Max Goldt gehört zu der Autorengeneration, die nach dem 2. Weltkrieg und nach dem Wirtschaftswunder aufgewachsen sind. Von einem Berliner Lokalautor in den 1980er Jahren, mit Texten in der Szenezeitschrift Ich und mein Staubsauger und im Kleinstverlag a-verbal herausgegebenen Büchern, wird er vom Literaturbetrieb seit 1990 zum Kultautor, Helden der Subkultur oder Szeneschriftsteller emporkritisiert und findet Eingang in den Feuilletons und Kulturteilen von FAZ, Die Zeit oder Süddeutsche Zeitung.
In dieser Arbeit werden der Kolumnist Max Goldt, seine Kolumnen und die Rezeption vorgestellt. Hauptgegenstand meiner Untersuchung sind seine Titanic-Kolumnen aus den Jahren 1989 bis 1998.
Im zweiten Kapitel werde ich die Person Max Goldt kurz vorstellen.
Kapitel 3.1. gibt einen Überblick über die Merkmale und Stilelemente seiner Texte, in 3.2. behandele ich die Stellung des Autors und den Gestus des Kolumnisten-Ich. Der Abschnitt 3.3. befaßt sich mit den Absichten Goldts und den Funktionen der Kolumnen.
In Kapitel 4 werden chronologisch Auszüge aus ausgesuchten Rezensionen und Kritiken u.a. aus Der Spiegel, taz und Die Zeit angeführt, mit einem besonderen Augenmerk auf die Artikel und Aufsätze, die dem Autor einerseits Risikoscheue, andererseits zu harte Urteile vorwerfen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einstieg
2. Wer ist Max Goldt?
3. Der Kolumnist und seine Kolumnen
3.1. Merkmale und Stilelemente
3.2. Stellung des Autors und Gestus des Kolumnisten-Ich
3.3. Funktionen und Absichten
4. Rezeption und Kritik
5. Schluß
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das literarische Schaffen von Max Goldt, insbesondere seine zwischen 1989 und 1998 in der Titanic veröffentlichten Kolumnen. Ziel ist es, die spezifischen Merkmale seines Stils, die Rolle des Autors als „Onkel Max“ sowie die kritische Aufnahme seines Werks im Literaturbetrieb zu analysieren und sein Wirken im Spannungsfeld zwischen Unterhaltung und gesellschaftlicher Kritik einzuordnen.
- Stilistische Analyse der Goldtschen Kolumnen
- Konstruktion und Gestus des fiktiven „Kolumnisten-Ichs“
- Funktionen und Schreibabsichten des Autors
- Rezeption und Kritik im deutschen Feuilleton
Auszug aus dem Buch
3.1. Merkmale und Stilelemente
Seine Vorgehensweise läßt sich in etwa so zusammenfassen: der Dichter Goldt beschreibt und kommentiert die Banalitäten des Alltags oder analysiert tiefgründig das vordergründig Unwichtige. Er greift ein Thema heraus, rückt es erst – im Schein eines genau beobachtenden Reporters – in ein objektives Licht, verquickt es mit anderen Alltags-erscheinungen, um dann das Resultat plötzlich aus seiner subjektiven Sicht heraus ins Absurde zu brechen.
Wer kennt sie nicht: Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter, die Marx Brothers unter den Jahreszeiten? Erst Hyazinthen, dann Wespen, dann Haselnüsse, dann Wasserrohrbrüche.
Ein Grund für den Erfolg ist sicherlich, daß seine Kolumnen dem Leser kein Vorwissen abverlangen und dieser keinen hochtrabenden philosophischen Exkursen folgen muß. Goldts Stil und Inhalt sind nah am Puls der Zeit.
