner setzt also eine gewisse Flexibilität der Lehrmaterialien voraus, so dass sie jedem Lernertypen gerecht werden können. Zur Einführung von grammatischen Strukturen eignet sich besonders gut eine Vorgehensweise, die dem Lerner ermöglicht, die Regeln schrittweise selbst herzuleiten. Zunächst werden aus einem vorgegebenen Text die Strukturen, die es zu betrachten gilt, gesammelt, anschließend geordnet und schließlich zu einer Regel zusammengefasst. Die Lehrmaterialien leiten den Lerner hierbei kleinschrittig an. Auf diese Weise werden verschiedene Lernertypen angesprochen. Der Lerner, der die Grammatikstrukturen am besten implizit lernt, wird dies bei der Bearbeitung der Regelfindung ganz automatisch tun. Wer schriftlich klar fixierte Regeln benötigt, um kognitiv zu lernen, kann dies ebenfalls tun, da die Regeln am Ende der Regelfindung von jedem Lerner selbst notiert werden.
3. Der bestimmte und unbestimmte Artikel im Akkusativ
Im Deutschen sind „Substantive […] nach dem Kasus oder Fall bestimmt.“ (Dudenredaktion, 194) Sie „stehen also je nachdem im Nominativ, im Akkusativ, im Dativ oder im Genitiv.“ Es erhält jedoch nicht nur das Substantiv ein entsprechendes Kasusmerkmal, sondern die „ganze damit gebildete Nominalphrase“. Das bedeutet, dass auch Artikelwörter, um die es in dieser Arbeit im Besonderen geht, kasusbestimmt sind.
In der folgenden Übersicht von Habermann, Diewald und Thurmair (S. 26) werden die bestimmten und unbestimmten Artikel in allen Formen dargestellt:
Die Artikel im Akkusativ, die Thema der in dieser Arbeit vorgestellten Didaktisierung sind, unterscheiden sich von den nominativ gebrauchten Artikeln, die als Vorwissen des Lerners vorausgesetzt werden, nur in der maskulinen Form Singular. Als die 6 häufigsten Anwendungsbereiche für Nominalphrasen im Akkusativ nennt die Dudenredaktion (S. 195):
Der Fremdsprachenlerner kommt recht schnell mit Nominalphrasen im Akkusativ in
Berührung, da die Möglichkeiten, Sätze zu bilden, in denen Nominalphrasen ausschließlich im Nominativ stehen, begrenzt sind. Hierfür kommen lediglich monovalente Verben und Kopulaverben in Frage. Wenn man den Lerner nicht auf diese Verben beschränken möchte, wird sein Wortschatz natürlicher Weise bald um die ersten bivalenten Verben erweitert, die ein Akkusativobjekt fordern, z.B. haben oder nehmen.
In der neuen Ausgabe von Pluspunkt Deutsch (Jin; Schote, 29) wird das Thema Akkusativ beispielsweise bereits im 3. von 14 Kapiteln, die zur Niveaustufe A1 (nach Europäischem Referenzrahmen) führen sollen, behandelt. Zu diesem frühen Zeitpunkt der Fremdsprachenausbildung muss genau abgewägt werden, mit wie vielen Informationen der Lerner konfrontiert werden kann, ohne dabei überfordert zu werden. So ist z.B. die Frage zu klären, ob der Akkusativ gesondert oder in Kombination mit dem Dativ und dem Genitiv eingeführt werden soll. Nicht nur Artikelwörter sondern auch Adjektive und sogar das Nomen selbst können ein Kasusmerkmal tragen. Soll die kleine Gruppe der schwachen Nomen (Dudenredaktion, 197), die im Akkusativ flektiert werden, an dieser Stelle bereits eingeführt
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Arbeit zitieren:
Anja Busch, 2009, Theoretische Grundlagen und exemplarische Demonstration eines Konzepts zur Vermittlung und Vertiefung der Flexion von Artikeln im Akkusativ im Fremdsprachenunterricht Deutsch, München, GRIN Verlag GmbH
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