Die Kolumnen zeichnen sich auf der einen Seite durch Prägnanz und Kürze aus: „Heute nehmen nicht mehr so viele Leute Musik aus dem Radio auf. Es ist rezessives Brauchtum.“ Auf der anderen Seite durch ausladende und konstruiert wirkende Formulierungen: „Ich bevorzuge es, mich von den Söhnen und Töchtern Indiens und Chinas verköstigen zu lassen.“
Der Autor beherrscht die Kunst der Abschweifung, oder wie er zugibt, die Kunst der Themaverfehlung bzw. Themavermeidung. Aus einer Idee, einer Beobachtung spinnt er abenteuerliche, chaotische Konglomerate aus allerlei Themengebieten, die sich auch vollkommen widersprechen können oder nichts miteinander zu tun haben müssen. Chaos ist eine Methode Goldtscher Texte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einstieg: Vorstellung des Untersuchungsgegenstands Max Goldt, der Rezeption seiner Texte sowie der Zielsetzung und methodischen Einschränkungen der Arbeit.
2. Wer ist Max Goldt?: Kurzbiografischer Abriss von Goldts Werdegang vom Berliner Lokalautor zum Kultautor und seinem Einstieg in den Haffmans Verlag.
3. Der Kolumnist und seine Kolumnen: Untersuchung von Goldts Arbeitsweise, Themenspektrum und seiner spezifischen Sprache.
3.1. Merkmale und Stilelemente: Analyse der rhetorischen Mittel, des "Goldtschen Chaos" und der stilsicheren Verwendung von Sprache sowie Neologismen.
3.2. Stellung des Autors und Gestus des Kolumnisten-Ich: Erörterung der Rolle des "Onkel Max" und der ironischen Selbstreflexion des Autors.
3.3. Funktionen und Absichten: Analyse von Goldts Absicht, Unterhaltung mit subtiler Gesellschaftskritik zu verbinden.
4. Rezeption und Kritik: Chronologische Darstellung der literaturkritischen Aufnahme durch verschiedene Medien und Auseinandersetzung mit der Kritik an seinem Stil.
5. Schluß: Zusammenfassende Einordnung von Goldt als Journalisten, der Literatur als Kunst begreift und die Grenzen des Feuilletons aufbricht.
Schlüsselwörter
Max Goldt, Kolumnen, Titanic, Feuilleton, Onkel Max, Literaturkritik, Popkultur, Schreibstil, Selbstreflexion, Satire, Alltag, Neologismen, Sprachwitz, Kultautor, Medienkritik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert die Kolumnentexte des Autors Max Goldt aus den Jahren 1989 bis 1998, wobei ein besonderer Fokus auf seinen Stilmitteln und seiner Rolle im literarischen Diskurs liegt.
Welche zentralen Themenfelder behandelt Max Goldt in seinen Texten?
Goldt greift vorwiegend Themen des Alltags, der Popkultur, Medienphänomene und gesellschaftliche Befindlichkeiten auf, die er aus einer subjektiven, oft ironisch gebrochenen Perspektive betrachtet.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die spezifische literarische Qualität seiner Kolumnen sowie den Gestus des sogenannten "Kolumnisten-Ichs" zu durchleuchten und die Ambivalenz seiner Rezeption zwischen Unterhaltung und Kritik zu klären.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine textimmanente Analyse der Kolumnen sowie eine wertende Zusammenschau zeitgenössischer Rezensionen und Kritiken aus diversen Medien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der formalen Stilelemente, der Rolle des Autors als "Onkel Max" und einer kritischen Auseinandersetzung mit seinen Absichten und der Außenwahrnehmung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Kern der Arbeit beschreiben?
Zu den zentralen Begriffen zählen Max Goldt, Kolumnistik, Ironie, Stilistik, Feuilleton und die Popkultur der 90er Jahre.
Wie definiert Max Goldt selbst sein Genre?
Goldt lehnt den Begriff des Satirikers ab und bezeichnet seine Texte lieber als humoristische Prosadichtungen oder Aufsätze, die kein eigenes Genre bilden.
Wie reagiert Goldt auf die Kritik an seiner Person und seinen Texten?
Die Arbeit zeigt, dass Goldt mit seiner Unwichtigkeit kokettiert, die Kritik an seiner vermeintlichen Risikoscheue oder Härte teils ironisch aufgreift und sich bewusst über die Erwartungen der Literaturkritik hinwegsetzt.
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- Wolfram Baier (Author), 2000, Max Goldt. Der Kolumnist und seine Titanic-Kolumnen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1486